historische Biberschwanzziegel erhalten

23.01.2007


Guten Tag,
ich habe eine wunderschöne alte Dacheindeckung mit größtenteils handgestrichenen Biberschwänzen. Die Dachfläche beträgt ca. 160m². Mein Problem ist folgendes: Bei Regen wird das gesamte Dach innen feucht bis nass. Dieser Zustand dauert wohl schon lange, da die Dachlatten teilweise morsch und die Nägel abgerostet sind.Die Feuchtigkeit kann meiner Meinung nach nicht durch einzelne kleine Löcher (einzelne fehlende Ziegel, die kurzfristig ausgebessert werden)kommen, da das Dach auch dort feucht ist, wo weit und breit keine Löcher sind. Ich vermute, daß die Biberschwänze ca 200 Jahre auf dem Buckel haben und sich mit Feuchtigkeit vollsaugen, die dann langsam nach unten abgegeben wird. Falls das wirklich so ist stellt sich die Frage "Was tun?" Wegschmeißen möchte ich die alten Ziegel ungern, dafür sind sie einfach zu schön, andererseits sollte das Dach schon dicht sein. Die Ziegel sollen übrigens im Laufe dieses oder des nächsten Jahres zur Sanierung der Lattung abgenommen werden. Dann stellt sich die Frage Wiederverwenden oder Wegwerfen. Kann es wirklich sein, daß die Ziegel altern und Wasser durchsickert oder muß die Durchfeuchtung andere Ursachen haben? Wer hat eine Idee?
Ach so, hatte ich ganz vergessen:
Unterspannfolien, Dämmung usw. sind nicht vorhanden und auch nicht vorgesehen. Die freie Sicht auf die Ziegelunterseiten (Reparaturfreundlich)und die wegen der "krummen" hangestrichenen Ziegel gute Durchlüftung der ganzen Konstruktion soll bestehen bleiben.



Bin mir nicht sicher,...


Bin mir nicht sicher,...

ob die Ziegel wasseraufnahmefähiger werden. Wäre eher der Meinung, dass soweit die Oberfläche noch intakt ist, aufgrund der Versinterung eher die wasserabweisenden Fähigkeiten steigen, das Material nur insgesamt spröder wird und schneller bricht. Vielleicht nochmal einen Dachdecker fragen?
Wir haben bei einem unserer Projekte auch die alten Ziegel wieder verwendet. Für eine komplette Neueindeckung waren nicht mehr genug da, also haben wir uns geholfen und haben die untere Lage mit neuen Biberschwänzen ausgeführt und als Decklage die historischen genommen. Das die unterschiedlichen Breiten von alten und neuen Biberschwänzen zu Versätzen in den Vertikalfugen zwischen oberer und unterer Lage führt und ein schmaler Streifen helles Rot hervorblitzt fällt von unten kaum auf.
Grüße aus Leipzig



Dacheindeckung



Waren sie mal mit einem Dachdeckermeister auf dem Dach? Der kann Ihnen am besten sagen, wieviel man von den Ziegeln wieder verwenden kann. Eine gängige Variante ist die Verwendung zur Straßenseite hin, die Hofseite kann mit neuen, in Größe und Farbe angepassten Ziegeln eingedeckt werden. Auch die von Martin vorgeschlagene Variante ist eine gute Lösung.
Ich bin auch seiner Meinung, das Ziegel nicht so einfach porös werden. Sie würden keinen Winter überstehen. Wahrscheinlicher ist die fehlende Sicherheit gegen Schlagregen, die an der Eindeckungsart liegen kann. Sind die Ziegel denn einfach oder doppelt gelegt?

Viele Grüße
Georg Böttcher



Rätsel gelöst



Hallo,
nach langer Abstinenz bin ich auch mal wieder da.
Den Sommer über hatte ich keine Zeit (Arbeit am Haus geht vor!).
Also ich kann das Rätsel um die innen feuchten Ziegel selber auflösen:
Die alten Handstrich-Biber sind nicht schuld. Mein Dachdecker hat sie geprüft und beim hellen Pling-Pling beim Anklopfen nur gelacht und gemeint diese Qualität gebe es heutzutage gar nicht mehr. Schuld war die Lattung, die wohl aus Sparsamkeitsgründen in jeder Reihe ca. 3-4 cm zu weit auseinander war, so daß die Ziegel nicht ordnungsgemäß in doppelter Lage übereinander lagen. Außerdem war unsachgemäß ausgebessert, so daß teilweise Stoß auf Stoß gedeckt war.
Erleichterung groß! Problem was tun?
Die Lösung: wir haben
- das gesamte Dach abgedeckt,
- jeden einzelnen Ziegel geprüft,
- den ganzen Landkreis nach alten Ziegeln abgesucht
(es fehlten ca. 2.500 Stück),
- neu eingelattet (mit richtigem Abstand)
- alle Anschlüsse neu hergestellt,
- die alten Ziegel wieder eingedeckt
(nach langen hin und her mit Unterspannbahn).

Ergebnis:
ein dichtes Dach aus uralten Ziegeln mit einer super Optik, jede Menge Dreck, unendlich viel Arbeit, eine dicke Rechnung, ein kleiner ortsansässiger Dachdecker- und Zimmereibetrieb mit neuem Erfahrungshorizont (Danke, super Arbeit!!), anerkennende Kommentare der Nachbarschaft, ein begeisterter Hausbesitzer und zufriedene Denkmalpfleger.
Alles ist gut!!
Bei besserem Wetter mache ich mal ein Foto und stelle es ein.





Sehr geehrter Herr Stucky,
schön, so etwas zu lesen. Da hat ja wirklich alles gepasst!
Glückwunsch!
So viel Engagement und natürlich auch finanzielle Mittel für die Sache, wünsche ich mir gerne oftmals für meine Projekte.
Ich freue mich auf Ihre Fotos!
Grüße aus Köln
Bernd Kibies




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