Sparrendach mit Zangen aus Brettern anstatt Kehlbalken?

02.11.2008



Liebe Community-Mitglieder!
Nach beträchtlichen Baumängeln (Sparren zu weit auseinander, zu dünne Latten, Dachsparren als Firstpfette eingesetzt) will der Zimmermann, der die Mängel behebt, die Dachsparren mit Zangen verbinden, nachdem er das Dach abgedeckt hat und es mit Gurten wieder zusammen gebracht hat. Unter Zangen versteht er Bretter. Ist das Fachgerecht? Man sollte eigentlich dafür Kehlbalken und nicht Bretter verwenden.Wie dick sollen die Kehlbalken sein? Ausserdem hat er auf einer tragenden Mauer einen sehr dünnen Pfosten zum stützen der dünnen Firstpfette eingesetzt.Dieser Pfosten ist so dünn wie ein Dachsparren. Wird das gut gehen, mit den Bretterzangen? Da ich Laie bin und ausserdem nur Deutsch als Fremdsprache behrrsche (ich bin Deutschlehrerin), werde ich immer misstrauischer. Das Unternehmen, das ich beauftragt habe, benutzt ausserdem nur sehr ungenaue fachliche Begriffe ("Balken" mit Angabe des Durchmessers in Zentimetern stand für "Dachsparren" in der Arbeitsbeschreibung). Sollte ich dem Zimmermann raten, das zuerst mit einer Software auszurechnen? Er scheint guten Willens zu sein, aber das allein reicht leider nicht aus!!
Ein paar Tipps wären mir willkommen!
Ich bedanke mich herzlich für die Begrüssungen auf dem Forum und grüsse herzlich zurück.
Sylvie "November"



Sparrendach



Hallo Sylvie,
eine Zangenlage zur Versteifung der Gespärre aus Brettern ist eine übliche Bauweise.
Die Bretter werden paarweise an einen Sparren gelascht, zwischen die Bretter werden passende Klötze als Abstandhalter und zur Aussteifung gesetzt.
Bei einem Sparrendach braucht es keine Firstpfette, der waagerechte Sparren im First dient als Montagehilfe und Längsaussteifung.
Ob die gewählten Profile ausreichen, kann Ihnen ohne genaue Angaben der Geometrie und der neu einzubauenden Profile niemand sagen.
Wenn Sie unsicher sind, verlangen Sie vom Zimmerer einen statischen Nachweis. Das kann einige Euros mehr kosten, läßt Sie dann aber ruhiger schlafen.

Übrigens:
Der neuralgische Punkt bei Sparrendächern ist nicht der First, sondern der Fußpunkt.
Das ist die Stelle, wo die Sparren auf der Mauer bzw. dem Deckenbalken aufliegen.

Viele Grüße



Sparrendach mit Zangen



Sehr geehrter Herr Böttcher,
vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort,die mich ein bisschen beruhigt hat.
Viele Grüsse,
Sylvie aus dem Elsass



zur Konstruktion



Hallo Sylvie!

Was heißt mit Gurten zusammengezogen? Wie & was?
Ist es den überhaupt eine Sparrendachkonstruktion?
Kann für's statische System entscheidend sein.

mfG Ronny



Sparrendach mit Zangen



Hallo Herr Herbst!
Da beide Dachseiten anfingen, auseinander zu gehen, hat der Zimmermann zuerst die Ziegel abgedeckt und einen Gurt an den waagerechten Balken auf beiden Seiten (des Kniestocks?)befestigt, um diese Balken (Pfetten, die auf niedrigen Holzpfosten ruhen) wieder nach innen zu ziehen, da sie anfingen, sich nach Aussen zu drehen und allmählich die Sparren, die auf den Balken angenagelt waren mit und auseinander zogen. Nun hat mein Zimmermann diese Pfetten waagerecht verstärkt, indem er sie mit einem Dachsparren zusammen geschraubt hat (mit Bolzen). Er will jetzt Bretter als Zangen einsetzen um die Dachsparren zusammen zu halten und um zu verhindern, dass das Dach wieder einen Spagat macht und er hat den dünnen, sieben Meter langen Firstbalken (der so dünn wie ein Dachsparren ist und auf dem die Dachsparren ruhen) mit einen einzigen, etwa vier Meter hohen dünnen (so dünn wie ein Dachsparren)Pfosten von unten gestemmt, um zu verhindern, dass das Dach wieder ein-knickt. Er hat keinen Dachstuhl eingebaut, was mir Sorgen macht. Als die Firma die alten Balke abgeschlagen hat, war ein Dachstuhl vorhanden.
Ich weiss also nicht, ob es sich um ein Pfettendach oder um ein Sparrendach handelt. Ist diese vorgehensweise eigentlich fachgerecht? Ich glaube, es fehlt der Dachstuhl!
Ich hoffe, dass meine Erklärungen jetzt etwas verständlicher waren. Diese ganzen Termini habe ich mir an diesem Wochenende beim Surfen im Internet angeeignet. Bisher habe ich nur wenige Fachausdrücke von den Handwerkern, die bei mir arbeiten gehört.
Herzlichen Dank für Ihre Meinung und danke an die "Fachwerk-Community", dass es sie gibt!
Grüsse aus dem Elsass.
Sylvie



Sparrendach



Dieses "Auseinandergehen" der Sparren an den Fußpunkten eines Sparrendaches läßt auf Schäden im Traufbereich schließen.
Der Zimmerer wird bzw. hat also das Tragwerk erst einmal provisorisch gesichert und sollte als nächsten Schritt den Traufbereich sanieren.
Das ist allerdings nur eine Vermutung meinerseits.

Warum fragen Sie nicht einfach Ihren Zimmerer bzw. lassen sich die Art und den Umfang der Arbeiten erklären?
Der sollte es am besten wissen.

Viele Grüße



Dachgefüge



Hallo Silvie,
Wenn Ihr Dach einen Kniestock hat, ist es sehr wahrscheinlich ein Pfettendach: Jeder Sparren ist ein Träger auf 2(3) Stützen.
Das typische Merkmal eines Sparrendaches ist die "Binderfunktion": Jedes Sparrenpaar bildet zusammen mit dem Deckenbalken einen Binder. Wenn Kehlbalken oder Kehlzangen eingebaut werden , nennt man es Kehlriegelkonstruktion.
Der Deckenbalken ist dann die Zugzone. Auch sind hier Aufschieblinge notwendig.

Die 4m lange Stütze macht auch mir ein wenig Sorgen.
Hat denn niemand das Gefüge berechnet?

Bei 4m Länge muss gegen Ausknicken die "Schlankheit" berechnet werden.

Auch die Firstpfette sollte berechnet werden , sie hat ja die Funktion eines Unterzugs.

Ja, die Sprache der Zimmerleute ist interessant.
Meine Lieblingsbegriffe sind: "Hängesäule" "Luftzapfen"
"Knaggenveriegelung" und "Schwertung"
viele Grüße





Hallo Sylvie!

Es ist sehr schwierig ohne eine Sichtung des Objektes ein Urteil abzugeben.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, hatte die alte Konstruktion mind.1, ich "vermute" wenn dann 2 Stuhlrahmen.
Es gibt einen Trempel mit Rähm sowie eine originale Firstpfette.
Klingt nicht so easy!

Frage: 1. Sind in der alten Firstpfette an der Unterseite alte Zapfenlöcher?
Wenn ja. Wieviele und in welchem Raster?
2. Wieviele Stuhlrahmen waren es?
3. Wenn, waren die Stuhlrahmen liegend oder stehend?
4. Haben die unter dem Trempel befindlichen Dach-/ Deckenbalken vor dem Trempel so genannte Versätze (evtl. von einer Versprengung)?
5. Gibt es an den Sparren direkt über dem Trempel so genannte Plattsassen von evtl. vorhanden gewesenen Spannriegeln?

Bilder wären hilfreich.

mfG Ronny



Sparrendach mit Zangen



Liebe Community-Mitglieder!
Vielen Dank für die zahlreichen Beiträge. Ich muss das Ganze morgen mit dem Zimmermann besprechen. Die alten Balken wurden zuerst alle "abgeschlagen" und es ist nur ein Rahmen aus Pfosten und waagerechten Balken geblieben, der auf einer Betonplattform, einem Esstrichaufgebaut ist. Dieser Rahmen trägt die Dachsparren. Der Dachstuhl mit den guten Balken ist von einem ersten Zimmermann abgetragen worden aber ich habe noch Fotos von dem ursprünglichen Zustand. Es bleibt also fast nichts vom ursprünglichen Zustand übrig.Dank Ihrer Beiträge wird mir bewusst, dass das Anbringen von Bretterzangen ohne Dachstuhl nichts bringt und dass der dünne Pfeiler sich wahrscheinlich unter der Last der Dachziegel verbiegen wird. Ich muss etwas unternehmen, bevor es zu spät wird und die Baustelle stoppen...
Zum Glück sind noch ein paar Tage Schulferien!
Herzliche Grüsse an alle! Ich bringe morgen, bei tageslicht, einen Link zu einer Fotogallerie ein.

Bis bald und nochmals vielen Dank!