Fragen zum Neuaufbau einer Dachdämmung

19.07.2010



Hallo liebe Gemeinde,
ich habe mich hier im Forum angemeldet weil nun bei mir eine Renovierung des Daches und der Dachbodendecke ansteht. Ich stöbere schon länger hier und finde immer wieder wertvolle Infos. Vielen Dank dafür. Wir haben vor ca. zwei Jahren eine Zechenhaus-DHH gekauft. Da gibt es natürlich immer was zu tun. Im Winter mussten wir feststellen, dass die oberen Räume (Schlaf- und Kinderzimmer) doch recht zugig sind und die Wärme nicht wirklich in den Räumen bleibt. Nun muss man sagen, der Dachboden ist nicht ausgebaut und die Decke zwischen Dachboden und erstem Stock bis auf die Holzpaneele(Verkleidung) noch original. Ich habe auf dem Dachboden ein kleines Loch in die Holzdielen geschnitten, um zu schauen welche Dämmung verbaut ist. Ergebnis: keine. Der Vorbesitzer hat aber die Dachschrägen in den oberen Räumen bis zur Decke gedämmt. Im Winter habe ich mir die überstehende Dämmung(Glasfaserwolle mit Silberfolie) auf dem Dachboden mal genauer angeschaut und fand Wassertropfen auf der Silberfolie. Mein Verdacht war, dass das nicht so sein sollte. Ich kaufte mir ein Feuchtigkeitsmeßgerät und maß jeden einzelnen Sparren an mehreren Punkten. Ergebnis: Unten wo die Dämmung aufhört haben viele Sparren eine Feuchtigkeit von 50%(Skala zu ende). Daraufhin fing ich an in Foren wie diesen zu lesen. Nach und nach dämmerte mir, dass der Aufbau der Dämmung völlig falsch sein musste. Der Aufbau ist im Moment so (von außen nach innen):

Dachpfannen
Latten an denen die Pfannen hängen
Längslatten an den Sparren
Unterspannbahn (teilweise dicke Folie, teilweise eine Art Vlies)
Glaswolle
Folie (wobei die Folie von außen um die Sparren herum gelegt wurde)
wieder eine Schicht Glaswolle (teilweise mit Silberfolie)
Gipskartonplatten

Wobei die GK-Platten nicht luftdicht ausgeführt sind. Nun habe ich aus meinen Forenbesuchen gelernt, dass im Winter die warme, feuchte Luft nach außen drückt. Dort trifft sie auf die Sparren und wird dahinter von der Folie aufgehalten. Die Dämmung nimmt auch keine Feuchtigkeit auf. Das kann doch nicht gut gehen!

Nach stundenlangem lesen in Foren und Prospekten von Dämmstoffanbietern bin ich zu folgendem neuen Aufbau gekommen:
Bis zur Unterspannbahn bleibt alles so.
Dann 2cm Luft.
12cm Thermohanf (Sparren sind 14cm dick)
GK-Platten (möglichst) Luftdicht miteinander und zu den Wänden verbunden (verputzt)
Installationsebene 3cm, gefüllt mit Thermohanf
Holzpaneele oder sonst Was als Endverkleidung
Ich habe aber noch Probleme mit der Luftschicht. Die Unterspannbahn ist nicht wirklich auf Spannung verlegt. Das könnte den Luftaustausch behindern. Die Idee ist, zwischen den Sparren in der Mitte längs eine Leiste an die Latten an denen die Dachpfannen hängen zu schrauben. Das würde die Unterspannbahn nach oben spannen und darunter den sicheren Luftdurchlass schaffen. Wäre das ok? Ein Punkt ist auch der Lufteintritt unten und oben unter die Unterspannbahn. Ich vermute, die Unterspannbahn wurde unten dicht abgeschlossen, sodass keine Luft darunter kommt. Es sind aber unten einige Dachpfannen mit einem Lüftungsgitter angebracht. Wie kriege ich nun die Luft durch die Unterspannbahn. Ich denke einfach aufschneiden ist nicht gut weil das Wasser, was eigentlich daran abfließen soll auf die Dämmung fließen würde. Man kann von außen leider nicht erkennen wie das ganze ausgeführt ist. Wie könnte ich einen solchen Luftdurchlass machen? Und wie würde ich es oben machen?

Bleibt dann noch die Raumdecke zum Dachboden hin. Die würde ich so aufbauen (von unten nach oben):
Endverkleidung
Installationsebene 3cm gefüllt mit Thermohanf
GK-Platten (möglichst) Luftdicht verlegt
Thermohanf zwischen den Dachbalken
OSB-Platten

Mittelfristig soll der Dachboden ausgebaut werden. Ich würde dann gerne eine Fußbodenheizung als Trockenestrich-System verlegen. Geht das auf einem Holzboden? Wenn ja, müsste ich den Deckenaufbau ändern?

Bitte um Tipps und ggf. Verbesserungsvorschläge. Noch als Info, Glaswolle möchte ich nicht wieder verwenden.

Gruß
Michael



Dachdämmung



Hallo Michael,
das die von Ihrem Vorgänger verlegte Dämmung nicht dampfdicht verlegt wurde, ist der Hauptgrund für Kondensatbildung und mangelnde Dämmwirkung.
Die Gefahr haben Sie bei einer Neuverlegung ebenfalls, wenn Sie in Eigenleistung arbeiten wollen.
Holen Sie sich lieber eine Fachfirma, die Ihnen die Dämmung systemkonform und nach den Regeln der Technik ausführt. Eine 100-%ige Sicherheit das keine Fehler auftreten haben Sie zwar nicht, aber eine viel höhere Sicherheit als bei einer Eigenlösung auf jeden Fall. Außerdem haben Sie einen Gewährleistungsanspruch.
Als Übergangslösung schlage ich Ihnen vor, die Gipskartonverkleidung winddicht nachzuarbeiten und die Deckenpaneele gegen GK auszutauschen.
Dann können Sie durch Ihr Nutzungsverhalten eine Menge Kondensat vermeiden (richtiges Lüften und Heizen).

Viele Grüße
p.s. Mit systemkonform meine ich die Verwendung eines Dämmsystems eines Markenherstellers, deren einzelne Produkte aufeinander abgestimmt sind und nicht aus Billigangeboten verschiedener Baumärkte zusammengesucht wurden.





Hallo,

auch ich rate Ihnen in diesem Fall zu einer "minimalinvasiven" Lösung:einfach eine 2.Lage Gipskarton-platten mit Versatz aufschrauben und ordentlich verspachteln.
Als Dampfsperre können Sie noch Erfurter-Raufaser mit Alu-Einlage verkleben, was nicht top ist aber weit besser als nichts.
In Ihrer Beschreibung hat mich etwas verwirrt, dass die Folie von außen eingebracht ist, die Dämmung sich aber innen befinden soll ??? Normalerweise ist die (meist blaue) Folie nämlich die Dampfsperre, die innen liegen sollte.

Die Sache mit der Fußbodenheizung geht so in Ordnung.

Grüße





Hallo Herr Böttcher,

ich nehme an mit "einzelnen Produkten" meinen Sie den Dämmstoff, die Folie und das Klebeband. Den Aufbau der Dämmung habe ich wetestgehend aus einem Konstruktionsvorschlag des Herstellers von Thermohanf übernommen. Ich habe allerdings die Dampfbremsfolie durch GK-Platten ersetzt. Der Aufbau ist im Original so:

Dacheindeckung
Traglattung
Distanzlatte an Traglattung verschraubt
Diffusionsoffene Unterspannbahn Sd <= 0,5m (Liegt nicht direkt auf der Dämmung auf, nur da wo die Distanzlatte ist)
Anpresslatte
Thermohanf
Dampfbremsbahn Sd <= 5,0m
Installationsebene mit Thermohanf
GK-Platte

Ich möchte nicht das Dach abdecken, um eine neue Unterspannbahn zu verlegen. Und ich möchte auch nicht die vorhande Unterspannbahn von unten abschneiden, um wieder eine neue zwischen den Sparren zu verschrauben. Da ich den Sd Wert der Unterspannbahn nicht kenne, gehe ich davon aus, dass sie Dampfdicht ist. Also muss ich irgendwie die Luft darunter kriegen. Da kommen wir wieder zu den Fragen bzgl. der Luftschicht.
Die Arbeiten selbst werde ich von Handwerkern ausführen lassen.
Ich habe also in meinem Aufbau die Dampfbremsbahn durch GK-Platten ersetzt und stattdessen auf die GK-Platten außen verzichtet und sie durch austauschbare Verkleidungspaneele ersetzt. Ich habe in verschieden Beiträgen gelesen, dass dies durchaus eine vergleichbare Lösung ist. Es dichtet halt nicht die Folie sondern die GK-Platten. Ich finde diese Lösung sicherer. Eine Folie kann man einreißen oder durchstechen. Die Folie wird mit einem Klebeband zusammen geklebt. Dieses kann möglicherweise mit der Zeit an Kraft verlieren und sich ablösen. Auch wenn die Hersteller des Super-Hyper-Klebebands das natürlich ganz anders sehen. Und wenn man mal an der Elektroinstallation was ändern oder nachschauen möchte, muss man nicht die gespachtelten GK-Platten trennen, um sie dann wieder zu verspachteln. Oder gleich neue einzusetzten, weil die alten nicht mehr zu gebrauchen sind. Durch Änderungen an der Elektroinstallation läuft man nicht so schnell Gefahr die dampfbremsende Schicht zu verletzen, weil man auf einer stabilen GK-Platte arbeitet und nicht auf einer Folie.
Das sind die Beweggründe, warum ich mir den Dachaufbau so vorstelle. Bin dankbar für Berichtigungen und weitere Vorschläge.

Gruß
Michael





Hallo Herr Beckmann,

ja dieser Aufbau hat mich auch verwirrt. Deshalb funktioniert es wahrscheinlich auch nicht, die Dampfbremsfolie sollte innen an den Sparren vorbeigehen und nicht außen.
Eine "minimalinvasive" Lösung würde ich nicht gerne machen. Ich denke es ist keine Dauerlösung einen Pfusch mit einem anderen zu reparieren. Ich nehme mir die Zeit Infos einzuholen. Hier im Internet und auch bei Handwerkerbesuchen vor Ort. Und habe (hoffentlich) irgendwann einen guten Plan, wie man die Sache ordentlich angehen kann.

Gruß
Michael





Lassen Sie das ganze Sperrgedönse bei Verwendung von Hanfdämmung einfach weg.


Grüße aus Schönebeck