Ziegel für Ausfachung

09.07.2007



Unser Gebäude zeigt an den Giebeln Ausfachungen mit Ziegeln. Wie schon an anderer Stelle beschrieben, kippen diese insbesondere an der Wetterseite (stark Schlagregen belastet)nach außen.

Nun lässt die Denkmalflege wegen der Schlagregenbelastung einen Verputz mit Kalkputz der Gefache zu. Dabei fordert sie aber, dass notwendige Erneuerungen in den Gefachen wieder mit Ziegeln zu erfolgen haben. Nun habe ich hier im Forum gelesen, dass Vollziegel zum einen "erfunden" wurden um sichtbar zu bleiben und zum anderen wasserabsperrend sind. Irgendwie hat das System aus Vollziegelausmauerung (wasserabsperrend) und Kalkputz (diffusionsoffen) für mich Widersprüche. Wie wird das hier gesehen?

Gibt es auch Fachleute, die sich mit Schlagregenbeanspruchung auskennen und auseinandersetzen? Wäre über Empfehlungen dankbar. Benötige Hilfe zum Thema. Möchte vermeiden, dass die Fassade aufwendig saniert wird (Sichtfachwerk verputzt - siehe oben) und dann Schlagregenbelastung weiterhin zu Schäden führt.

Danke und Gruß
Sontje



Ziegel für Ausfachung



Hallo Sontje,
erst einmal zu Deinem Problem mit den Ziegeln:
Vollziegel wurden nicht "erfunden", um sichtbar zu bleiben.
Sie können sich aber hinsichtlich ihrer Eigenschaften, wie Festigkeit, Porosität, Dichte usw. unterscheiden.
Z.B.:
Je poröser ein Ziegel ist, je leichter, je wärmedämmender, je wassersaugender, je weicher ist er.
Je dichter ein Ziegel ist, je schwerer, härter, wasserabweisender ist er.
Für eine Fassade muß ein Ziegel einander widersprüchliche Eigenschaften erfüllen, das passiert oft im Bauwesen, gelöst wird da Problem durch Materialkombination.
In einer Fachwerkfassade übernimmt das Holz tragende Funktion, die Ausfachung muß deshalb nicht fest sein, aber die Funktionen Windichtheit, Wärme- und Schalldämmung, Brandsicherheit, Regensicherheit erfüllen.
Das wären poröse, dämmende Ziegel mit einem ausgewogenen Verhältnis von Porenraum, Dichte bzw. Masse, Festigkeit und Wasserresistenz. Das Ergebnis dieses Kompromisses ist der seit Jahrhunderten gebräuchliche gebrannte Ziegel.
Wenn es um besonderen Widerstand gegen Wasser und Frost und hohe Festigkeit geht, wurden und werden härter gebrannte Klinker verwendet.
Die ersteren Ziegel sind nicht besonders witterungsbeständig und müssen deshalb zusätzlich durch Putz geschützt werden. Der Kalkputz nimmt zwar Wasser auf, verteilt dies aber schnell und gibt es auch durch Verdunstung wieder ab. So werden Feuchteakkumulationen gemindert.
Klinker brauchen das nicht und können deshalb als Sichtmauerwerk verwendet werden. Wenn Du sichtbares Klinkermauerwerk als Ausfachung haben willst, mußt Du mit schlechterer Wärmedämmung leben.
Schlagregensicher ist eine Klinkerausmauerung auch nicht, da die Fugen nicht regendicht sind.


Weiter zum Thema Schlagregen:
Sichtbares Fachwerk ist nicht schlagregensicher. Die Fugen zwischen Holz und Gefachausmauerung sind der Schwachpunkt der Konstruktion, da hier Wasser in das Innere der Wand eindringen kann.
Damit sollte auch Deine vorige Frage beantwortet sein, ob Dreikantleisten oder Nägel in der Fuge besser sind!
Bei starker Schlagregenbelastung ist ein Sichtfachwerk deshalb, egal ob mit verklinkerten oder verputzten Gefachen, nicht empfehlenswert und zulässig.

Was ist starke Schlagregenbelastung:
1. Sie hängt von der geografischen Lage ab.
Das Territorium Deutschlands ist in 3 Schlagregenbeanspruchungsgruppen eingeteilt. So gehört z.B. die Gegend nördlich zwischen Münster und Lübeck in die Kategorie III, also stark beansprucht.
2. Sie hängt ab von der konkreten Lage der Wand zur Himmelsrichtung, zu anderen Gebäuden sowie von der Gebäudegeometrie ab und kann nur vor Ort geklärt werden.
Damit kennen sich örtliche Statiker und Planer aus.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Ziegel für Ausfachung



Hallo Georg,

besten Dank für Deine ausführliche Antwort. Diese hilft mir schon etwas weiter.

Bezüglich der Schlagregenbelastung habe ich mich entschlossen, da die Fachleute ran zu lassen. Suche jemanden im Raum Heilbronn / Schwäbisch Hall.

Gerade das Schadensbild von ausgewaschenen Steinen im Gefach lässt mich sehr vorsichtig sein. Da ja klar ist, dass Sichtfachwerk nicht regendicht ist. Egal ob verputzt oder nicht.
Die mir vorliegende Kartierung zu den Schlagregengruppen ist so klein, dass ich die Lage des Ortes nur wage justieren kann. In jedem Fall Gruppe II, könnte aber eben auch III sein.

Gruß Sontje



Schlagregenfassade



Die Schlagregenbelastung einer Fassade wird zwar nach DIN in mehrere Gebiete und Gruppen aufgeteilt ist aber nur ein Hinweis darauf.
Die örtlichen Gegebenheiten sind oft maßgebender: Die Lage des Hauses - auf einer Kuppe; in einer Senke; welche Gebäude stehen in Hauptwindrichtung wie zur Fassade etc. pp.

Ob die Fassade nun den Schlagregen aushält oder nicht - das kommt meines Erachtens auf die Qualität der Ausführung und der verwendeten Materialien an.

Ob nun gebrannte Klinker oder Basaltbruchstein - die Steine können sehr dicht sein - auf die Fuge kommt es an.
Ich empfehle da Luftkalkmörtel (solubel), da der die besten Puffereigenschaften aufweist (Erfahrungswerte) und gut zu Verarbeiten ist. Er verkraftet relativ hohe Feuchte und gibt die dann wieder gleichmässig ab. Zementäre, trasshaltige oder hydraulische Mörtel können das nicht so gut; und die richten auf lange Sicht mehr Schaden an, als das sie Nutzen bringen.

Wenn Sie die Ausführung mit 3Eckleisten und Klinkern (oder Fehlbrandsteinen o.Ä. 9 wählen und dazu den richtigen Luftkalkmörtel nehmen, und dann noch die Gefache richtig und mehlagig verputzen, dürften Sie auf der sicheren Seite stehen.

Wenn Sie Hilfe brauchen, fahre ich auch nach Heilbronn!

gutes Gelingen

FK



Jemand aus ihrer Gegend, der sich sehr gut auskennt und gerne hilft:



Wolfgang Kenter
Restaurierungswerkstatt für
historische Putze und Stuck
Am Weihergraben 21
D-74363 Frauenzimmern
Tel. 07135/16076



Ziegeln



@ G. Böttcher vorweg als Frage: war es üblich innerhalb eines Gebäudes mehrere Sorten von Zieglen zu verwenden?
Dann @ Sontje: vergiss diese Antwort:
Wir haben auf unserer Baustelle die heraus gerissenenen Innenwände sowie den Schornstein recycelt - also die Ziegelsteine, welche nicht kaputt gegangen waren, gesammelt und vom Mörtel und Farbe befreit.
Bei uns ging es darum eine möglichst gleichmäßige Brandfarbe zu den bestehenden Fassadenelementen erreichen - positiver Nebeneffekt: dieses Material mussten wir nicht teuer einkaufen.
Liebe Grüße
Silke



Ziegel für Ausfachung



An Silke
zur Frage, ob mehrere Ziegelsorten innerhalb eines Hauses üblich waren:

Ja, das war und ist üblich.
Das verwendete Material wurde und wird je nach Beanspruchung ausgewählt.
Das heißt aber nicht, das willkürlich Materialien in Wänden gemixt werden sollen.
Genaueres dazu sagen die Regeln der Technik und der Handwerkskunst.

Beispiele:
Eine nichttragende Innenwand kann aus anderem Material bestehen wie eine tragende Außenwand.
Innerhalb einer Wand kann Material wechseln, so im Sockelbereich einer Außenwand , als Kellermauerwerk, im Bereich von Deckenauflagern.
Was nicht passieren sollte, ist innerhalb einer oder mehrerer Schichten Steinqualitäten oder -Formate zu wechseln.

Viele Grüße
Georg Böttcher