Wie hoch ist das Risiko eines Wiederauflebens des Schwamms nach Sanierung?

24.05.2005



Hallo,
ich stehe kurz davor, meine absolute Traumwohnung zu kaufen. Schöner Hamburger Jugendstil. Leider wurde in dem Haus vor 3 Jahren Schwammbefall festgestellt, zum größten Teil Kellerschwamm aber in einigen Wohnungen auch echter Hausschwamm.
Das gesamte Haus wurde mittlerweile saniert von einem Fachbetrieb. Trotzdem frage ich mich, ob ich als Käufer davon ausgehen kann, dass der Befall auch tatsächlich komplett beseitigt wurde? Besteht bei einem Haus, das bereits einmal vom Schwamm befallen wurde, weiterhin ein Restrisiko? Zumal davon auszugehen ist, dass nicht jede Stelle untersucht wurde (in einigen Räumen nur Stichproben), weil dies wohl aus Kostengründen gar nicht möglich gewesen wäre.
Eine schnelle Antwort wäre sehr klasse, da die Zeit hier drängt und ich mich nächste Woche entscheiden muss.
Herzlichen Dank
Sandra



Riskiken



Liebe Sandra

Eine Schwammsanierung ist immer mit einem hohem Risiko belastet. Zu einer Analyse der Risiken müssen eine Menge Faktoren hinzugezogen werden.

z.B.
a) Wie verbindlich ist das Holzschutzgutachten (Zwischen den Zeilen lesen!)
b) Wie gut arbeitet die "Fachfirma" und besitzt diese "Fachfirma" eine Sachkundenachweis für diese Arbeiten
c) Welchen Ruf und langjährige Erfahrung besitzt die Firma in der Bekämpfung von Hausschwamm
d) Welche Gewährleistung und wie lange gibt der ausführende Betrieb.
e) wie solvent ist der Betrieb im Schadensfall
f) Haftet der Bauleiter, der Architekt oder der Besitzer im Schadensfall
g) Wie hoch wird der merkantile Minderwert angesetzt
h) Welche Maßnahmen sind mit welchem Mittel, nach welchen Vorgaben, durchgeführt wurden
i) In welchen Bereich ist der Hausschwamm aufgetaucht
j) Wurden wieder Holzbauteile eingebaut und wie sind diese imprägniert.
k) Wie trocken sind die befallenen Bereiche heute
l) sind Kontrollöffnungen vorgesehen
m) etc. etc.

Du siehst liebe Sandra, hier stellen sich Fragen über Fragen.
Vielleicht solltest du diese von einem Fachmann prüfen lassen. Der potentielle Kaufvertrag sollte dir auf jeden Fall zu diesem Thema ausreichende Sicherheiten bieten.

Gruß

L. Parisek



Miniergänzung



Hallo Sandra,
Lutz hat mal wieder alles erschlagend geantwortet, bleibt eine kleine/r Ergänzung/Hinweis:
Zur richtigen Ausführung nach der zuständigen DIN 68000 gehört eine Kennzeichnung der mit chem. Mitteln behandelten Bereiche, die auch später noch frei zugänglich angebracht sein sollte oder zumindestens den Wohnungsunterlagen beigefügt sein möchte. Diese beinhaltet u. a.: Holzschutzmittel, Wirkstoff, ausführende Firma, Ausführungszeitraum, behandelte Bereiche.
Auch dies ist ein Zeichen für die Seriösität der Ausführung.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri





hallo sandra
wäre es meine traumwohnung, würde ich die finger davon lassen. denn aus einen traum wird schnell ein alptraum,
der im fall der schwammsanierung sehr teuer und nervenaufreibend werden kann.
mit freundlichem gruss c. heise



Tut mir leid...



aber dem Beitrag von Herrn Heise kann ich nicht so richtig folgen. Wenns so wäre, würde es für 30-40.000 sanierte Gründerzeitwohnungen allein in Leipzig, von denen bestimmt 1/4 einen Schwammbefall hinter sich haben, keine Kaufinteressenten mehr geben.
Ich würde mich auf das Restrisiko einlassen, wenn ich alle Sanierungsnachweise nachvollziehen könnte und die Arbeiten einen seriösen Eindruck hinterlassen. Wenn ich von diesen Dingen wenig Kenntnisse mitbringe, muß ich mir halt einen kompetenten Fachmenschen ranholen der alle Faktoren prüft. Sicherlich bleibt auch anschließend ein Restrisiko über, aber ein Generalurteil würde ich mir trotzdem nicht erlauben.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Vielen Dank für die schnelle Hilfe!



Hallo ihr Lieben,
ich danke euch ganz herzlich für die schnellen Antworten.

Ich habe mich diese Woche sehr eingehend mit dem Objekt beschäftigt. Durch Nachfragen über das Bauamt bin ich darauf gestossen, dass es sich bei dem Altbau, in dem meine Traumwohnung steckt ;-), eigentlich um ein Abrisshaus gehandelt hätte aufgrund der hohen Mängel. Diese sind wohl neben Schwamm auch schlechte Bausubstanz an sich (vermutlich bereits Verwendung von minderwertigen Baumaterialien), Holzbock und diverse andere Pilz- und Insektenschäden. Jedenfalls habe ich die Auskunft erhalten, dass die Schäden aufgrund der Schwere langfristig nicht komplett zu beseitigen seien.

Ich hoffe, dass die Entscheidung richtig war, aber ich habe nun schweren Herzens den Kauf abgesagt.

Tja, auf ein Neues bei der Wohnungssuche.

Liebe Grüße aus dem sonnigen (um nicht zu sagen heißen) Hamburg,
Sandra



Vielleicht etwas voreilig?



Auf jeden Fall ist alter Hausschwammbefall, dessen Zerstörungserscheinungen betr. verminderter Tragfähigleit von Holzbauteilen fachgerecht beseitigt wurden, überhaupt kein Problem - wenn die Ursache des damaligen Befalls beseitigt wurde. Will sagen, wenn es nicht mehr zu überhöhter Feuchte kommt. Ob das nun offenes Dach, verstopfte Rinne, Bau- und Wohnfeuchte oder was auch immer sein mag. Und das gilt für alle Holzschädlinge.

Am besten wäre natürlich, wenn das Haus eben nicht von üblichen Fachbetrieben totsaniert worden wäre, die dann die Bausubstanz normgerecht Vergiften und zur Sondermülldeponie runterpfuschten. Insofern wäre es dann doch besser, so eine Gifthütte zu meiden.

Der Link bringt dazu noch weitere Info:


Rund um Lüftungs- und Fensterprobleme sowie den feuchtebedingten Schädlingsbefall



Keelerschwamm im Hamburger Altbau



Hallo Sandra,

mit großem Interesse habe ich Deine Situation
verfolgt, und kann es sehr gut nachvollziehen da ich zur Zeit vor dem gleichen Problem stehe.

Tramuwohnung, wunderschöner 'Hamburger Altbau', vor 3 Jahren Kellerschwamm entdeckt etc., Mir kommt die ganze Geschichte sehr bekannt vor und ich Frage mich natürlich, ob es sich eventuell um die geliche (Abriss)Wohnung handelt. Wäre es vielleicht möglich, dass wir uns in Verbindung setzen und weitere Informationen auszutauschen ?

Würde mich sehr freuen von Dir zu hören.

Viele Grüsse, Danika



Hallo Danika,



das wäre ja ein lustiger Zufall. Meine Ex-Traumwohnung ist in Winterhude und hat ca. 100qm. Wenn Du meinst, dass es sich bei Dir evtl. um die gleiche Wohnung handelt, gib' mir doch einfach Deine Emailadresse, dann können wir uns gerne austauschen.
Ich vermute aber, dass diese Schwammproblematik bei wirklich einem Großteil der Hamburger Altbauten auftritt und es daher sicher eine andere Wohnung ist. Laut einem bekannten Sachverständigen für dieses Thema, haben ca. 80% aller HH Altbauten diese Probleme in mehr oder weniger schwerer Form. Vermutlich ist es bei einem kleineren Befall gar nicht so dramatisch und wieder in den Griff zu bekommen, bei meiner Wohnung war es scheinbar aber tatsächlich der Supergau. Wenn man die Protokolle und Gutachten liest, ist das Haus wirklich komplett mit allen Schädlingen und Pilzsorten befallen gewesen, die es so gibt und der Zerfall war wohl schon ziemlich weit fortgeschritten, so dass in einigen Wohnungen regelrecht Einsturzgefahr bestand, da die Decken so zerfressen waren.
Letztlich bin ich jetzt ganz froh, so eine Eigentumswohnung in guter HH Lage ist ja nicht ganz günstig. Und das Risiko, dass man in ein paar Jahren wieder Ärger hat, ist mir einfach zu groß.

Ich würde mich freuen, von Dir zu hören und wünsche Dir viel Glück mit Deiner Traumwohnung!

Liebe Grüße
Sandra





Hi Sandra,

vielen lieben Dank für Deine schnelle Antwort.
Meine Traumwohnung befindet sich ebenfalls in Winterhude und
hat ca. 100qm. Das wäre ja ein absoluter Zufall wenn es sich tatsächlich um die gleiche Wohnung handelt....

Meine E-Mailadresse lautet: DanikaCorleis@gmx.de. Es würde mir wirklich sehr helfen wenn wir Informationen austauschen könnten, denn ich habe mich total in die Wohnung verliebt und muss möglichst bald eine Entscheidung treffen. Natürlich möchte auch ich auf gar keinen Fall ein Risiko eingehen,denn wie Du schon sagtest sind die Preise für Wohnungen in dieser Lage ziemlich 'gepfeffert'.

Freue mich von Dir zu hören.

Bis später dann,

Danika