Schwamm oder doch Salz/Calcium ?

27.11.2012 wingbing



Hallo, wir haben ein altes Fachwerkhaus, ca. 1870, und haben an den Dachbalken (Sparren und Fußpfetten) diese merkwürdigen Gebilde entdeckt.
Es ist fast reinweiß und sieht auf den ersten Blick aus wie ein Schwamm/ Pilz, wird zwischen den Fingern aber wie feines Puder und löst sich in Haushaltsessig auf. Zurück bleiben ein paar Sandpartikel und Dreck.
Was kann das sein ?
Der Dachboden ist nicht ausgebaut, wird zum lagern und manchmal Wäsche trocknen genutzt und ist eigentlich trocken. Die Dacheindeckung wurde ca. 1996 erneuert mit viel zu dichter Folie als Unterspannbahn. Beim Kauf 2007 endete die Entlüftung der Abwasserrohre im Dachgeschoss, ist von uns aber ummgebaut und durch die Dachdeckung nach Außen geführt.



Stränge



und ähnliches sind auch nicht erkennbar und ist überwiegend punktartig im Bereich der Äste und Risse vorhanden. Ich habe mal ein Übersichtsbild eingestellt der Stelle eingestellt.
Können dies auch Salzausblühungen sein, durch Austrocknen der Balken. Ich habe im Forum gelesen, dass dies bei alter DDR Eindeckung vorkommen kann.
Das was vom Sparren runterrieselt ist ziemlich grob und kein feiner Staub.
Ich werde mir mal noch ein Messgerät zur Bestimmung der Holzfeuchte besorgen.



Ablagerungen



Ausgefällte Kalkseife aus der ehemaligen Badentlüftung?



Kein Pilz sondern Salzausblühungen



Es handelt sich offensichtlich um Salzausblühungen. Die Intensität der Ausblühungen lässt vermuten, dass die Balken mit einer Salzlösung zumindest mehrfach gestrichen wurden. Um welche Salze es sich handelt, lässt sich nur durch ein Labor ermitteln.

Ich hatte mal einen Fall mit ganz ähnlichen Ausblühungen (siehe Bild), bei der die Materialprüfanstalt in Braunschweig Magnesiumsulfat-Hexahydrat festgestellt hat. Dieses kristallin ausblühende Hydrat ist ein Reaktionsprodukt des stark hygroskopischen Magnesiumsulfats mit Wasser. In meinem Fall wurde der Dachstuhl wahrscheinlich zur Zeit des 2.Weltkrieges aus brandschutztechnischen Gründen (öffentliches Gebäude) mit der Salzlösung behandelt. Das Magnesiumsulfat wurde z.B. in Kalibergwerken gewonnen. Es ist aber auch ein Abfallprodukt bei der Entschwefelung von Stahlschlacken. Man war damals also nicht besonders wählerisch, was die „Produktwahl“ anging.

Sie sollten eigentlich an den Holzoberflächen eine faserige Zersetzung der Holzsubstanz feststellen können, die ein klein wenig an Weißfäule erinnert. Dabei handelt es sich um die Auswirkung einer chemisch-physikalischen Reaktion, die Mazeration genannt wird. Die eingebrachten Salze in den Randbereichen der Konstruktionshölzer sprengen durch Kristallationsdruck die Zellwände. Die Schädigung durch Mazeration beschränkt sich in der Regel auf wenige Millimeter, kann jedoch im Laufe der Jahrzehnte fortschreiten (nenneswerte Schäden durch Mazeration sind mir allerdings noch nie untergekommen).

Lange Rede, kurzer Sinn: Pilzschädigung nein; bauschädliche Salze: ja; gesundheitsgefährdende Holzschutzmittel: ungewiss (durch Labor zu prüfen).

Gruß
Boris Blenn



Salz ist auch meine Hauptvermutung



So, "mann" wird langsam zum Wissenschaftler. Habe mir noch mal alle Balken genauer angesehen und diesen weißlichen Belag auch großflächig an anderen Balken festgestellt. An einem Balken waren Wasserränder ersichtlich an dessen Rand sich leicht weiß-gelbliche Kristalle befinden. Ansonsten ist es überwiegend wie Samt oder Puderzucker.
Hatte mir gestern noch ein Messgerät für Holzfeuchte besorgt, die Holzbalken haben überwiegend 17-19 %, in den Bereichen mit den Ausblühungen 19-23 %. Ich denke man kann sagen halbwegs trocken. Haben auch einen Hitze und Flammtest gemacht. Es passiert nicht viel, etwas Dreck verbrennt. An einer getesten Stelle der Ausblühungen "kocht" es unter Hitze weißlich aus dem Holz (vermutlich ein altes Loch von einem Holzwurm) und erstarrte, dann konnte man es zerkrümeln, sah aus wie eine weiße Made.
Ich hoffe, dass es sich nicht um irgendwelche schädlichen Holzschutzmittel handelt und werde eine Probe einem Materiallabor zur Untersuchung geben.
Löst sich übrigens auch in Wasser auf.



Salze im Holz...



Die Salze im Holz erhöhen die elektrische Leitfähigkeit, daher können Sie der Messung nicht vertrauen. Die tatsächliche Holzfeuchte wird wahrscheinlich eher bei etwa 10-15 M-% liegen. Das wäre dann als trocken zu bezeichnen.

MfG