Hausbock- Balken tauschen oder bekämpfen?




Hallo liebe Fachleute,
wir haben gerade ein Siedlungshaus BJ 1950 gekauft und letzte Woche das Dachgeschoss komplett entkernt, um den Hausbock(hoffentlich richtig lt.Forum identifiziert: gräbt knapp unter der Holzoberfläche ca. 7mm dicke Gänge, Ausfluglöcher zu sehen, ansonsten sieht die Oberfläche noch ganz gut aus, kaum beginnt man aber mit dem Abbeilen, zerfallen die Sparren z.T zu 50 %). Auch eine Phette ist zu etwa 30 % zu Staub zerfallen, wir haben gestern abend etwa 3 Stunden abgebeilt, dann waren wir erstmal fertig mit den Nerven.
Meine Frage: Gibt es Erfahrungswerte oder "Faustregeln", ab welcher Befallstärke Balken getauscht werden müssen? Welche Möglichkeiten gibt es, die geschwächten Balken zu unterstützen? Was empfehlt Ihr? Wir fragen uns, ob es sinnvoll ist, weiter abzubeilen und mit Holzschutzmittel bekämpfen zu lassen, oder ob die Arbeit vergebens ist,da sowieso getauscht werden muss, oder ob wir das Wärmeverfahren anwenden lassen sollten, da wir uns dann das Abbeilen sparen könnten? Andererseits: Was kostet das?
Fragen über Fragen... und über Hinweise zu Sachverständigen und Fachleuten in der Region Hannover/Celle/Braunschweig wären wir auch dankbar.

Viele Grüße
Tanja



Statiker!



Wenn ein Balken nur noch zu 70 oder gar 50% vorhanden ist, kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass er nicht mehr tragfähig ist, sondern, dass er verstärkt oder ausgetauscht werden muss. Ihr werdet euch einen Statiker an die Baustelle holen müssen, der die weiteren Arbeiten begleitet und die Gesamtsituation beurteilen kann.
Weitere Fachleute wie z.B. Zimmerleute gibt es hier im Marktplatz. Weitere Adressen im alternativen Branchenbuch www.eco-world.de



Nah der Quelle...



Eine Faustregel wäre, wenn man sagt bis etwa 15% Querschnittsverlust geht gerade noch. Andersrum ist diese Aussage aber auch gefährlich, weil keiner so genau sagen kann ohne es örtlich gesehen zu haben, wie stark das betroffene Holz nun belastet ist. Manche Hölzer haben trotz großer Querschnitte fast kaum Belastung, andere sind eher mickrig, sind aber ohne Schädigung schon grenzwertig.
Also Fazit wie Fred Heim: Statiker und/oder Sachverständigen ranholen. Für Hannover gibts eine echte Empfehlung: H. J. Rüpke. Adresse und weiteres von ihm findest Du unter www.holzfragen.de.
Grüße aus Leipzig von



Danke für die schnellen Antworten...



... dann werden wir wohl um einen Teilaustausch nicht umhinkommen, aber vorher noch Expertenmeinungen vor Ort einholen. Eigentlich wars ja logisch, dass das ohne Ortsbesichtigung kaum zu beurteilen ist. Danke auch für die Linktipps und ein fleissiges Wochenende allerseits!

Grüße Tanja



Es nagt an den Nerven


Meine Wenigkeit im Büro  1   (der junge Kerl)

Liebe Tanja

Eine schwierige Situation:
1. Den statischen Restquerschnitt mußt du entweder von einem Fachmann überprüfen lassen, oder gleich austauschen.

2. Ob das Abbeilen so einen rechten Sinn macht wage ich zu bezweifeln. Denn in der Vorgehensweise weiß man nie genau wo man beilen soll und mit was man nun eigentlich sicher behandeln kann. Hier ein paar Gründe:

□ Bei den Untersuchungen auf Befall können gerade die Bereiche mit hoher Befallswahrscheinlichkeit (Schichte in der Taupunktzone, Traufe etc.) nicht eingehend untersucht werden.
□ Der aktive Befall des Hausbocks macht sich gewöhnlich nicht durch Mehlauswurf bemerkbar und kann nur durch zeitweise auftretende Geräusche, frische Ausflugslöcher oder Larvenfunde sicher belegt werden.
□ Das Fehlen von Fraßgeräuschen kann z.B. auch auf die noch geringe Größe der Larve oder auf ein bestehendes Stadium der Verpuppung zurückgeführt werde.
□ Das Fehlen frischer Ausflugslöcher kann seine Ursache in der verdeckten Lage oder einem noch nicht abgeschlossenen metamorphosichen Zyklus haben.
□ Larvenfunde können oft nur durch Aufspaltung der betroffenen Hölzer sichtbar gemacht werden.
□ Das Einlassen mit borathaltigen Mittel braucht eine sehr lange Zeit um Wirkung zu zeigen, da dies ein Fraßgift ist und die Larven (soweit sie bis dahin nicht bereits geschlüpft sind und ihre Eier woanders hingelegt haben)durch die geringe Penetrationstiefe nur schwer zu erreichen sind.
□ Das Einlassen mit der Wirkstoffgruppe der Pyrthroide halte ich insofern für heikel, als es sich hier um ein Neurotoxin (Nervengift) handelt. Nun ja, und dann bleibt nicht mehr viel (die Häutungshemmer kannst du gleich ganz vergessen).

3.Die bekannten Kosten für eine Heißluftbehandlung beziehen sich meist auf die Behandlung eines Dachstuhl mittlerer Größe und schwanken zwischen 2.500 und 4.000 Euro

Nur nicht verzeifeln , Ruhe bewahren
Gruß

Lutz



Was ist mit den Häutungshemmern?



Hallo Lutz, danke für deine ausführliche Antwort, was spricht aus Deiner Sicht gegen die Häutungshemmer? Keine Wirkung?



Häutungshemmer


Hausbock (Hylotrupes bajulus)  hier die Larve

Liebe Tanja

Keine Wirkung wäre ungerecht.
Aber die Wirkung ist durch die notwendige Mindestaufnahmemenge so verzögert, dass es gar nicht oder nur unvollkommen wirkt.
Was nützt es dir denn auch, wenn du nur einen kleinen Teil der Population erwischst?

Gruß

Lutz



Alles eine Sache der Erfahrung



Hallo in die Runde,
wie ist denn die Balkenfestigkeit, wenn ein 90-er Nagel eingetrieben wird und kann er Versuch vergleichsweise an den gefährdeten Stellen durchgeführt werden?
Die Festigkeit bei diesem Versuch läßt zum einen Rückschlüsse auf den Tiefgang der Wurmarbeit und auch auf die Festigkeit des verbleibenden Balkend zu.
Manchmal sind die Plagegeister ja schon in Rente und haben nur Ihr Haus hinterlassen.
Mit Basilith habe ich gute Erfahrungen gemacht.
Balken streichen- warten. Wenn einige Löcher noch staubaktiv sind, dann punktuell mit Hylotox nacharbeiten.
Beil nur, wenn die "alten" Hausbauer Balken mit Borkeresten eingesetzt haben.
Wenn es keine Feuchteschäden durch unsachgemäßen Ausbau mit dem Ergebnis Taupunktbewässerung oder ähnliches vorliegt, dann sind einige Wurmlöcher nur als Patina zu betrachten.
Nur nicht in Panik geraten, wenn sich der Balken beim Anschlagen mit einem Hammer in Staub auflöst braucht es wohl keinen weiteren Spezialisten, aber sonst kann man Spezialisten beschäftigen, die einen ganz schnell zu einem neuen Dachstuhl verhelfen.
Als ich zum ersten mal damit konfrontiert wurde lief ich gleich zum Haus- und Hofzimmermann mit der Bitte jenenBalken doch umgehend zu wechseln. Doch der alte Herr mit den Jahren Holzerfahrung hat sich das nur angesehen und dann abgewinkt.
Es kommt eben auf das Schadbild an, wenn Feuchte möglich, dann sind Tierchen auch mit großer Sicherheit noch aktiv.
Im trockenen Balken sind sie eigentlich " in Rente".



Rat -Schläge



Hallo Gejoho

Ich will dir gerne deine Erfahrungen lassen.
Aber deine deine gelieferten Äußerungen sind ganz schön wirr. Ich weiß ja nicht in welchen Metier du arbeitest, aber hoffentlich nicht im Holzschutz.

Hast du dir schon einmal darüber Gedanken gemacht, welche enorme Verantwortung es beinhaltet Ratschläge zu geben.

Wie sagt der Franke:
"A Gschmarri ham mer gleich!"

Gruß

Lutz



Mannomann



kann ich mich Lutz nur anschließen. Da sind ein paar Sachen dabei die sind abseits jeder Realität, Wissenschaftlichkeit, Fachkenntnis und dem Regelwerk. Eins möchte ich nur herausgreifen: Hylotox ist ein altes DDR-Holzschutzmittel, seit langem nicht mehr nur nicht zugelassen, sondern verboten wegen krebserregenden Inhaltsstoffen. Da habe ich lieber den Wurm, als PCP, Lindan oder DDT, im Haus.
Mit irritierten Grüßen aus Leipzig
Martin Malangeri