Fachwerk restaurieren

10.08.2004



Hallo,

ich habe diese Frage bereits bei spotlight.de im Heimwerker-Forum gestellt. Dort bin ich auf Fachwerk.de verwiesen worden, deshalb hier meine Frage:

Wir haben eine Scheune ausgebaut und dabei das alte Fachwerk mit Ytong-Steinen ausgemauert. Da die Balken nicht besonders gleichmäßig sind, wollen wir auf die Balken eine Lattung aufbringen und darauf 15 cm breite Lerchenbretter schrauben. Auf den Ytong kommen dann noch Sakret Wärmedämmverbundplatten mit Armierungsgewebe und -mörtel. Darauf soll dann der Putz. Und nun kommt meine Frage:

Den Anschluß zwischen Holz und Putz, wie sollte man den am besten machen? Denn das Holz arbeitet ja und dann sind Risse und Undichtigkeiten früher oder später vorprogrammiert.

Ich kenne zwei Möglichkeiten:

1. Abdichtung/Anschluß mit vorkomprimiertem Dichtband (sog. Kompri-Band). Darf das Kompri-Band dann mit eingeputzt werden oder muß es freibleiben und kann später gestrichen werden? In der selben Farbe wie der Putz, damit man es nicht sieht?

2. Abdichtung/Anschluß mit einer Silikonfuge. Vorteil: Die Fuge ist wesentlich schmaler und unauffälliger als das Kompri-Band. Aber Silikon muß doch auch nach geraumer Zeit wieder erneuert werden, wenn es im Außenbereich verarbeitet wurde.

Also, wie macht man es am besten? Was habt Ihr für Erfahrungen mit diesem Thema? Ich bin für alle Antworten dankbar.

Viele Grüße

M@rkus



Traurig



Ihnen das sagen zu müssen:
HÄtten Sie doch vorher gelesen, bevor Sie mit dem bauen angefangen haben. Und zwar:
- hier dieses Forum, Suchfunktion zum Thema Wandaufbau und Wärmedämmung'
- die Seiten der Firma Claytec
- die Seiten der WTA,

die exakten links finden Sie entweder hier oder über Google. Bei der Vielzahl der von Ihnen beschriebenen grundlegenden Fehlkonstruktionen gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten:
- Sie bilden sich fort und fangen noch einmal von vorne an.
- Sie gestehen, daß Sie hier nur provozieren wollten.

Nichts für ungut



... aber wahr



Habe gerade in einem Nachbarort ein ähnliches Pfusch-Projekt bewundert, das gerade mit "professioneller Hilfe" entsteht.

Solche Bauten sind dann natürlich die besten "Vorbilder" für die Heimarbeit mit billigen Baumarkt-Materialien. Ich frage mich nur immer wieder, ob man da wirklich einschreiten soll oder die Leutchen wirklich blöd lassen soll. Im letzteren Fall tun mir natürlich dann die kaputt-sanierten Häuser leid.

Schmerzliche Grüße



Wir haben...



...ja noch nicht damit angefangen.

Ich wollte ja nur wissen, wie man es besser machen kann. Und hier bekomme ich nur gesagt, dass es so, wie wir uns das gedacht haben, offensichtlich nicht richtig ist.

Aber wie ist es denn nun richtig? Das wird einem hier leider nicht mitgeteilt. Schade.



Sie haben schon...



... das Fachwerk mit Ytong ausgemauert. Das ist das SCHLIMMSTE, was man tun kann... Ytong = wie ein Schwamm, der Wasser aufsaugt... Wasser + HOlz = faules Holz. Faules Holz am Fachwerk = kaputtes Haus... Grüße Annette



Schade ...



... daß einige Leute erwarten, innerhalb eines halben Tages eine komplette Handlungsanleitung zu bekommen - und dann, falls die ehrenamtlichen Helferchen nicht sofort sputen, auch noch beleidigt sind.
Übrigens: dieses Forum hat eine Suchfunktion! Das wär doch schon einmal etwas Hilfe zur Selbsthilfe.

Etwas nachdenklich



An Anette: Aber...



...wenn doch auf dem Ytong dann Wärmedämmverbundplatten mit Armierungsgewebe und -mörtel sind, ist die wasseraufsaugende Wirkung doch nicht mehr gegeben, oder sehe ich auch das falsch?

Gruß

Markus



Versuch zu helfen



Hallo, ich denke, das von Ihnen angesprochene Thema ist zu komplex, als dass man es in einem Chat klären kann. Viele richtige Hinweise sind in den bislang getätigten Antworten enthalten. Sie sollten sich unbedingt "schlau" machen über die WTA. Dort gibt es regelrechte Ausführungsanleitungen. Auf jeden Fall ist die Verwendung von Ytong falsch. In einem Fachwerkgebäude müsen die Außenwände "atmen". Der abschließende Sakret-Putz verhindert nicht, dass die Luftfeuchte hindurch geht. Außerdem ist es wichtig, den gesamten Wandaufbau zu kennen. Man kann ein Fachwerkhaus nicht einfach mal so dämmen!!! Das Ergebnis spüren Sie dann Jahre später, wenn die "gedämmten" Fachwerkhölzer von innen her verfaulen! Es wäre ratsam, sich mit einem Planungsbüro zusammenzusetzen, um die vorgesehenen Arbeiten abzusprechen, damit es kein böses Erwachen gibt. Sie können mich auch gerne anrufe unter 03682/4605897. Es ist zwar nicht der nächste Weg, aber aus der Welt ist Thüringen auch nicht.

Alles Gute

Günter Wilmanns



Experten



Lieber Markus

Bitte nimm die Ratschläge der hier versammelten Experten, Handwerker und Praktiker ernst.

Es können hier immer nur Detailfragen geklärt werden (und bei dir sind einige grundsätzliche Dinge zu klären- siehe auch das allgemeine Entsetzen!). Wir sind hier alle bemüht in unserer knappen Zeit in Details weiter zu helfen, können jedoch nicht alles im Chat klären. (Frage am 10.08 jede Menge Antworten am 10.08 - Beeindruckend schnell !!!) Folge auch bitte den Rechercheempfehlungen der Kollegen und informiere dich im Vorfeld selber gründlich. Es muß ja nicht jedes Rad gleich neu erfunden werden, dafür steht genügend darüber geschrieben.(siehe WTA, Fachwerk.de-Archiv etc.)

Komplexe Schichtenaufbauten benötigen immer eine objektspezifische Analyse. Bei meinen Beratungsgesprächen dauert es meist einige Stunden und manchmal Tage bis Lösungen gefunden, alle Details erläutert und dem Bauherrren im Prinzip auch alles klar sind, aber am Schluß sind oft tausende von mühsam erarbeitenden Euros gespart.

Ich halte es daher bei allem Sparzwang für sinnvoll sich einen wirklich guten Experten (keinen preiswerten Kollegen)zu suchen, der einen vor Ort berät, dass ist die wirklich kostengünstigste Lösung.

Denn wie heißt es so schön:

Guter Rat ist teuer, schlechter Rat noch teurer und ohne Rat ist es ruinös


Mit besten Grüßen


Lutz Parisek



*hmmmmmmmmmmm*



... Herr Parisek und Herr Wilmanns haben recht. Schalten Sie lieber rechtzeitig noch einen Fachmann ein, bevor es zu spät ist (obwohl, unser erster Architekt wollte unser Haus auch mit Ytong ausmauern...). Mit Ytong kann Ihr ganzes Haus innerhalb von 10 Jahren vergammeln. (!) Ytong muss auch bei Neubauten sofort verputzt werden, so schnell zieht es Feuchtigkeit. Legen Sie mal einen Ytongstein in Wasser und dann hinterher in die Sonne. Der wird in 10 Jahren nicht mehr trocken... Außerdem ist Ytong starr. Könnte ja auch mal sein, dass die Gefache in der Mitte durchreißen, wenn sich das Haus "bewegt".
LEHM ist das "Zauberwort". Lehm saugt auch Wasser, gibt die Feuchtigkeit an die Umgebung aber wieder ab. Wenn es auch draußen feucht ist, dehnt sich der Lehm aus und verschließt somit die "Ritzen" zwischen Gefach und Holz wieder.
Tun Sie sich selbst einen Gefallen: Verbuchen Sie den Ytong unter Le(e)hrgeld und kaufen Sie sich Lehmsteine. Die lassen sich auch ganz bequem von Hand sägen und mit Lehmmörtel superleicht selbst einmauern (ist wie Legosteine... und damit spielt man ja bekanntlich schon als Kind). Da haben Sie dann was, das auch noch Ihre Enkel bewohnen können...

Grüße Annette



ach sooo, noch was...



...
Oberstes Gebot: "Ohren auf Durchzug schalten"
Glauben Sie KEINEM aus der Verwandtschaft oder aus der Nachbarschaft, die Ihnen raten, irgendwas so oder so zu machen. Die meisten verstehen nix von Fachwerk, die haben aber mal gehört, dass Ytong super sein soll... (klar, "früher" hat man das auch gemacht, die Häuser sind aber mittlerweile verfault und da sagt dann jeder "ja, so Häuser mit Holz, da hat man immer nur Theater, das fault schneller weg, als man gucken kann, außerdem ziehts immer durch die Ritzen und es regnet herein..."). FAchwerkhäuser sind für viele ein altes Ding und eine Last und sind sowieso der Meinung, dass man die abreißen sollte... Informieren Sie sich lieber hier im Forum (auch, wenn Sie jetzt einige unfreundliche Worte geerntet haben...) :-) VORHER. Grüße Annette
PS: Was denken Sie, was ich mir immer anhören muss von den Nachbarn... "Ihr hättet es abreißen sollen", "was? jetzt kauft Ihr LEHMsteine???" "Lehmputz im Wohnzimmer (weißer), wird da jetzt noch drübertapeziert?"... :-)



Mal angenommen und Interesse halber!



Man schraubt an das Ytong/Fachwerkhaus eine hinterlüftete Schalung. Würde das ausreichen, um das Holz vor dem Verfaulen zu schützen? Die Feuchtigkeit könnte dann doch aus dem Holz raus. Vielleicht lässt sich der derzeitige Stand retten, wär ja Schade um Zeit und Geld.



Das Problem ist ...



... weniger die Feuchtigkeit auf der Außenhaut, sondern die Feuchtigkeit, die als Luftfeuchtigkeit von innen kommt und dann die Balkeninnenseite und die Flanken schädigt.

Über das zusätzliche Problem der starren Schale wurde auch bereits berichtet.

Wie sagte doch der 1. Kanzler: Keine Experimente !!

Gruß



Kompromisse



Hallo Bernd

Meinst du nicht, dass die vorgesetzte Schalung vielleicht doch ein Ansatz zu einem Kompromiss wäre ?
Wobei klar gemacht werden müsste, welche Nachteile ein Kompromiss beinhaltet. Lass uns doch in der Richtung noch einmal weiterdenken.
Ich versteh den Markus in seiner blöden Situation.

Gruß


Lutz



Noch mal zum Fachwerk



... möchte mich noch mal melden.
Es ist meiner Ansicht nach ganz wichtig, dass man den Gesamtwandaufbau von innen nach außen (oder auch umgekehrt) kennt, um dem Markus zu helfen. Er sagte ja schon von sich aus etwas über Lärchenholzverblendung. Natürlich ist das eine Variante - aber wie gesagt, des Gesamtaufbau muß stimmen.
Bezüglich der Ausgangsfrage, wie die Gefache auszubilden/zu befestigen sind ein Hinweis. Gesichert werden die Gefache im Rahmen von Ausmauerungen durch das Anbringen von Dreieck- bzw. Vierkantleisten auf die Fachwerkhölzer. Möglich aber nicht sehr fachgerecht ist auch die Verwendung anderer Verbindungsmittel zwischen Holz und Gefach. Eine "Abdichtung" ist unsinnig. Man verwendet dann einen Kellenschnitt zwischen Gefach und Holz. Der Hinweis auf den Einsatz von Lehm ist sehr gut! Das muß bei eigener Ausführung nicht teurer sein als ausmauern. Wohnt man in einer lehmreichen Gegend, so kann man diesen kostenlos gewinnen, in dem man mit einem Häuslebauer spricht, der gerade seinen Keller aushebt und den Aushub loswerden will. Hinweise/Anleitung bezüglich der Ausführung sollte mann sich bei einem Lehmbauer holen (ich kenne einen).
Nun wird's doch wohl was werden - der?



Neue Infos



Hallo,

vielen Dank für die vielen konstruktiven und hilfreichen Antworten.

Ich habe von einem Experten (zumindest meint er, daß er einer ist... die Meinungen über Experten gehen hier im Forum glaube ich etwas auseinander...) den Rat bekommen, bei einem späteren Ausbau von innen eine Dampfbremse vor die Wand zu ziehen.

Der Teil des Hauses, der mit Ytong ausgemauert ist, ist der obere Teil der Scheune, was zur Zeit Dachgeschoß ist. Hier ist noch gar nichts ausgebaut, noch nicht einmal die Ziegeln sind isoliert. Daher sind die Temperaturen innen wie aussen auf fast gleichem Niveau. Wenn ich das richtig sehe, kein Temperaturunterschied = keine Kondenswasserbildung.

Wenn man jetzt später mal von innen ausbaut, zieht man eine Dampfsperre mit ein, so daß keine Feuchtigkeit in die Außenhaut der Wand ziehen kann. Dann dürften doch die Balken auch keine Feuchtigkeit von innen abbekommen. Die Feuchtigkeit von außen trocknet ja auch wieder ab.

Ich habe ja mittlerweile gemerkt, daß es falsch ist, wie wir das vorhaben, aber mit dem Ytong, das möchten wir sehr ungerne rückgängig machen. Die Verblendung mit Lärche oder einem anderen Holz sollten wir nach Einholen verschiedener Informationen auch anders durchführen. Es sollte keine Lattung auf die Balken und dann ein Brett, sondern gleich ein stärkeres Holz (4 cm Eiche o. Douglasie, als Fachbegriff wurde 'Aufdopplung' genannt), was ruhiger als Lärche ist und sich in dieser Stärke auch nicht so stark verwirft. Somit sollte in Verbindung mit dem eingangs genannten Kompri-Band doch der Bildung von Rissen vorgebeugt sein.

Was ist Eure Meinung dazu? Bitte nochmal reichlich antworten.

Schönen Abend :-)

M@rkus



Schalung und Dampfbremse



Hallo Bernd,

hinterlüftete Schalungen (vor allem alte) zum Regenschutz des Lehmfachwerks haben hier viele. Sieht zwar nicht so dekorativ aus, scheint aber zu halten. Probleme scheint es damit nicht zu geben.

Hallo Markus,

Dampfbremsen setze ich nie ein. Irgendwann bekommen die immer Löcher von den vielen Bildern und Regalen. Durch die Löcher tritt die Feuchtigkeit in die Wand, kondensiert und kommt nicht mehr raus. Ohne Dampfbremse hast Du zwar ständig Feuchtigkeit (in Abhängigkeit von der Raumfeuchtigkeit) in der Wand, die kann aber auch wieder raus. Theoretisch ergibt das Einbußen in der Wärmedämmung. Die würde ich aber hinnehmen.

Eiserne Regel, die ich befolge: Von innen nach außen muss die Wärmedämmung zunehmen und der Wasserdampfdiffusionswiderstand abnehmen. Evt. Bausünden, die noch nicht gefährlich sind, lasse ich so, sonst könnte ich mein Haus abreißen.

Ich würde an Deiner Stelle innen mit Lehm verputzen. Wenn Du komplett verputzt, brauchst Du auch keine Fugendichtung.

Außen würde ich auf keinen Fall ein Wärmedämmverbundsystem nehmen (siehe Dampfbremse und Eiserne Regel). Wärmdedämmverbundsysteme sind prima, man darf nur keine Fehler machen vom 1. Handschlag bis zum Abriss des Hauses;-) Nur ein Material nehmen, dass einen geringeren Diffusionswiderstand hat als Ytong und Holz. Bezüglich der Verschalung würde ich auf jeden Fall Bernds Hinweis befolgen und noch mal im Forum recherchieren.

Und den Ytong? No risk no fun! Falls sich die Kassandrarufe bestätigen, musst Du halt in ein paar Jahren wieder ran.

Viele Grüße



Planungsfehler!!



Guten Tag Markus Schrei.
Zu Ihrer Frage hier im Fachwerkforum würde ich Ihnen vorschlagen dass sie sich unbedingt einen Fachmann der sich wirklich mit Fachwerk und Fachwerkkonstruktionen auskennt (wie z. B. einen Architekt oder einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständiger dieser kann Ihnen einen unparteiischen Rat geben) hinzunehmen sollten bevor sie noch mehr Fehler machen und noch mehr Geld investieren.
Den bei einem Wandaufbau sollte man mehrere Sachen beachten und nicht einfach drauflos bauen jedes von Ihnen genannte Bauteil hat mehrere Problemzonen.
Z. B. die Dampfbremse dort sind alle Anschlüsse sehr penibel zu beachten und fast nicht ausführbar!

Ich kann Ihnen nur vorschlagen dass sie sich mit mir in Verbindung setzen und wir erarbeiten dann einen Wandaufbau der auch auf lange Sicht funktioniert
und sie bauen einfach drauflos und haben dann in fünf oder 10 oder 15 Jahren halt die Bauschäden! Und fangen wieder von vorne an

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden