Balkenkopferneuerung

17.04.2006



Hallo, ich habe zwar kein Fachwerkhaus, aber einige Fachwerkelemente (Innenwände im OG), ansonsten ein klassisches Ziegelhaus von 1829(Biedermeier). Ich muß bei meinem Haus etliche Deckenbalkenköpfe erneuern, d.h. sie müssen angeplattet werden und die Auflage auf der Außenwand (Holzbalken) muß auch teilweise erneuert werden. Nun zur Frage: unter die Holzauflagen lege ich Dachpappe wegen Feuchtigkeit? An die Stirnseiten der Deckenbalken sollte eine Dämmung angebracht werden. Welches Material ist da zu empfehlen? von Styropor halte ich nicht viel, hatte mal was von Kork gelesen. Ist das zu empfehlen und wenn in welcher Stärke? Auf die Außenwand soll wahrscheinlich eine Dämmung aufgebracht werden, aber die Stärke und das Material steht noch nicht fest. Eventuell Diffutherm oder Schilfrohr. Es ist eine Putzfassade mit einigen kleinen Gliederungen in der Front, deshalb überlege ich noch wie das am Besten mit Dämmung zu realisieren ist.



Keine Pappe



Ich schliesse mich der Frage mal an. Über Ostern durfte ich meine halbe Scheune einreissen und in den nächsten Tagen steht das neu aufmauern wieder an. Dabei habe ich die selbe Situation wie Kai: Wie binde ich ich die Balken am besten ans Mauerwerk an? Nachdem, was ich hier immer so gelesen habe, fasse ich mal zusammen:
1. Balken nicht auf eine Trennlage, sondern in ein Bett aus Luftkalk, so kann sich keine Nässe unter dem Balken stauen
2. Balkenköpfe nicht einpacken, sondern "luftumspült" lassen
3. Ausmauerung zwischen den Balken nur in der Art, das kein Mörtel an den Balken kommt, sondern nur der blanke Ziegel


Ich habe noch die besondere Situation, dass die Balken schon da sind, die Mauerlatte momentan 3 Meter weiter unten liegt und keine Mauer mehr da ist.
Ich würde meinem Maurer (fähiger Kerl, von traditionellem Handwerk aber keine Spur) vorschlagen:
Wenn die Wand wieder so hoch ist, das wir kurz unter dem Balkenköpfen sind, fädeln wir die Mauerlatter von unten rein und drücken diese mit Keilen so fest wie möglich nach oben an die Balken. Der Spalt zwischen Holz und letzter Ziegellag wird mit reinem Kalkmörtel und Steinen (zB. Dachziegelreste...) straff ausgefüllt. Das sollte eigentlich reichen ... oder?



Jaein.



Jens Puruckherr ist schon auf der richtigen Spur:
1. Deckenbalken luftumspült einbauen ist richtig, umlaufend etwa 2 cm wären völlig in Ordnung.
2. Die Mauerlatte ist, so sie nicht statisch belastet wird, was nicht ist, wenn sie auf tragendem Mauerwerk aufliegt, eher ein konstruktives Bauteil. Daher, sie wurde von den damaligen Zimmerleuten nur als Richthilfe gebraucht, ist nicht in allen Bauten zu finden und damit kann der Deckenbalken auch direkt auf das Mauerwerk aufgelegt werden.
3. Eine Trennlage unterhalb des Deckenbalkens ist auch nicht generell notwendig, wird jedoch vorgeschrieben (z. B. in der DIN 68800). Kann z. B. dann eingebaut werden, wenn unter den Deckenbalken neues, feuchtes Mauerwerk oder Beton eingebaut wird.
4. Eine Dämmung im Balkenauflager macht dann Sinn, wenn die Mauerwerksschale vor dem Balkenkopf durch die Tiefe des Auflagers sehr dünn geworden ist. Sie würde in dem Fall verhindern, dass sich Kondenswasser bildet. Also, Aufbau von innen nach außen: Balkenkopf - 2 cm Luft - 2-3 cm Dämmung - Mauerwerk - Außenfläche.
Generell eignen sich fast alle Dämmstoffe hierfür, bei Verzicht auf Mineralwollen oder Polystirol kämen hierfür auch Dämmplattenwerkstoffe aus Holzfasern, Hanf, Flachs oder ähnlichem in Frage.
Sollen WDVS (Wärmedämmverbundsysteme als Fassadendämmung) zum Einsatz kommen, sind Mineralwollen und Styropor (Polystirol) immer fragwürdig, weniger aus bautechnischen Überlegungen (hier bieten sie Spitzenwerte), sondern eher aus baubiologischen Gründen (Sondermüll, petrochemische Produkte, miserable Ökobilanzen). Nichtsdestotrotz spielen noch zwei Überlegungen eine Rolle:
a) Versaue ich eine Fassade damit, weil sie anschließend glatter ist, als sie jemals war?
b) Wann amortisiert sich die Fassadendämmung in ihrem Finanzierungswert gegenüber eingesparter Heizkosten? (Es gibt Bauten, da vergehen Generationen bevor das passiert)
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri



Danke



danke für die schnelle Hilfe. Ich muß alle Stürze neu legen und da wird bis unter die Deckenbalken alles neu ausgemauert, aber es kommt ja noch wie ich schon sagte die Mauerauflage (Schwelle) aus Holz unter die Balken ca. 10x10cm. unter diese lege ich dann die Pappe. Zwischen den Balken wird dann nicht mehr ausgemauert, da sich die Wände nach oben hin verjüngen (unten 46cm, OG 29cm, Dach 22cm - alles ohne Putz).
Thema Außendämmung: Ich habe lange überlegt, aber ich stand vor der Wahl Innendämmung, die sowieso in 2cm Stärke gemacht worden wäre wegen der Wandheizung, oder mit fast dem selben Aufwand eine Außendämmung bei der ich auf die Innendämmung verzichten kann. Wärmetechnisch ist die Außendämmung ja ohnehin besser. Es fällt jetzt nur noch der Mehrpreis für das Material an. Wie schon in der ersten Frage geschrieben, bin ich noch am überlegen welches Material, d.h. mit welchem ich die kleinen Fassadengliederungen am Besten wieder hinbekomme.