Was war das mal?

02.12.2012



Beim Ablösen der Tapete in meinem aktuellen Renovierungsobjekt (Wohnung in Mehrfamilienhaus von 1906) kommt leider nur an einigen wenigen Stellen ein Ranken-/Blättermuster zum Vorschein.

Irgendwie kann ich mir nicht so ganz erklären, was das mal gewesen sein soll.

Malerei scheidet aufgrund des unebenen Untergrundes eigentlich aus.

Vielleicht hat sich da etwas von einer alten Tapete gelöst? Oder was könnte das mal gewesen sein?

Kontrast ist hochgedreht auf dem Bild, im Original ist es deutlich blasser.





Schablonierung





Hallo,

zuerst einmal Glückwunsch für so einen Fund.

Also eine Malerei schließe ich auch aus, dafür ist das Muster zu monoton.

Ich "denke" es handelt sich dabei um eine Musterwalzentechnik, aber dafür sind weitere Vorarbeiten nötig um dieses zu bestätigen.
Entferne erst einmal vorsichtig (ohne was zu zerstören) die angrenzende Tapete und sende weitere Bilder ein.

Bis dahin

MfG



Hmmm...



Musterwalze direkt auf dem nackten Putz? Gabs das damals?

Bisher habe ich es das nur an dieser Stelle gefunden, ich fürchte da ist nicht mehr viel zu retten.

(Tapete ist zu ca. 1/3 runter, Rest braucht noch etwas, da hängt es hartnäckiger und lässt sich nicht trocken abziehen - muss aber erst mal andere Posten abarbeiten von der To-Do-Liste.)





1906. Für mich bleibts ne Schablonierung.



Ich kann ja mal...



... demnächst die bessere Digiknipse draufhalten und schauen ob ich mehr Details erwische.

Eigentlich sollte man doch schon erkennen, ob es gerollt oder getupft ist, oder?





Grundsätzlich ist die Musterwalze bzw. das Schablonieren auf nackten Putz nicht`s ungewöhliches.

Man muss sich nur in die Zeit versetzen und sich mal überlegen wer hier gewohnt hat (haben kann), der einfache Arbeiter und dieser begnügte sich eben mit einer einfachen Ausstattung.

Aber ohne weitere Details gibt es keine besseren Antworten.

MfG



Naja...



... immerhin hats im Wohnzimmer für Stuck an der Decke gereicht... ;-)





so in der Art ?



Ja,



ganz ähnlich...

(Die Vorhangschiene ist mittlerweile im Keller eingelagert, die erschlägt den ganzen Raum.)





Schmeiß die Schiene weg!:-)



Nackter



Putz ist relativ, könnte ja Kalkfarbe auf dem frischen Putz gewesen sein.

Für ein Walzmuster ist mir das eindeutig zu großflächig, bei so einer Walze ist ja die "Länge" bzw. an der Wand Höhe der einzelnen Musterteile durch den Umfang der Rolle begrenzt, bei einer der dicken 200er-Walzen mit grob gepeilt 7-7,5 cm Durchmesser müsste sich also das Muster schon alle etwa 25 cm wiederholen.

Also stimme ich Thomas vollinhaltlich zu und plädiere auf Schablonierung!

Ungewöhnlich helle Grundfarbe für diese Epoche übrigens! Hierzulande war zu der Zeit gerade ultramarinblau, tannengrün und ähnlich dunkles Zeug üblich. Nur die weniger repräsentativen Räume (Vorzimmer, Bad, Küche, WC) waren weiß, im Vorzimmer mit einem Schablonenmuster in schwarz und grau, im Bad mit einer blauen Schablonenbordüre oberhalb der Fliesen. Allzu viel ist davon aber nicht mehr erkennbar, da das wohl eher Leimfarbe o.ä. war und vor dem Überstreichen bzw. Tapezieren weitgehend beseitigt wurde. Das Muster im Vorzimmer kenne ich bloß deshalb so gut, weil dort offensichtlich vor der Montage der Gaszählertüren gestrichen wurde und beim Abbau derselben das Muster vollständig sichtbar wurde. Im Bad ist ein schwacher Rest dieses Musters hinter der Gastherme aufgetaucht (dort hing schon seit dem Bau ein Warmwasserbereiter).



Die Schiene...



... hoffe ich noch verschenken zu können.

Zum Wegwerfen finde ich sie eigentlich zu schade, auch wenn ich sie nicht mehr montieren würde.

Ich konnte leider noch nicht herausfinden, von wann die ist.

Übrigens ist die Kehle zwischen Wand und Deckenstuck mit beutelnder und blasiger Rauhfaser tapeziert - irgendwie habe ich Angst davor, die herunterzumachen.

Wer weiß was mich da erwartet...





Alle Rauhfaser runter. Oder willst das alte Gelumpe dran lassen und nochmal drüberstreichen ? Und wie passt das zusammen-so schöner Stuck und Rauhfaser?



Ja,



tendiere ich auch zu.

Und natürlich passt Stuck und Rauhfaser nicht wirklich zusammen.

(Bei einer Bekannten - auch hier in Berlin - war übrigens allen Ernstes der Stuck mit Rauhfaser übertapeziert. Sie hat es nicht gestört, aber mich irritierte der Anblick schon sehr...)



An



sich genügt die Hohlkehle allein schon als Ursache für lose Tapete. Das Zeug dehnt sich beim Einkleistern und zieht sich beim Trocknen wieder zusammen. Das hat den Vorzug, kleine RUnzeln und Unsauberkeiten elegant zu beseitigen, aber bei Innenecken zieht die Spannung der trocknenden Tapete auch mal den ganzen Streifen ein Stück von der Wand/Decke.

Kurz gesagt, tapezierte Hohlkehlen sind neuralgische Punkte, an denen selbst gute Tapezierer mal scheitern, wenn die Raufaser von Pfuschern geklebt wurde, muss da beim besten Willen kein Putzschaden dahinter sein.

Oder knirscht es, wenn man auf die Tapete drückt?



Die Tapete...



... ist in der gesamten Wohnung blasig und faltig geklebt. Fast schon mit Plisseemuster...

Ob es knirscht muss ich gleich mal testen, erst mal eine Stelle finden, wo die Leiter hin passt. (Aktuell ist mein Hauptquartier im Wohnzimmer aufgeschlagen, deswegen gibts da kaum Freifläche.)

So, grad mal ein Stückchen abgepokelt.

Scheint was Solides drunter zu sein, bekam aber erst mal nur die oberste Schicht von mehreren Lagen Rauhfaser ab. Das wird noch spaßig...



Das hier...



... ist übrigens im Wohnzimmer oberhalb der Tür zu finden.

(Kontrast wieder hochgedreht.)



Aja...



Plisseemuster *pruuuuuust* Danke für die Aufhellung dieses dunklen Winterabends!

Mein Horror-Erlebnis mit Tapete war hier im Vorzimmer über der Tür zum "Klopfbalkon" (das Ding ist unter 1m2 groß und heißt so, weil man von dort kleine Brücken, Staubtücher und weiß der Geier was ausklopfen konnte). Dort hatte die Tapete so richtig dicke Blasen, zentimeterweit überstehend und breiter als die Tür. Das hat beim Drücken sehr heftig geknirscht, und anschließend war dort kein Putz mehr. Offenbar kam da von oben jahrzehntelang Wasser in die Mauer (zuletzt wuchs da schon Gebüsch aus den Ritzen!), wurde aber immer nur übertapeziert. Der Schaden war unter allen 4 Schichten Tapeten, und die erste dürfte aus den 50ern gewesen sein...

Das auf dem zweiten Foto scheint mir weniger zum Muster zu passen - sind das Notizen der ersten Tapezierer in altdeutscher Schrift? Buchstaben kann ich aber auch nicht richtig erkennen und die Farbe passt irgendwie zum Muster. Komische Sache...

Die ziemlich schlimmste Oberflächengestaltung hab ich mal in einem amerikanischen Forum gefunden. Da sind welche frustriert in ihrem neuen Altbau gestanden, in dem die Vorbesitzer an den verputzten Decken die Risse kaschieren wollten. Was haben diese Irren gemacht? Papiertaschentücher oder Klopapier zu Papiermaché verarbeitet und zentimeterdick geknüllt uneben an die Decke gekleistert! Dann den ganzen Salat mit dem dort üblichen Kunstharzlack überschmiert, damit man das ja nie wieder abkriegt. Die jetzigen Besitzer stöhnen und fluchen über diesen abartigen Murks!

Und ja, die Amis Streichen ALLES mit Kunstharz- oder Acryllack, mindestens in seidenmatt. In den letzten Jahren kommt auch Latexdispersion auf und die Kunstharzlacke werden von Acryllacken verdrängt, aber trotzdem, alles was über einen Ölfarbsockel hinausgeht fühlt sich aus europäischer Sicht ziemlich pervers an.

Besonders pervers findet man solche Lack-Orgien wenn man schon einmal das Vergnügen hatte, einen fast 1 mm dicken, über Jahrzehnte gewachsenen Ölfarbsockel von der Wand zu fitzeln. Im WC hab ich das noch mit Heißluft gemacht (3 Tage für einen Raum 1x1,2 m), in der Küche haben wir den Putz samt Ölfarbe abgeschlagen, war samt Neuverputzen entschieden einfacher.



Das im Wohnzimmer...



... scheint mir auch etwas Schriftähnliches zu sein.

Ich kann es nur nicht recht entziffern.

Am Anfang vielleicht ein großes G?



Könnte



schon ein G sein, allerdings etwas phantasievoll (der Abstrich mitten in den "Kreis" gesetzt, statt rechts daneben).

Allerdings schreit das Geschnörksel daneben für mich "d", Gd gibt es im Deutschen aber kaum, würde ich eher mit Polnisch verbinden.

Komplett undechiffrierbare Hieroglyphen an Wänden und auf Holzteilen hatte ich aber auch schon öfter. In einem Bau von 1960 stand in der Küche "weiß" und drunter "Wand zitronengelb". In dem Zimmer, in dem ich grade sitze, stand was von "blau", die ursprüngliche Farbe war aber braun/ocker. Offenbar konnten sich die Erstmieter hier anno 1915 die Farben teilweise aussuchen, anders kann ich es mir nciht erklären, dass in einer Wohnung die drei großen Zimmer grün und zwei verschiedene Blautöne hatten, in der zweiten ein Zimmer (deutlich heller) grün und zwei Zimmer braun, in der dritten Wohnung ein Zimmer in einem dritten Blauton (das andere hab ich noch nicht erforscht) und in der letzten alle drei Zimmer in irgendeiner Form braun waren. Bis auf das Graugrün waren das sämtlich unglaublich dunkle Farben. Besonders die nordseitigen Zimmer werden so recht höhlenartig (ich hab in einem Zimmer das alte Ultramarinblau wieder aufleben lassen, geht nur deshalb, weil ich sowieso fast überall helle Möbel stehen hab).



In der Küche...



... stehen in aktueller, lesbarer Schrift mit Bleistift geschrieben diverse Maße. Im Flur dito.



Maße



sind auch ein Klassiker, auch Rechnungen mit hübschen Additionsfehlern hab ich schon gesehen :-)
Auch unser Maurer hat sich recht fleißig auf den Wänden verewigt.

Sehr amüsiert hat mich auch der mit Bleistift gezeichnete Schweinekopf unter der Leimfarbe in der Wohnung eines Freundes *g*