Das kleine Fachwerkhaus-Lexikon auf Fachwerk.de


Dieses Lexikon soll als kleines Nachschlagewerk dienen. Es kann und wird nie vollständig sein und erhebt auch nicht den Anspruch darauf.

Die wichtigsten Begriffe des Fachwerkbaus und der Geschichte dahinter.

Definitionen und Erläuterungen der Bauweise, Baumaterialien und des kulturellen Hintergrundes.



Von der Hütte zum Fachwerkhaus

Fachwerkhaus

Das Fachwerkhaus wie wir es heute kennen, hat einen langen Entwicklungsprozess hinter sich. Das Wissen und Verständnis über dieses Zusammenhänge, erschließt viele einzelne Aspekte rund um das Fachwerkhaus.


1

Pfostenbau

Bereits vor tausenden von Jahren wurden Hütten gebaut, deren Pfosten in die Erde gegraben wurden und damit als Tragwerk für das Dach und als seitliche Begrenzung für die Wände dienten. Die Höhe des Bauwerks wurde durch die Länge der Pfosten beschränkt.

2

Ständerbau

Der Ständerbau zeichnet sich dadurch aus, dass die Pfosten nun nicht mehr eingegraben, sondern auf Steine oder sonstige Fundamente gestellt wurden. Somit wurden aus Pfosten (eingegraben), Ständer (aufgestellt). Die Ständer wurden aber immer noch über die Geschosse hinaus verbaut.

3

Rähm- oder Stockwerksbau

Die Ständer wurden auf Geschosshöhe gezimmert und durch Rähmbalken verbunden. Jedes Stockwerk wurde einzeln errichtet und es konnten viele Stockwerke aufeinander errichtet werden.


Mehr über die Entwicklung des Fachwerkhauses

Bauabschnitte beim Fachwerkhaus


Grundschwelle

Richten eines Fachwerkhauses

Die Grundschwelle nimmt das Wandgefüge des Erdgeschosses auf und wird auf das Fundament gelegt. Je nach Region und / oder Vermögen des Bauherren wird für die Grundschwelle ein wiederstandsfähiges Holz verbaut. Hier eignet sich vor allem Eichenholz, da diese Holz den Witterungsbedingungen und der Feuchtigkeitsbelastung durch die Bodennähe am Besten standhalten kann.


Expertenratschläge

Schwellenbalken

Material

Bauholz

Bilder

Bildergalerie


Aufbau des Wandgefüges

Richten eines Fachwerkhauses

Das Richten der Fachwerkwände erfolgt durch das Einlassen der Ständer und Streben in die Schwellbalken und der zusätzlichen Versteifung durch Riegelbalken oder Verblattungen. Die Verbindung der einzelnen Hölzer erfolgte durch Zapfen und Zapfenlöcher. Die Zapfen wurden dann mit Holznägeln im Zapfenloch verankert. Regionale Besonderheiten sind z.B. Kopfbänder oder Schmuckhölzer. Abhängig von der Bauepoche wurde auch Schmuckelemente wie Rosetten oder reichhaltig verzierte Balken verbaut.


Expertenratschläge

Fachwerkwand

Material

Bauholz

Bilder

Fachwerkwand


Rähmbalken legen

Richten eines Fachwerkhauses

Der Rähmbalken schließt das Wandgefüge für das Stockwerk ab und bildet das Auflager für die Balkenlage die nach unten als Decke, nach oben als Lager für den Fußboden dient. Im Gegensatz zum Ständerbau, werden alle Hölzer auf die Geschosshöhe abgelängt und kein Ständer ragt über diese Höhe hinaus.


Expertenratschläge

Rähmbalken

Material

Bauholz

Bilder

Rähmbalken


Balkenlage und Schwellbalken

Richten eines Fachwerkhauses

Die das Geschoss abschließende Balkenlage wird gelegt und sollte ein weiteres Geschoss aufgesetzt werden, wird eine Stockwerksschwelle auf die Balkenlage gezimmert.


Expertenratschläge

Balkenlage

Material

Bauholz

Bilder

Balkenlage


Neues Geschoss

Richten eines Fachwerkhauses

Die Bauabschnitte wiederholen sich nun, bis die endgültige Anzahl von Geschossen erreicht ist. War der Ständerbau noch in vielen Bereichen beschränkt, eröffnete die Rähmbauweise völlig neue Möglichkeiten was die Höhe und Belastung der Gebäude anging.


Expertenratschläge

Geschoss

Material

Bauholz

Bilder

Geschoss

Bezeichnungen der Fachwerkbalken


Bennung der Fachwerkbalken

Hölzer und Figuren

Waagerechte Hölzer

Grundschwelle

Zunächst ist die Grundschwelle als Basis für den restlichen Aufbau der Wand zu nennen. Die Grundschwelle nimmt die Ständer und Streben des ersten Stockwerks auf und liegt auf dem Fundament auf.

Aufgrund der Lage der Grundschwelle, ist diese der höchsten Feuchtigkeitsbelastung ausgesetzt. Spritzwasser, Regenwasser und / oder die Feuchtigkeit des Fundaments wirken auf die Grundschwelle. Die Grundschwelle daher sehr schadensträchtig und wird im Sanierungsfall ganz oder teilweise ausgetauscht.



Riegel

Die Riegel sind waagerechte Hölzer, die zwischen die Ständer verbaut werden. Sie dienen der Versteifung des Fachwerkgefüges. Über Türen und Fenstern werden die Riegel Sturzriegel genannt. Unter einem Fenster spricht man von einem Brüstungsriegel. Ca. bis zum Ende des 15. Jahrhundert wurden die Riegel aufgeblattet, danach setzte sich die Verzapfung durch.

Die Verbindung zwischen dem Ständer und dem Riegel wird in den meisten Fällen durch eine Zapfenverbindung hergestellt.



Rähmbalken

Der Rähm (Rähmbalken) bildet den oberen Abschluß einer Fachwerkwand und ist das Gegenstück zur Grundschwelle. Der Rähmbalken dient auch als Auflager für die Deckenbalken.



Stockschwelle (Balkenschwelle, Saumschwelle)

Verfügt das Haus über mehrere Stockwerke, wird auf die Balkenlage, die auf dem Rähm aufliegt, ein weiterer Schwellenkranz gezimmert. In diese Stock(werks)schwelle werden dann wieder die Ständer für das nächste Geschoss eingezapft.



Senkrechte Hölzer

Ständer

Ständer sind die senkrechten Hölzer, die in der Regel von der Schwelle bis zum Rähm reichen, also über ein gesamtes Stockwerk. Die frühen Ständerbauten weisen Ständer auf, die über die gesamte Höhe des Hauses oder sogar bis in den First reichen.




Schräge Hölzer im Fachwerkbau

Streben (Langstrebe oder Vollstrebe)

Eine Strebe versteift den Wandaufbau und leitet die seitlich wirkende Kräfte (zum Beispiel Wind) nach unten ab. Die Vollstrebe erstreckt sich im Stockwerksbau von der Schwelle bis zum Rähmbalken. Statisch optimal ist es, wenn der Strebenkopf nach außen zeigt. Es gibt aber Regionen (z.b. Waldecker Land) in Deutschland, wo die Streben nach außen oder innen eingebracht wurden. Auch Häuser mit nach innen gerichtete Streben haben die Jahrhunderte überlebt.



Streben nach innen




Streben nach außen




Kopfstrebe / Fußstrebe

Kopf- oder Fußstreben reichen nicht von der Schwelle bis zum Rähm, sondern verbinden die Schwelle (Fußstrebe) mit dem Ständer und zwar bis max. dreiviertel der Geschosshöhe oder das Rähm mit dem Ständer (Kopfstrebe).



Kopfstreben




Fußstreben



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