Rettung oder Abriß

14.03.2005



Hallo meine erste Frage hier in diesem Forum,

unser Wohnhaus, seit 1978 unbewohnt verfällt stark. Für dieses Jahr steht die Entscheidung an, Rettung oder Abriß. Ein paar Fakten:

Vierseithof 1603-1730-1830 (gefundene Jahreszahlen)
*Seitengebäude, Ställe und Scheune 1977-1982 "modernisiert" seitdem Abrißpläne für Wohnhaus
*jetziger Zustand des Wohnhauses laut Denkmalschutz:
Dielen und Decken hinüber
massive Wände im Erdgeschoß und teilweise auch oben noch verwendbar
Fachwerk wo vorhanden in Originalzustand mit Lehmverzierungen erneuerbar
Wasser und Elektrik entfernt
Dach extrem undicht, teilweise kommen demnächst wohl die Balken runter, sieht aber von außen noch gerade aus
Schimmel, kein Schwamm

Soll ich jetzt das Haus wegreißen (angebkich 7,5T€)
oder kann man da noch was machen. Bin 26, habe also noch Zeit, aber das Haus hat wohl keine mehr. Der Denkmalschutz urteilt: "aufgrund des schlechten Zustandes können keine Einwände gegen den Abriß erhoben werden." Aber Unterstützung würde ich von denen bekommen (welche eigentlich?).

Wie kann man ein Photo einfügen?





Hallo Norbert Stiller,
es ist um jedes alte Haus schade, das verschwindet. Aber es ist nun mal eine Variante des Laufes der Geschichte. Trotzdem kenne ich Häuser, die 25 Jahre leer standen - und trotzdem wiederbelebt wurden. Es ist einzig nur eine Frage der persönlichen Einstellung zu dem Haus.
"Unterstützung" gibt Ihnen die Denkmalpflege bestimmt nicht. Allenfalls eine Unterschrift zur Beführwortung des Abrißes.
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Traurige Grüße
D.Fr.



Unsere Geschichte erhalten? Immer!



Ein Vierseitenhof von 1603, es wäre sehr beschämend, diesen einfach auf die Halte zu verfrachten!
Ich würde alles daran setzen, dieses Goldstück wenigstens in Teilbereichen zu erhalten. Die Größe kenn ich zwar nicht, aber ich würde alles daran setzen, diese zu erhalten! Sicher sind die Kosten nicht unerheblich! Aber gemeinnützige Hilfe wie IGB und Verband der privaten Bauherren sind bei der Kostenschätzung sehr hilfreich!

So fürs erste…

Nachdenkliche Grüße

Michael



Nun ja...



... ich glaube, für ein Fachwerkhaus muss man ein ziemlicher Freak sein. Ich persönlich würde versuchen, es zu retten. zuerst mal alles Dicht machen, das Dach z. B. "erneuern". Es ist halt so, dass man bei einem Fachwerkhaus ziemlich viel selber machen kann. Das dauert halt eben und es ist die Frage, ob man es will und kann. Grundsätzlich kostet eine Sanierung mehr als ein Neubau, vor allem, wenn das Haus stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wir wohnen jetzt schon 2 Jahre auf unserer Baustelle, aber ich würde es immer wieder tun. Und wenn ich solche Sendungen sehe über Pfusch am Bau, dann bin ich erst recht froh um unser Haus.

Sie können beim Denkmalamt Förderung beantragen. Vielleicht gibts Zuschüsse beim Dach oder sonstigen Dingen. Fragen Sie mal. Und wenn die beim Denkmalamt sehen, da setzt sich einer ein, dann haben Sie die sowieso auf ihrer Seite. Außerdem kann man alles, was man macht, steuerlich absetzten. Wir bekommen 30% der Baukosten wieder. Ist doch super, oder?

Aber überlegen Sie vorher, ob Sie das wirklich tun wollen. Ich würde erstmal nen Zimmermann durchs Haus jagen und mir von allen Möglichen Firmen Kostenvoranschläge machen lassen. Man muss ja wissen, was auf einen zukommt. Und dann mal zur Bank rennen und schauen, ob das finanziell geht.

Grüße Annette
PS: Wir machen das meiste selber, Zimmermannsarbeiten, Fenster, Heizung und Dach nicht. Dann gehts auch mit den Kosten...



Wäre schade drum...



...welche Lücke ein weggerissener Hof in der Landchdschft hinterlässt sieht man erst wenn es zu spät ist und statt dessen ein Neubau rumsteht.
Gruß
Hartmut





Hallo Norbert,

ich würde versuchen es zu Retten.
Meins stand 40 Jahre leer.
Jetzt wohnen wir in dem Haus.
Mach eine Gewerke aufstellung über die Kosten und reich sie ein.
Ganz Wichtig Vorzeitiger Maßnahmen Beginn.
Wenn du mehr wissen willst meld dich.

Gruß

Michael



Vierseithof



Es muß ein Ausdruck der Verzweiflung sein, der Denkmalpfleger zu solchen Äußerungen treibt, denn Ignoranz kann ich bei den meist engagierten Mitarbeitern in Denkmalbehörden nicht vermuten.
Ein Problem bei großen Höfen ist sicherlich die zukünftige Nutzung: für einen Single sind 500 m² oder mehr einfach Blödsinn, unbezahlbar und nicht zu pflegen. Bei einem Vierseithof von 1603, noch dazu unter DSchutz genießen Sie aber im Außenbereich die Privilegien des § 35(4) Nr. 4 - kulturell bedeutsame Bauten, die das Gesicht der Kulturlandschaft prägen -
Das heißt außer Landwirtschaft kann man sich noch mehr spätere Nutzungen vorstellen.
Wohnen ? Landwirtschaftnahes Gewerbe ? Eine Tagespflegeeinrichtung für Alte ? Alles denkbar und spätere Mietzahler. Die Frage der Nutzung wird für Sie zum Schlüssel werden.
Weiter: Man muß nicht alles auf einen Schlag machen. Gute Entwürfe für schwierige Substanz zeichnen sich dadurch aus, daß man klein anfangen, in den Jahren weiterbauen und auch mal das Messer im Schwein stecken lassen kann.
An Ihrer Stelle würde ich den Erhalt anstreben, Sie haben noch mehr als 50 Jahre vor sich !
Habe selbst in Thüringen einen Hof von 1780 (Naturstein, kein Fachwerk) bearbeitet, in den der Eigentümer noch mit fast 70 Jahren investiert hat, wohl wissend, daß für künftige Generationen noch genug zu tun bleibt.



Es geht nur um das Wohnhaus



Vielen Dank für die Antworten,

Es geht nur um das original "erhaltene" Wohnhaus, der Rest ist bewohnt und geht irgendwann mal in Erbe, und das mit 90%er Wahrscheinlichkeit nicht an mich. Ist aber durch die Umbauten wie Scheune mit Flachdach und Seitengebäude ohne Fachwerk, dafür mit grauem Putz endlos verbaut. Es stellt sich also eher die Frage: Teilung des Hofes und Neubau wenn ich mal 45 bin, oder jetzt Sichern, und behutsam selber wieder ausbauen. Bin handwerklich begabt und wollte das Hau schon immer haben. Ich werde mir erstmal einen Zimmerman und nen Dachdecker holen, und dann schreib ich mal wieder was.



Einfach währt am längsten



Sachsen, dann scheint dies ja um die Ecke zu sein. So schlecht ist selten ein Haus, dass alles weggerissen werden muss. Und wer die Liebe entwickelt hat und den Mut dazu, der sollte erst recht sehr zaghaft umgehen. Gerade wenn noch einiges an Mauerwerk steht, sollte immer der Erhalt sprechen. Es gibt da einige ganz vernünftige Lösungen die gerade auch selbst ausgeführt werden können. Um bestimmte Handwerker wird man jedoch nicht drum herum kommen. Ich würde Ihnen gern einige Objekte zum Mut machen zusenden. Aus welcher Ecke kommen sie? Sie können auch gerne mal anrufen.

Viele Grüße und fällen Sie bedacht die Entscheidung (ruhig auch den Bau mit hinzunehmen)
Michael Reisinger