Zwischensparrendämmung unter Sandwichplatten

09.07.2021 HeimwerkerSBK


Hallo liebe Forenanhänger,

wir sind gerade dabei, unser Dachgeschoss (EFH, Bj. 1955) zu sanieren, das weiterhin als Wohngeschoss dienen soll. Nach Entfernen sämtlichen Altmaterials stellt sich die Lage von außen nach innen wie folgt dar:

A. Betonziegel ohne Lattung
B. Sandwichplatten (Hartschaum, beidseitig alukaschiert, 6 cm) mit eingepresster Lattung, auf der die Ziegel aufliegen. Diese wurden im Rahmen einer Renovierung des Daches nach dem Sturm "Lothar" rund um die Jahrtausendwende angebracht.
C. Sparren 12x6 cm

Diese Punkte sind unveränderlich.

Bisher war eine Zwischensparrendämmung aus Faserdämmstoffmatten verschiedener Hersteller und Dicken (5 cm bis 12 cm) vorhanden; beim Entfernen selbiger kam keinerlei Schimmel bzw. Feuchtigkeit zum Vorschein. Eine Hinterlüftung ist für mich nicht erkennbar, aber aufgrund des Baujahres des Hauses stellenweise unbeabsichtigt durchaus denkbar. Nach innen hin waren die Sparren mit Täfelung und teilweise darauf befindlichen Gipskartonplatten verkleidet, eine Dampfsperre war keine vorhanden, Täfelung und Gipskarton könnten als Dampfbremse fungiert haben.

Daraus ergibt sich für mich folgende Bewertung für die zukünftige Dachkonstruktion, um Korrektur wird natürlich gebeten:

1. An der Unterseite der Sandwichplatten kann sich Kondenswasser bilden, wenn es nicht verhindert wird.
2. Sollte sich Kondenswasser bilden, muss es abgeführt werden bzw. austrocknen können.
3. Die zukünftige Zwischensparrendämmung sollte entweder Kondenswasserbildung verhindern können oder aber Kondenswasser temporär speichern und wieder abgeben können.
4. Aufgrund meines geplanten Dachaufbaues mit Dampfbremse (siehe unten) besteht eine Feuchtegefahr für die Zwischensparrendämmung und die Sparren eher von oben (Sandwichplatten) als von unten.

Ich habe meine Optionen bisher alle mit dem ubakus (kostenfreie Version) durchgerechnet, bin mir aber aufgrund verschiedener Forenbesuche und Expertenmeinungen noch unschlüssig und bitte daher um Eure Einschätzung zu folgenden Möglichkeiten (Buchstabenfolge gemäß ganz oben von außen nach innen fortgesetzt):


M1:
C1: PUR-Platten, alukaschiert, 10 cm
C2: Installationsebene 2 cm
D: OSB-Platten 12 mm
E: Gipskartonplatten 12,5 mm

ubakus sagt: Tauwasserbildung 0,017 kg / m2, 0,1% erhöhte Holzfeuchte, Trocknungsdauer etwa 50 Tage.

Der Baustoffexperte sagt: PUR-Platten sind hierfür nicht zugelassen.

Ich denke: super Lösung gemäß ubakus, allerdings frage ich mich, ob eine Kondenswasserbildung unterhalb der Sandwichplatten nicht doch möglich ist (und wie dieses dann abgeführt werden könnte) und ob ich zur Verhinderung von Kondenswasser die PUR-Platten vollkommen bündig mit den Sandwichplatten verbinden müsste, was naturgemäß nicht hundertprozentig möglich sein wird.


M2:
Wie M1, allerdings PUR-Platten durch XPS-Platten ersetzt.

ubakus sagt: Tauwasserbildung 0,043 kg / m2, leicht höhere Holzfeuchte, Trocknungsdauer etwa 60 Tage.

Der Baustoffexperte wurde dazu noch nicht befragt.

Rest unverändert.


M3:
Wie M1, allerdings PUR-Platten durch Holzfaserdämmmatten ersetzt.

ubakus sagt: Tauwasser 0,38 kg / m2, 0,1 % erhöhte Holzfeuchte, Trocknungsdauer etwa 60 Tage.

Der Baustoffexperte wurde dazu noch nicht befragt, aber in gewissen Foren wird tunlichst von Holzfaserdämmung unterhalb von Sandwichplatten abgeraten, vor allem bei unklarer Lage bzgl. der Abführung der gespeicherten Feuchtigkeit.

Ich denke: Vorteil: geringes Gewicht, Fähigkeit zur Speicherung und Abgabe von Kondenswasser, gutes Raumklima. Nachteil: falls die Feuchtigkeit nicht abgeführt werden kann, richte ich mir eine Pilzzucht im Dach ein. Das will ich nicht.


M4:

Wie M1, allerdings PUR-Platten durch Mineralwolle ersetzt.

ubakus sagt: Tauwasser 0,64 kg / m2, keine Holzfeuchte, Trockungsdauer etwa 60 Tage.

Der Baustoffexperte wurde dazu noch nicht befragt.

Ich denke: wenn das in den letzten 20 Jahren funktioniert hat, müsste es ja auch jetzt bei quasi selbem Aufbau weiter funktionieren. Allerdings spricht das Tauwasser an der Unterseite der Sandwichplatten und dessen Abführung dagegen.


Meine Fragen an Euch:

1. wo denke ich falsch bzw. richtig und welche Option würdet Ihr aus welchem Grund bevorzugen bzw. wie völlig anders aufbauen? Ich will lediglich mit der Dampfbremse aus OSB und Gipskarton arbeiten, da es mit dieser Konfiguration bisher auch keine Probleme gab.

2. Ist denn meine Sorge bzgl. des Tauwassers an der Unterseite der Sandwichplatten überhaupt begründet?

3. Könnte ich eine Hinterlüftung des Dämmstoffes durch Schaffung eines "Totraumes" im Kniestock beidseitig herstellen? Meiner Meinung nach nicht, da ja nach oben hin aufgrund der Sandwichplatten nichts ausweichen kann.


VIelen Dank für die Antworten im Voraus und viele Grüße!



Versuch einer Klärung



ich versuche mal zu ordnen.
Diffusion von Wasserdampf findet nur statt, wenn es ein Dampfdruckgefälle innerhalb eines Bauteils gibt, in der Regel von der wärmeren Seite zur kälteren. Du hast quasi eine Aufdachdämmung mit integrierten Ziegeln, allerdings eine alukaschierte Dämmung, die praktisch dampfdicht ist. Sollte also tatsächlich die Unterseite der Dämmschicht so kalt werden, dass der Taupunkt unterschritten wird, würde da Kondensat ausfallen, welches nur nach innen abtrocknen kann.
Von daher würde ich den Einsatz von Mineralwolle kritisch sehen, da sich diese wahrscheinlich im Kondensatfall vollsaugen würde und schlecht bis gar nicht abtrocknet.
Den Einsatz starrer Platten zwischen den Sparren stelle ich mir schwer vor dicht zu kriegen. Du benötigst in jedem Fall eine Dampfsperre raumseits, damit erst gar keine Feuchte Luft in die Dämmebene gelangen kann.
Ich würde hier mit Holzfaser dämmen und eine feuchtevariable Dampfbremse einsetzen, damit evtl Kondensat wieder nach innen abtrocknen kann. Bei ubakus gibt es bei den Dichtfolien einige Produktvarianten, die Du ja mal durchprobieren kannst.



Verständnisfrage



Guten Morgen Pope,

danke für die Antwort!

Dazu folgende Verständnisfrage: Du schreibst von der feuchtevariablen Dampfbremse zwecks Abtrocknung nach innen.
Diese Dampfbremse muss in meinem Fall ja von innen auf die Sparren aufgebracht werden, so dass weiter nach innen in meinem Aufbau OSB- und Gipskartonplatten folgen. Kann durch diese Schicht denn überhaupt Feuchtigkeit zurück in den Innenraum gelangen, da OSB nach meiner Kenntnis zumindest als Dampfbremse wirkt?

Viele Grüße!



OSB



darauf würde ich verzichten. Die Platten müßten 100 % dicht montiert werden, dass ist im Altbau oft schwierig und daher wenig fehlertolerant, weil eindringende Feuchte nicht wieder zurück kann - OSB ist als Dampfsperre anzusehen.
Ich würde folgenden Aufbau umsetzen:
- Ausdämmung des Sparrenzwischenraumes mit flexibler Holzfaserdämmung
- Spannen der variablen Dampfbremse über den gesamten Aufbau, antackern auf die Sparren, Tackerstellen abkleben
- montieren der Unterkostruktion für die GK-Platten nach Systemvorgaben
- Anbringen der GK-Platten.
Wenn Du mal bei ubakus Deinen jetzigen Aufbau nur mit der Aufsparrendämmung eingibst, also ohne die Baustoffe zwischen den Sparren, wirst Du sehen, dass an der Unterseite der Alukaschierung eine Temperatur herrscht, die keine Kondensation zur Folge hat.
du kannst ja mal meinen Vorschlag bei ubakus simulieren.



OSB fände ich wichtig, weil...



Hallo Pope,

ja, das Durchrechnen mit dem ubakus war tatsächlich sinnvoll. Danke auf jeden Fall für die bisherigen Tipps!

Wie schon die Überschrift sagt: ich will eigentlich an OSB festhalten, da dies ja auch die Grundlage für Verschraubungen etc. darstellt; gerade im Bereich der Dachschräge kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Gipskarton allein auch nur geringe Lasten hält.

Ich würde daher so vorgehen: Holzfaser und Dampfbremse, wie von Dir beschrieben. Würde darunter dann mit KVH eine Installationsebene (2-4 cm) einziehen, darunter OSB und Gipskarton. OSB würde ich lediglich normal mit Nut und Feder verbinden und nicht speziell abdichten. Würde das funktionieren, vor allem in Bezug auf die Dampfdurchlässigkeit nach innen? Der ubakus findet die Idee umsetzbar, alternativ könnte ich OSB auch mit "offenen Fügen" installieren, um die Dampfdurchlässigkeit zu erhöhen.



OSB



wenn Du meinst, die OSB als Montageebene zu benötigen, da gäbe es auch andere Möglichkeiten, z.B. die UK für die GK an den Montagepunkten stärker auszuführen. Aber gut. Wenn OSB, dann dampfdicht verkleben, die Dampfbremsbahn kannst Du Dir dann sparen. Eine Rücktrocknung funktioniert nicht über ein paar Ritzelchen, da kommt es drauf an, dass gar kein Eindringen von Feuchte überhaupt verhindert wird. Also auch an den seitlichen und oberen und unteren Anschlüssen sauber verkleben, z.B. mit Rissan oder anderen für Dampfbremsen zugelassenen Dichtklebestreifen.



Re: OSB fände ich wichtig, weil...



(Zitat): "gerade im Bereich der Dachschräge kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Gipskarton allein auch nur geringe Lasten hält." (Zitat Ende)
Schau mal z. B. hier. Da findest du Daten zum Aufbau und Belastbarkeit von GK-Beplankung: https://www.knauf.de/profi/tools-services/dokumenten-center/index.php?t=0&p=5-1-4&s=1&q=
Abgesehen davon, wenn du schon weißt wo schwere Lasten an die Dachschräge gehängt werden sollen, kannst du an den Stellen in die Unterkonstruktion breitere Bretter oder OSB-Plattenstücke integrieren. Eine teil-, bzw. stellenweise Beplankung mit "dichtenden" Platten sind ja kein Problem für eine Rücktrocknung nach innen. Nur darf diese nicht insgesamt zu viel sein.
Alternativ könntest du auch, wenn du ganz viel Zeit und Muse hast, die OSB-Platten mittels Akkuschrauber und 6mm-Bohrer "perforieren", um damit dann vollflächig zu beplanken. Z. B. immer 5 - 10 Platten übereinander gelegt im 10 cm-Raster durchbohren.