Im Sommer sehr warm

28.07.2012



Hallo Ihr Lieben,

Wir haben ein EFH aus dem Jahre 1925. Ich muss leider feststellen, dass sich das Haus im Sommer heftig innen erwärmt. Wenn draussen Nachts z. B. 22 Grad sind habe ich immer noch 28 im Wohnzimmer.
Frage mich wieso das so ist?
Das Haus hat eine Wärmedämmung von aussen. Rolläden sind den ganzen Tag unten/ Fenster sind zu.
Die Fenster sind ca. 25 Jahre alt.
Der Dachboden ist gedämmt. Kann mir jemand mal das erklären und was man dagegen tun kann?!?!?!?!?!
Habe gelesen, dass Lehmputz ganz gut wäre.
VIELEN LIEBEN DANK FÜR EURE BEITRÄGE
LG ANKE



Ein paar weitere...



... Angaben wären hilfreich.

Handelt es sich um einen Fachwerkbau?
Wenn ja, wie sind die Gefache ausgestaltet? Welche Wandbekleidung (Putz/Platten)? Wie die Innenwände? Wie die Decken und Fußböden?
Wenn Massivbau, wie sehen die Außenwände aus? Die weiteren Fragen s.o.
Ist das Haus unterkellert?
Ist tatsächlich das gesamte Dach gedämmt oder nur der bewohnte Bereich?
Und: (nicht lachen oder beleidigt sein) Ist die Heizung auf Sommerbetrieb? Es ist auch möglch, dass der Kreislauf für die WW-Bereitung bei fehlender Schwerkraftbremse Wärme in den Heizungskreislauf "drückt".
Gibt es "außergewöhnliche" interne Wärmequellen (Terrarien, Pflanzenzucht mit Wärmelampe, Sauna, Waserbett, etc...)?

Dem Haus scheint es an Speichermasse zu fehlen... Das ist übrigens der Hauptgrund, weshalb fast jedes Holzhaus in den hitzebelasteten Regionen der USA einen gemauerten Kaminschacht hat, obwohl da kein Mensch jemals Feuer macht...

Im Prinzip verhaltet Ihr Euch durchaus richtig (tagsüber Fenster zu, Rollos geschlossen, nebenbei: Außenrollos?), allerdings solltet Ihr natürlich, wenn sicherheitstechnisch möglich, nochmal ordentlich Lüften, sobald sich abends/nachts/morgens die Temperaturlage umgekehrt hat (Ta kleiner Ti), ist logisch...

Lehmputz ist keine "Klima-Anlage", könnte aber durchaus als ergänzende Maßnahme hilfreich sein, hat neben der reinen Masse auch was mit dem Feuchtehaushalt zu tun... Aber erstmal Ursachenforschung statt wildem Aktionismus...

Bitte den "Input" ergänzen...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner





Hallo,

bis 2002 hatte ich auch ein haus Bj. 27 bewohnt, so eine Art Kaffemühle mit Mansard-Krüppelwalmdach, Putz und Tondachziegeln. Zum Runterkühlen in extrem heißen Sommern
hatte ich eine alte Roßkastanie, außerdem die innere Kellertür zum EG nachts offen, damit sich eine thermische Schichtung einstellt, nachts die Oberlichter im OG geöffnet, einige Male auch die Dachziegel mit Westneigung bei Sonnenuntergang noch einmal mit Wasser aus dem Schlauch besprüht.
Dadurch ist es mir gelungen, langsam den Bau unter Umgebungstemperatur tags abzukühlen.

Grüße



Im Sommer sehr warm



Hallo Ihr Lieben,
danke für die Beiträge.... hier nun weitere Info zum Haus:
Ja die Heizung ist abgestellt.
Nein es ist kein Fachwerkhaus. Stein auf Stein aus dem Jahre 1925.
Mit Keller ja. Der Putz im EG-Bereich ist ganz normal. Also kein Lehm oder sowas.
Aussenwände sind weiss und gedämmt. Das Dach ist komplett gedämmt.
Fussböden sind im EG Bereich Fliesen und im OB Parkett.
Decken? das sind ja Holzdecken. auch ganz normal verputzt.
Fenster sind etwa 25 Jahre alt?
Bitte um weitere Hilfe !!!
DANKE
LG ANKE



Noch ein paar Fragen...



... müssen sein:

Was versehst Du unter "Rollo"? Reden wir hier von außen laufenden Jalousien aus Holz, Metall oder Kunsstoff mit Zugriemen innen oder beziehst Du das auf eine innenliegende Konstruktion (Lamellendinger, Springrollos, o.Ä.)?

Kannst Du Infos nachreichen über den Außenwandaufbau (Art der Steine, Dicke der Wand, Dicke der Dämmung, Art der Dämmung?

Was befindet sich "in" der Decke bzw. Fußboden, also zwischen den Balken?

Wieviele Personen leben im Haus? Tritt das Problem im ganzen Haus auf oder nur im Wohnzimmer?

Ich habe momentan zwei Probleme mit Deinem Problem ;-)... Zum einen muss ja irgendwoher der Wärmeeintrag kommen, zum anderen sehe ich meine Vermutung mit der geringen Speichermasse nicht bestätigt...

Nunja, aktuell ist ja die Dringlichkeit nicht mehr ganz so gegeben...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Mit welchem Dämmstoff ist das Haus gedämmt?



Als erstes sollte die Ursache gefunden werden, warum sich das Haus so stark aufwärmt.
Eine Ursache kann, wie schon angesprochen die fehlende Speichermasse sein.
Um die Temparatur etwas in den Griff zu bekommen, können Klima-Lehmplatten (Latentwärmespeicher) hilfreich sein. Das setzt aber eine sorgfältige Planung voraus.
Bei Fragen einfach melden.

Grüsse Thomas



Trägheit wohl



Hallo Anke,

Dein Haus ist aus Stein, hat also eine hohe Wärmeträgheit. Außerdem ist es von außen gedämmt. Also findet die Aufheizung durch die Dämmung verzögert statt. Es kann ja sein, dass Du tagsüber, wenn die Sonne aufs Haus knallt, an der Außenwand 40 Grad hast. Innen im Haus gibt es dann das Mittel aus Tag- und Nachttemperatur. Alles ganz natürlich zu erklären....

Verbesserungsmöglichkeiten:
- Besser dämmen. Ist aber jetzt sehr aufwändig, und rechnet sich wohl nicht mehr.
- Abends stark lüften.
- Klimaanlage.

Wobei ich persönlich zu der Kimaanlage raten würde. Die Investitionskosten und die Betriebskosten halten sich in Grenzen, und der Effekt ist gut.

Lehmputz hilft da leider gar nix.

Gruß

Wolfgang



Bei allem...



Respekt... halte ich persönlich und auch technisch und auch ökologisch nach 20 Jahren des gelegentlichen Nachdenkens die ganzen PCM-"Vorteile" für eine Sache, die man auch anders lösen kann...
Es besorgt mich zutiefst, dass das ganze Zeugs in den Bereich des Lehmbaus vorgedrungen ist... oder extremer ausgedrückt: in den Berich des "ökologischen Bauens"... das hat da m.E. nix zu suchen, das ist Marketing... oder anders ausgedrückt wahrscheinlich absolut unnötig und kontraproduktiv...

Aber ich bitte höflichst um die Bildung der eigenen Meinung, liebe Anke...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Eckdaten?



• Wände sind "Stein auf Stein", okay, aber wie ist der Wanddurchmesser? Wieviel Massivstein, wieviel und welche Dämmung?

• Dach ist "gedämmt", aber womit? Wie sieht der komplette Dachaufbau aus?

• Sind alle Räume im Haus zu heiß, oder gibt es "Favoriten"?

• Gibt es beschattete Hausseiten (Bäume, Nachbargebäude)?


Üblicherweise werden massiv gebaute Häuser aus der Bauzeit ca. 1925 nicht besonders heiß im Sommer. Gab es außer der Dämmung noch Ergänzungen wie Wintergarten nach Süden 'raus oder größere Fenster?

Meine laienhafte Vermutung geht dahin, dass die Dämmung zwar nicht die Aufheizung verhindern könnte, aber dafür verhindert, dass das Gebäude nachts wieder entsprechend Wärme abgeben kann, dass also eine Art kumulativer Wärmespeicher vorliegt. Ob noch mehr Dämmung da hilft, wage ich zu bezweifeln, Fenster nachts auf dürfte wohl eher nur der Tropfen auf dem Stein sein, angesichts der jetzt gedämmten vielfachen Hausfläche, die sonst hätte abkühlen können. Klimaanlage wäre zwar wirkungsvoll, zeigt aber einmal mehr die Widersprüchlichkeit moderner Energiesparmaßnahmen auf.





Hallo,

die Diskussion zeigt, wie komplex die Lade- und Entladevorgänge eines Wärmespeichers sind (nichts anderes ist in diesem Zusammenhang das Haus).
Googeln Sie mal etwas zum Thema "Temperaturamplitude" und "Phasenverschiebung". Beispiel:
Knallt die Sonne nachmittags auf eine Westfassade, die idealerweise noch dunkel ist, so heizt sich das Bauteil mit einer Leistung von fast 800 W auf, das sind für einen durchschnittlichen Raum etwa 10 kW, die bei einer Phasenverschiebung von 10 Stunden Ihren Schlaf gegen 02:00 Uhr am intensivsten stören dürften.
Dagegen kann man was tun: a)Hausintern umziehen
b) den Wandaufbau ändern
c) einen außenliegenden Sonnenschutz vorsehen
d) alles miteinander kombinieren.

In diesem Zusamenhang spielt auch noch die Farbe des Außenbauteils eine Rolle, genauer, dessen Hellbezugswert (engl.: albedo). Deshalb macht es Sinn, auf Flachdächern helle Folien einzusetzen statt schwarzer Bitumenbahnen.


Grüße



Da hier die Wände und



der Dachboden gedämmt ist, stellt sich die Frage, womit und wie stark die beiden Bauteile gedämmt sind. Betrachtet man den Wärmestrom an der Wand und nimmt das Beispiel von Herrn Bekmann und setzt diese Werte "fiktiv" an, zeigt dies, dass die vorhandene Dämmung sich im in Bezug auf den sommerlichen Hitzeschutz nachteilig auswirkt. Es findet zwar eine Dämpfung statt und das Mauerwerk speichert (hier) die von aussen ankommende Wärme und gibt diese zum größten Teil nur nach innen ab, weil die Dämmschicht die Abgabe nach aussen verhindert, was zwangsläufig zu einer Erhöhung der Raumtempataratur führt.

PCM mag bei vielen umstritten sein, aber richtig eingesetzt und dosiert (hier verhält es sich wie überall) trägt es durchaus zu einer klimatischen Verbesserung bei. Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz einer Wandheizung, die zur Kühlung mit benutzt werden kann. Eine Klimaanlage kühlt zwar die Räumlichkeiten, funktioniert aber nur wenn die Räumlichkeiten geschlossen gehalten werden. Sie hält aber den Wärmestrom in der Wand nicht auf. Da sehr viele in der Nacht gerne das Fenster öffnen, scheidet diese Variante für mich persönlich aus, zumal sich eine Klimaanlage sich durchaus auch als Energiefresser erweisen kann, sofern man nicht eine Strom produzierende Anlage mit Eigenstromnutzung auf dem Dach hat.

Möglichkeiten gibt es viele, wie oben schon erläutert wurde.
Aber welche nun, gemessen am Aufwand und den Kosten, in Frage kommen kann nur vor Ort geklärt werden.


Grüsse Thomas



Unter dem Link...



... sind die Zusammenhänge ganz gut und übersichtlich dargestellt.
Ist allerdings schon ein bissel älter und von der Hartschaum-Lobby, die DIN 4108 ist aber ganz ordentlich aufgearbeitet...
...zum Einlesen nicht ganz schlecht...

http://www.hs-augsburg.de/~horschem/medium/baumaterial/material/Sonnenschutz.pdf

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner