Fachwerkverbindung wie ausbessern?

Diskutiere Fachwerkverbindung wie ausbessern? im Forum Fachwerkkonstruktion im Bereich - Einen schönen Abend, nachdem unsere Zimmerleute auf einer Seite die Stützen wieder abgenommen haben, kam eine schöne mit Beton verschmierte...
C

chris.b

Beiträge
252
Einen schönen Abend,

nachdem unsere Zimmerleute auf einer Seite die Stützen wieder abgenommen haben, kam eine schöne mit Beton verschmierte Verbindung zum Vorschein. Also hab ich erstmal den Beton entfernt und war leider etwas entsetzt, wie kaputt die Holzverbindung ist. Hier mal die Bilder dazu. Von innen sieht soweit alles noch gut aus, aber von außen schien viel Wasser hinter der Fassade durchgelaufen zu sein.


Die Frage ist jetzt wie genau ich das am besten wieder hinbekomme. Es ist ärgerlich, da jetzt die Stützen erst frisch abgenommen wurden. Zur kurzen Erläuterung: Das Zugband wurde angebracht, da der linke Teil später irgendwann an das bestehende Haus angebaut wurde. Daher sieht man auch innen am linken Balken, dass dort einige Zapfenlöcher sind wo früher die Ständer der Außenwand standen... innerhalb des Hauses sollen beide Balken später noch mit einer massiven Stütze etwas abgefangen werden.

Bzgl. abstützen dachte ich, dass man von innen beide Deckenbalken abfängt. von außen könnte man neben dem kaputten Untergeschossständer direkt ein Stützbalken setzen und den Zwischenraum zwischen Decken- und Bodenbalken Obergeschoss mit einem Kantholz ausfüllen.
Nur muss man ja die Enden von 3-4 tragenden Balken erneuern. Wie sollte man da vorgehen? Werde demnächst auch nochmal den Zimmermann zu Rate ziehen, aber würde gerne auch für mich wissen, wie man das löst.

Genau an der Ecke soll demnächst ein Fenster rein und die Gefache wollte ich auch demnächst mauern.


Dazu vielleicht noch eine weitere Frage. Ich wollte für diverse Arbeiten an der Scheune ohnehin Hölzer bestellen. Was für Holz nimmt man als Ersatz für alte Balken und welches nimmt man zum Stützen? Die Zimmerleute haben immer KVH genommen. Das ist wohl insgesamt auch stabiler als anderes Holz hab ich gelesen.
Also würde man das zum Abstützen nehmen. Ist Bauholz dagegen normales Vollholz oder was sucht man um Ersatz für ganze Balken zu finden?

Danke für hilfreiche Tipps :)
 

Anhänge

  • 1.jpg
    1.jpg
    883,4 KB · Aufrufe: 82
  • 2.jpg
    2.jpg
    765,2 KB · Aufrufe: 82
  • 3.jpg
    3.jpg
    592,7 KB · Aufrufe: 76
  • 4.jpg
    4.jpg
    691,7 KB · Aufrufe: 82
  • innen.jpg
    innen.jpg
    379,3 KB · Aufrufe: 88
Moin, deine Fragen sind schon speziell. Weiß jemand wie man ein Fenster einbaut? Wie bessert man eine Holzverbindung aus? Das erinnert mich an den Witz: "Weißt du wie man eine Tür baut? Du nimmst ein Stück Holz und schlägst alles weg, was nicht nach Tür aussieht." KVH würde ich schonmal nicht nehmen, das ist im bewitterten Bereich mMn gar nicht zulässig. Es sollte zum vorhandenen Holz passen. Das wird doch wohl hoffentlich Eiche sein, oder? Diese Verbindung zu reparieren ist schon die höhere Handwerkskunst. Wie soll man das mal eben beantworten... aber vielleicht meldet sich ja noch ein Fachmann. Gruß
 
Das wird doch wohl hoffentlich Eiche sein, oder?
Danach sieht es auf den ersten Blick nicht aus.
Das kann man wie ein Restaurator im Zimmermannshandwerk mit sauberen Holzanschlüssen lösen. Ich denke, es steht aber nicht unter Schutz und deshalb wird es am Ende auch wohl eine pragmatische Lösung werden.
Grundlage wäre mir erst mal zu klären ob es wieder verkleidet wird.
 
Hallo Chris,

erstmal ein paar Worte zu KVH und Vollholz (da meinst Du Fichte /Tanne?) - zum Abstützen können die beide gut genutzt werden, wir nutzen allerdings so viel es geht Stahlstützen da die ja immer wieder verwendet werden können... das kommt natürlich auf die örtlichen Möglichkeiten der Lastabtragung an.

Wie Methusalem schon geschrieben hat solltest Du für die Fachwerkreparatur Eiche nehmen - zumindest wenn es bewittert wird.

Zu den Reparaturverbindungen kann ich nicht viel sagen aus der Ferne - die müsste ich mir vor Ort anschauen bei so einem Knotenpunkt. Da wird Dein Zimmermann der hoffentlich Restaurator im Handwerk ist oder viel Erfahrung damit hat bestimmt gut weiterhelfen können.

Beste Grüße

Florian
 
Das wird doch wohl hoffentlich Eiche sein, oder?
Das Haus wurde mit Fichtenholz gebaut, also nein. Ich bin aktuell auf der Suche nach alten Eichenbalken, die man ggf. einarbeiten könnte als Prothese oder in größeren Stücken. Wenn ich Holz habe, frage ich mal bei den Zimmerleuten nach.
Der Architekt meinte, man könnte das auch Prothesenmäßig ausbessern. Von innen sieht ja alles noch gut aus.
Man könnte die Ständer im ersten Bild mit Stützen direkt daneben abfangen und mit Kanthölzer unter den obigen Fußschwellen auch die Last der Deckenbalken auffangen. Wenn man die Deckenbalken dann von Innen abfängt kann man sicher Stückweise vllt bis zur Hälfte der Holzes abtragen und dann gucken ob der halbe Tausch genügt.

Ich hatte überlegt, ob man dann wie auf dem Bild eine Prothese erstellen kann. Damit hätte man auch "endlich" mal eine kraftschlüssige und stabile Verbindung zwischen dem Anbau und dem Althaus; wobei ich die Prothesen an den Seiten etwas weiter laufen lassen würde als markiert. Im Falle eines Kompletttausches müsste man wohl eine stehende Verblattung erstellen. Da der Lastabtrag zwischen den Ständern nicht ganz so stark ist, ginge das vielleicht auch ohne Stahlschrauben. Nur für die obigen Ständer müsste man im schlimmsten Fall wohl direkt auf den Stützen der unteren Balken aufliegen, was etwas kompliziert wäre.

Ich denke, es steht aber nicht unter Schutz und deshalb wird es am Ende auch wohl eine pragmatische Lösung werden.
Grundlage wäre mir erst mal zu klären ob es wieder verkleidet wird.
Nun ja... es handelt sich um ein Denkmal, es war bisher verkleidet mit einer sehr kaputten Holz-Deckelschalung... da lief auch an vielen Stellen bei starkem Wind scheinbar Wasser an den Fensterbänken etc. hinter die Fassade.
Aufgrund der besseren Pflege des Holzes, der Sichtbarkeit, des Preises und des Dachüberstandes haben wir uns dafür entschieden, es nicht wieder zu verkleiden. Es handelt sich um die Südseite. Wir möchten es herrichten und mit Lehm wieder verfüllen und mit Kalk verputzen.
Der Denkmalschutz ist damit einverstanden und wir sollen eben nur soviel erhalten wie möglich. Wobei danach am Ende auch keiner mehr kräht, wenn das getauscht ist. Ich gucke immer wieder, dass ich vllt. Eichenbalken gebraucht bekomme, die man dann schön aufarbeiten und einbauen könnte.

Vollholz (da meinst Du Fichte /Tanne?)
Genau. Aber da ich es hier jetzt vermehrt gelesen habe, würde ich tatsächlich für den Außenbereich versuchen mit alten Eichenbalken zu arbeiten, wenn ich welche ergattern kann.
Für innen sollten aber günstige Fichten oder andere Balken genügen. Ich benötige aber doch noch einige Meter die ich tauschen muss. Der Plan ist, dass die Zimmerleute dann Abstützen und ich den Rest mache. Dauert halt länger, aber mit viel Arbeit bekommt man auch eine Bodenschwelle gewechselt und fixiert.

Zu den Reparaturverbindungen kann ich nicht viel sagen aus der Ferne - die müsste ich mir vor Ort anschauen bei so einem Knotenpunkt. Da wird Dein Zimmermann der hoffentlich Restaurator im Handwerk ist oder viel Erfahrung damit hat bestimmt gut weiterhelfen können.

So einen richtigen Restaurator habe ich in der Region leider nicht. Viele Fachwerkbesitzer sind auch über die Expertise der örtlichen Handwerker etwas enttäuscht. Man muss immer selbst auch ein Auge auf die Tätigkeiten haben. Daher ist der Plan, dass man sowas sonst selbst macht.
Bei den Stahlstützen bin ich wegen der Last etwas skeptisch. So ein KVH 14x14cm ist da doch stabiler im Lastabtrag denke ich. Ich habe auch beobachtet, wie man das Ganze abstützt, nur bin ich da noch etwas zurückhaltend.... zumal ich ja auch noch keine Balken habe.
Ich würde nur alsbald gerne mit dem Ausmauern beginnen und möchte bis dahin diese Stelle noch repariert haben.


Aber danke erstmal für die anregenden Antworten.
 

Anhänge

  • test.png
    test.png
    648,9 KB · Aufrufe: 31
Hallo Chris,
ich bin selbst nicht "vom Fach", renoviere aber seit einigen Jahren ebenfalls ein FW-Häuschen von Grund auf. Mittlerweile fertige ich solche Reparaturverbindungen an einigen Stellen selbst an, bin aber sicher noch ein Stück weit von einem professionellen Ergebnis entfern.

Ich würde den Aufwand für die Instandsetzung eines solchen Knotenpunktes recht hoch einschätzen. Je nach Ausführung fertigst Du Reparaturstücke für 2 x Rähm, 2 x Schwelle und 2 x Ständer an. Wenn Du es unbedingt sichtig lassen möchtest, müsstest Du ja auch noch ein Reparaturstück für den Kopf des rechten Deckenbalkens anfertigen. Das wären dann ggf. 7 Teile bei ca. 1 Teil/ Tag. Besonders das Anarbeiten einer sauberen Überblattung für die Hölzer im Bestand ist schwierig. Womit willst Du das machen, hast Du gutes Werkzeug inklusive einer echt scharfen Stemmaxt?
Wenn Du Dich erstmalig an solche Arbeiten heran wagen möchtest, wäre auch meine Empfehlung, dass Du Dir einen Profi suchst und Dir auf jeden Fall Referenzobjekte zeigen lässt. An der Ausführung kann man dann sehen ob er (a) ein Profi ist und (b) Bock auf solche Arbeiten hat.

Was mir nicht einleuchtet, ist die Verwendung von Eiche im Reparaturstück bei Nadelholz im Bestand. So etwas kenn ich nicht. Ich kannte bisher den Grundsatz "im Holz zu bleiben".

Vielleicht überlegst Du es Dir noch einmal und entscheidest Dich doch für die verkleidete Variante des FW's. Eine Verbindung so auszuführen, dass sie hinterher auch ansprechend aussieht ist eine Kunst.

Noch eine Frage, warum sind Schwellen und Rähm an der Stelle unterbrochen und durch separate Ständer abgestützt.

Gruß,
Alexander
 
Nachtrag:

Falls Du Dir einen Eindruck über die konstruktive Ausgestaltung der Reparaturverbindungen machen möchtest, kann ich nur folgendes Werk wärmstens empfehlen: "Anschuhen, Verstärken und Auswechseln", herausgegeben von der Beratungsstelle für Denkmal und Handwerk. Kostet gerade mal 16 EUR (Publikationen – Beratungsstelle für Denkmalpflege) etwas nach unten scrollen.

Absolut lesenswert ist die gesamte Schriftenreihe der "Johannesberger Arbeitsblätter" (selber Link), welche unterschiedlichste Themen des praktischen Denkmalschutzes und der Restauration behandelt. Kostet ein Scheinchen, ist es aber absolut Wert.

Gruß.
 
Hallo Chris,
Zu Deiner Frage, welches Material für die Reparatur anzuraten wäre, gibt es meiner Meinung nach immer nur die eine Antwort:
Möglichst das Material, aus dem der Rest auch besteht.
Wenn das ordentlich und fachlich korrekt ausgeführt wird, solltest Du damit am besten fahren.
Natürlich ist so ein Fachwerkhaus keine Raketenwissenschaft aber unterschiedliche Holzarten arbeiten nunmal unterschiedlich unter Witterung und Sonne. Daher würde ich nicht pauschal zu Eiche raten, auch wenn das in manchen Belangen bessere Eigenschaften hat.

Am besten wäre es, wenn Du noch alte gesunde Balken aus Deinem Haus hast, Und Dein Zimmermann zustimmen würde, die zu verarbeiten.

Viel Erfolg,

Pascal
 
Thema: Fachwerkverbindung wie ausbessern?

Ähnliche Themen

Zurück
Oben