Feuchtenachweis durch Kernbohrung?

03.04.2010



Wegen eines von der früheren Eigentümerin bestrittenen Feuchtigkeitsschaden an einem 100 Jahre alten Natursteinhaus (Granit) wurde ein Sachverständiger hinzugezogen. Das Haus befindet sich an einem steilen Nordhang, ist nicht unterkellert, hat keine Drainage, keine Horizontalsperre und im Fundamentbereich keinen Schutzanstrich gegen eindringende Feuchtigkeit. Die Dachrinne ist an der Stelle defekt, wo nach meinem Einzug innerhalb kürzester Zeit schwerster Schimmelbefall auftrat. läuft
Der Sachverständige bohrte an 4 Stellen bis in 15 cm Tiefe (nur im EG) und führte eine Leitfähigkeitsmessung nach dem Induktionsverfahren durch. Bei jeder Bohrung führte er Messungen in unterschiedlicher Bohrtiefe durch (2cm, 5cm, 8cm, 15cm. Für die Messung verwendete er 15cm lange Messnadeln. Für die Bohrungen verwendete er eine hochdrehende Schlagbohrmaschine. Wegen der Härte des Gesteins bohrte er an jedem Bohrloch mehrere Minuten.

Der Sachverständige gibt jetzt an, "dass möglicherweise einzelne Messwerte durch das Vorhandensein von Salzen im Mauerwerk beeinflußt sind, die die Leitfähigkeit des Mauerwerks verändern und somit die Messergebnisse beeinflussen". Seine Messungen ließen zwar "sichere Aussagen über die relative Feuchtigkeit (zum Messzeitpunkt und auch zwei Jahre rückwirkend) zu und ermöglichen eine Aussage über die Ursache für das Schimmelpilzwachstum", jedoch keine sichere Aussage über die absolute Feuchte, sowie die Gleichgewichtsfeuchte des Mauerwerks.
Folgendes ist mir (und nicht nur mir) völlig unverständlich:

1) Einmal sieht der Sachverständige durch möglicherweise vorhandene Salze "einzelne Messwerte beeinflusst" und stellt die Notwendigkeit einer Kernbohrung dar (für weitere 3500 Euro), dann stellt er aber fest, dass er dennoch sichere Aussagen zur relativen Feuchtigkeit und über die Ursache des Schimmelpilzwachstums machen kann. Wie geht das? (die Fragestellung an ihn lautet, ob bei der Hausübergabe an mich bereits Feuchtigkeit vorhanden war, oder ob ich das Schimmelpilzwachstum durch ungünstiges Nutzerverhalten verursacht habe).
2) Wieso will er für diese Fragestellung die absolute Feuchtigkeit und die Gleichgewichtsfeuchtigkeit überhaupt feststellen, das interessiert doch niemanden?
3) Ich werfe dem Sachverständigen vor, einige Bohrstellen, in denen er besonders lange bohrte, durch die Erhitzung des Bohrers und des Steins regelrecht ausgetrocknet zu haben. Wo er den Putz zwischen den Steinen traf und nur kurz bohrte, maß er meiner Meinung nach korrekt, dort wo er minutenlang im Granit bohrte und auch im Granit maß, maß er meiner Meinung nach zu wenig Feuchtigkeit. Was sagen die Fachleute des Forums hierzu?
4)Mißt man überhaupt im Granit (auch wenn die Bohrstelle nicht heißgebohrt wurde), der ja kaum Feuchtigkeit aufnimmt? Über den Granit dringt ja wohl kaum Feuchtigkeit ins Haus ein, sondern über den Putz zwischen den Steinen, der zieht doch Wasser und leitet es nach oben und nach innen, oder sehe ich das falsch?
4) Wegen der angeblichen Salzbelastung: Es handelt sich hier um kein Bauernhaus, mit starker Einlagerung von Salzen durch Viehhaltung. Außerdem: Salze gibt es in jedem Gebäude, da müsste man dann immer Kernbohrungen machen, die Induktionsmessungen dürfte man überhaupt nicht mehr machen. Wenn ich vermute, dass ein hoher Salzgehalt vorliegt, entnehme ich eine kleine Probe aus dem Mauerwerk und schicke sie ins Labor, wieso braucht der da Kernbohrungen für 3500 Euro? Seine Anmerkung hierzu: "Eine weitere Messmethode zur Messung von Feuchte in minerlasichen Baustoffen ist die Untersuchung von Bohrkernen im Labor mittels der Darrmethode und Feststellung der Gleichgewichtsfeuchte. Hierbei haben vorhandene Salze keine Einfluss auf das Messergebnis.Durch die Gleichgewichtsfeuchte kann eine Aussage getroffen werden, ob das Mauerwerk eine baustoffspezifische Feuchte aufweist oder möglicherweise durch andere Ursachen übermäßig durchfeuchtet ist".

Für Ihre Anworten bedanke ich mich im Voraus.



Feuchtenachweis



Die Vorgehensweise des SV, ein Raster von Bohrungen zu setzen und in Schritten immer tiefer zu messen ist erst einmal üblich.
Ich verfahre auch so, wenn es angebracht ist.
Das ist auch der Streitpunkt, ist diese Methode bei Natursteinmauerwerk angebracht?
Bei Ziegelmauerwerk mit seinem relativ homogenen Aufbau steht das außer Frage. Man kann über Leitfähigkeitsmessungen gewisse Rückschlüsse über die Verteilung der Feuchte in der Wand und davon ableitend über die Herkunft der Durchfeuchtung schließen, z.B. kommt sie von außen oder ist es hauptsächlich Kondenswasser. Natursteinmauerwerk kann sehr inhomogen sein. Bei alten eingeschossigen, dörflichen Wohngebäuden findet man Bruchsteinmauerwerk, ein Gemisch von verschiedenen Steinsorten. Man vermauerte das was gerade da war.
Je nach Steinart kann die Kapillarität und der Porenraum von 0,2% bis 12% und mehr variieren.
Dieses zweischalige Mauerwerk hatte innen oft Füllungen aus Lehmmörtel und Steinabschlägen. Wasser, das in flüssiger Form an bzw. in solch ein Mauerwerk gelangt, kann über die Füllung und die Fugen bis nach innen laufen und sich in der Füllung kapillar verteilen.
Hier über ein Bohrraster zu Rückschlüssen über die Feuchteverteilung zu gelangen ist schwierig.
Das kann man ohnehin nur über das Fugenmaterial machen und das nur in minimaler Form; solche Wände sind ca. 50 cm dick.
Mit 15 cm kratze ich nur an der Oberfläche , wie es in der Mitte aussieht, ist so nicht ermittelbar.
Eine Kernbohrung liefert keine feuchtebezogenen Werte, sie kann aber visuell einen Wandquerschnitt zeigen und dient zur Feststellung welches Material verbaut wurde.
In Natursteinmauerwerk ist die technische Ausführung einer Kernbohrung nicht so einfach, vor allem im Bereich der Füllung. Die Steine sind sehr hart, der Fugenmörtel weich und die Fugen manchmal sehr dick.
Ich schlage Ihnen in diesem Fall die Öffnung der Wand vor, eine Methode, die ich schon mehrmals angewandt habe. In ein bis zwei Stunden kann man die Wand bis zur Füllung manuell mit Hammer und Meißel öffnen, den Aufbau feststellen und (ungestörte)Proben zur Feuchtemessung entnehmen.
Das Zumauern und Verputzen dauert auch nicht länger.
Weder die Kernbohrung noch diese Probeöffnung kosten 3.500,- €, eher 350,-.
Ich hatte gerade eine Kernbohrung durch eine 38 cm dicke Ziegelwand, das kostete 120,- €.
Übrigens kann man mit einer Thermografiekamera auch Rückschlüsse über die Feuchteverteilung in einer Wand ziehen.
Solche Messungen sind aber nur interpretierbar, wenn man über Feuchtemessungen mir Darrproben bzw. mit einem CM- Gerät Vergleichswerte zur Kalibrierung der Bilder hat.

Viele Grüße



interessante Fragestellung



und ein sehr guter erster Beitrag.
-
"Die Dachrinne ist an der Stelle defekt, wo nach meinem Einzug innerhalb kürzester Zeit schwerster Schimmelbefall auftrat."
Die Rinne war zum Zeitpunkt des Kaufes also bereits defekt?!
Und wann haben Sie die dann reparieren lassen?
Es gibt doch sicher Bilder aus der Kaufphase und dem Zuständen (innen und außen) bei den Vorbesichtigungen.
War denn diese Ecke innen z.B. "frisch" gemalert?

Wie dick ist denn die Wand?

Grüße und Frohe Ostern!

Uwe



Da habe ich große Bedenken, denn eine Feuchte-Messung mit der Leitfähigkeit ist falsch!



Abgesehen davon, dass der Baustoff Granit sowieso so gut wie keine Feuchte aufnimmt.
Wie wurde denn die Luftfeuchte und die Temperatur dabei bewertet?
Nun ganz so einfach ist das mit der Frage nach der Feuchte schon deswegen nicht, weil es einen "trockenen" Baustoff nicht gibt - es ist immer etwas Feuchte vorhanden.
Mir ist auch nicht klar wie denn eine Zuordnung der Feuchteaufnahme möglich sein sollte.
Ich denke hier spielt die Tauwasserbildung, aber auch die hygroskope Wasseraufnahme eine wesentliche Rolle.
Aber wie will jemand - nach diesem Zeitraum auf den Feuchtegehalt bezogen ab "Übergabe" eingehen können?
Das geht nachträglich mit Sicherheit nicht!
Und wegen was soll da ein Schutzanstrich im Fundament sein?
War dies ein Sachverständiger oder nennt er sich halt so?
Ich habe da sehr große Zweifel!





Vielen Dank für die Antworten!
Ich habe den Sachverständigen jetzt wissen lassen, dass er die Wand nicht für 3500 € anbohren lassen soll, sondern Steine herausnehmen, Putzproben entnehmen und wieder zumauern soll. Ob er es macht weiß ich nicht. Außerdem fordete ich ihn auf, eine Mörtelprobe zu entnehmen und den Salzgehalt zu messen. Er hat ja seine bisherigen Messungen nach dem Leitfähigkeitsverfahren in Frage gestellt, da ein erhöhter Salzgehalt vorliegen könne. Im übrigen habe ich von einem Labor erfahren, dass eine Feuchtigkeitsmessung einer Probe in einem Trockenofen (nach der Darrmethode) ein "Kleinauftrag" sei, für die 25 € und nicht 300 € berechnet werden.
Auf die Frage nach dem Überstreichen: Die feuchte Ecke in der Küche würde kurz bevor ich das Haus besichtigte neu tapeziert, vor die betroffene Stelle wurde dann ein großer Schrank gestellt. Die Kräuselungen der Tapete (sie warf an unzähligen Stellen kleine Wellen, wegen der völlig durchnässten Wand) konnte ich nicht sehen, der Schrank stand wohl nicht zufällig hier.....