Altbau 1889, Wärmedämmung innen an zwei Außenwänden




Hallo,

wir bewohnen eine Altbauwohnung. Leider noch mit Nachtspeicheröfen und daran wir der Vermieter so schnell nichts ändern.
In einem Zimmer mit zwei Außenwänden, mit jeweils einem Fenster, haben wir das Problem dass es sehr kalt ist. Das Zimmer hat 16 qm, Deckenhöhe 3,20 m, eine Seite Norden eine Osten und der Nachtspeicherofen hat 4KW. Momentan nutzen wir das Zimmer als Schlafzimmer, da ist es nicht so störend. Es soll jetzt aber Kinderzimmer werden. Die Wand ist vermutlich Ziegel, verputzt.

Gibt es die Möglichkeit das Zimmer von innen zu dämmen?
Mit einem (Lehm) Putz, Matten, (Multipor) Platten oder was auch immer, atmungsaktiv damit man das Kondenspunktproblem in der Mauer nicht hat. Einfach dass die Kälte nicht so durchgeht?

Vielen Dank für Tipps und Anregungen



Das ist alles...



...kein Vorrichten, sondern eine Baumaßnahme und Vermietersache.

Heizt Ihr das Zimmer? Wie stark sind die Wände und woraus?

Grüße

Thomas



Ergänzung



Die Wände sind ca. 45 cm stark, die Fenster neu Kunststoff.

Wenn ich die anderen Beiträge so verfolge, scheinen Weichholzfasserplatten mit Lehmputz, die beste Variante zu sein!?



Vermietersache



Der Vermieter finanziert die Aktion, wir dürfen recherchieren, welche Lösung am sinnvollsten ist.

Wir heizen das Zimmer, aber nur auf ca. 15/16 Grad, da sonst am frühen Abend der Nachtspeicher bei voller Leistung leer ist (die anderen Zimmer erreichen bei nicht voller Leistung der Speicher 19/21 Grad.) In sehr kalten Wintern hatten wir auch einen Ölradiator in der Nacht an, damit die Tempratur nicht unter 14 Grad fällt.
Mit mehr Stunden in der Nacht (und mehr Geldeinsatz) kann man nat. auch mehr erreichen. Das Zimmer hat den neuesten Nachtspeicherofen. Allerdings besteht das Problem mit diesem Zimmer auch in den anderen Stockwerken, die Gasheizungen haben.

Ich weiß nicht was man für Bausteine um 1889 verwendet hat. das was wir bisher gesehen haben ist Ziegel (ca 45 cm).



Sie können ...



... nicht einfach zwei Wände mit einer Innendämmung versehen. Das verschiebt die Taupunktproblematik an eine andere Stelle. Solche Dämmmaßnahmen müssen in ein Gesamtkonzept eingebunden sein.

Eine solche Innendämmung muß vom Vermieter beauftragt werden. Wenn´s Sie sie selbst ohne Genehmigung durchführern, müssen Sie sie bei Auszug wieder entfernen und ggf. alle dadurch entstandenen Kollateralschäden beheben.

Das Problem ist die alte Heizung. Der Vermieter muss einen Heizungsmindeststandard garantieren, sonst können Sie die Miete mindern. Die Nachtspeicheröfen müssen i.d.R. auch spätestens zum 31.12.2019 außer Betrieb genommen werden.

Sie können von einer Heizungs- und Sanitärfirma eine sog. Heizlastberechnung für Ihre Wohnung oder auch für ein Zimmer durchführen lassen um zu ermitteln, welche Heizleistung eine Zusatzheizung, z.B. eine Infrarotheizung haben muss, um zuverlässig eine Raumtemperatur von max. 21°C zu gewährleisten.

Die entstehenden Unkosten für den Kauf und den Betrieb können Sie dann, nach Absprache, auf die Miete umlegen.



So als Laie…



versteh ich das Taupunktproblem nicht so ganz. Gibt es keine Dämmung wo es nicht auftritt?

Der Vermieter, bzw. Vermieterin wird die Maßnahmen beauftragen und zahlen.

Die alte Heizung möchte sie nicht machen lassen, zu teuer. Wir haben immer die Diskussion, dass die Heizkosten in der anderen Wohnung mit Gaszentralheizung auch nicht viel günstiger seien, wenn man die Wartung und den Schornsteinfeger mit einrechnet. (Wir zahlen schon nicht besonders viel Miete) Im WZ heizen wir den alten Kachelofen, ist eine schönere Wärme und auch nicht teurer als 8 KW anzuwerfen.

Ist das 2019 ein definitives Aus oder gibt es wieder Ausnahmen für Altbau?

Eine Zusatzheizung bedeutet aber wieder nur höhere Energiekosten, keine Energie-Einsparung. Und mit mehr Stunden bekommt man es auch so warm. Die KW Zahl der Nachtspeicher sind insgesamt 24 KW, eigentlich eh irre, damit kann man ganze Niedrigenergiehäuser heizen!

Die Wohnung hat 160 qm und soll später ev. auch eine Gasheizung bekommen oder an die EG Heizung angeschlossen werden, klassisch mit Heizkörpern. (Es gibt sehr viel Vorbehalte z.B. gegen Pellets, Solarenergie usw. und Luftwärmetauscher z.B. funktionieren nur Flächenheizung und wir möchten die alten Böden erhalten)



Die Taupunktproblematik ...



... ist kompliziert und resulitert aus dem Zusammenspiel zwischen Untergrund (kaltes MAuerwerk, dem jeweiligen Dämmmaterial und der warmen, feuchten Luft aus dem Innenraum, die nach außen diffundieren möchte.

Diese bauphysikalischen Vorgänge sind sehr abstrakt und man versteht sie annähernd nur, wenn man sich lange damit beschäftigt. Und auch dann bleibt einiges bis heute noch unerforscht bzw. nicht ausreichend beschrieben.

Eine Teildämmung verschiebt die Problematik Kondensatausfall aus der Raumluftfeuchte an kalten Stellen nur an den RAndbereich = angrenzende Wände, die wieder bis zur Aussenwand reichen, insbesondere aber in die nicht gedämmten Deckenbereiche.

Es ist eine ähnliche Problematik wie die nachträgliche Schalldämmung. Das einzelne BAuteil kann nach Norm gedämmt sein. Schall geht aber alle Nebenwege, die er finden kann und kommt über die Flankenübertragung doch wieder in den RAum. Das gleiche machen die Feuchtigkeit oder warme Luft auch.

Am besten suchen Sie sich gemeinsam mit dem Vermieter einen Architekten, der auch Gebäudeenergieberater ist und lassen sich von ihm eine passende MAßnahme konzipieren.

2019 ist Schluß mit den NSPÖ, wenn nicht in der Zwischenzeit wieder die Bestimmungen geändert werden. Hier ist aber eher mit einer Verschärfung zu rechnen.



Vielen Dank



für Ihre ausführliche Beantwortung.

Es ist aber ein ziehmlicher Dämpfer, denn es klingt sehr aufwendig und es wird schwierig die Vermieterin davon zu überzeugen. Konzepieren kostet erst einmal Geld, ohne sichtbares Ergebnis.

Und das Schallproblem haben wir in einem anderen Raum auch noch - dort fehlt wahrscheinlich die Brandmauer zum Nachbarhaus und wir können die Nachbarn husten hören (und leider alles andere auch).

Wie findet man da einen guten Architekt im Umkreis?



Handeln ohne Konzept ...



... ist teurer. Innendämmung ist bauphysikalisch anspruchsvoll und kann, bei falscher oder leichtfertiger Ausführung, leicht innerhalb von 2-3 Jahren zu den bekannten Schäden führen: Kondensatausfall in der Konstruktion und Schimmelbildung.

Eine Innendämmung ist keine preiswerte Angelegenheit. In Lehm gesetzte Holzfaserplatten sind logistisch und vom Arbeitsablauf nichts, was man für ein paar m2 Fläche macht.

Um einen Architekten zu finden, können Sie Listeneinträge der Gebäudeenergieberates des "BAFA" oder der "dena" einsehen. Ansonsten fragen Sie bei Baustofflieferanten für den Lehmbau oder Baubiologische Produkte nach. Oder klicken sich durch die Architekten-Internetseiten.

Viel Erfolg.