Zwischensparren-Einblasdämmung mit Zellulose ohne Dampfsperre - Zimmerdecke als Dampfbremse reicht?



Hallo, bin neu hier. Ich suche dringend Rat für folgende Problemstellung. Ich bin nicht sicher, ob das hierher passt:

Es soll eine Zwischensparren-Einblasdämmung mit Zellulose gemacht werden. Die Sparren sind von unten verkleidet mit Holzfaserdämmplatten und zum Raum hin mit Fichte-Nut- und Feder-Bretterverkleidung (typisch 60er Jahre). Die wurden vor einigen Jahren mit Rigips Platten verkleidet. Das Dach hat auf der Brettschalung eine 100mmm Aufdämmung, die auf einer Bitumenlage liegt. Der U-Wert Rechner von Ubakus schlägt bei diesem Aufbau Alarm und zeigt rote Feuchte-Höchstwerte an, an der Unterseite der Brettschalung, allerdings mit dem Hinweis:
"Achtung: Die Berechnung des Feuchteschutzes berücksichtigt nur Diffusionsprozesse. Die Vorteile von kapillaraktiven und sorptiven Baustoffen werden hier nicht berücksichtigt!"
Siehe Beitrag mit Dachaufbauschema und Rechner hier: ubakus.de/forum/U-Wert-Rechner/1727/
Eine Dampfbremse (oder muss es eine Dampfsperre sein?) nachträglich einzubringen wird nicht möglich sein.

In verschieden Foren lese ich, das sei kein Problem mit dem Taupunkt, da die kapillare Wirkung der Zellulose und die Dampf-diffusionsoffene Bauweise zum Innenraum, die Feuchtigkeit wieder abtransportiert. Außerdem wird das Dach im Sommer trotz der 100mm Dämmung von oben ordentlich aufgeheizt.
Es scheint gängige Praxis zu sein mit Zellulose auszublasen in Hohlräume, die sowieso nicht zugänglich sind für nachträgliches Anbringen von irgendwelchen Folien und Abdichtungen.

Trotzdem bin ich jetzt sehr verunsichert, da der Ubakus U-Wert Rechner erstmal genau das bestätigt, was mir der Dachdecker heute gesagt hat, (der soll die äußere Bitumen-Eindeckung erneuern), nämlich dass mir das Dach in wenigen Jahren durchfaulen würde, wenn ich zwischen den Sparren ausblasen würde, ohne vorher von den Innenräumen aus eine absolut dichte Dampfsperre anzubringen. Eine Fachfirma für Einblasdämmung hat mir auch gerade abgesagt, sie würden da lieber die Finger von weg lassen, wegen der Gewährleistung.

Gibt es hier jemand, der mir dazu etwas berichten, der Erfahrung hat mit Zellulose Einblasdämmung? Ich hoffe eine Lösung zu finden, ohne dass mir ein Handwerksbetrieb mit Verweis auf die Gesetze und Gewährleistung entweder direkt absagt oder anbietet, das ganze Dach komplett abzureißen und zu erneuern.



Physik



Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist zur kalten Seite das Dach durch die Dachpappe luftdicht, richtig?

Dieser Fall ist zu vergleichen mit einer diffusionsdichten Unterspannbahn. Diese wurde in den 1990er Jahre häufig verwendet und sieht aus wie eine weiße Gitterfolie. In diesem Fall ist zwingend eine Hinterlüftung notwendig. Hier kommt tatsächlich einiges an Kondensat zusammen.

Sie müssen sich also überlegen, wie die feuchtwarme Luft, die in den Dachaufbau strömt, abgeführt werden kann, ohne an der kalten, luftdichten Bretterschalung zu kondensieren oder wie eben eine Trocknung der in der kalten Jahreszeit angefeuchteten Schalung erfolgen kann.



Dachaufbau Wirrnis



also ich beschreibe mal den Ist-Aufbau von innen nach außen, wie ich ihn verstanden habe:
- Rigipsplatten auf Fichtebretter
- Holzfaserdämmplatten an der Unterseite der Sparren
- zwischen den Sparren Hohlraum ?
- Dachschalung Holz
- Bitumenbahn
- Aufdachdämmung 100 mm woraus?
- Äußere Bitumenbahn als Schlußbekleidung, die jetzt erneuert werden soll?
Ausgeblasen werden soll jetzt der Raum zwischen den Sparren, zudem soll die äußere Bitumenbahn erneuert werden ?



entwirrt, aber leider ein falscher nutzloser Dachaufbau


entwirrt, aber leider ein falscher nutzloser Dachaufbau

Soweit richtig. Auf der Brettschalung sind zwei Lagen Bitumenbahnen, siehe Foto (das Loch, um den Dachaufbau zu untersuchen, befand sich über der Außenmauer). 100 mm Polystyrol Dämmung sind darüber.
Das Bitumen-gedeckte Dach muss zwar auch erneuert werden, also neue Bitumenschweißbahnen bekommen und die Dämmstärke entspricht nicht dem heutigen Standard, aber eine neue oder zusätzliche Aufdämmung scheint nicht so sinnvoll zu sein, abgesehen von den Kosten. Denn unter der Brettschalung sind die 36 cm hohen Sparren (Wellstegträger) mit der Zimmerdecke darunter. In diesem Luftraum zirkuliert natürlich die Luft und die Gebäudehülle ist auch nicht 100% dicht angeschlossen. Die Aufdämmung ist daher nur teilwirksam. Zwischen den Sparren im Luftraum pfeift da der Wind wegen undichter Gebäudehülle durch. Darunter die Zimmerdecke, wie beschrieben.

Ich bin jetzt sehr verunsichert, da mir ein Dachdecker gestern gesagt hat, (der sollte mir anbieten die äußere Bitumen-Eindeckung zu erneuern), nämlich dass mir das Dach in wenigen Jahren durchfaulen würde, wenn ich zwischen den Sparren ausblasen würde, ohne vorher von den Innenräumen aus eine absolut dichte Dampfsperre anzubringen.
Ich solle am besten das ganze Dach abreißen und neu aufbauen. Ich habe schon solche Angebote über so einen Aufwand im sechs-stelligen Bereich. Das ist völlig außerhalb unserer Möglichkeiten.

Da erschien mir eine Einblasdämmung preiswerte und gute Lösung zu sein.
Eine Dampfbremse (oder muss es eine Dampfsperre sein?) nachträglich einzubringen wird allerdings kaum möglich sein. Und fungiert nicht die Zimmerdecke wie eine Dampfbremse?

Die Sparren sind von unten verkleidet mit Holzfaserdämmplatten und zum Raum hin mit Fichte-Nut- und Feder-Bretterverkleidung (typisch 60er Jahre). Die wurden vor einigen Jahren mit Rigips Platten verkleidet.



Dachdämmung



wie Holger schon schrieb, die einzige sichere Lösung ist eine Hinterlüftungsebene unterhalb der Dachschalungsbretter einzufügen. Dadurch wird zwar der Zwischensparrenraum von 36 auf 30cm verkleinert, der sollte allerdings mit Zellulose ausgeblasen eine ausreichende Dämmwirkung haben. Das würde allerdings bedeuten, dass die Decke von innen geöffnet werden müßte, um die Lüftungsöffnungen an der Traufe und am First einzubringen und eine Unterdeckplatte mit Abstand zur Dachschalung anzubringen. Unterhalb der Sparren dann z.B. OSB und dazwischen ausblasen.
Die Zimmerdecke an sich stellt keine Dampfsperre dar, weil sowohl der Gipskarton als auch die Bretterdecke diffusionsoffen sind und Feuchte dadurch in den Zwischensparrenhohlraum gelangen kann, wo sie dann an der Unterseite der Dachschalung kondensiert. Dass bis jetzt nicht viel passiert ist wird daran liegen, dass der Hohlraum sich im Sommer erwärmt und somit die Feuchte ins Zimmer rücktrocknet, zudem gibt es ja wie Du schreibst ausreichend Zugluft in diesem Bereich. Diese macht natürlich sämtliche Dämmung zunichte.
Eine Lösung wäre in der Tat eine Dampfsperre an der Decke, aber dazu müßte ja auch die jetztige GK-decke zurückgebaut werden.
Unabhängig für welche Variante die Entscheidung fällt, die Zugluft in der Dämmebene muss durch Bauteilabdichtung behoben werden.



Machbar?



Blöde Gesamtsituation. Aus Planersicht würde man von innen neu anfangen. Das bedeutet aber auch innen zunächst alles zurückbauen sonst wird man da keinen bauphysikalisch sicheren Aufbauen mit einer entsprechenden Haftung entwickeln können.

ABER ...!
Bitte mal bei proClima anrufen und einen Sevicetechniker mit einem von denen empfohlenenen Verarbeitungsbetrieb zu dem Objekt holen und prüfen lassen ob durch deren Produkte SANTA DT bzw. UT sowie ggf. in Verbindung mit deren AEROSANA VISCONN-System eine nachträgliche Dampfbremse hier ausführbar ist.

Viel Glück - M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land



Rigips abnehmen?



Und wenn der TS nun die Rigipsdecke entfernen würde, eine Dampfsperre auf den Nut und Feder Brettern aufbringt und dann neues Rigips aufbringt, dann müsste es doch mit der Einblasdämmung klappen - sofern das Dach dicht bleibt.

Natürlich ist Rigips nicht so toll in Bezug auf die Luftfeuchtigkeit und das Wohnraumklima - aber da kann man ja auch Alternativen finden.



Nachträgliche Dampfbremse als Tapete und /oder dampfbremsende Beschichtung der raumzugewandten Innenseite



Vielen Dank Markus Mattonet!
Das ist ein sehr wertvoller Hinweis mit der dampfbremsenden Beschichtung an der Zimmerdecke innen! Ich werde mich mit Pro Clima in Verbindung setzen. Inzwischen hatte ich etwas Ähnliches, nämlich Latexfarbe in WUFI simuliert und auch im Ubakus U-Wert Rechner. Das könnte tatsächlich die Lösung sein, auf preiswerte und pragmatische Weise das Problem zu lösen.
Nochmals vielen Dank für den Hinweis in diese Richtung zu denken!



Nicht zu früh freuen ...



Bitte beachten, das die Ausführung, wenn sie funktionieren soll, auch nich vom Laien "mal eben" an die Wand geklatscht werden kann. Da muss schon jemand dran, der weiss was er und wo er es mit den richtigen Mitteln macht.
Trotzdem ... alles Gute.



aber...



wenn man direkt die Wand versiegelt, hat man doch ein Wohnklima wie in einem Badezimmer!

Das kann doch kein dauerhafter Ratschlag für eine Wohnung oder ein Schlafzimmer sein. Was zwei Leute so in der Nacht an Feuchtigkeit produzieren ist beachtlich!

Wenn in 5 Jahren jemand die Nase voll hat davon und alles entfernt wird, hat man mit Sicherheit die Sanierungskosten von dieser Diffusionsbarriere, eventuell Schimmel im Bereich der Sparren, weil niemandem klar war, was dann passiert und auch jeden Fall dann auch noch Kosten für eine neue Deckschicht (Rigips oder, oder, oder...).

Ich glaube, eine Variante, bei der die oberste Schicht entfernt wird (Rigips), dann eine Dampfsperre und die oberste Schicht al gusto sind da schon die bessere Wahl.



"feuchte-adaptive" Dampfbremsbahn..



..wäre die Lösung von unten .
Dafür lohnt es Gips und ggfls olle Profilbretter runterzunehmen .
Die oberseitige pu Dämmung hilft der Konstruktion eher .( Uberdammte Konstruktion).
Aber den obigen Rat von M. Martinez kann ich nur stützen : Die Beratung von pro Clima ist da richtig gut und hilfreich
Wir haben dies bei einem gleichartigen Projekt im letzten Jahr zu schätzen gewußt.
Viel Erfolg.



Geld lieber sinnvoll einsetzten



Wenn ich Sie richtig verstanden haben, gibt es aktuell 10 cm Styropordämmung und zusätzlich noch Holzfaserdämmung unter den Sparren. Dazu gibt es noch Lagen von Holz und Gipskarton.
Wenn Sie es schaffen die Undichtigkeiten unter der Styropordämmung zu schließen, ist das Dach recht gut gedämmt.
Rechnen Sie den aktuellen Zustand bei Ubakus durch Sie werden sehen, dass der prozentuale Gewinn durch die Einblasdämmung nicht der Brüller ist. Falls Sie dann doch noch dämmen wollen, können Sie auch noch im Zuge der Bitumenerneuerung eine 2. Lage 10 Styropor außen auf die 1. Lage legen.

Das Wichtigste und wahrscheinlich Günstigste ist das Schließen der Undichtigkeiten des Luftraums, da sonst ihre 10 cm Styropordämmung keine Wirkung hat.



Klimaschutzziele erreichen, Dämmstandard erreichen für Heizen mit Wärmepumpe



Hallo BlauerPaulchen,

Na ja, mit Einblasdämmung wären es U-Wert: 0,08 W/m²K, ohne 0,29 W/m²K, wenn man von stehender Luft zwischen den Sparren ausgeht. Aber selbst wenn das dicht wäre, ist in diesem riesigen Hohlraum sehr viel thermische Bewegung. Um einen U-Wert: 0,12 W/m²K zu erreichen mit zusätzlicher Aufdämmung müssten da außerdem noch 20 cm drauf. Bei 0,8 wären das sogar 35 cm, also 45 cm insgesamt auf dem Dach!



Aktuelle Vorschriften



Wenn ich mich nicht irre, schreiben die aktuellen Vorschriften für Dächer einen U-Wert von 0,24 bzw. 0, 20 bei Renovierungen vor. Daher würde ich Geld und Zeit, da einsetzen, wo es den höchsten Nutzen bringt.
Das GEG setzt beim Referenzgebäude für Neubauten einen U-Wert von 0,20 für Dachflächen an.
Für Passivhäuser gilt ein U-Wert von 0,15.
Eine U-wert von 0,08 ist in diesem Fall vorraussichtlich nicht mehr wirtschaftlich.



KFW Einzelmaßnahme: U < 0.14



Wir wollen die KFW Förderung erhalten. Bedingung ist U-Wert = 0.14 (20% Zuschuss). Die 0,08 ergeben sich einfach automatisch durch die gegebene Dämmstärke wegen der Sparrenhöhe.



Nu wegen Zuschüssen



würde ich nicht anfangen den Zwischenraum zu dämmen. Auch bei 20% Zuschuss müssen 80% selbst bezahlt werden. Es gibt sicher noch andere Stellen, wo das Geld gut angelegt werden kann.




Dampfsperre-Webinar Auszug


Zu den Webinaren