Dämmung Zellulose oder Holzfaser?

26.06.2013 Nicole



Hallo Zusammen

Kann mir jemand erklären, was bei einer Innendämmung eines Fachwerkhauses besser ist und weshalb: Holzfasserdämmung oder Zellulosedämmung im Spritzverfahren?

Bis jetzt habe ich nur rausgefunden, dass der Sommer-Wärme-Schutz bei Holzfaser besser sein soll.

Dagegen soll die Zellulosedämmung im Spritzverfahren einfacher in der Anwendung sein, da die Unebenheiten der Wände / Balken-Gefache keine Rolle spielen.

Ich hatte die UdiIN-Reco Holzfaserdämmplatte im Kopf und von dem Spritzverfahren habe ich gesten das erste Mal gehört.

Jetzt schon vielen Dank für Eure "Entscheidungs"-Hilfen

Liebe Grüsse und einen schönen und erfolgreichen Tag
Nicole



Innendämmung



Hallo Nicole,
das wichtigste Kriterium ist eine hohlraumfreie Auflage der Dämmung auf die Innenfläche der Außenwand, da sonst die Gefahr von Kondensatakkumulation bzw. Auffeuchtung der Wand besteht. Durch Hohlräume wird die kapillare Feuchterückführung unterbrochen.
Hohlraumfreiheit ist sowohl bei Udi INRECO als auch bei Zellulosedämmung gesichert; eine fehlerfreie Verarbeitung vorausgesetzt.
Zellulose besteht übrigens auch aus Holzfasern, hier nur anders aufgeschlossen.
Bei Zellulose muss noch eine gesonderte Tragkonstruktion und eine verlorene Schalung, die gleichzeitig als Putzträger dient, angebracht werden.
Beide Systeme setzen eine trockene, vor Schlagregen und Spritzwasser gesicherte Außenwandkonstruktion voraus.
Trocken bedeutet hier nahe der Gleichgewichtsfeuchte.

Viele Grüße



Holzfaser kann auch eingeblasen werden



Das habe ich bei meinem Dachstuhl machen lassen.
Anbieter war Emfa, das Produkt hieß Emfazell.
Mein Zellulose-Einbläser hat das auch verarbeitet.

Dazu gibt es hier einige Einträge im Forum, einfach mal suchen.

Holzfaser einblasen war damals schon relativ exotisch - heute würde ich einfach Zellulose einblasen lassen. Das ist gängig und erprobt. Aber auf den Vortel des Einblasens würde ich nicht verzichten. Dampfbremse und Schalung / Lattung bringt man halt vorher an. Die Dämmung selber ist dann in wenigen Stunden drinnen. Man braucht kein xx m3 Dämmung schleppen und vor allen Zuschneiden!

Der sommerliche Wäremeschutz ist eh Käse. Wenn es ein paar Tage 30° draussen sind, kocht jeder Dachstuhl - egal ob mit Miwo, Zellulose oder Holzfaser gedämmt. Allenfalls mal einen oder 2 warme Tage kann man wegpuffern.


Nachtrag:
Habe grade gelesen, daß es gar nicht ums Dach geht. War wohl Reflexdenken ...



Unterschied



Der reine Dämmstoff mag bei Holzweichfaser oder Zellulose vergleichbar sein, aber bei der Einblastechnik wird das Material üblicherweise hinter einer Dampfbremsfolie eingeschlossen und da sehe ich zumindest ein gewisses Risiko.

Abgesehen davon ist der Aufwand je nach Gebäude relativ: Wenn es nur darum geht, einfach Platten im Mörtelbett anzubringen würde ich den Aufwand gegenüber dem Tragegestell/Schalung etc. vorziehen, hängt aber vom Gebäudetyp und der Art der Wände ab.

Was sommerlichen Wärmeschutz angeht, so ist da eher das Dach maßgeblich als die Außenwände.



Ich halte die Holzfaser



für besser geeignet!

Wichtig ist die winddichtigkeit der Gesamtkonstruktion die ja beim Fachwerk selten gegeben ist.

In der aufgespritzen Zellulose ist mir zu viel Kleber drin. Auch sind mit die Borsalze suspekt.

Grüße



Zellulose versus Holzfaser



Hallo Zusammen

Vielen Dank für die Anregungen/Informationen. Ihr habt mir bei meiner Entscheidung weitergeholfen. Ich werde mich weiter mit den Holzfasern beschäftigen.

@ Jens Puruckherr und de Meinweg: Ich will nichts einblasen, sondern Dämmplatten oder Spritzverfahren (Spray-on-Technik).

Ich wünsche Allen eine gute und erholsame Nacht
Nicole





Richtig erkannt - die Zellulose wird feucht aufgespritzt und dann direkt verputzt. Nicht trocken eingeblasen. Es muss keine Tragkonstruktion oder verlorene Schalung gebaut werden. Der optimale Feuchteaustausch findet nur bei feucht gesprühter Zellulose oder geklebter Holzweichfaserdämmung statt.
Wenn der Untergrund eben ist z.B. intakter Putz dann ist die geklebte HWF Platte im Vorteil weil schneller verarbeitet. Wenn mehr Unebenheiten ausgeglichen werden müssen ist die gesprühte Zellulose im Vorteil da das Ausgleichen hier schon Dämmung ist, also weniger Raumverlust entsteht. Die Zellulose hat längere Trocknungszeiten als die geklebte HWF Platte, muss unter der Platte jedoch viel ausgeglichen werden relativiert sich das schon wieder da der Ausgleichsputz vor dem Kleben der Platten durchgetrocknet sein muss.
Ich mache es vom Untergrund abhängig welches Verfahren wir anwenden.
Ein großer Unterschied ist allerdings dass man die HWF Platte selber kleben kann, die gesprühte Zellulose nur vom Verarbeiter gesprüht werden kann.



sorry für meine Unaufmerksamkeit



Ja, das mit dem Spritzverfahren habe ich irgendwie überlesen, zu allgegenwärtig ist wohl das verbreite Einblasverfahren.

Dann ergibt der Einwand von Gerd Meurer bezüglich des enthaltenen Klebers auch Sinn.



Kleber



@ Gerd Meurer: Was ist für dich "zuviel Kleber"?
Im Gegensatz zu Holzweichfaserplatten verwenden wir keine PUR-Harze sondern einen wasserlöslichen Papierkleber der mit Weißleim zu vergleichen ist.
Die Borate in der Zellulose sind nicht ungesünder als das auf jedem Esstisch stehende NaCl...
Darüber hinaus gibt es auch Borat- und Druckfarbenfreie Zellulose.
Nicht zu vergessen - In direktem Kontakt mit der Raumluft steht die Zellulose ohnehin nie. Beim Trockeneinblasen wird sie von einer Luftdichtheitsebene, bei der gesprühten Version von einer 2-lagigen Putzschicht eingepackt.
Des weiteren ist die von uns verwendete Zellulose vom IQUH Institut volldeklariert.



Für mich ist



jeder Kleber in dieser Konstruktion zu viel!

Welche Erfahrung gibt es zu diesem Material und seit wann wird das Material in diesem sehr anspruchsvollen Aufbau eingesetzt?

Und welcher Putz soll ober drauf? Den im System angebotenen halte ich in dieser Konstruktion für bedingt geeignet.

Grüße Gerd





Also ich putze durchweg 2-lagig Lehm drauf. Andere Verarbeiter putzen mit Kalk.
Die Anfänge dieser Innenwanddämmung liegen in den 90er Jahren. Ich selbst habe weit über 1000m² ausgeführt und keinen einzigen m² bei dem es im laufe der Jahre zu einem Schaden gekommen ist.