ältere Holzschutzmittel

30.08.2011


Guten Tag,

ich hab beim Freilegen einer Fachwerkwand auf den Balken schwarzes "Papier" entdeckt. Riecht irgendwie ölig, etwas wie Eisenbahnschwellen.
Da ich hier Ungutes vermutet habe, wurde das Zeugs schnellstens entfernt. Doch der Geruch hängt nun auch an den Balken.
Das "Papier" wurde wohl nachträglich aufgebracht als die hintere Fachwerkwand (vermutlich 60er Jahre) durch Hohlblöcke ersetzt wurde. Das Papier ist nur auf der Innenseite, die Balken sind nicht umwickelt.

Dazu habe ich nun ein, zwei Fragen.
Handlet es sich um getränktes Papier dass die Balken vor Feuchte schützen sollte, das Zeug ist aber über die Jahre auch etwas in's Holz diffundiert und nun stinkt's halt auch noch etwas.
Oder wurden die Balken angepinselt und das Zeug ist in's Papier gewandert und deshalb stinkt beides?

Das Holz macht einen noch guten Eindruck, ist es aber "verseucht" hätte ich kein gutes Gefühl das so zu belassen. Gift im Wohnraum, das ist nicht meine Vorstellung von einem ökologisch saniertem Haus...

Zweiter Kandidat sind im späteren Vorratsraum zwei Blaken die so hübsch hellgrün sind. Hier weiss ich nicht wirklich wann die eingebaut wurden, bin aber ziemlich sicher daß es nicht vor den 60ern war.
Kann man mit Sicherheit ausschliessen, das die Imprägnierung unbedenklich ist, oder soll ich die zwei Hölzer lieber ausbauen?

Vielen Dank für eure Hilfe,
Bob






Hallo,

einfache Regel: schwarz ist fast immer übel, grün ist Borsalz also o.K.
Es kann sich um Carbolineum handeln(braun bis schwarz) oder ein anderes Steinkohlenteeröl oder Braunkohlenteeröl (die aber fast nur im Osten).
Die Geruchschwelle ist niedrig, so dass auch unter dem Sanierungswert von 50 ppm schon erhebliche Geruchsbelästigungen auftreten. Ich würde die verdächtigen balken testen lassen, wenn es geht, ersetzen, sonst "maskieren", also geruchssicher abdecken. Da ich die Einbausituation nicht kenne, weiß ich aber nicht wie.

Grüße vom Niederrhein



Moin Bob,



das schwarze Papier stinkt an sich nicht und wurde verwendet um Balken und Mörtel/Putz zu trennen.

Ob die Jungs bei der Gelegenheit gleich die Balken mit Xylamon o.Ä. eingepinselt haben, wäre zu klären.

Weitere Infos findest du z.B. hier: http://www.schadstoffberatung.de/holzschz.htm

Gruss, Boris





mir schwant Übles...

Ist es denn denkbar das das Zeug aus dem Holz so gut in's Papier übergegangen ist?

Ich vergas mein kleines Experiment zu erwähnen:
ein Flammtest ergibt eine grüne Flamme und dichten, gelblichen Rauch. Geruch? ähm, war mir zu heikel meine Nase zu dicht da ranzubringen.

Ausserdem habe ich festgestellt: mit einer FP2 Schutzmaske riecht man nichts an Papier oder Holz.

Hilft das bei der Identifikation?
An wen kann ich mich zwecks Analyse wenden? Ich kenn zwar ein Labor hier in der Nähe, aber die sind affenartig teuer, leider.

Grüße aus der Sonne (also, so'n bischen davon),
Bob



Borsalz



" grün ist Borsalz also o.K."
diese Antwort, die Sie auf Ihre Anfrage erhielten, kann so nicht stehen gelassen werden.
Borsalz ist in wässriger Lösung schwach gelblich, im Holz farblich nicht zu erkennen. Dem Borsalz kann! Farbstoff zugegeben werden, um behandelte Hölzer zu kennzeichnen- auch in grün.
Chromathaltige Holzschutzmittel verursachen eine chemisch bedingte Grünfärbung. Chrom dient hier zur chem. Fixierung der eigentlichen Holzschutzmittel. Abbruchholz mit diesen Zusätzen gilt als besonders überwachungsbedürftig (Sondermüll), im Ofen oder Lagerfeuer hat das nichts zu suchen (nach Chrom VI im Internet suchen, wenn man mag)
Also: finden Sie einen zertifizierten Entsorger in Ihrer Nähe....
falls Laboruntersuchung nötig ist kann auch ihd Dresden angefragt werden 0351-4662-340

Viel Erfolg!
mit freundlichen Grüßen
mo



Guten Morgen



Beim schwarzen Papier handelt es sich sicher um Teerpapier, welches als Trennschicht auf den Balken angebracht wurde (unbedenklich).

Die Balken in der 2. Frage wurden mit CKB-Salz getränkt (Chrom-Kupfer-Borverbindungen), im fixierem Zustand eher unbedenklich:
CKB-Salze sind Holzschutzmittel-Wirkstoffe, die neben den CK-Salzen zusätzlich Borverbindungen enthalten (Borsäure, Borax). CKB-Salze wirken insektizid, fungizid, und sind witterungsbeständig, auch bei ständigem Wasser- oder Erdkontakt. Die Verluste durch Auswaschung betragen zwischen 7 % (Kupferverbindungen) und 90 % (Borverbindungen). Nicht für Holzbauteile, die in direkten Kontakt mit Lebens- oder Futtermitteln kommen können. Nicht für Holzbauteile, die häufig in direkten Hautkontakt mit Mensch und Tier kommen können, es sei denn, die Bauteile werden nach abgeschlossener Behandlung und Fixierung des Holzschutzmittels gründlich abgewaschen.

Viele Grüße



Teerpapier ist ...



...nicht unbedenklich, da ältere Teerprodukte stark mit sogen. PAK belastet sein können, die u.a. kanzerogen wirken können.

Ich würde es vollständig entfernen. In den Balken wird sich nicht viel angesammelt haben können, Ausdünstungen können mit einem dünnen Schellackanstrich als Maskierung verringert werden.

Grüße

Thomas





Vielen Dank für die vielen, guten Antworten.

Gibt es eine Möglichkeit für mich festzustellen ob es Teerpapier ist, oder ob der Balken behandelt wurde?

Das grüne Holz werde ich ausbauen und entsorgen. Muss ich beim Ausbau (Sägen) irgendwelche Schutzmassnahmen berücksichtigen?

Viele Grüße,
Bob



Wenn Balken und Teerpapier...



...gleich riechen, ist es wahrscheinlich, daß das Holz den Geruch angenommen hat.

Soweit die grünen Balken nicht aus optischen Gründen ausgetauscht werden sollen, sehe ich keine Notwendigkeit dafür.

Grüße

Thomas





Hallo Herr Böhme,

Holz und Papier haben die selbe Duftnote. Die Balken liegen nun schon fast eine Woche frei und es mieft immer noch nach dem Zeug... ist das bedenklich?

Die Grünen fliegen raus (keine politische Aussage ;-)) da ich auch keine Notwendigkeit für die Balken an der Stelle sehe. Der eine ist eine überdimensionierte Fußleiste, der Zweite gehört zu einem Einbauschrank den ich eh nicht erhalten möchte.

Grüße,
Bob



Grundsätzlich...



...ist übler Geruch bei teerigen Substanzen noch nicht gleichbedeutend mit PAK-Belastung. Die Balken werden auch in 4 Wochen noch eine Duftnote haben. Von einer erheblichen und dauerhaften Anreicherung von Schadstoffen im Holz gehe ich aber nicht aus.

Wenn Sie der Geruch stört, wäre ein max.10%iger Anstrich Schellack in Spiritus als Maskierung brauchbar.

Grüße

Thomas





Vielen Dank Herr Böhme,

werden wir dann so umsetzen.

Viele Grüße,
Bob