Schutz gegen Holzwurm (gemeiner Nagekäfer, Verfestigung und Lackierung der Balken ?




Hallo,

es geht um Deckenbalken eines gepachteten Hauses, bei dem die Geldmittel begrenzt sind und der Besitzer nicht sonderlich interessiert ist.
Eindeutig festgestellt wurde ein Befall mit dem gemeinen Nagekäfer, der aber dank meiner unermüdlichen Aufsaugung aller sichtbaren Käfer über 5 Jahre sehr stark zurückgegengen ist. Frasspuren gibt es nur noch selten, letztes Jahr waren es nur 2 oder 3 augesaugte Käfer.
Eine Komplettbehandlung scheidet aus. Bessere Heizgewohnheiten setzten den Tierchen vermutlich auch mehr als beim Vormieter zu.
Jetzt verschieden Fragen:
1. Kann sich ein eingeschlossener Nagekäfer (z.B. Isolierung und Rigips davor) noch vermehren ohne die Möglichkeit zu fliegen oder zu gucken?
2.Zur Zeit liegen die Deckenbalken eines Zimmers frei, die eine Lage OSB Platten darüber bekommen. Sollte ich eine Behandlung der Balken vornehemen? Kann sich der Holzwurm durch die OSB Platte nach oben durchnagen? Oder macht eine Zwischenschicht aus z.B. Folie Sinn?
3. Ich würde gerne das verbleibede Holz verfestigen, (er war tasächlich hauptsächlich im Splintholz, da aber reichlich), ist z.B. das Tränken mit Kunstharz eine Möglichkeit? Oder zieht er dann vom Ende her Feuchtigkeit , die dann nicht mehr raus kann?
4. Zum Schluss würde ich gerne die Balken in diesem Zimmer weiß lackieren, welchen Lack bzw. Farbe nehme ich da am Besten?
Ein Test mit Wandfarbe an anderer Stelle hat die Farbe bräunlich werden lassen, ähnlich den Stellen an einem versotteten Kamin.
Ich würde mich auch über Teilantworten freuen, falls juemand nicht alles beantworten mag.

Danke schon mal und Grüße
Wolfgang



Holzwurm



Hallo,

eine Verfestigung gegen die Wirkung von Holzwurm gibt es nicht.
Die Larve kann sich bis zum Schlüpfen prächtig vom Holz ernähren und wird sicher auch einen Weg finden, das Holz zu verlassen, der Ihnen bisher entgangen ist.
Genauso wird es einen Weg rein geben.

Bessere Heizgewohnheiten ? Nun ja, bei 20-26 Grad geht es den Larven gut.
Erst wenn ihr Eiweiß kocht (über 60 grad) ist mit einer zuverlässigen Abtötung zu rechnen.

Vor Folien im Holz ist aus anderen Gründen zu warnen: Sie werden nicht kontrollieren können, wo Kondensat gegebenfalls hinläuft.

Also :"Wurm raus oder wir !" wäre die richtige Ansage an den den uneinsichtigen Vermieter.

Grüße vom Niederrhein





Hallo,

der Nagekäfer wird immer den Weg nach draußen finden, auch durch Rigipsplatten.
Die Larve wird sich nach wie vor im Holz zum Vollinsekt entwickeln und schlüpfen.
Den Weg zur Eiablage in das Holz, in Spalten, Risse und alte Ausfluglöcher wird dem Käfer durch (ordentlich), z.B. mit Gipskartonplatten bekleidete Balken nicht mehr möglich.
Die Population wird unterbrochen. Nichts desto trotz werden die Larven die noch im Holz sind irgendwann, zwischen April bis August, als Käfer schlüpfen, artenspezifisch noch nach mehreren Jahren. Die Bekleidung mit Rigips ist durchaus sinnvoll. Davor müssen aber die befallenen Stellen abgebeielt werden. Dadurch werden meist noch im Holz lebende Larven entfernt. Vorher natürlich Folie auslegen. Da die Balken auch eine Funktion haben, vorher mal vom Statiker prüfen lassen ob sie dieser auch noch uneingeschränkt standhalten.
Holz in Folie einzupacken verbietet sich Bauphysikalisch.





Hallo,
vielen Dank für eure bisherigen Tips und Ratschläge, ich werde sie beherzigen.
Kann mir noch jemand sagen, mit welchem Lack ich solche Deckenbalken (Nadelholz) Streichen kann?
Da die Räume sehr niedrig sind, drückt das dunkle Holz schon sehr, im Moment sind sie natur und sehr stark nachgedunkelt.
Gibt es einen Lack, der das Holz weiteratmen lässt, nicht vergilbt, gut deckt und nicht die Leibspeise von Holzwürmern ist?
Grüße
Wolfgang



Kein Lack



Kalkfarbe macht sich sehr gut.



Die Meinungen zur Verfestigung, Folieneinbau und Kalkfarbe teile ich, aber...



ich halte bessere Heizgewohnheiten durchaus für ein wirkungsvolles Mittel, um einen Nagekäferbefall im Innenraum zumindest "in Schach" zu halten. Bei einem üblichen Wohnraumklima wird sich die Holzfeuchte raumseitiger Holzbauteile bei kleiner/gleich 10% einpendeln. Bei etwa 10% Holzfeuchte liegt aber auch die untere Toleranzgrenze des Gemeinen Nagekäfers, so dass mit einer deutlichen Abnahme, wahrscheinlich sogar langfristig mit einem Absterben der Population gerechnet werden kann ("langfristig" = viele Jahre). Ich betone nochmals "raumseitig" - die Feuchtebeanspruchung z.B. innerhalb einer verkleideten und gedämmten Dachschräge kann je nach Aufbau und Zustand ggf. deutlich hiervon abweichen.

Prinzipiell ist ein vollständiges Bekleiden zur weiteren Eindämmung eines Befalls eine Möglichkeit. Man sollte aber darauf achten, dass diese hohlraumfrei ausgeführt wird. Und da würden im Grunde genommen auch große Schwindrisse im Holz ausreichen, damit sich der Gemeine Nagekäfer zum Liebesakt treffen kann :-). Beim Hausbockkäfer wäre diese Vorgehensweise sicherlich Erfolg versprechender, da dieser wesentlich größer ist. Natürlich sollte bei einem starken Befall (scheint hier aber nicht der Fall zu sein) besser gleich bekämpft werden.

Noch was zum Abbeilen: dieses sollte ausschließlich bei Hausbockbefall angewendet werden, da die oberen Schichten des Splintholzes bei einem befallenen Balken wenig bis gar nichts mehr zur Tragfähigkeit beitragen. Ein Abbeilen dezimiert in der Tat bereits einen Tei der Larven. Bei einem Befall durch den Gemeinen Nagekäfer sind die (wesentliche kleiner dimensionierten) Fraßgänge eher weiter über die Tiefe verteilt. Das befallenen Splintholz bleibt länger tragfähig. Ein Abbeilen wäre zwar für die Bekämpfung förderlich, die Tragfähigkeit wird aber unnötigerweise herabgesetzt (es sei denn, der Splint ist bereits pulverisiert).
Die DIN 68800-4 spricht zwar noch vom Abbeilen pauschal bei allen Trockenholzinsekten, der Kommentar zur DIN fordert es jedoch nur noch bei Hausbockbefall.

Gruß
Boris Blenn