Allergie auf mit Trip-Trap-Öl behandeltes Eichenparkett

22.12.2009



In meiner neuen Wohnung wurde das lackierte Eichenparkett vor dem Einzug abgeschliffen und mit Trip-Trap-Öl eingelassen. Die Wohnung hatte noch 10 Tage nach der Behandlung einen beißenden Geruch, mir wurde sofort übel und schwindlig und nach 2 Stunden hatte ich Schmerzen im ganzen Körper und musste die Wohnung fluchtartig wieder verlassen.
Nach Reklamationen beim Handwerker sowie dem Ölhersteller WOCA in Dänemark wurde der Boden einer Intensivreinigung unterzogen und am nächsten Tag mit einer biologischen Holzseife behandelt. Zwei Tage danach ist der Geruch noch immer unangenehm, die gesundheitlichen Beschwerden sind unwesentlich besser, ich kann mich in der Wohnung nicht aufhalten.
Was kann ich tun, damit die Wohnung für mich bewohnbar wird?
Angeblich kann kein Wasserlack aufgebracht werden, da das sechs Jahre alte Schichtparkett dadurch aufschüsseln könnte und der Handwerker jegliche Gewährleistung für diese Behandlung ablehnt.
Das Parkett muss angeblich nach erneutem Schleifen wieder geölt werden - doch welches Öl ist garantiert antiallergen und empfehlenswert?
Ich bin sehr verzweifelt - wer weiß Rat?



Moin Johanna,



für dein Wohlbefinden wär erstmal wichtig herauszufinden worauf genau du allergisch bist - etliche Basisprodukte kommen in fast allen Ölen vor.

Kinesiologie ist hier das präziseste was ich kenne.

Immer neu Abschleifen und ausprobieren is glaub ich nicht der goldene Weg.....

Gruss, Boris



Hallo,



meine Meinung zu Triptrap und ähnlichen überwiegend synthetischen Produkten habe ich im Forum schon mehrfach dargelegt. Fazit: Hände weg, wenn man nicht auf dem Lösemitteltrip ist, trap trap.

Die Grundreinigung bringt tatsächlich nichts, da das Öl auch etwas in das Holz eingezogen ist. Schleifen wird dem Parkettleger keinen Spaß machen, weil es die Bänder verkleben wird. Wenn nicht gerade das Problem mit den Ausdünstungen wäre, hätte ein Ölkunstharzlack eine Möglichkeit sein können, fällt aber nun aus.

Das der Verleger bei einer Holzseife keine Bedenken des Schüsselns wegen hat, beim Wasserlack hingegen schon, wird er wohl kaum stichhaltig begründen können. Verzichtet trotzdem auf Wasserlack.

Ich empfehle ein Bodenöl eines nahmhaften Naturfarbenherstellers, wie Livos, Naturhaus, Natural. Letztere Produkte vertreibe ich auch, und kann dazu detailliert beraten, wenn von Interesse.

Das Öl sollte kein Terpentin enthalten. Auf das ersatzweise eingesetzte Orangenschalenöl sind nur sehr wenige Leute allergisch, ich habe bisher sicher nur von einem Fall gehört.

High-Solid-Öle haben sehr wenig, Pure-Solid Öle keine Lösemittelanteile, Wachsanteile sollten der pflegeleichteren Fläche wegen nicht enthalten sein.

Grüße

Thomas



Schellack gegen Aldehydausdünstung?



Lieber Thomas,
zunächst besten Dank für Deine Ausführungen.
Inzwischen sind fast 4 Wochen verstrichen und ich stehe immer noch vor dem gleichen Problem:
Zunächst habe ich Proben von 6 verschiedenen Bioölen besorgt und getestet. Bei allen zeigten ich allergische Reaktionen, nur das Hartöl 240 von Leinos schien verträglich.
Ich konnte den Parkettleger überzeugen, den Boden nochmals abzuschleifen und mit dem von mir gekauften Material (Hartöl und Wachs 310 von Leinos) nochmals zu behandeln.
Das Parkett wurde wieder sehr schön, nach dem Polieren roch es zunächst angenehm nach Wachs - ich war erleichtert.
Doch schon am nächsten Tag war trotz ständigem Lüften der gleiche beißende Geruch wie vor der zweiten Behandlung in dem Raum und als ich mich für wenige Stunden dort aufhielt, folgte der nächste allergische Schub.

Auf meine Nachfrage bei der Firma Leinos vermutete deren Chemiker, dass es sich um eine Aldehydbelastung der Raumluft handelt, die auf zu wenig Sauerstoffzufuhr während der Trocknungszeiten zurück zu führen ist. Er schlägt nun vor, das Wachs abzuschleifen und Schellack aufzutragen, um eine weitere Aldehydbildung zu unterbinden.

Meine Recherchen im Internet haben jedoch ergeben, dass Schellack für Fußböden nur sehr bedingt geeignet und der Auftrag auch recht aufwändig ist.
Wer führt diese Arbeiten aus? Den Parkettleger kann ich wohl nicht mehr beauftragen, denn er wollte schon für die zweite Bearbeitung keine Gewährleistung mehr übernehmen.
Dabei hätte eigentlich er für die nötige Sauerstoffzufuhr während der Trocknungszeit sorgen müssen, da die Wohnung ja nach wie vor nicht bewohnt ist. Vielleicht wäre er sogar wegen mangelhafter Ausführung Schadenersatz pflichtig.

Welcher Schellack scheint noch am geeignetsten oder welche
weitere Bearbeitung verspricht ein endgültige Lösung des Problems?

Heute habe ich übrigens das Ergebnis der Blutuntersuchung bekommen: Auf das getestete Bodenöl bin ich nicht allergisch. Allem Anschien nach löst wohl das durch die falsche Trocknung gebildete Aldehyd die Allergie aus. Das würde auch erklären, warum ich mich bei den Riechproben gleich krank gefühlt habe.

Mit freundlichen Grüßen
Johanna



Die Belastung...



...durch Aldehyde gibt es tatsächlich, in Verbindung mit unzureichender Luftzufuhr. Statt der Oxydation findet eine Polymerisation statt.

Daß es nach dem Schleifen und 2. Ölen immer noch so intensiv stank, passt aber nicht in das Bild; es sei denn, der Parkettleger ist beim "Schleifen" nur kurz 'rübergehuscht, ohne bis in das rohe Holz zu kommen. Haben Sie die Ausführung beobachten können? Auch anhand der Proben (die keine nennenswerten Mengen Aldehyde enthalten können) hätte keine allergische Reaktion erfolgen sollen.

Ein (von mir nicht ausprobierter) Gedanke wäre, die Oxydation durch Wischen mit Wasserstoffperoxyd 3-6%ig zu befördern, ggf. mehrfach. Wasserstoffperoxyd ist ein starkes Oxydationsmittel. Das könnte man ggf. in einem kleineren Raum probieren.

Grundsätzlich ist das aber hier ein hilfloses Herumraten aus der Ferne. Ist allergologisch klar, daß es sich um Aldehyde als Auslöser handelt?

Bislang nicht ausschließbar ist, daß die Probleme mit dem Öl gar nichts zu tun haben. Wie ist das Parkett befestigt (geklebt, geschraubt?) Ist es Fertigparkett oder massiv?

Schellack ist zur Maskierung gut geeignet, aber auch erst nach einem erneuten Schliff. Er müsste aber wieder mit Öl überarbeitet werden, er ist nicht hinreichend wasserfest.

Grüße

Thomas