Womit ausgemauertes Gefache ausbessern?

16.02.2020 Chrisi

Womit ausgemauertes Gefache ausbessern?

Hallo zusammen,
da das mein erster Beitrag hier ist, kurz zu mir:
Ich bin Christian und seit kurzem stolzer Besitzer eines Altbaus von 1910.
Ich habe mich im hier im Forum bereits über viele Grundsätzliche Dinge informiert. So ist mein Sanierungsvorhaben vom Anfänglichen "Alles neu alles besser" komplett umgeschwenkt auf "Never Change an running System". Was seit 100 Jahren funktioniert kann nicht so schlecht sein. Wir konnten leider keinen Gutachter im Vorfeld nutzen, da der Verkäufer nicht wollte das Decken und Böden aufgemacht werden...
Ich bin dann nur mit einem befreundeten Bauingenieur durchs Haus. Die letzte Renovierung war je nach Raum zwischen 20 und 30 Jahren her. Das Haus war komplett leer. Da wir nirgends (Feuchtigkeits)Flecken, Risse, Schieflagen oder merkliches Schwingen der Holzbalkendecke festellen konnten, und wir das Haus zu einem Top-Angebot bekommen konnten haben wir zugeschlagen.
Der erste Schock kam direkt am ersten Renovierungstag. Erste Wand aufgemacht: Alles Gipskarton. Alle Wände, nur Rigips, dahinter ausgemauertes Gefache (ausser auf der 50cm massiven Aussenwand). Auch wenn ich mich im Nachhinein ärgere das mir das hätte klar sein können... Aber Ok, nachdem alle Wände und Decken freigelegt waren, war der erste Schock verflogen. Holz sieht überall sehr gut aus, bisher zumindest im Obergeschoss keinerlei Feuchtigkeit gefunden.
Nun habe ich mehrere Leute gefragt bzgl. des ausgemauerten Gefaches. Die die Ahnung haben sollten (Bauingenieure) sagen mal so mal so, von "ist nur für die Optik" zu "wird schon Sinn machen".
Ich habe mich mittlerweile darauf festgelegt das zu der damaligen Zeit Ziegel kein Schnapper waren und deshalb mit Sicherheit nicht einfach so ihren Weg ins Gefache gefunden haben. Die bleiben also drin.

Jetzt zur eigentlichen Frage: Bei einzelnen Wänden ist der damals verwendete Mörtel brüchig, die Steine liegen mehr oder weniger lose übereinander. Ich würde diese Wände (im Gefache!) gern wieder neu aufbauen (Idealerweise, wenn umsetzbar) mit den alten Steinen. Welchen Mörtel verwende ich dafür? Zementfrei muss es sein, aber dann? Was gibt es hier? Ich lese Häufig Kalkputz, Kalkmörtel, Luftkalkmörtel?

Welchen Mörtel nehme ich hier am besten?

Zudem überlege ich noch ob ich die Wände, Aussenwände und Trennwände Verputze. Da war vorher auch nur GKP per Batzentechnik drauf. Ich würde ggf. die Wände grob Verputzen wollen, damit ich die neuen GKP flächig Kleben kann. Was würde ich da für einen Putz benötigen?

Wäre schön wenn mir einer eine kurze Empfehlung bzgl der notwenigen Mörtelart geben könnte!

Danke euch!



Widerspricht...



...nicht der Neuverbau von GKP völlig Deinem gutem Plan, das running System nicht zu changen?

Mit absoluter Sicherheit wirst Du diesen Plan nicht überall umsetzen können. Jipskarton hat jedoch aus meiner Sicht im FWH nichts zu suchen.

Vielleicht magst Du darüber nachdenken, den Außenwänden eine moderate Innendämmung aus Holzweichfaserplatten zu gönnen, darauf Wandheizung mit Lehmputz. Es spräche viel dafür. Und es gibt hier im Forum viele Infos dazu.

Grüße

Thomas



Das war das running System...



... die GKP waren, auch an den Aussenwänden, seit 1975 verbaut, mittlerweile mit teils 7 Lagen Tape drüber. Wir haben alles rausgerissen, die Platten sahen von hinten aus wie neu. Deshalb würde ich es genau so wiederhergestellen.

Aber in der Tat bin ich auch schon über das Thema Wandheizung mit Holzweichfaserplatten gestolpert.
Und wir wollen eigentlich sowieso die Heizungsinstallation neu machen.

Meine Bedenken dabei: Aktuell läuft die Heizung (Gas Zentral) mit 50 Grad, alle Heizkörper nur mäßig warm und stabil 20 Grad in der Bude. Dank 50 cm Ziegelwand.
Zudem bin ich beim einlesen natürlich auf die Gegenargumte gestossen Heizung auf Aussenwand, da heizt man aussen mit.
Ich habe etwas Sorge wenn ich die jetzt gut eingestellten Heizkörper durch eine Pi mal Auge dimensionierte Wandheizung ersetze den Verbrauch unnötig zu erhöhen...
Gr
Wie gesagt Grundsätzlich spannend, zumal auch der Wohlfühl-Faktor bei der Wandheizung größer sein soll Plus ich mir weniger Sorgen um Feuchte Mauer = Feuchte Balken machen muss.

Ausserdem kenne ich Lehmputz bisher nur theoretisch, ich stelle mir den irgendwie sehr weich vor?!



Aussenwand



"Heizung auf Aussenwand, da heizt man aussen mit. "

Nicht dann, wenn zwischen Heizung und Aussenwand eine Dämmung plaziert wird (wie empfohlen).

Dann reduzierst Du Dein Heizaufkommen merklich, UND hast ein besseres Wohlklima.

Selbstredend sollte eine WH berechnet werden.

Grüße

Thomas



running System II



Was man auf dem Bild so sieht, sind Außen- wie auch Innenwände, die mit Sicherheit nicht "sichtig", sondern verputzt waren. Es ist sinnvoll, diesen Zustand wieder herzustellen, die Empfehlung mit der Wandheizung ist ebenso sinnvoll.
GK Platten sind natürlich auch ein Trockenputz. Das macht man, wenn man wenig Feuchtigkeit eintragen will, keine Zeit zum Trocknen hat, oder "leichte" Wände herstellen möchte. Aber erst "nass" und dann "trocken", und dann noch die ganze Spachtelei und Schleiferei?

Den Heizkörper hat es 1910 auch nicht gegeben. Wenn die Heizung bereits bei der letzten Renovierung (vor 20-30 Jahren) ersetzt worden ist, entspricht sie möglicherweise auch nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Die Tatsache, dass schon mal angefangen wurde alles abzureißen, lässt erwarten, das Eigenleistungen durchaus in Betracht kommen. Da kann man bei dem vorgeschlagenen Vorgehen schon einiges selbst machen, z.B. einen gepflegten Lehmputz.

Allerdings stellt sich die Frage, was das Ziel der Abrissaktion eigentlich war. Wenn man nun alles wieder so aufbaut, hätte man das Gelumpe auch gleich 'dran lassen können.

Bei der Außenwand gilt es noch zu prüfen, ob sie nicht 2-Schalig aufgebaut worden ist. Das wäre bei diesem Baujahr nicht ungewöhnlich. Wenn dem so wäre, gibt's hierfür auch spezielle Dämmkonzepte.
50 cm massive Ziegelwand braucht's eigentlich nur bei höheren Gebäuden.

Für die Reparatur der Innenwände einfach die alten Steine wiederverwenden, der Mörtel für die Reparatur ist innen eher zweitrangig. Ein Kalkmörtel ist aber sicher ok. In älteren Häusern wurden Gefache innen auch einfach nur in Lehm gesetzt, hat auch gehalten.

Gruß

GE



Das Gelumpe



war mit bis zu 7 Lagen Taptete zugekleistert, zudem teilweise beschädigt. Außerdem muss Elektro komplett neu gemacht werden. Und als letzten Grund wollten wir einfach feststellen wie es darunter aussiehst, Feuchtigkeit, Halt der Ziegel, Zustand der Balken etc...

Bereitschaft zur Eigenleistung ist mehr als ausreichend vorhanden. Zeit bis zu einem Gewissen Maße auch. Nur das Geld ist, wie so häufig, auch hier ein limitierender Faktor. Die Heizungen, genau wie der alte GK, sind aus 1978...

Ich fand den alten Aufbau erstmal nicht verkehrt, GK ist diffusionsoffen, die Luftschicht zwischen Wand und GK isoliert zusätzlich, sorgt trotzdem dafür das Feuchtigkeit angeführt werden kann.

Aber beim Thema Wandheizung bin ich dabei, wenns sich (auch finaziell) umsetzen lässt. Das Problem ist, ich hab hier 140 qm Wohnfläche die dann im Idealfall umgerüstet werden müssten.

Wie würde denn in meinem Fall ein relativ kostengünstiger Schichtaufbau auf der Aussenwand aussehen?



Dann



hatte das Gelumpe ja seinen Namen verdient!

Zur Isolation. mit GK:

Isolieren muss man ja nur bei Temperatur Unterschied, das fällt bei Innenwänden zwischen beheizten Räumen schon einmal aus.
Wenn man eine Luftschicht vor eine kalte Außenwand einbaut, wird der Zwischenraum (die Luftschicht) kälter sein, als der Innenraum, z.B. das Wohnzimmer. Wenn der Zwischenraum genau so warm ist, wie das Wohnzimmer, hätte man sich das ganze sparen können.
Wenn jetzt warme Luft, die viel Feuchtigkeit aufnehmen kann, in diesen Luftspalt dringt wird sie abkühlen. Das führt zu Kondensat, so als wenn man ein kaltes Bierglas ins warme trägt, oder mit der Brille im Winter in die Skihütte geht oder auch nur ein altes nicht isoliertes Fenster hat. Dort, wo warme Luft abkühlt, gibt's Kondensat = Wasser.
Auf diese Art und Weise sind zahllose Fachwerkbauten mit schön geraden GK Vorbauten langsam gestorben.
Ihr habt das geahnt, sonst hättet Ihr nicht geschaut, ob es Feuchtigkeit gibt!

Was kann man tun?

Mann kann die GK Wand luftdicht machen: an jeder Steckdose und jedem Schalter, an jedem Riss der vielleicht einmal entsteht, Fensterlaibung, spätere Bohrlöcher etc...... und das muss dauerhaft halten. Wer soll das garantieren?

oder

man verzichtet auf den Luftspalt. Es werden Materialien verwendet, die möglichen Feuchteanfall auf die warme Seite abführen, je wärmer, je besser.

Was braucht man:

eine Innendämmung mit einem kapillaraktiven Material (z.B. Holzweichfaser), einen Putz, der Feuchtigkeit an der Oberfläche loswerden kann (d.h. insbesondere keine sperrenden Farben wie Dispersionsfareben) und eine warme Oberfläche. Die bekommt man wenn man mit einer konventionellen Heizung ordentlich bollert, oder aber mit einer sparsamen Wandheizung.

Nun fragt man sich vielleicht: das hatten die früher doch auch nicht.
Stimmt!
Da waren aber nur ganz wenige Räume mit Öfen beheizt und Fenster und Türen waren undicht. Der Ofen hat durch die Undichtichkeiten viel kalte Luft gezogen, die dann nach der Verbrennung durch den Kamin gewandert ist, gleichzeitig wurde diese kalte trockene Winterluft im Raum aber erwärmt und damit weiter abgetrocknet.
Das würde heute auch noch funktionieren, wenn man die Genehmigung vom Schorni bekommt, jedes Jahr etliche Raummeter Brennholz besorgt und das tägliche Leben in der Küche stattfindet, wo der Ofen ist.

Lehmputz ist übrigens tatsächlich weicher als Kalk oder Zementputz. Das ist auch gut so, weil es viel weniger Risse gibt und man kann das ganz easymatic mit Kelle und Schwamm reparieren.
Nachteil: es gibt sicher billigere Gipsputze im Baumarkt, anständige Kalkputze sind aber häufig teurer, insbesondere bei der Verarbeitung/Lohn solcher hochwertiger Kalkputze. "Selbst" geht auch, setzt aber einiges an Erfahrung voraus, die selbst viele Handwerksbetriebe heute nicht mehr haben.

Kauf Die einen Sack Lehmputz und mach eine Probefläche!
Rechne wieviel Du brauchst.
Rechne wieviel Handwerkerleistung Du sparen kannst!
Könnte ein Lehmputzseminar helfen?
Ist genügend Zeit eingeplant, damit das alles trocknen kann, noch ist es kalt. Bautrockner sind im Betrieb sehr teuer und die Energieversorger sind sich nicht zu blöd anzunehmen, dass Du nach 3 Monaten Bautrockner 10 Jahre so weitermachen willst, entsprechend fallen die späteren Vorauszahlungen aus.

und nicht vergessen: es geht jeden Tag etwas voran!

Gruß von

GE,

der in einem FW Haus von 1876 mit Lehmputz und Wandheizung und Grundofen sitzt,
alle paar Wochen gibt's einen Hausmeister Tag.

Dennoch müssen sie mich am Ende die Füße voran heraustragen.