Anfänger und der leidige Gasbeton...

13.11.2008 Steffen



Hallo,
ich habe vor kurzem ein Fachwerkhaus gekauft, welches Anfang 1980 gebaut wurde.
Leider habe ich absolut keine Informationen vorab über Fachwerkhäuser eingeholt und mir lediglich mit einem Gutachter das Gebäude angesehen, der es für "gut" befand.
Lediglich auf der Wetterseite monierte er, dass einige Balken angegammelt wären, da die Eingangstür nicht korrekt eingebaut wurde und sich in den Ecken eines Bodenbleches das Wasser ansammeln konnte.
Wie sich hinterher herausstellte (beim Renovieren des Bades hinter dieser Wand), war der Balken bereits zu 1m weggegammelt und auf der gegenüberliegenden Seite gute 2m weggegammelt.
Der Schaden kam, wie gesagt, durch stehendes Wasser unmittelbar an den Balken(!).
Die Zimmerleute haben bereits den Schaden behoben. (und gleich neue Am Haustürrahmen entdeckt)
Meine Aufgabe ist es jetzt noch, die herausgestemmten "Fächer" wieder aufzufüllen.
Das verwendete Material ist derzeit...: Ytong. :(
Nach einigen Recherchen wird mir mittlerweile ganz anders, da sich der Neukauf so langsam als nicht so guter Neukauf zu entpuppen scheint :(
Zur Zeit ist der Ytong an der Fassade zusätzlich sauber verputzt und ich kann keine Rissbildung erkennen. Die Fugen sind mit Silikon ausgearbeitet.
Nun weiss ich leider absolut nicht, wie ich vorgehen soll. 3 Fächer sind wieder zu schliessen.
Was soll ich tun? Wieder mit Ytong auffüllen? (wenn ja, wie macht man das GENAU (z.B. Verfugung)? Oder soll ich auf Lehmsteine umsteigen... oder oder oder? :(
Wäre für viele Tipps sehr dankbar.





Hallo Steffen,

die Schäden die du beschreibst, rühren offenbar nicht von der Verwendung von Ytong her, richtig?
Hört sich für mich zunächst mal nach fehlendem konstruktivem Holzschutz (fehlende Wasserableitung im Bereich eines montierten Bleches) an.
Ich hoffe die Zimmerleute haben die Ursache für den "Gammel" gleich mitbehoben?

Wenn nicht, ist es vermutlich fast "Wurscht" mit was du die Gefache ausmauerst. Das wird dann irgendwann wieder gammeln.

Über die Verwendung von Ytong wurde (und wird) hier nach wie vor viel geschrieben.
Wenn du aber nun vor der Aufgabe stehst die Gefache neu auszumauern würde ich persönlich zu Lehmsteinen greifen. Was für ein jahrhunderte altes Fachwerkhaus richtig ist, kann für ein 30 Jahre altes Fachwerkhaus eigentlich nicht falsch sein (so aus dem Bauch heraus).

Auch ein neues Fachwerkhaus "bewegt" sich. Und da sind Lehmbausstoffe einfach die bessere Wahl, da sie elastischer reagieren.
Hinzu kommt, dass sie besser mit Feuchtigkeit "umgehen" können. Lehm gibt aufgenommene Feuchtigkeit besser wieder an die Umgebung ab (und somit auch weg vom Holz) als es Ytong kann.

Vom Abspritzen möglicher Fugen mit Silikon würde ich vollends Abstand nehmen. Durch die konstruktivbedingte Elastizität des Fachwerkes wird das auf Dauer eben undicht.Wenn dort Feuchtigkeit eindringt, kommt sie nur schwer wieder heraus.


Grüße
Martin





Hallo Martin,
danke für die schnelle und hilfreiche Antwort.
Die Schäden an den Balken kommen von dem Mangel mit dem Bodenblech, richtig.
Ein Schaden an den Balken, welcher auf Grund der Ytongsteine auftreten könnte, gab es nicht. (wäre schön, wenn das so bleibt... :-s )
Die Haustür wird daher soweit nach vorne gezogen, dass das Bodenblech nicht mehr notwendig ist und die Haustür bündig mit der Hauswand abschließt. (Leider ist dies auch noch die Wetterseite).
Zu den Lehmsteinen hab ich jetzt noch folgende Fragen
(man möge mir die Laienhaften Fragen verzeihen):
1. Lehmsteine woher zu beziehen?
2. Zuschneiden ist klar, aber wie zwischen den Balken einarbeiten?
3. Wie von außen verputzen?
4. Innen mit Dämmung und der ursprünglichen Spanplattenverkleidung?
5. Ist das auch problemlos für die wetterseitige Außenwand gedacht? (um die dreht es sich ja)

Ich fahre spätestens Freitag wieder zu dem Haus hin und mache ein paar Bilder.
Für mich jetzt noch sehr wichtig: KANN ich denn mit dem Haus, BJ 1980, welches mit Ytong Steinen gebaut wurde beruhigt leben, oder muss ich mich mit dem Gedanken abfinden, doch einen Fehlkauf getätigt zu haben?



Wetterseite...



...ist so´n Ding für sich!

Hallo Steffen,

Sichtfachwerk auf der Wetterseite ist immer ein wenig problematisch, da dort eben das Wetter "aufschlägt".
Auch wird das Vorsetzen der Haustür zwar den bisherigen Mangel beheben, aber dafür ist die Haustür verstärkt dem Wetter ausgesetzt und erfordert vermutlich erhöhte Pflege.

Sinnvoller als Sichtfachwerk ist vermutlich ein Schutz durch eine vorgesetzte, hinterlüftete Holzschale (Lärche, Douglasie, z.B.) um die Wand vor Witterungseinflüssen zu schützen.
Im Gegenzug dazu muß man aber auf die Fachwerkoptik verzichten.

Lehmbaumaterialien bekommst du im gut sortierten Baustoffhandel (nicht Baumarkt) oder beim speziell darauf ausgerichteten Fachhandel für Lehmbausstoffe.

Wenn du in deinem Profil eine Postleitzahl und Ort angegeben hättest, würden dir dort sogar Betriebe aus deiner Umgebung "angeboten" die sich möglicherweise damit beschäftigen.

Zur Ausmauerung der Ausfachungen mit Lehmsteinen bietet sich das Aufbringen von Dreiecksleisten (wenn möglich auch Lärche, Douglasie oder auch Eiche) an der gefachzugewandten Seite des Fachwerks an. In Kombination mit dem verwendeten Lehmmörtel werden die Gefache dadurch "gesichert".


Bei Innendämmung mit Spanplatte klingeln bei einigen Mitlesern vermutlich die Alarmglocken.
Vieleicht bekommst du ja noch Beiträge von den entsprechenden Spezialisten zur Thematik.

Bilder sind allemal gut. Bin gespannt darauf.

Grüße
Martin





Hallo,

Das mit so einer Verschalung habe ich "befürchtet". Dabei habe ich mir genau wegen der Optik (Wetterseite mit Eingang) das Haus gekauft.

Was mich "wundert" ist, dass das Haus schon knapp 30 Jahre steht. Wenn man hier so liest, würde man denken, dass es gar nicht hätte in die 90er kommen dürfen....


ich habe nun nochmal die Baubeschreibung rausgesucht:

5cm Ytongplatten mit
2cm Kalkzementputz
2x 3,5cm Dämmplatten
10(12)mm Spanplatten
1 Sperranstrich
0,5cm Spachtelputz.

Ich sage mal: "Feuer frei" für konstruktive Kritik. Danke!


Anbei nochmal ein paar Bilder (im Profil). Schonmal als ersten Eindruck, um was für ein Haus es sich handelt.



Hab mir mal...



In der Tat würde auf dieser Seite eine ganzflächige Holzschale "schmerzen". Sehe ich auch so!
Aber ich bleibe bei der Aussage.
Im Laufe der Jahre (und ich meine nicht 10 oder 15 Jahre sondern längerfristig) wird diese Seite recht arbeitsintensiv werden, wenn das Sichtfachwerk in dieser Form bestehen bleiben soll (aus meiner Sicht).

Mir stellt sich dabei allerdings die Frage, ob der Architekt damals das Haus nicht "falsch herum" geplant und gebaut hat.

Schaut man sich historische Fachwerkbauten an, so fällt auf, dass damals die Wetterseite eher schlicht gehalten wurde und der Eingang eben nicht dort zu finden war.

Hilft dir vermutlich nicht weiter, aber das sind meine Gedanken dazu.

Einen Fehlkauf kann man hier, über dieses Medium vermutlich nur schwer beurteilen. Dass hängt von vielen Faktoren wie z.B. Kaufpreis, Allgemeinzustand, Wohnlage, Details der Bauausführung und vielem mehr ab.

Ich gehe aber davon aus, dass das Haus dich überleben wird ;-))
Grüße
Martin



Wandaufbauten



Hallo Herr .... (Steffen),

so wie Sie Ihren Wandaufbau beschreiben, ist er für die heutigen Anforderungen fast nicht mehr tragbar.
Wärmeschutzverordnungstechnisch betrachtet!
Trotzdem sollte man aber die Kirche im Dorf lassen, so wie es Martin W. schon in seinen Wortmeldungen angedeutet hat.

Natürlich ist die Wandaufbaulösung nicht optimal, doch wenn baukonstruktiv augenscheinlich keine größeren Mängel (vergammelte Balkenauflager, Feuchteschäden an Gefachkanten, Ausplatzungen um die Balkenfelder, Schimmelstellen an kritischen Gebäudeecken oder unter der Spanplattenverkleidung) zu erkennen sind, braucht man sich nicht gleich scheu machen zu lassen.
Sicherlich wird in den kommenden Jahren auf Sie gewisse Arbeit drauf zu kommen und da ist es wichtig, dann die entsprechend optimalen Lösungsfindungen zu erarbeiten.
Lehmsteine in die Gefache, ölige Lasuren für's Holz, diffusionsfähige homogene Wanddämmebenen und vor allem ein vernünftiges Energiekonzept.
Übrigens, wie wird dieses Haus derzeitig energetisch betrieben?

Hilfreiche Grüße zum Sonntag,

Udo Mühle





Schönen guten Abend,

erstmal vielen Dank für die weiteren nützlichen Antworten und Hinweise.
Erfreut und beruhigt bin ich auch etwas darüber, dass ich mit der Konstruktion durchaus erstmal leben kann und nicht "gleich morgen" die Porenbetonsteine ersetzen muss/sollte.

Einen Gammel oder sonstige "faule" Balken, bis auf die von mir genannten Mängel konnten nicht festgestellt werden.
VORERST werde ich daher auch die 3 Stellen wieder mit den gleichen Baustoffen füllen, wie sie ursprünglich waren, da ich momentan noch viele andere Baustellen im Haus habe und ganz gerne Weihnachten einziehen möchte...
(also Porenbeton mit Sperranstrich und Kalkzementputz).
Langfristig möchte ich dann schon gerne etwas in Richtung verbesserter Wärmeisolierung unternehmen.
D.h. ich werde mich mit Lehmmaterialien usw. auseinandersetzen.

Weitere Bilder möchte ich dem Forum gerne vorerst "ersparen", da ich zur Zeit keine Haustür besitze und das ganze einfach fürchterlich ausschaut :(

Beheizt wird das Haus mit einer Fußbodenheizung im EG und normalen Heizkörpern im OG. Befeuert von einer Gastherme mit Flüssiggas aus dem Tank im Garten.
Zusätzlich werde ich dieses Jahr noch einen Holzofen einbauen.