Dachsanierung und Dämmung

28.01.2012



Hier gibt es ja richtige Fachleute, weshalb ich um Ratschläge bitte.
Ich wollte eigentlich mein Dach sanieren und dabei von außen neu dämmen.
Von außen deshalb, da innen Wohnraum bis unter den First, also ohne Spitzboden.
Das Dach ist derzeit wie folgt aufgebaut von außen nach innen:
- Ziegeln, Lattung, Konterlattung
- Dachpappe, m.W. diff.-dicht aus 1978
- Holzverschalung/Rauhspund auf den Sparren
- Zwischen den Sparren (220 mm hoch) 10 cm Glaswolle alubeschichtet von unten an
den Sparren befestigt, aber nicht sehr sorgfältig verarbeitet
. unter den Sparren Nut- und Federbretter.
Oben an der Wand im Firstbereich zeichnen sich dunkle Schimmelspuren ab.
Ziegeln, Dachpappe und Holzverschalung sind eigentlich noch intakt und bräuchten nicht erneuert zu werden.
Da ich jedoch wegen der Schimmelspuren etwas unternehmen muß, habe ich mir Angebote eingeholt für eine komplette Dachsanierung mit Dämmung, d.h. Ziegeln, Latten, Holzverschalung und alukaschierte Glaswolle entfernen und dann Neuaufbau mit Hanf zwischen den Sparren und Holzfaserplatten auf den Sparren.
Diese Aktion würde jedoch nach den vorl. Angeboten eine erhebliche Stange Geld verschlingen und dies, obwohl das Dach von außen eigentlich intakt ist.
Nun habe ich mir überlegt, ob es nicht doch möglich wäre, von innen zu öffnen und die Dämmung zu erneuern und gleichzeitig die Nut- und Federbretter auf der Innenseite durch Gipsfaserplatten zu ersetzen. Bei diesen Arbeiten könnte man selbst Hand anlegen.
Das Problem ist jedoch die außen auf der Holzverschalung liegende Dachpappe, die m.E. dicht ist.
Andererseits gibt es doch sicherlich viele Häuser mit diesem früher durchaus üblichen Dachaufbau.
Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen.
Vielen Dank



Sie haben recht ...



... mit Ihrer Annahme. Der Aufbau ist trotz Hinterlüftung (Konterlattung) dampfdicht, erst recht, wenn eine besandete Dachpappe auf der Schalung liegt.

Sie können in diesem Falle, wenn sie das komplette Dach nicht neu aufbauen wollen, nur eine absolute Dampfsperre auf der Innenseite anordnen. Das funtkioniert aber nur theoretisch und baupraktisch nie 100%.

Odereine neue Belüftungsebene unterhalb der Schalung anordnen, am besten mindestens 40-50mm: Dachlatten seitlich an die Sparren, DWD-Platte oder Holzfaserplatte mit einem sd-Wert deutlich unter 1 darunter,dann die neue Dämmung, möglichst auch Holzfaserplatten oder Zelluloseflocken eingeblasen. Als raumseitigen abschloss eine 15mm OSB-PLatte mit abgeklebten Stössen, die einen höheren sd-Wert hat als die DWD-PLatte aussen (3-5 min.)

Das Problem ist dabei, an der Traufe und am First geeignete Zu- und Abluftöffnungen zu schaffen. In den Bereichen muss das Dach dann doch geöffnet werden. Aber Sie sparen sich eine komplette Neueindeckung.

Lassen Sie sich die ganze Sache aber von einem PLanungsbüro konzipieren, als Baudetail und überlassen Sie es nicht einem Handwerksbetrieb, nach Gutdünken zu verfahren. Die sind im zweifelsfalle über die ganzen bauphysikalischen Aspekte auch nicht informiert.


Viel Erfolg.



Diese



Diskriminierung tut aber weh, Herr Pickartz.

Viele Grüße



Dachsanierung, Dämmung, KfW-Zuschuss



Hallo,

also nach meinen Erfahrungen in den letzten Wochen hat Herr Pickartz mit seiner Aussage, was die Bauphysik nicht unrecht, wenn ich auch nicht alle über einen Kamm scheren möchte.
Übrigens, Herr Pickartz, vielen Dank für die klaren und verständlichen Informationen zu den bestehenden Alternativen bei meinem Dach.
Nun habe ich gelesen, daß es einen KfW-Zuschuß für einergitsche Einzelmaßnahme Dachdämmung nur gibt bei einem U-Wert von 0,14 W/m²K.
Für diesen Wert muß man doch dämmen wie ein Weltmeister, oder?
Da muß doch neben der Zwischensparrendämmung auch noch ganz ordentlich auf dem Dach, oder unter den Sparren gedämmt werden?
Die Sparren bei mir auf dem Dach sind 220 mm hoch, aber da reicht eine Zwischensparrendämmung allein bei weitem noch nicht aus, oder?
Es dürfte doch gerade bei älteren Dächern schwierig werden, diesen geforderten Wert zu erreichen.
Andererseits sind dann doch die für diesen Wert erforderlichen Maßnahmen derart teuer, daß man doch lieber auf den Zuschuß verzichtet und sich mit einem Wert von z.B. 0,17 zufriedengibt.
Sehe ich das falsch, oder wie ist dazu die gängige Meinung aus der täglichen Praxis?



Die Dämmstärke ...



... für Sanierungsmaßnahmen nach der EnEv muß einen U-Wert von 0,24 erreichen. Mit einem Dämmmaterial der Klasse 035 und einer Dämmstärke von 14cm wird dieser Wert bereits erreicht.

Ein von der kfw geforderter U-Wert von 0,14 ist mir nicht bekannt. Wenn Sie die Förderung der Einzelmaßnahmen in Anspruch nehme wollen (Programm 152), dann beachten Sie auch die Fördervoraussetzungen: u.a. Baujahr/Bauantrag vor dem 01.01.1995 und: Ausführung nur durch einen FAchbetrieb. Eigenleistungen sind nicht erlaubt, außer der BAFA-Berater/Architekt bescheinigt Ihnen eine korrekte Ausführung (macht aber keiner)

Und: die Maßnahme muß durch eine Gebäudeenergieberatung nach BAFA-Standard beantragt werden. Kostet Sie als Eigenanteil mindestens € 300-400,-

Der BAFA-Berater rechnet Ihnen auch aus, ob/wann sich die Investition lohnt. Hier gelten mittlerweile ein Zeitraum von 10 Jahren als "angemessen".

@ Zimmerei Schobig:

Schön zu lesen, daß es auch HAndwerksbetriebe mit einer anderen Einstellung gibt. Aber man sieht so einiges, was am Wert des dt. Meister- und Gesellenbriefes zweifeln lässt.

Natürlich gibt es auch Architekten/Statiker/PLaner, also all die Sesselhocker und Mausklicker, die immer Details zeichnen, die kein Handwerker ausführen kann (... wie soll ich denn die Sparrenschraube in der Stellung jetzt so reindrehen ...)

Handwerk und Architektur werden immer komplizierter und (auf beiden Seiten) ist die Versuchung groß, diese Komplexität zu ignorieren. Funktioniert aber leider nicht auf Dauer. Außer, man kehr zum "Schlichtbau" der 50er JAhre zurück.



Holbalkendecke EneV



Nur zur Info: Bei einer obersten Geschossdecke, die als Holzbalkendecke ausgeführt ist, muss man theoretisch überhaupt nicht dämmen!
Zumindest nicht so wahnsinnig, wie die Dämmmafia es gerne hätte.
Also bei alten Häusern: Gut planen, viele Meinungen einholen, und keine unsinnigen Sachen versuchen!



KFW Förderprogramm



In der Anlage zu den Merkblättern der Programme Energieeffizient Sanieren - Kredit(151/152) und
Energieeffizient Sanieren - Investitionszuschuss (430)
ist bei den technischen Mindestanforderungen
Bei Anforderungen an die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) der jeweiligen Bauteile
Wärmedämmung von Dachflächen
unter 2.1 Schrägdächer und dazugehörige
Kehlbalkenlagen ist der U-Wert von 0,14 verankert und vorgeschrieben.

In diesem Fall ist die Anwendung der EnEV auf jedenfall sinnvoller hier ist der zul. U-Wert von 0,24 einzuhalten.
Ist aber die Dämmsschichtdicke durch Innenbekleidung oder Sparrenhöhe begrenzt, genügt eine Vollsparrendämmung, auch wenn der U-Wert nicht eingehalten werden kann. (Quelle: EnEV-Nachweisschema für Dach, Decke zum Dachraum und Abseitenwand (Altbau)).

Grüsse



Herr Kehle hat recht,



neuerdings ist bei Einzelmaßnahmen ein U-Wert von 0,14 für das geneigte Dach über 10 Grad und ein U-Wert von 0,20 für Dachflächen von Gauben und Gaubenwangen im Rahmen eines KfW-Förderkredits einzuhalten. Flachdächer bis 10 Grad DN müssen ebenfalls einen U-Wert von 0,14 erfüllen.

Um das mal anhand einer Aufdachdämmung zu verdeutlichen:

Um einen U-Wert von unter 0,14 zu erreichen, benötigt man eine Pavatherm Holzfaserdämmplatte von 260 mm Dicke und eine Isolair Unterdeckplatte von 35 mm Dicke....
Das ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge Holz :-)

Gruß Andreas





und das kostet!
Es sind ja nicht nur die dicken Platten, sondern das ganze drumherum auf dem Dach verteuert sich ja ins Unendliche.
Ich hätte eigentlich sehr gerne mit natürlichen Materialien gedämmt,
kann aber unter den Sparren innen max. 30 mm dämmen (war mit Hlzfaser- oder Hanfmatten gedacht (Inst.-Ebene), wegen schrägem Fensterelement bis in den First.
Zwischen den Sparren (Höhe 215 - 220 mm) wollte ich volldämmen mit 220 mm Hanf, mehr geht dort nicht.
Auf den Sparren wollte ich 35 mm dicke Holzfaserplatten aufbringen.
Damit erreiche ich aber den von der KfW geforderten U-Wert von 0,14 nicht.
D.H., ich müßte zur Erreichung dieses Wertes auf dem Dach Holzfaserplatten in der Stärke von ca. 80 - 100 mm nehmen, was jedoch die Maßnahme derart verteuern würde und zwar richtig massiv, daß sich dies m.E. wirklich nicht mehr rechnet.
Mit Zwischensparrendämmung von 032er Mineralwolle könnte ich evtl. noch auf den Wert kommen?
Aber, ich sträube mich einfach dagegen, jetzt die vorhandene 35 Jahre alte Glaswolle rauszureisen und zu entsorgen und dann wieder neue hineizustopfen.
Wahrscheinlich werde ich mich mit einem U-Wert von ca. 0,17 zufriedengeben und auf die KfW-Mittel verzichten.
Ob später ein U-Wert-Unterschied von 0,3 in der Praxis überhaupt spürbar wird und die extrem hohen Mehrkosten sich jemals rechnen, wage ich zu bezweifeln.



Lt. Isover



erreicht man mit einer Zwischensparrendämmung von 200 mm (Integra ZKF 1-032) und einer Untersparrendämmung von 40 mm (Integra UKF 2-032) einen U-Wert von 0,17.

Es muß jeder für sich selber beantworten, inwiefern so eine Maßnahme sinnvoll ist.
Wir haben momentan einen Bauherren, der den U-Wert 0,14 aus Gründen der KfW-Förderung unbedingt erreichen will. Allerdings wird es hier wohl eher auf eine Kombination aus Sparrenzwischendämmung und Aufdachdämmung hinauslaufen, denn das Aufdachdämmpaket mit 26 cm Dämmung (und dann kommen ja noch die Lattung, Konterlattung und in diesem Fall die Tonziegel dazu) ist dem Bauherren (und auch mir) zu wuchtig.

Gruß Andreas