denkmalrelevante Kosten




Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich bewohne ein denkmalgeschütztes Reihenhaus in Berlin und möchte die Eingangstür nachbauen lassen, da sie auseinanderfällt. Wir haben ein Bauhandbuch, in dem die Vorgaben recht gut erläutert sind. Weiß jemand, wie hoch oder was genau die denkmalrelevanten Kosten für so eine Tür wären. Der Spaß wird mich ca. 3500-4000€ brutto kosten und ich würde einen Teil gerne beim Fa steuerlich absetzen lassen. In anderen Quellen habe ich lediglich von "90% der so genannten denkmalrelevanten Kosten" gelesen, jedoch keine Definition derselben. Kann jemand helfen?



Steuerbescheinigung



Hallo,

das hängt von der Praxis der örtlichen Finanzbehörde ab.
Voraussetzung ist aber die Erteilung einer Steuerbescheinigung durch die Denkmalbehörde, die nur erteilt wird, wenn Sie vorher hier einen Antrag auf denkmalrechtliche Erlaubnis gestellt haben, der dann auch genehmigt wurde.
Also: Formular runterladen, ausfüllen, Türzeichnung kopieren, vielleicht noch ein persönliches Gespräch, Kostenanschlag einreichen, fertig.

Grüße



denkmalrelevante Kosten



Genau. Ehe ich mir aber die ganze Arbeit mit dem Denkmalschutz mache, wollte ich prüfen, wieviel der Kosten gespart werden können. Unser zuständiger DS ist recht anstrengend und ich bin bisher gut gefahren, die Modernisierungen denkmalschutzkonform (also ohne offizielles o.k.) durchführen zu lassen. Wenn die Kostenerstattung sehr gering ist, dann lohnt es sich nicht für mich, die Tür beim DS durchzuboxen und ich verfahre nach der bisherigen Variante.



denkmalrelevante Kosten



Hai,

denkmäler sind ein klasse steuerspar modell, da ich einen gewissen teil der kosten linear gegen meine einkommensteuer rechnen kann. ob das bei 4000€ lohnt weiß ich nicht.
Wir haben unsere gesamte Renovierung geltend gemacht und das lohnt sich richtig.
Am meisten lohnen sich Denkmal gepflegte vermietungsobjekte.
Es gibt schon spezialisierte immobilien fonds wegen der möglichen steuerersparnis.

ufe



Denkmalschutz ist schon ok...



wenn man vorher mit den Leuten redet. Wenn Sie Änderungen vornehmen, sollten Sie vorher einen Antrag auf Genehmigung stellen. Bei einer neuen Eingangstür sowieso. Also erst Antrag stellen, gleich Antrag auf Zuschuß mit einbinden. Da sind die Denkmalschutzbehörden auch recht flexibel. Normalerweise gibts 10% (Da ist aber noch Spielraum nach oben) Den Rest können Sie für die Steuererleichterung beantragen. Das wäre dann der Aufwand ./. Zuschuss verteilt über 10 Jahre. Bei uns hat das bisher recht gut geklappt. Und wenn die sich auf die Füße getreten fühlen, können die auch echt eklig werden. Ich würde ohne Genehmigung nix machen, bei Zwang zum Rückbau kann das verdammt teuer werden...
Trotzdem viele Grüße aus Hessen
Marion



Denkmalschutz AFA



ist 'ne tolle Sache, genau ausrechnen kann das aber nur Dein Steuerberater (in bin keiner!).

Immer (!) gilt: vorher (also vor Beginn der Baumaßnahme) beim DS eine Antrag stellen und den Bescheid auch abwarten.

bei selbst genutzen Immobilien:

10 Jahre lang jeweils 9% der Kosten als Sonderabschreibung

bei vermieteten Objekten:

12 Jahre lang insgesamt 100% (zuerst mehr, später etwas weniger).

Wie viel Du sparen kannst, hängt daher ganz wesentlich von Deinem Steuersatz ab, den hattest Du noch nicht erwähnt (kleiner Scherz), denn Abschreibung * Steuersatz ergibt das, was man hinterher mehr im Säckl hat.

A: Wenn Du also eine Tür für 4000 € kaufst, der DS vor Auftragserteilung grünes Licht gegeben hat, Du die Sache dann auch so durchführst, wie eingereicht und 25% Steuern zahlst, kommen 1000 € Ersparnis heraus. Der Rest geht auf Deine Rechnung.

B: Wenn Du eine Tür für 2500 € ohne DS-Genehmigung kaufst ist das natürlich billger. Wenn der DS das spitz kriegt und die Tür nicht nach DS Vorstellungen ist, kannst Du alles wieder ausbauen (2500€ + Ausbau zu Deinen Lasten), dann kannst Du nochmal bei A anfangen.

Wenn Du weißt, was der DS möchte, ist A sicherer und für einen gut-Verdiener billiger. B ist ein Risiko, inbesondere kann man eine Tür ja nicht so gut verstecken.

Dann gibt's aber noch Variante C: Mal bei den Profis nachfragen (Fragen kost nix), ob die alte Tür nicht doch noch zu retten ist. Der DS wird Tränen in den Augen haben!

(gibts ein Foto?)

Gruß Götz.



noch 'was



wenn hier der Eindruck enstseht, man hätte eine Wahl sich für oder gegen DS zu enscheiden ist das ebenso falsch, wie die Wahl zwischen Steuern zahlen ja-oder-nein.

Ich (und sicher alle anderen D-Besitzer auch) habe nach dem Kauf meines Baudenkmals ein amtliches Schreiben bekommen, was ich alles darf und was nicht (wollte ich schon immer mal hier einstellen). Es war nicht meine Absicht, zu empfehlen, dass man gegen diese Bestimmungen aus finanziellen Gründen verstoßen kann, wenn man möchte.

Es ist eben wie mit Kindern. Man hat Ärger und Freuden, man hat Kosten und Kostenausgleich. Was Netto rauskommt, weiß man vorher nicht, hinterher gibt's aber keine Wahl.

Gruß Götz

(der Kinder und Denkmal hat)

p.s.

wie macht man eigentlich eine Renovierung DS konform ohne offizielles ok, d.h. vorher nachfragen und Genehmigung abwarten? Ich würde mir überlegen, diesen Thread ganz schnell zu löschen.
Wer ein Baudenkmal besitzt, ist verpflichtet dieses DS konform zu behandeln. Die Eigenschaft eines Gebäudes ein Baudenkmal zu sein, bedeutet, dass der Eigentümer es als ein solches behandeln muss. Es ist auch kein Steuersparmodell, obwohl viele Finanzfuzzies das einem als Verkaufsargument unterjubeln wollen.
Der Anspruch, dass ein Baudenkmal als solches erhalten bleibt, hat jeder, der bei Dir zu Hause vorbeigeht. Dafür kannst Du als Besitzerin Steuern sparen, mehr Entgegenkommen hat die Öffentlichkeit nicht zu bieten.



Berliner Denkmalpraxis ...



Hallo Patrizia,

... ja, der Begriff "denkmalrelevant" ist wahrlich erstmal recht schwammig, und in den Texten des Berliner Denkmalschutzes nicht wirklich gut erläutert. Im Prinzip geht es dabei um alle Kosten, die für den Erhalt des Denkmals - auch zu dessen zeitgemäßer Nutzung anfallen.

Bei deiner Tür ist dieser Sachverhalt ohne weiteres gegeben! Die Absetzbarkeit hat Götz ganz anschaulich beschrieben. Auf die zusätzliche Förderung (siehe Marion) brauchst Du in Berlin aber nicht zu hoffen.

... Übrigens! In welchem Bezirk bist Du eigentlich unterwegs? Ich würde sagen, mach Dir erstmal nicht so viel Gedanken über das Getöse des Denkmalamts, und das was andere darüber sagen. Habe zwar selber die Erfahrung machen müssen, daß es recht schwierig ist mit den Leuten zu reden. Dies liegt aber vor allem daran, daß diese dort scheinbar oft gar nicht gewohnt sind daß man mit Ihnen redet. Die notorisch personelle und finanzielle Unterversorgung der Denkmalbehörden in der Stadt tut da leider nicht viel Gutes! Hat schon fast was letargisches was einem da begegnet, und leider macht das dann offensichtlich auch vieles im Umgang mit den Denkmaleigentümern kaputt.
Trotzdem! Du lebst am Ende mehr im Frieden, wenn Du mit den Leuten sprichst, und Du wirst sehen ... es lohnt sich nicht nur für das Denkmalamt, sondern auch für Dein Haus was eine Geschichte zu erzählen hat, die durchaus auch von Anderen gesehen und geschätzt wird.

Gruß aus Berlin (Treptow/Köpenick)
Stephan


PS: Um was für eine Tür geht es denn genau? Wir haben für unser denkmalgeschützes Reihenhaus auch gerade eine neue Tür gebraucht und haben hierfür ein in unseren Augen recht günstiges Angebot ausfindig machen können. ... Vielleicht kann ich vermitteln.



denkmalrelevante Kosten



Vielen Dank für die zahlreichen Beiträge!!

Die muss ich erst mal in Ruhe verarbeiten. Ein Bild kann ich auf die Schnelle nicht liefern. Die Tür ist sehr detailaufwendig: mit Bogen, kleinen Fenstern, Briefschlitz und Details im Holz. Da das Holz bereits einfach abfällt, dürfte eine Restaurierung mindestens so kostspielig, wie ein Nachbau sein.
Wir haben für unser Haus ein sehr detailliertes Bauhandbuch erhalten, was als Grundlage für alle Erneuerungen dient. Ohne Genehmigung und doch denkmalschutzkonform - wie das geht: meine Nachbarin hat z.B. die Diskussion um Fensterformate schon hinter sich und ich habe dann die gleichen wie sie genommen. Mir geht es ja nicht darum den DS zu umgehen, sondern einfach den Papierkram zu sparen.
Sicherlich ist ein ds-Haus kein Steuersparmodell, doch muss ich nicht Geld ausgeben, wo es nicht nötig ist.

Grüße aus dem berliner Norden.

Patrizia





Hallo Patrizia,

da bist Du schon auf den Punkt gekommen. Eine DS-konforme Genehmigung kann nur vor der Maßnahme bentragt und erteilt werden. Da spielt es keine Rolle, ob die Maßnahme im Sinne des DS genehmigungsfähig ist oder nicht.
Theoretisch läuft man Gefahr, dass man Sanierungsarbeiten rückbauen muss, auch wenn sie beim Nachbarn genehmigungsfähig waren und sogar beim eigenen Bauvorhaben vorab hätten genehmigt werden können. Der Verzicht auf eine vorherige Anfrage ist ein k.o. Kriterium.
Nun wird ein DS aber wohl nicht verlangen Fenster, die ok. sind, wieder auszubauen.

Was spricht denn dagegen, beim DS eine Anfage zu stellen (formlos reicht):

z.B. "Ich möchte die marode Tür ersetzen und habe hierfür einen identischen Nachbau vorgesehen"

Dann sagt der DS (wahrscheinlich) ja, oder er sagt nein, gibt aber an, wie zu verfahren ist (z.B. Instandesetzung der alten Tür).

90% von 4000€ Abschreibung wäre mir die Sache wert, den möglichen Ärger wenn man's nicht macht, gar nicht eingerechnet.

Bei mir hilfreich war, vorab schon einmal mit dem Herren zu telefonieren und das Objekt zu begehen. Das war sehr informativ und hat geholfen, die Anfrage so zu gestalten, dass hinterher (fast) alles glatt ging.
Dabei ging's auch nicht nur um eine Tür, sondern ein Haus mit Einzel- und Ensembleschutz, also das volle Programm.

nur Mut

Götz