Balken freilegen und Wände verputzen

07.01.2013 Christin



Hallo,

ich möchte gerne euer Fachwissen beanspruchen.
Es geht um ein 1736 erbautes Fachwerkhaus im Herzen Mengeringhausens. Das Haus liegt am Marktplatz, gegenüber ist das Rathaus und schräg daneben die Kirche.
Wir haben drei Etagen und einen großen Anbau mit ebenfalls 3 Etagen der schätzungsweise 1945 gebaut wurde. Aus misteriösen Gründen existieren keinerlei Papiere mehr.

Leider sind alle Balken im Haus verputzt und Tapeziert. Was mich sehr stört. Mich würde brennend interessieren in welchem Zustand sich die Balken darunter befinden. Ich befürchte das die Balken über kurz oder lang vergammeln und irgendwann brechen.(Ich bin nicht sicher ob das möglich ist, logisch wäre es)
Die Wände sowie die Decken machen einen guten Eindruck, soweit ich es beurteilen kann. In einem Zimmer hängen die Balken durch, dass macht mir große Sorgen.

Jedenfalls habe ich angefangen in einem Zimmer einen Balken freizulegen. Dieser Balken muss definitiv raus. Da gab es mal ein helles Köpfchen das einfach ein Stück aus dem Balken gesägt hat!
Tolle Überraschung, ich hoffe das erwartet mich nicht bei jedem Balken.

Nun zu einem Streitpunkt zwischen mir und meinem Mann:
Nachdem wir die Tapete runtergerissen hatten und die losen Stellen des Lehmputzes entfernt waren ging es ans Verputzen der Wände.
Mein Mann meint das mit Gips machen zu müssen und ich meine er bräuchte Lehmputz.
Er meint es würde den Balken nichts ausmachen und es wäre genauso gut wie Lehmputz.
Im Internet lässt sich überall nachlesen das es Gift für die Balken ist. Also nun alles wieder runter?
Was meint ihr dazu?

Bilder folgen.



Sanierung Decke



Hallo Christin,
ob Gips- oder Lehmputz
ist für die Funktion des Holzes nicht von Belang, beide Materialien passen sehr gut zu Holz.
Es gibt nur eines was allen dreien schadet: Wasser.
Wenn Putz repariert werden soll, dann bitte nur mit gleichem Material.
Was das Freilegen der Balken betrifft:
Bei einer Vermietung, also wenn die Decke zwei Wohneinheiten trennt, haben Sie brandschutztechnische Vorgaben zu beachten. Das könnte auch der Grund für das nachträgliche Verputzen der Balken sein. Sie sollten sich deshalb fachlichen Rat durch einen Planer holen und bei der Gelegenheit mal mit der Denkmalbehörde reden.

Viele Grüße
p.s. das Foto zeigt ein Stück Lehmputz mit einem Gipsputz als Oberputz und Malgrund. gesehen in der ägyptischen Abteilung des Louvre.





Erst einmal ein Hallo in meine fast unmittelbare Nachbarschaft.

Ich bin gerade fast durch mit dem Entfernen der teilweise 8 Schichten Tapenten. So gut wie auf Lehmputz habe ich noch nie Tapeten von der Wand bekomen. Wenn die Balken noch in Lehmputz eingepackt sind würde ich da kein Problem sehen. Ich hab nur da Schäden gefunden, wo es auch zu erwarten war (Zement direkt auf dem Balken).

Was das Freilegen der Balken angeht würde ich mir das noch überlegen. Zumindest wenn ich dich so verstehe, dass du sie sichtbar lassen willst. Das war nie so gedacht. An der Außenwand ist es definitiv keine gute Idee beidseitig balkensichtige Wände zu haben. Wenn es nur darum geht nach Schäden zu suchen: da würde ich nur an den Stellen "graben" wo Schäden zu erwarten sind. Also da wo Risse, offensichtlich anderer Putz etc. zu sehen sind. Oder eben stark krumme Balken.

1736: Seid ihr euch sicher, dass ihr nicht auch einmal mit dem Denkmalschutz reden solltet?



Fast 300 Jahre Haus ....



... da hat sich so manches verändert. Wenn nichts an Plan vorhanden ist (Bei den Behörden auch nicht?), dann wird es Zeit, dass der Bestand auch planerisch mit allen Fakten aufgenommen wird.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de