Ziegelmauern (Vollblockziegel, Reichsformat) ohne Ziegelbeschädigung abreissen - wie am besten?

23.02.2006



Wie reisst man die Wände einer mit Reichsformatziegeln und Kalkmörtel gemauerten Scheune (noch schadhaft verputzt) am besten ab, wenn man es auf möglichst viele unbeschädigte Ziegel abgesehen hat?

Hat in der Forumsgemeinde jemand Erfahrungswerte und ist bereit die preiszugeben?

Was ist besser: Hammer & Meissel, Presslufthammer mit Breitmeissel? Die Wand mit der Baggerschaufel quadratmeterweise in die Wiese schmeissen und auf "Selbstzerlegung" hoffen?

Gibt es so etwas wie eine "Mörtelband-Säge", womit man die einzelnen Ziegellagen trennen kann?

Oder irgendein geniales Werkzeug aus der Trümmerfreuenära, welches ich nie kennengelernt habe?

Ich habe mal mit ca 13-14 Jahren massenweise abgebrochene Ziegel putzen müssen (in der Nachbarschaft wurde damals ein Häuschen abgebrochen), aber ich kann mich erinnern, daß da ziemlich viele schon kaputt & angeknackst waren, bzw aussortiert wurden (ca 50%).

Geht das besser?

Danke,
Peter



Alles abreißen?



Hallo Peter,
willst Du wirklich alles abreißen?
Bei uns geht das so, dass wir nur die lockeren Gefache rausnehmen und da ist der Mörtel so mürbe, dass sich die Steine mühelos voneinander trennen lassen. Ich hebe Stein für Stein ab, mache sie sofort sauber und staple sie auf. Mürbe Steine werden aussortiert.

Alles andere, was fest steht, aber zum Holz hin mit nicht so gesunden Materialien und vor allem über das Holz hinweg vermauert ist, bleibt stehen. Die Mörtelfugen werden ausgekratzt und frisch verfugt. Lt. unserem Maurer (eingeschworener Kalkmörtel-ohne-zementäre-Zusätze-Fan) reicht es, wenn man 2-3 cm tief auskratzt.

Das ist zwar auch keine schöne und schnelle Arbeit, spart aber eine Menge Kosten. Vor allem sind historische Ziegel nicht billig wenn man sie kaufen muss. Je nach Qualität muss man mit 0,80€/Stein für Sichtmauerwerk rechnen. 1 m² Mauer würde uns 60 € kosten (ohne Material und Kosten für Abriss, Saubermachen der Steine). Der Maurer schafft max. 4 m²/Tag.

Bei den Preisen überlege ich genau, welche Gefache entkernt werden müssen.

Herzliche Grüße
Ulrike

PS: nicht sichtbares Mauerwerk selbst aufmauern mag ja noch gehen weil das Unschöne verputzt wird. Aber Sichmauerwerk sollte sauber und professionell aussehen. Dafür habe ich zu wenig Übung. Also machts der Maurer.



Hammer und Meißel...



würde ich empfehlen. Und nicht schnell, sondern vorsichtig arbeiten. Kalkmörtel sollte sich eigentlich ganz gut von den Ziegelsteinen lösen (dazu die Mörtellage sozusagen tangential anschlagen, dann kriegst Du sie mit etwas Übung auf einmal ab). Für den Meißel macht sich so eine Plastikhülle ganz gut, dann haut man sich nicht immer auf die Daumenwurzel ;).

Allerdings muß man schon damit rechnen, daß es geplatzte Steine gibt (wobei man auch Hälften zum Mauern noch brauchen kann). Aber wenn man etwas vorsichtig ist und Zeit hat, dann kann man den Ausschuß reduzieren.

Mühselig ist es schon, aber die alten Ziegel sind die Mühe auch wert.

Gruß
Hartmut



Ziegel putzen



Moin,

Kalkmörtel kriegt man relativ leicht von den Ziegeln.

Zur Unterstützung: Verzinkten Fußabtreter aus Metall kaufen und zwischen zwei Böcke legen. Die Ziegel dann auf dem Abtreter reiben. Nach einiger Zeit geht es auch beidhändig ;-)

Viel Erfolg

Bernd



Ziegelmauern abreissen - Nachsatz



@Ulrike (und andere die ich erschreckt hab): Nein, der Grund auf dem das Ding steht, ist nicht meiner, diese Scheune gehört auch nicht mir, aber ich könnte die Ziegelsteine haben, sie würden sozusagen "nur" meinen Osterurlaub kosten.

Es ist auch kein Fachwerkhaus, die sind in meiner Gegend eh selten), sondern ein altes Wirtschaftsgebäude eines nicht mehr bestehenden Bauernhofes.

Ich persönlich bin in einem geräumigen ehemaligen Schulhaus groß geworden, und liebe alte Ziegelhäuser. Nur leider hängen da die Türen und Fenster meist sehr tief (bin 1,91 m), deswegen will ich schon eine Weile Material sammeln um mir ein neues "altes" Haus (mit hohen Türen und Fenstern, und Solaranlage) zu bauen.

Ich hab die Frage deshalb hier in ein Fachwerkforum gesetzt, weil hier Leute sind, die mit altem Baumaterial vertraut sind, und deshalb sicher einen Tipp haben wie man schnell und effizient ganze, saubere Ziegelsteine zum Wegfahren & Stapeln aus so einer Abbruchstelle retten kann.

Danke für die Antworten,
Peter



Tschuldigung :-)



Peter, für die "Unterstellung"

Aber es stimmt schon, der alte Kalkmörtel geht recht leicht ab. Ich würde an Deiner Stelle Stein für Stein abtragen. Das kostet je nach Größe des Gebäudes natürlich viel Zeit, erspart aber das mehrfache Anfassen. Wenn sie durch eine Baggerschaufel o.ä. rausgeworfen werden, gehen sie leichter kaputt und man muss sie nochmals aufnehmen, putzen und stapeln.

Wie wäre es mit einem Gemeinschaftsurlaub mit Freunden/Familie/Bekannten? Viele Hände arbeiten auch mehr weg.

@Bernd,
die Idee mit dem Abstreifgitter ist geradezu genial.

Liebe Grüße
Ulrike

PS @Peter
unsere alte Schule wäre für Dich ideal: 3,20 m hohe Wände, teils mit Ziegeln ausgemauertes Fachwerk (Ost- und Westseite. Haupthaus komplett verputzt (bis auf die mit Sandstein abgehängte Westseite), aber der Anbau ist komplett ziegelsichtig.

Nein ich geb das Haus nimmer her ;-)



Gegenfrage



Der Gedanke, ein altes neues Haus zu bauen und dies aus komplett alten Material, ist zwar beneidenswert und mit nichts zu vergleichen, doch uns hegen Zweifel, ob und in wie weit diese gesamte Variante am Ende ein wirklich bezahlbares Gesamtes hervorbringt.
Teile aus Altmaterial in Ordnung, doch ein komplettes Gebäude aus Altmaterial wird kaum für den Normalo machbar sein.
Wir möchten uns trotzdem nicht anmaßen, darüber zu urteilen, doch ein Vergleich zwischen Machbarkeit und Preisniveau sollte da schon gewisse Dinge von selbst klären.
Einmal ist es Zeitfaktor, zweitens ist es Platzfaktor, drittens ist es Logistikfaktor, viertens muß ein guter Planer für diese Gesamtsymbiose gefunden werden und so könnte man die Litanei fortsetzen.

Ein Rückbau der historischen Substanz kann natürlich mechanisch oder auch manuell erfolgen.
Es sollte trotzdem geprüft werden, ob keine Verunreinigungen im Mauerwerk sich befinden (Salze, äuren, Pilze etc.) Wäre dies der Fall, hätte man im Neubau dieses bereits wieder mit drin.

Die voran angegebenen Vorgehensweisen vertreten wir so ebenfalls, man sollte sich einfach die gängigste Herauspicken (eigene Erfahrungen!).

Grüße Udo