Wie historischen (flexiblen) Außenputz herstellen und geeignetes Isolationsmaterial von Außen

18.08.2010 D.Selle



Hallo,

erstmal zu den Kerndaten: Wolfenbüttel, Budenhaus ca. 1675, 3 Geschosse mit EG, RH-Bauweise, Fachwerk,
Nachdem einige Balken getauscht sind geht es bald an das Geradestellen der der Fassade und dann an die Füllung der Gefächer. Diese braucht natürlich außen einen Verputz:
(Dicke ca. 10mm)
Ist-Zustand:
EG&1.OG Gefache mit Lehmziegel, Bauschutt ausgemauert, tw. Bewurf mit Strohlehm. Unterlage vom Verputz Strohlehm, ca. 10mm Verputz mit einem rel. harten Kalkmörtel
2.OG. Flechtwerk mit Strohlehm beworfen. Außen mit einer hochelastischen hellgrauen Masse Dünn (max. 10mm)(enthält auch Kalkmörtel) verputzt.

Die Gefache im 2. OG scheinen die ältesten zu sein und waren mit Abstand im besten Erhaltungszustand. Grund dürfte sein, das der Außenputz mit irgedwelchen Fasern armiert war und dadurch hochelastisch bzw. nicht rissig wurde.
Unten scheinen keine Fasern drin zu sein und der Putz ist rissig.
Welche historischen Putze gibt es, die ich auch selbst anmischen kann, die sehr flexible Eigenschaften haben? Gibt es irgendwo eine Beschreibung?

Ich überlege, um die Isolation zu verbessern, ähnlich einem WDV, nur auf die Gefächer eine 4cm Holzfaserplatte oder heraklithplatte zu Kleben und diese dünn mit oben angefragtem Putz zu überziehen. Was ist davon zu halten?

Grüße

Detlef



Hochelastische graue Masse?



Das dürfte ein hochkunstharzvergütetes Produkt der Neuzeit sein. Dass hierbei keine Schäden entstanden sind, scheint daran zu liegen, dass die Wände ausreichend nach innen ablüften konnten.
10 mm Aussenputz sind nicht ausreichend. Ein Aussenputz muss 25 mm haben und zweilagig sein. Als Material stehen hier Kalk- oder Lehmputz zur Auswahl. Von irgendwelchen Dämmplatten im Aussenbereich der Gefache möchte ich abraten, wenn eine Dämmung eingebracht werden soll, dann eine ganzflächige Innendämmung mit Holzweichfaser und Lehmputz, eventuell mit Wandheizung.
MfG
dasMaurer



Kunstharzvergütung kann ausgeschlossen werden, der Putz ist mind 60 Jahre alt



Hallo,

der elastische Verputz hat eine Dicke zwischen 5 und 10mm. Aufgrund der Farbschichten, Art der Farbe und Historie des Gebäudes ist es sicher das in den letzten 50 Jahren keine neue Beschichtung aufgetragen wurde. In dem Verputz den ich gerne nachbilden möchte sind viele (Tier?)Haare enthalten.
Er wurde direkt auf Lehm aufgetragen und hält hervorragend.
Handelt es sich vielleicht um eine Art durch Beschichtung geschützte Kasein-Spachtelmasse?

Die "dickere" in dem bereits vor ca. 140 jahren reparierten Teil des Gebäudes enthält keine Haare, ist rissig und spröde.

Kunstharzvergütung kann ausgeschlossen werden.

Was spricht gegen eine gefacheweise Außendämmung?

Gruß
Selle



Moin Detlef,



bei entsprechendem Dachüberstand kriegt das 2.OG am wenigsten Regen ab - könnte auch ein Grund für den guten Zustand sein.

Deine Dämmplatten wären nicht fassadenbündig, sondern erhaben, bleibt also ein Restrisiko, dass dir über die Jahre, über feine Risse Regen hinter die Platte läuft. Gefach/Platte/Deckputz arbeitet unterschiedlich.

Die Platten bilden bei vollflächiger Verarbeitung einen stabilen Verband über Nut und Feder bzw. die Armierung im deckputz - das wäre bei dir nicht gegeben.

Den Einspareffekt sehe ich bei dem Aufwand nicht wirklich...

Gruss, Boris





Hallo Herr Selle,

das mit der außenliegenden Platte geht definitv aus den verschiedensten Gründen nicht.
Ich würde eine 4-5 cm Holzweichfaserplatte innen als Innendämmung anbringen.
Ihr bewehrter Außenputz kann hydraulischer Kalkputz mit Zusatz von Kälberhaaren sein. Die Schlagregendichtigkeit wird allerdings weniger vom Kalk als von Sand bestimmt, dessen Sieblinie einen ausreichenden Schluffgehalt vorsehen muß.
Wenn es preiswert sein soll, würde ich auch immer Baustellenmischungen gegenüber den Werktrockenmischungen bevorzugen. In anderen Fällen denk ich eher an meine Haftung.
Also: Kalkhydrat und Sumpfkalk als Ausgangsprodukte, NHL2 in Säcken dazukaufen, als Sand "Silbersand".
Als hydraule Bestandteile können Sie Ziegelmehl (nur frisches)und Holzkohle zusetzen.
Beim Mischvorgang ist die gute Umhüllung des Sandkornes wichtig, also nicht hnterher "durchspülen", damits wässriger wird.
Tierhaare zusetzen nach Bedarf.
Der Putz sollte mindestens dreilagig verarbeitet werden und als Abschlußeinen Anstrich mit Sumpfkalkfarbe erhalten.
Also über die geforderten 2,5 cm hinaus !

Grüße



Zwangsläufig



entstehen bei Fachwerk immer Risse zwischen Holz und Ausfachung. Durch diese Risse kann kalte Lüft eindringen und damit den Dämmstoff auf einem wesentlichen Teil der Fläche wirkungslos machen.
MfG
dasMaurer