Stampflehm und Ziegel (die Zweite...)

16.01.2008



Hallo, vielleicht habe ich meine Frage unter der falschen Rubrik eingestellt. Probiere es hier nochmal und
würde mich freuen, wenn ihr mir weiterhelfen könntet.

Nachdem ich letztes Jahr gute Tipps für die Innensanierung bekommen habe, möchte ich mir dieses Jahr die Fassade meines Fachwerkhauses Stück für Stück vornehmen, in diesem Fall speziell die Balkenbehandlung sowie die Gefachausbesserung.

Nun zu meinem Sachverhalt:
Nach Rücksprache mit dem Denkmalschutz werde ich die alte wasserdichte Farbe der Balken entfernen und mit Leinöl neu behandeln.
Aber die Gefache bereiten mir noch Probleme.
Sie sind derzeit mit Ziegel gemauert und von meinem Vorgänger nach außen hin mit Beton verputzt. Wie bei Fachwerkbauten bekannt sind diese über die Jahre hin mit Rissen versehen, Wasser dringt mir ein, die Gefachausmauerungen drücken sich langsam heraus. Innen befinden sich Rigipsplatten oder so was…
Dies alles möchte ich, z.T. durch „Fachfirmen“, mit beheben lassen. Mein Ziel sind eine neue Ziegelausmauerung, außen aufgebrachter Kalk- /Luftkalkputz sowie innen eine Stampflehmdämmung. Damit mir die „Fachfirmen“ nicht ganz auf der Nase herumtanzen, nun meine beiden Fragen:

1)Welche Ziegelart muss für die Gefachausmauerung genommen werden (harter / weicher Feldbrandziegel? // Tonziegel // oder egal) ?
2)Wie ist der Anschluss der Stampflehmdämmung innen zum Boden hin zu bewerkstelligen, wenn auf vorhandenen Estrich „aufgesetzt“ werden soll?

Vielen Dank für Eure Hilfe
Thomas





Hallo Thomas,

ich habe kürzlich hier im Forum gelesen, dass eine Stampflehmdämmung nicht gut dämmt. Das weiß ich noch ziemlich genau, weil ich dann noch gedacht hab "wie gut, dass wir uns die Arbeit dann nicht gemacht haben" - vorher hab ichs immer etwas bereut. (vielleicht findet sich der Beitrag noch?)

Zur Frage 1 kann ich sagen: Ungebrannte Lehmziegel.

Grüße Annette



nicht ganz unwichtig



ist auch, die Ausmauerungsarbeiten in den Gefachen von oben nach unten auszuführen.
Wird nämlich von unten begonnen, so entsteht durch jede darüber liegende weitere Ausfachung weiterer Druck auf die darunter liegenden.
Quetschungen, Abrissfugen und sogar statische Risse können die Folgen sein.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Schwierigkeit



Hallo

Schon mal vielen Dank für Eure Hilfe.
Also, Leichlehmziegel kann ich nicht nehmen.
Nach Rücksprache mit meinem Denkmalschutz hat dieser was dagegen, es passt nicht ins typische Bild der Straße… ;-(
Wenn ich innen mit Lehm dämmen möchte, welchen Ziegel könnte ich dann nehmen?
Habe im Forum was gelesen von einem „weichen Feldbrandziegel“. Ist dieser der Richtige?
Funktionieren auch hart-gebrannte Ziegel?
Der Hinweis mit dem Stampflehm ist gut.
Mein Problem ist, dass die Wand total schräg von unten nach oben verläuft und ich einen ein ziemlich große Differenz für eine gerade Innenwand ausgleichen muss. Daher mein ursprünglicher Gedanke mit dem Stampflehm. Welche Idee bestünde sonst zum Ausgleich der Differenz?

Werde von oben nach unten mauern, um die Balken nicht zu schädigen.

Gruß
Thomas





Hmm, kann es sein, dass hier ein Missverständnis vorliegt und keine Stampflehmdämmung sondern eine Dämmung aus z.B. Holzhackleichtlehm gemeint ist? Bin selbst kein Experte aber gute Daten auch zur Detailausführung und Dämmwirkung sowie Vor- und Nachteilen gibt es unter www.claytec.de im Produktbereich. bei Ziegeln im Außenbereich muss man glaube ich welche aus dem Mittelbrand nehmen. Weiche sind nur für Innenwände und Harte sind wie Klinker zu hart.

Und irgendwie verstehe ich nicht, was der Denkmalschutz gegen eine Innendämmung aus Leichtlehmziegeln haben soll??? Die sieht doch hinterher gar keiner.

Also außen ausmauern mit Ziegeln aus dem Mittelbrand. (Z.B alte Ziegel) und innen dämmen mit z.B. Holzhackleichtlehm, da man damit Unebenheiten gut ausgleichen kann. Braucht aber natürlich gewisse Trocknungszeiten.

Viele Grüße
Andrea





Hallo...

sollen die Gefache nicht anschließend mit Kalk verputzt werden? So hatte ich das verstanden...

Feldbrandziegel heißen heutzutage glaub ich Klinker oder Backsteine. Wir haben ganz viele Feldbrandziegel weggeschmissen :o(...

Wenn die Wand schief ist, dann stimmt was nicht. Vielleicht sind die Schwellbalken verfault? - Das würde ich auf jeden Fall zuerst prüfen lassen.
Man kann mit Lehm oder Stampflehm schon die Wand begradigen. Ich glaube, zum Dämmen wurden hier immer Sauerkrautplatten empfohlen.

Grüße Annette



Was ist bei Euch "regionaltypisch"?



@ Annette

Brandstein ist Brandstein und Klinker ist Klinker!
Die meisten heute am Markt zu findenden Ziegelprodukte sind Gas gebrannt. Und demzufolge für Fachwerkausfachungen ungeeignet!
Wenn man Brandsteine einsetzen möchte, sollte man dem entsprechende Materialien auswählen (Falkenlöwe z.B.).
Trotzdem meine erweiterte Frage: Warum kann nicht ein Leichtlehmstein eingesetzt werden (1200er!), wenn mit Kalkputz verputzt werden soll?

Innendämmschalen aus Wärmedämmlehmen sind eine interessante Alternative zu winddichten Innenscheiben mit einer enormen Speicherfähigkeit und einer optimalen Verbundwirkung.
Wer hier etwas zu einer Nichtfunktion dieser Lösung einmal darlegte, ist mit der Gesamtheit solcher Systemlösungen nicht auf dem Laufenden.

Trotzdem sollten präzise Wärmedurchgangsberechnungen und statische Fragen abgeklärt werden.

Grüße Udo



Wenn



die Denkmalbehörde auf Ziegeln besteht, wird es sich wohl um sichtbares Gefachmauerwerk handeln. Dann spielt nicht nur die Bauphysik ne Rolle, sondern auch das Steinformat. Es gibt noch ein paar wenige im "Reichsformat". Z.B. den "Westfalen-Backstein", den ich schon bei einigen Altbauten eingesetzt habe.
MfG
dasMaurer



fachwerkwand



Hallo Thomas,

ich empfehle dir zunächst die richtige Reihenfolge einzuhalten. 1. Analyse - Diagnose - Therapie.
Entferne zunächst einmal die Rigipsplatten. Es steht zu vermuten, dass du nicht nur Ausmauerung, Putz und Dämmung benötigst. Ein Fachmann evtl. ein Restaurator im Zimmererhandwerk sollte die Konstruktion untersuchen und auch die Gründe für die Schrägstellung erkunden. Durch eindringendes Wasser hat es vermutlich auch Holzschäden gegeben. Wenn eine Ausmauerung bei euch regional mit Ziegeln auszuführen ist, würde ich Backsteine der Fa. Lanter aus Hochfelden im Elsaß bevorzugen, welche noch im Ringofen gebrannt werden und diese mit Kalkmörtel vermauern. Außenseitig würde ich einen Kalkputz verwenden. Innenseitig lässt dich sehr wohl ein Stampflehm verwenden, wobei ich als mineralischen Dämmstoff Blähglas verwenden würde. Alternativ kann auch ein mineralischer Dämmputz von Klimasan verwendet werden. Darauf eine Wandheizung in Lehmputz.

Viel Spaß
Jürgen



Lehm mit Blähglas?



@Jürgen

Hallo Jürgen, eine Mischung aus Lehm mit Blähglas ist mir noch neu. Muss ich mir darunter etwas ähnliches wie Schaumglas vorstellen? Wie sieht es aus mit der kapilaren Leitfähigkeit. Leidet die nicht unter dem Blähglas? Wer stellt so etwas her und wie liegt es preislich im Vergleich zu anderen Lehmdämmmaterialien?

Viele Grüße
Andrea



@Andrea



Hier hast Du einen Beweis, für das Material mit Blähglas.
Stroh-Lehmgemisch mit Wärmedämmzuschlag Liaver.
Gewichtseinstellungen können schon bei 400 kg/m³ hergestellt werden.

Grüße zum Thema, denn stets kommen neue Lehmbaustoffe nach,

Udo



Blähglas



Hallo Andrea,

Blähglas ist sowas wie Schaumglas. Wir beziehen es von Liaver. Die Kapillarität funktioniert nur noch über den Lehm.

Gruß Jürgen



Fußbodenanschluss innen?



Hallo,

mit so viel Zuspruch habe ich ja dann doch nicht gerechnet. ;-)
Vielen Dank hierfür.
Ich werde den Vorschlag von Christoph berücksichtigen und die Gefache von oben nach unten erneuern.
Zur Ausmauerung der Gefache werde ich alte Feldbrandziegel nehmen, welche die kapillare Leitfähigkeit besitzen. Ob es Sichtmauerwerk wird, kann ich noch nicht genau sagen, muss hierzu noch mal das Gespräch mit dem Denkmalschutz aufnehmen, da es ja in die „Ansicht der Straße“ passen muss… Will mir aber offen halten, es später mir Luftkalk Verputzen zu können.
Rigips werde ich kommenden Monat entfernen und mir die dahinter liegenden Balken einmal angucken. Da die Fassade hinterlüftet ist, hoffe ich mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein…
Zur Schieflage des Hauses muss ich sagen, dass es jetzt genau 300 Jahre alt ist und als „Reihenhaus“ in einer Fachwerkstraße steht. Dort ist keins gerade. Würde daher erst einmal dies bzgl. Entwarnung geben.

Was ich noch nicht ganz verstanden habe, wie ich nach der neuen Ausmauerung der Gefache den Anschluss innen unten zum Fußboden hinbekomme, wenn ich mit Leichtlehm / Blähton / Blähglas innen die Wand dämmen möchte? Wie gesagt, unten hat mein Vorgänger Estrich gegossen. Gehe ich dort einfach mit dem Dämmgemisch auf den Estrich drauf oder muss ich noch eine Abdichtung vornehmen?

Danke und Gruß
Thomas



@ Udo



Das sieht ja rein opisch mal so aus, als seien die Kügelchen der Kapilarität nicht wirklich hinderlich, da der allergrößte Teil des Gemisches nachwievor aus Lehm, bzw sonstigen Zuschlagstoffen besteht.

Liaver hatte ich gestern auch schon über einen anderen Artikel gefunden. Aber die stellen ja kein fertiges Gemisch her, sondern liefern "nur" das Blähglas. D.h Ihr nehmt einen anderen Hersteller und mischt das Blähglas zusätzlich hinzu oder mischt Ihr komplett selbst?

Wir planen einen Neubau, da wir nichts passendes altes halbwegs in der Nähe gefunden haben. Ich würde gern massiv 11/2 stark mit Ziegelsteinen bauen und innen mit Lehm dämmen. Für die Wärmebrücken habe ich mir auch einige Sachen ausgedacht, von denen ich natürlich noch nicht genau weiß, ob wirlich sinnvoll, mach- und bezahlbar. Die große Frage ist, ob wir es in Zusammenspiel mit Erdwärme und Photovoltaik EnEv gerecht bekommen. Deshalb mein Interesse an einem etwas stärker dämmenden Lehm. Sobald unser Grundstück auch Bauland (äußerst naturnah am See:-), hoffentlich noch diesen Sommer) wird, werde ich da sicher ohnehin nochmal direkt Kontakt zu Dir (und den Ingenieurs/Architektenfachleuten) aufnehmen. Bist ja nicht ganz unauffällig hier im Forum ;-)

Viele Grüße
Andrea