zu dünne Außenwand

09.10.2016 Han



Wir haben ein Bauernhaus gekauft, das mehr als 5 Jahren leer gestanden hat. Baujahr 1920 weitgehenst in original Zustand. Eine der Probleme ist die Außenwand: Eichen-Fachwerk ausgemauert mit Bimsstein 15 cm Dick, Außen Kalkputz, Innen ist einen ca. 3 bis 4 cm dicke Lehmputz mit Stroh ausgetragen, mit Kalk gestrichen und tapeziert. Die alte Bauern zogen wenn es kalt wurde eine zweite Pullover an aber dass will ich meine Kinder nicht zumuten. Heizung eine Ölheizung mit Rippen-Heizkörper, Fenster Isolierglas aus 1989.
Es wäre ohne weiteres möglich Innen einen Dämmung von 5 bis 6 cm anzubringen (10 cm und mehr ist zu viel) Dazu muß ich an unsere Kasse denken, nach dem Kauf ist nicht viel übrig geblieben! Was können und wollen Fachleute mich raten? Im voraus besten Dank.



Ratschlag



Ein Sanierungskonzept unter ständigem Blick auf die Kasse erstellen: was ist am dringendsten zu machen, um die Bausubstanz zu schützen( Dach, Außenwand mit Schlagregendichtheit usw.) Innendämmungen werden sowieso nur bis 6 cm Stärke als bauphysikalisch sinnvoll beschrieben. Noch ein Typ: Hier im Forum Beiträge lesen, insbesondere die Homepages der Mitgleider durchforsten, z.B. hat Herr Böttcher viel veröffentlich, auch Edmund Bromm. Über die Suchfunktion der Schlagworte läßt sich viel finden. Und viel selbst machen, auch wenns länger dauert. Ein Vorteil ist wahrscheinlich, dass noch nicht soviel kaputtrestauriert ist, wenn sich das Haus noch im O-zustand befindet. Strohlehminnenputz ist schonmal ein guter Ausgangspunkt. Und wenn er tapeziert ist, scheints auch einigermaßen gerade zu sein -da kann man mit einer Holzfaserdämmplatte und Lehmputz schon viel selbst machen.





Im Frühjahr kann es dann losgehen. Innendämmung mit Holzweichfaerplatten oder Hanfplatten vollflächig in/mit Lehm geklebt ist die sicherste und preiswerteste Innendämmung. Darauf dann Lehmputz mit Gewebe (Masche optimal 10*10mm , kein 4*4mm aus dem Baumarkt). Jedoch ist für Innendämmung der Außenwände nicht mehr die Jahreszeit. Ich würde erst im Feb. oder März damit beginnen, weil es sonst nicht mehr trocknet im Winter. Schimmel und Fäulnis können die Folge sein. Im bergischen mag es jetzt noch etwas wärmer sein, kan ich nicht beurteilen.

Lehm und Zubehör von eiwa-lehmbau.de (ca. 100km). Die verkaufen auch direkt an privat, haben alles was gebraucht wird, sind preiswert und beraten hervorragend.
Bei den Dämmplatten genau informieren welche geeignet sind und falls es nicht neu vom Händler sein soll, z.b. bei ebay etc. nach Sonderposten suchen.

Versuchen sie sich, bevor es losgeht, selbst so kundig wie möglich zu machen, z.b. durch das Forum oder Webseiten einiger Foriker hier, Fachliteratur (z.b. Wolfgang Lenze, WTA-Merkblätter, Schriften vom Johannesberg etc.) . Dann vermeiden sie Fehler und sind in der Lage Lösungen zu beurteilen und ungeeignete Ausführungsvorschläge rechtzeitig zu erkennen. Eine Fachfirma ist leider kein Garant für Fachkompetenz.

Gruß
Selle



Innendämmung



Einen guten Morgen,

Innendämmung mit Schilfdämmplatten oder HWF Platten werden seit ca. 25 Jahren im Bereich Denkmal und Altbausanierung eingebaut.
Dies hat sich gut bewährt!

Um diese Jahreszeit kann die Arbeit noch gut ausgeführt werden, da noch keine Frostgefahr besteht.

Aufbau
-Mauerwerk vorbereiten mit Lehmhaftgrund
-Lehmausgleichsputz auftragen und Schilfdämmplatte einbetten
-mit Tellerdübel befestigen
-2 lagiger Lehmputz auftragen und ein Glaßgewebe einlegen

Beste Grüße
Waldemar Eider



Vorsicht



ich würde Herrn Selles Ratschlag folgen, ich habe am WE meine Innendämmarbeiten mit Lehm abgebrochen, bei 10grd bereits begann der Lehm zu schimmeln, da brauchts keinen Frost.



Innebdämmung



Einen guten Tag,

man nimmt Lehm ohne Stroh.
Lehmputz ohne Stroh kann nicht Schimmeln!

Bei zu langer Trocknungszeit kann sich auf dem
Putz Staub bilden, welcher dann den Schimmel ausbilden kann. Bei Bedarf Luftentfeuchter und Luftumwälzer einsetzen.


Oder warten bis ..... die Sonne uns ...

Beste Grüße
Waldemar Eider



Gebäudedämmung



Auch ich kann nur dazu raten, ein Sanierungskonzept nach einer Bauaufnahme erstellen zu lassen, das die Maßnahmen auf Ihren Geldbeutel abstimmt und die Dringlichkeit und jeweilige baukonstruktive / bauphysikalische Stimmigkeit der Einzelmaßnahme berücksichtigt. Sonst werden schnell Bauschäden in Unkenntnis der Zusammenhänge produziert, gerade auch bei Innendämmungen von Fachwerkbauten. Holen Sie sich unabhängigen + fachkundigen Rat -damit meine ich nicht kostenlose Kostenvoranschläge von Baufirmen jeglicher Art.



@ Pickartz



Diesem Betrachtungsargument würde ich ebenfalls folgen.
Trocknungphasen der jeweiligen Schichtebenen sind sehr wichtig und sollten nicht mit banalen Argumenten vom Tisch gewischt werden.
Was unser guter Waldemar hier so bedenkenlos abwinkt, ist doch kritischer zu betrachten.
Es gab früher am ein altes Sprichwort:
Lehmbauarbeiten wurden nur in Monaten ohne "R" ausgeführt.
Und da ist noch immer etwas dran.
Nur unsere modernen Lehmbauerzeugnisse sind da unseren Altvorderen um einiges mittlerweile voraus.
Nasslehmtechniken mit Innendämmungen würde uch auch nur noch dann ausführen, wenn man eine gute Innenthermik hat und gut ablüften kann.
Ansonsten erst ab dem Frühjahr.
Ausgleichsschichten für das Aufbringung der Innendämmung, sollten vorher gut durchgetrocknet, sodass nur noch mit einer geringen Klebeebene gearbeitet werden muss.

Der angesprochene Lehmhaftgrund ist völliger Blödsinn und nur eine Geldschneiderei und eher kontraproduktiv.
Sprühwasser geht da viel einfacher, wenn es überhaupt benötigt wird, wenn man mit Putzmaschine arbeitet.

Auch kann man eine magnesitzgebundene Heraklithplatte 35 oder gar 50 mm anbringen.
Hat bessere Haftzugswerte für nachherige BNefestigungen.
Da stehen HWPl und auch die Schilfplatte um einiges schlechter da.



Wenn es aussen verputzt ist...



... warum keine Aussendämmung ?



Innendämmung



Einen guten Morgen,

Wärmeleitfähigkeit bei Dämmplatten,

HWF-Platten 0,038 - 0,040 W/mK

Schilfdämmplatten 0,048 -0,056 W/mK

Heraklitplatten 0.090 W/mK

dies sollte man bedenken.

Beste Grüße

Waldemar Eider



mein Vorschlag..



wenn die Sanierung/Dämmung jetzt nicht unbedingt notwendig ist, leben Sie einmal einen Winter in dem Haus. Durch das Leben im Haus merkt man mit der Zeit, wo die wirklichen Probleme liegen, wo es "reinzieht", welche Wände kalt sind. Die Ölheizung stärker aufzudrehen schadet sowieso nicht, auch weil das Haus 5 Jahre unbewohnt war - ist aber nur meine persönliche, nicht Profi-Empfehlung.