Dachziegel wiederverwenden

16.06.2005



Hallo,
ich habe eine Frage zur Wiederverwendung von Dachziegeln. Unser Bauernhaus ist mit schwarz glasierten Doppelmulden-Dachziegeln (ca. 80 Jahre alt) eingedeckt. Im Zuge der Haussanierung bekommt das gesamte Dach eine Aufdachdämmung. Ich möchte sehr gerne die unbeschädigten, alten Dachziegel wiederverwenden und nur den Rest mit neuen Ziegeln eindecken. Mein Zimmermann hat jetzt aber bedenken, er meint das ich in den nächsten Jahren, durch das relativ hohe Alter der Dachziegel, immer wieder Probleme mit den Ziegeln haben werde (Risse, undichtigkeit, usw.). Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob ich nicht doch das ganze Dach mit neuen Ziegeln eindecken soll (was auch eine kostenfrage ist). Über eure Meinung wäre ich euch dankbar.
Gruß Wolfgang+Marianne



Denkanstoß



Hallo Wolfgang,
die 3 Dächer unseres Hofes sind/waren unterschiedlich eingedeckt. Wohnhaus mit Eternitplatten, Scheune mit Betonziegeln und Schuppen mit wunderschönen alten Hohlfalzziegeln. Von den alten Ziegeln ist zusätzlich noch ein großer Stapel vorhanden. Grundsätzlich sind alte Tonziegel was für die Ewigkeit. Wegen Rissen und Undichtigkeit brauchst du dir daher eher keine Gedanken zu machen. Ob das Mischen von alten und neuen Ziegeln sinnvoll ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Wir haben uns entschieden, das Wohnhaus komplett mit einem neuen Dach zu versehen und haben dafür einen Romanokremper von Meindl verwendet, der im übrigen recht preiswert ist. Der harmoniert gut mit dem alten Material, das in der nächsten sukzessive für Nebengebäude, Terrassenüberdachung und Hauseingang verwendet wird.

Vielleicht eine Alternative für euch, um alt und neu zu kombinieren.

Viele Grüße
Karin

Ein Denkanstoß



Alt ist oft gut



Hallo, unbesehen kann man natürlich nix verbindliches sagen. Der Zimmerer hat nicht unrecht, es ist eine höhere Aufmerksamkeit erforderlich und gelegentlich muss man bestimmt auch mal die ein oder andere Austauschen.
Aber falls es mal zu Leckagen kommen sollte ,gibt es ja immer noch das Unterdach, welches die Dämmung schützt und wenn es aus der Hinterlüftung tropft, sieht Mensch: oh ich muss was tun!
Das Farbspiel und die Patina alter Dachziegel bekommt man mit neuen Ziegeln nicht hin!!
Im Übrigen, bei uns in der Gegend gibt es glasierte, sog. Großalmeröder Dachziegel, noch handgemacht. Die sind ca. 140 Jahre alt, absolut top, hart wie Granit und TEURER als Neue! (und wunderschön!!)
Also ich würde sie wieder draufdecken. Bei Doppelmulden besteht sogar eine Chance, das es Neue gibt ,die kompatiebel sind (als Ergänzung) wer weiß?
Beste Grüße, Christof Wanderer



teils / teils



hallo wolfgang und marianne,
die zur wiederverwendung vorgesehen Ziegel sollten auf jeden fall in augenschein genommen werden, ggf. kurze "klangprobe". vielleicht können dachflächen kompl. mit den vorh. eingedeckt werden und andere, wenn sich die alten nach dem aussortieren reduzieren, mit einheitlich neuem material? die überschüssigen alten einlagern und für reparaturen vorhalten. wenn man bei diesen arbeiten "unbezahlte" Eigenleistung mit einfliesen lässt, kann man aufjeden fall, neben dem ökologischen aspekt, geld sparen.
grüsse
christian bernard

ich erlaube mir die vom vorschreiber erwähnten "grossalmeröder kremper" als bild einzustellen. dort hatten wir das glück dieses hervorragende material vorzufinden. als ergänzung standen noch einige qm aus der einlagerung in der scheune zur verfügung.



Seit vielen Jahre verwende ich auch 2-300jährige Ziegel weiter. Wie schon gesagt:



Die Klangprobe entscheidet und der Augenschein. Die Dachdecker und Zimmerkleute wollen oft nicht ran, da muß man fester bleiben als die guten alten Ziegel. Und bitte nicht mit Zementmörtel ran, da geht alles kaputt. Der bringt seine ausblühfähigen Salze an die Ziegelnasen, die werden dann abgefressen.

Infolink:


Rund ums Dach


Von der Aufsparrendämmung würde ich aber Abstand nehmen. Die bringt nix. Wichtig wäre, mit Massivbaustoffen die Wärme am Durchschlagen von innen nach außen (Winter) und umgekehrt maximal zu behindern. Der technische Begriff heißt Temperaturamplitudendämpfung mit Phasenverschiebung. Durch Leichtbaustoffe pfeift halt die Wärme am schnellsten durch - in jede Richtung. Grund: Die Wärmestrahlung ist das maßgebliche - und dagegen hilft nur massiv.

Mehr Details dazu auf den Infolinks:


Wie dämmt Dämmstoff?



Spart
Dämmstoff Energie? Die Praxisvergleiche