Betondachziegel ja oder nein?

09.02.2004



...spricht irgendetwas gegen die Verwendung von Betondachziegel auf dem Dach eine Fachwerkhauses.
zur Zeit sind bei uns Ziegel aus den 50er Jahren drauf und einige defekt, nachkaufen ist nicht einfach und Tonziegel heizen sich im Sommer sowieso extrem auf, kenne ich von unserer Mietbude (manchmal bis zu 29° bei Hitze). ein Tipp wäre klasse, danke.





... rein fachlich spricht meines wissens nichts gegen betondachstein, gibts ja schön vorpatiniert und so...sicher auch preiswerter. ich denke die haltbarkeit und die physischen eigenschaften lassen sich auf die schnelle nicht in frage stellen. älter betonziegel mussten nach 20-30 jahren ausgetauscht werden, also die frühen. auch bei ziegeln erlebt man das öfters, gerade die fünfzigerjahre ziegel mit glasur (engobiert). habe neulich selbst ca die hälfte eines daches mit solchen ziegeln aussortiert und mit neuen, baugleichen ergänzt. (das waren aber schon 50 jahre) wesentlich ist die einstellung zum material, die möglichkeit analog zum Gebäude altern zu können, wie es tonziegel können, Patina ansetzen und, nicht ewig als fremdkörper zu wirken. doch das ist im wesentlichen eine "glaubensfrage". ausschlaggebender ist, die möglichkeit nicht alles neu einzudecken, sondern zu ergänzen. jeder gut sortierte Dachdecker beschafft passende ziegel zu den vorhandenen, muss ja nicht unbedingt gemischt werden. u.U. eine seite neu, die andere seite mit den alten ziegeln belassen, bzw. umdecken. ressourcenschonendes umgehen mit baumaterial, auch das kann zu entscheitungen helfen.

das foto zeigt ziegel, welche z.T. 200 (!) jahre alt sind.
schöne grüsse christian bernard



Qualitäten



Wie Herr Bernard schon schrieb - fachlich spricht nichts dagegen. Zwischen 1870 und ca. 1920 wurden viele landwirtschaftliche Gebäude mit "Cement-Dachsteinen" eingedeckt. (Da nicht aus Ton, handelt es sich hier auch nicht um "Ziegel").
Habe auf meinem Haus noch die Originalplatten (Raute) von 1904, und die sind noch absolut in Ordnung und ich werde sie auch noch solange wie möglich behalten und Reparatur-Reserven auch nachkaufen.
Allerdings gibt es da starke Qualitäts-Unterschiede: Konnte selbst am Wochenende zwei unterschiedliche, geborgene Partien besichtigen.
Die von ca. 1900 waren noch völlig OK, ein Nachbau von ca. 1950/60 war dagegen völlig "vergammelt".
Gruß



Nachkauf



Hallo,
wenden Sie sich doch einmal an den UHB (www.historische-baustoffe.de). Die sind sehr hilfsbereit und versenden Anfragen auch per Email an die Mitgliedsbetriebe.
Gruß



Betondachsteine



Dag ok. Betondachsteine haben ein größeres Gewicht. Muß bei Dachausbauten berücksichtigt werden. Nu man tau



.. bloß funktionieren sie nicht, die Betondachsteine



... leider müssen Sie davon ausgehen, daß die Betonsteine nicht funktionieren.
Tonziegel hat den einzigartigen Vorteil, daß er kapillaroffen ist. Bei feuchter, kalter Witterung müssen sie von hoher Luftfeuchtigkeit im Dachziegelunterraum (oder wie nennt das der Fachmann?) ausgehen. Diese Feuchtigkeit kondeniert bei Temperaturschwankungen, und zwar immer an den kältesten Stellen, sprich: an der Ziegel-Innen-Oberfläche. Der Ziegel nimmt, wenn richtig herum gebrannt, die auskondensierte Feuchtigkeit auf und transportiert sie nach aussen ab. Die Kapillargefällrichtung ist von innen nach außen gerichtet, d.h., von außen aufregnender Wassereintrag kann natürlicherweise nicht durch den ziegel durch (Eine Pflanze würde auch kein Wasser aus dem Boden rausbekommen, wenn der Pflanzenstengel andersherum konstruiert wäre. Ein Betonstein hingegen kann das Wasser nicht aufnehmen, es bildet sich eine Tropfnase aus, die auf Ihre Unterspannpahn tropft, oder was immer dann kommt. Und steter Tropfen höhlt den Stein... oder die Unterspannbahn.

Das wissen meine vorgegangenen Antworter allerdings auch ...

Und noch was: Schauen Sie sich mal die ganzen Wohngebieten mit zum Teil durchgehender Betonpfannenbedachung an. Die Nordseite ist zumeist mit irgendwelchen Moosen bewachsen. Schade drum, oder?

Viele Grüße,
Romero



Will ja lernfähig sein ...



... aber das Ding mit der Kapillaroffenheit muß mir jemand noch einmal erklären. M.E. sind die heutigen, bei hohen Temperaturen gebrannten Ton-Ziegel, wenig oder garnicht diffusionsoffen – ähnlich wie Klinker.
Wie funktioniert das mit der Diffusion eigentlich bei glasierten Dachziegeln, die ja immer mehr in Mode kommen? Danach müßte das nun bauphysikalischer Unsinn sein – oder sind die falsch, oder jetzt doch wieder richtig herum gebrannt ??? We brennt man eigentlich Ziegel richtig oder falsch herum?
Ist Diffusion eigentlich eine Einbahnstraße oder funktioniert das auch anders herum, z.B. wenn ich meinen Boden trocken geheizt habe, müßte ich mit dem Kapillargefälle bei feuchter Umgebung doch den Boden wieder feucht und kühl kriegen (Verdunstungskälte)?
Die Tropfnasen kenne ich eigentlich nur von „hermetisch abgeriegelten Dachräumen“, z.B. von Pappdächern, bei denen dann auch im Trauf- und Ortgangbereich alles „luftdicht verriegelt“ wurde. Dafür gibt es dann aber wieder die Lüfterrohre – und die funktionieren doch auch !
Sind unsere heutigen Ziegel absolut luft- oder winddicht verlegt (?) - so, daß keine Luft entweichen kann?
Also – es gibt viele Fragen zwischen Himmel und Erde, oder besser zwischen Decke und Schornstein.
Übrigens, ich habe Moose und Algen auch bereits auf Tonziegeln gesehen – die waren aber nicht glasiert.
Grüße und Hoffnung



Glasierte Ziegel sind bauphysikalischer Unsinn



Ein glasierter Ziegel ist natürlich nicht diffusionsoffen,
da der Ziegel durch die Glasur quasi versiegelt wird.
Eine echt Alternative sind sogannante edelengobierte Ziegel.
Diese sind ähnlich gänzend,besitzen aber den Vorteil,dass sie trotzdem Feuchtigkeit hindurchlassen.
Natürlich ist die Wirkung nicht mehr so hoch,wie bei normal engobierten oder völlig unbehandelten Ziegeln.