Balkendecke Trittschall Fußbodenheizung

26.04.2011



Liebe Fachwerk-community,

wir sanieren gerade ein Mehrfamilienhaus aus den 50ern/60ern mit Holzbalkendecke. Es entstehen abgetrennte Wohnungen. Im Moment hört man jeden noch so vrosichtigen Schritt in den darunterliegenden Stockwerken, weswegen der Trittschall nun auf ein vernünftiges Maß gebracht werden soll. Jetziger Aufbau ist folgender, ausgehend von der Decke im Geschoss darunter:
- Putz
- 2*5cm Latten im Abstand von 2cm von unten quer an die Balken genagelt.
- Balken 15 cm x 20 cm. Abstand zwischen den Balken 41 cm, an manchen Stellen etwas mehr.
- Auf den Latten (also zwischen den Balken aufgefüllt mit wenigen cm Lehm/Stroh, darauf 10 bis 15 cm Schlacke, ca. 5 cm leer.
- Auf den Balken 5mm Hölzchen.
- Auf den Hölzchen Dielen/Parkett aufgenagelt ca. 22 mm.

Priorität hat der Trittschallschutz, außerdem muss der Aufbau möglichst niedrig (max. 5 cm) sein, weil die Zimmerhöhe durch abgehängte Decke sowieso nur 2,25m ist.

Nach intensiver Recherche online und vor allem hier im Forum schwebt mir folgendes vor:

- Leerraum zwischen den Balken auffüllen mit Isofloc oder wie das heißt (weiße Styroporkügelchen von Knauf)
- auf die Balken 1cm Hanffilz zur Entkopplung
- schwimmend 22mm OSB, auf Leisten verschraubt, die parallel zu den Balken, aber eben zwischen den Balken laufen. (Natürlich kein Kontakt zur Wand, also Randdämmstreifen)
- Danfoss Speedup Eco FBH, bestehend aus 3 cm Holzfaser, nach Herstellerangabe trittschalldämmend, gerade für Renovierungen von Balkendecken geeignet. Erfahrungen?
- Strongboard zur Lastverteilung 5mm
- (ev. 2 mm Trittschallschutz unters Laminat. Nützlich?)
- Kaindl Laminat 7mm.

Damit komme ich effektiv auf 45 mm zusätzlichen Aufbau, was gerade so mit Deckenhöhe und Türrahmen noch geht. Bekomme ich so einen brauchbaren Trittschallschutz hin ? In den darunter liegenden Stockwerken die Decke abzuhängen stellt übrigens kein Problem dar und könnte zum Trittschallschutz also auch noch beitragen, falls obige Lösung nicht ausreicht.

Über Meinungen wäre ich sehr froh :)

Grüße, Jerry



Deckenaufbau



Dieser Weg quer durch den Baumarkt ist sicher nicht billig.
Ich empfehle Ihnen auf die vorhandene Dielung Trockenestrich mit integrierte Trittschalldämmung zu verlegen. Ein eventueller Höhenausgleich ist mit Ausgleichspachtel oder Trockenschüttung möglich.

Viele Grüße



Es fehlt an Aufbauhöhe,



und darum würde ich die FBH verabschieden. Eine Strahlungsheizung sollten Sie über die Wand realisieren, gleich in Verbindung mit einer Innendämmung. Das ist auf jeden Fall zukunftsfähiger als teuere Kompromisse im Fußboden, um das X zum U zu biegen.

Bei der geringen Raumhöhe verbietet sich eine Deckenabhängung von selbst.

Von der Last der hier unpassenden FBH befreit, können Sie eine schwimmende Dielenscheibe auf den Balken ausbilden (bitte vorher Statiker fragen, ob die Dielung eine aussteifende Scheibenwirkung bringen muß) und haben einen vollwertigen FB-Belag statt einer alle paar Jahre zu erneuernden Laminat-Schicht, die so dünn ist, daß Sie mit guten Augen Ihre Süddeutsche dadurch lesen können :-)

Grüße

Thomas



Fußbodenaufbau



Im Zusammenhang mit einem ähnlichen Problem bei einem meiner aktuellen Projekte bin ich von dem Bauherren auf das System Effidur verwiesen worden, das als Fußbodenheizung mit nur 25 mm Aufbauhöhe auf vorhandener Dielung funktionieren soll. Kennt das jemand?



Ganz interessant,



braucht aber wohl zwingend eine ebene Verlegefläche. Also eher nicht auf Altdielung, sondern eher auf einer nivellierten OSB-Unterkonstruktion ausreichender Stärke, in Nut und Feder gut verleimt.

Grüße

Thomas



...



Danke für die Antworten.

Noch eine Konkretisierung: Die Deckenhöhe ist nur im Dachgeschoss so niedrig, hier hat man eben (Wärme-)Dämmung gegen Raumhöhe getauscht. In den darunter liegenden Stockwerken kann man ruhigen Gewissens abhängen. Der wichtigiste Punkt ist wie geschrieben der Trittschallschutz. Die Speedup ECO FBH finde ich eben interessant, weil die Holzfaser gleichzeitig trittschalldämmend ist. Meine Überlegung ist, anstatt dass ich 3 cm Trittschallhemmende Holzplatte auslege, kann ich doch gleich die FBH nehmen und habe sozusagen 2 Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Sehe ich das grundsätzlich falsch?

Die Effidur WP 1000 sieht interessant aus. Was wäre aus trittschallschutzperspektive sinnvoller? Die SpeedupEco mit 3 cm HOlzfaser oder Effidur mit 1cm trittschallmatte und darauf 15 mm Estrich, die 5mm ERsparnis wären mir durchaus sympathisch. In beiden Fällen wäre die Basis eine 22mm schwimmende OSB.

Der Boden ist übrigens nahezu eben, eine weitere Nivellierung entfällt.



Denken Sie auch ans Baurecht!



Hallo

Sie schreiben: "Es entstehen abgetrennte Wohnungen"

Da kann es fraglich werden mit 2,25 Raumhöhe?

Neben dem "Schall" ist hierbei auch und vor allem der Brandschutz relevant!

Den "Trittschall" bekommen Sie auch nicht mit Styroporkügelchen weg.
Da hilft Federung, Masse und Entkopplung.
Und ab und zu auch an die Statik (Scheiben) denken!

FK



...



Deckenhöhe ist nur im Dachgeschoss so niedrig, dieses wird nicht fremdvermietet.

Statik (Scheibe und Tragfähigkeit für oben beschriebene Szenarien) sind nach Aussage eines Architekten kein Problem.

Kann mir jemand etwas dazu sagen, was aus Trittschallschutzperspektive besser ist?



Nach persönlicher Erfahrung



würde ich vor allem dafür sorgen, daß die Dielung nicht mehr hohl liegt, das ist das größte Übel. Dann spielt der Hohlraum nämlich Resonanzkörper wie bei einem Musikinstrument.

Meine Überlegungen gingen daher in die Richtung, den Hohlraum zwischen den Balken bündig mit einer vertretbar schweren Schüttung aufzufüllen, auf der ein Blindboden (z.B. OSB) möglichst flächig aufliegt und dann darauf einen schwimmenden Boden mit Trittschalldämmung (echtes Fertigparkett oder noch besser Massivholz). Ob man auch sinnvoll ohne Zwischenlage, nur mit genagelten Dielen und Hanffilz-Zwischenlage auf den Balken aus käme weiß ich nicht, das müßten die Bauphysiker hier klären, wäre von der Aufbauhöhe (gerade einmal 10mm extra) natürlich ideal.



Moin Jerry,



wir haben mittlerweile eine ELW unterm Wohnzimmer, brauchten die Scheibenwirkung und haben die 22mm OSB deshalb verschraubt (Hohlräume drunter mit Perlite verfüllt) und darüber 20mmm+10mm HWP Fermacell-Trockenestrich, Korklage, Fertigparkett (Heizungsrohre in der Trockenestrichlage).

Sowohl wir, als auch der Mieter sind akustisch hoch zufrieden, allerdings toben bei uns auch keine Kinderhorden rum.

Gruss, Boris