++wie fühlt Ihr Euch in Euren Häusern++

01.07.2006 Matthias



Hallo zusammen,

hach ich bin mal wieder so richtig hängen geblieben hier im Forum, von einem Link zum nächsten gehüpft, hab einfach Kreuz und quer gelesen, dass es eine Freude ist :)

Wir sind ja schon länger auf der Suche und ab und an kommen auch mal Zweifel, denn als "gelernte" Dibbelingarchitekten sind wir immer hin und her gerissen wischen Schaffen und Bewahren,´obwohl das Zweite das Erste natürlich nicht vollständig ausschließt, ist klar ;)

Als Energieberater und zertifizierte Passivdingshausplaner verliert man sich ja schnell in irgendwelche Bedarfs-Zahlenkolonnen, die natürlich die dritte Stelle hinter´m Komma aufzeigen, und am Ende beim Vergleich mit dem Verbrauch um 50% differieren :D
Hat man halt einen Nutzer mit nichtnormgerechten Verhalten erwischt, erklärt dass Rolläden, wie so vieles Anderes, in der Berechnung nicht berücksichtigt werden, aber doch einen spürbaren Effekt haben und schraubt ein bisschen hier und da, dann passt das schon.

Ich schreibe das nur, weil es ja gerade im Bereich der Häuserkandidaten dieses Forums Lösungen gibt, die sich beharrlich gegen die normierten Rechenverfahren wehren, bzw. anders herum.

So Herr Schultz und nun zum Thema:
Mich würde einmal interessieren, von den Glücklichen die sich Ihren Traum verwirklicht haben, wie Ihre Konzepte für die Häuser aussahen, ob sie aufgegangen sind, ob das Raumklima überzeugt, wie sich der ermittelte Bedarf vom Verbrauch unterscheidet, was sie evt. anders machen würden...
Dann und das ist vielleicht ein bisschen spirituell, vielleicht aber auch nicht, hat der Umzug in das Traumhaus gesundheitliche Veränderungen nach sich gezogen? Klingt doof, aber wir wohnen in einem 1910er schallschutzfreien Haus über einer sechsspurigen Bundesstraße und könnten uns vorstellen, dass sich einige zivilisatorische Überreizungen mächtig negativ auf unsere Konstitution auswirken. ;)
Da hätte ich gern so Antworten wie: "...ich war ja so nervös und nun bin ich gewaltig ruhig!" :D
Ich weiß, dass diese Punkte alle in dieser oder ähnlicher Form schon irgendwo in den Wirrungen des Forums beantwortet sind, aber das ist hier ein bisschen OT, Aufruf an Alle, die Lust haben, mal was über Häuser zu berichten, so ganz kompakt und frei heraus, kurz und gut wie das Haus Euer Leben verändert hat?
Und das Schönste: Ist total freiwillig :D

bittet
Matthias



Jetzt wird´s intim ...



Unser Haus ist unser Glück! Soviel räumliche und kreative Freiheit kann man sich in einem Neubau nur noch mit ganz viel finanziellem Polster erlauben. 600 qm versicherte Hausinnenfläche und 1500 qm Außenfläche für 115.000 € .... Da haben alle Bobbycars, Kinderwagen, Fahrräder, Swimming Pools, Schlitten, Ski, Rutschen, Sandkästen usw. Platz.

Mein allergisches Asthma war dieses Jahr trotz "Killerpollen" nicht der Rede wert. Und das obwohl ich alle Ratschläge des Arztes zu Spritzen, etc in den Wind geschlagen habe.

Wir leben näher an der Natur. Durch das Hören auf unser Haus verstehen wir die Verhaltensmuster unser Vorfahren und ertappen uns dabei, wie wir durch unser Haus zu gleichen Verhaltensmustern angehalten werden. zB. Lüften, Heizen, Spinnne, Fliegen, Mäuse, Laufkäfer, Holz, Hauberg, Kräutergarten, Heizen, Brotbacken, Bakkeskultur, Kellerlagerung, ....

Ich wage zu behaupten, daß, wenn man in solch einem Haus wohnt, es ein Zeichen dafür ist, daß man angefangen hat noch bewußter zu leben.

Zu den technischen Dingen:

Man prophezeite uns horrende Heizkosten! Falsch nur 3000 L Heizöl.
Man prophezeite uns horrende Stromkosten. Falsch nur 4500 kW/h.
Man prophezeite uns viel Arbeit! Richtig, bis an unser Lebensende entwickeln wir uns und unser Haus weiter. Was Neubaufinazierer in der gleichen Fianzierungszeit an Zinsen an die Bank bezahlen, können wir als Wertverbesserung in das Haus investieren. Von daher ist das Märchen vom teuren Altbau nur bedingt richtig.

Baubiologen rieten uns zu einer Innendämmung. Totaler Quatsch. Das Haus ist im Sommer kühl und der Heizölverbrauch konkurriert mit den 90er Jahre Neubauten.

.... Summa summarum war es ein Glück dieses Haus gefunden zu haben. Es passt zu uns.



Super Uwe



solch tolle Beschreibungen einer richtigen Entscheidung würde ich zu gerne öfter lesen.

Wir sind ja erst mittendrin. Aber Manches haben wir schon gelernt.

Grüße



Traumhaus



Hallo Mathias
Wir haben uns 2000 unseren Traum verwirklicht. Wir haben uns ein Niedersachsenhaus von 1838 gekauft.
Wir haben es, auch wenn jetzt einige schreien, komplett entkernt. Nach dem wir in Innenwänden mit Tannenfachwerk und Lehmstarken, Ameisennester gefunden haben, und unser Vorgänger meinte nun wisse er auch wo die Ameisenschwärme im Frühjahr und Herbst an seinem Stubenfenster herkommen, wohl eine richtige Entscheidung.
Wir haben dann das ganze Haus, also auch die Erdgeschoßwände in 200 Glaswolle eingepackt, darauf eine Dampfsperre, 100mm Luftraum für Technik und davor Gipswände.
Sämtliche Fenster wurden erneuert. Sie sind aus Kunststoff und nach alten Bildern des Hauses gefertigt. Eine Giebelwand, war aus Ytong und Klinker, haben wir entfernt und durch neues Fachwerk ersetzt.
Unser Haus hat jetzt 300 m/2 Wohnfläche in unserer Wohnung, eine 55m/2 Einliegerwohnung, eine 70 m/2 Werkstatt, Boxen für unsere drei Pferde sowie einen 200 m/2 Heuboden bzw. Ausbaureserve.
Ein Energieplan wurde für unser Haus nie gemacht. Da ich bis auf einen Elektriker für den nicht vorhandenen Drehstromanschluss und einem Klempner zur Installation und Anfahren der Gastherme alles alleine gemacht habe. Es gab weder einen Architekten noch sonstige Profis. Der Plan bestand nur darin, dass ich mir das Bewohnen unserer großen Wohnung auch im Alter leisten kann.
Unser Konzept für Zeit und Kosten der Umbauarbeiten lag allerdings arg daneben. Aus einem dreiviertel Jahr sind zweieinhalb geworden und aus 100.000 DM sind 200.000DM geworden
Unsere Wohnung beheizen wir mit Gas. Das Warmwasser in unserem Bad und dem Gäste WC wird ebenfalls mit Gas erwärmt. Warmwasser in der Küche und im Kinderbad wird über Durchlauferhitzer erwärm, der Weg zum Speicher ist zu lang.
Wir kommen mit monatlich 90€ für Gas und 60€ für Strom aus, ohne dass wir etwas nachzahlen müssen.
Das Raumklima ist im Sommer unauffällig da wir fast nur draußen leben. Im Winter ziehen sich in unseren alten Weichholzschränken die Türkassetten so zusammen, dass sie im Frühjahr fast heraus fallen. Zum Sommer erledigt sich dieses von alleine.
Entgegen der langläufigen Meinung, haben wir in unserer „Plastiktüte“ keinen Muff oder Probleme mit Feuchtigkeit und das obwohl wir mit zwei großen Hunden und jeder Menge Blumen leben.Das war vorher anders.
Ob ich es wieder machen würde?
Ja!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Wenn ich heute in meinem Garten sitze und mich die Singvögel anschreien, Nachbars Kühe mir beim Kaffe trinken zugucken, ich den herrlichen Kontrast zwischen blauem Himmel, roten Dachziegel und grünen Kastanien sehe, weiß ich es gibt mehr als himmellose Hauserschluchten. Wenn ich heute in die Stadt fahre, frage ich mich wie konntest du in dem Lärm, der Hektik und Enge nur leben.
Das alles wird einem erst bewusst, wenn man es hat. Wir haben in der Stadt auch nichts vermisst, aber wir wissen nun es gibt mehr.
Der Umbau war eine harte Zeit, aber auch spannend und das Ergebnis entschädigt ungemein.
Die handwerkliche Arbeiten haben mir soviel Spaß gemacht, dass ich mir gerade ein 105 m/2 großes Fachwerkhaus auf mein Grundstück umsetze. Es wird unsere Garage.
Mit schwärmenden Gruß
Jürgen



Unterschiede ?



Hallo Ulrike,
das hört sich ja fast an, als ob Eure erste Begeisterung verflogen sei. Nun gut, ich habe vielleicht auch gut reden, weil unser Haus eine recht brauchbare Substanz hat.

Wir brauchten bisher keinen Architekten oder Baubetreuer.
Wir hatten bisher keine bösen Überraschungen, die uns den Schlaf rauben.

Durch die Tatsache, daß wir uns keinem Zeitdruck unterwerfen, reifen unsere Pläne. Man muß die Dinge lang genug reifen lassen, dann zeigen sich immer wieder ganz neue Wege. Das habe ich wieder einmal am Wochenende bei der Planung unserer Außenanlage gemerkt.

Was ich stets in diesem Forum heraus lesen kann: Es gibt sehr viele außergewöhnliche Menschen mit enorm viel Energie und fantastischen Fähigkeiten. Sie perfektionieren ihre Altsubstanz aufs Äußerste. Ich staune immer wieder und denke „Respekt, Respekt“.



Fehlende Begeisterung



Hallo Uwe,
keinesfalls - auch schlechte Erfahrungen können sich zum Guten wenden: Der Zeitdruck ist weg :-)
Auch wenn wir dadurch noch eine Weile länger auf beengtem Raum leben müssen.

Allerdings ist es m.E. ein großer Unterschied ob man sehr viel selbst machen kann, oder mehr auf Handwerker angewiesen ist. Frau (ich) kann zwar Vieles, aber längst nicht alles und da liegt ein Teil der Krux begraben. Dazu noch falsche (und teure) Beratung und unmotivierte Handwerker - schon ist der Frust da.

Trotzdem: Ich würde es immer wieder wagen, nur unter etwas anderen Voraussetzungen. Im Grunde war nur der Zeitpunkt des Kaufs ungünstig, alles andere ist die Folge dessen.

Grüße





Hallo Ulrike,

es gibt keinen falschen Zeitpunkt :o)

Alles hat seinen Sinn, sonst würde es nicht geschehen!

Es ist doch immer so, dass man später schlauer ist als vorher und einige Dinge anders machen würde (ich auch *knurr* ;o)), das ist doch vöööölllig normal! Das ist immer !!! so.

Auch wenn mich manchmal unsre Baustelle tierisch annervt ;o), ich bin trotzdem glücklich und froh und würde es auch immer wieder tun (wenn auch etwas anders, siehe oben).

Momentan nehmen wir uns eine kleine "Auszeit" (wenn man es so nennen kann). Es ist mir zu heiß zum arbeiten, da plansche ich lieber in meinem Pool, den wir letztes Jahr um die gleiche heiße Zeit per Bagger + Schubkarre (jeder von uns hat 200 Schubkarrenfüllungen rumgeschleppt) ausgebuddelt haben. Mann, war das ein Schwitzen damals *ächz*. Mein Mann macht endlich sein Studium fertig, heute hatte er seine vorletzte Prüfung, in 3 Wochen die letzte.

Und wenn ich meinen Mann dann wieder einspannen kann *hihi*, dann mauern wir die Gefache unsrer Scheune aus und Verputzen die.

Ja, klar fühle ich mich guuuut *juheeee*. Mir macht es immer noch Spaß. Auch, wenn man sich ab und zu aufraffen muss, aber das ist ja auch normal ;o). Der schöne Garten entschädigt mich mit Früchten und Blüten und überhaupt, das Leben ist doch schööööön :o)

Grüße Annette



Was ist Wohlbefinden?



Es ist einfach schön, in einem Haus zu leben auf das man stolz sein kann.
Ob zu diesem Wohlbefinden auch die (vom Vorbesitzer durchgeführte) Renovierung mit viel natürlichen Materialien beiträgt, kann ich nicht sagen.
Wir jedenfalls sind so begeistert, dass wir kurzerhand das (abbruchreife) Nebenhaus auch noch gekauft haben und dort nun das gleiche selber machen.

Es gibt komischere (und wahrscheinlich auch teurere) Hobbies. Jedem das seine!
Wenn jemand den englischen Rasen mit Koniferen vor seinem Betonklotz pflegt und jeden Samstag den Mercedes wäscht, dann kann ich auch akzeptieren dass er dabei glücklich ist.

Viele Grüße,
Frank



Na klar Annette



jede trübsinnige Phase geht einmal vorrüber und ich will auch gar nicht groß meckern. Schließlich freue ich mich immer noch auf das fertige Haus und die nächsten Jahrzehnte mit ihm. Die schönste Überaschung ist ja, dass wir ein ehemaliges Backhaus identifizieren konnten, welches rekonstruiert werden darf/soll.

Viel Spaß beim Genießen Deiner Natur - ich muss damit noch bis zum nächsten Jahr warten. Zumindest bis zum Herbst, wenn frisch angelegt werden kann.

@Frank,
Wenn überwiegend natürliche Materialien verbaut wurden, sollte sich aber ein anderes Empfinden einstellen. Das Klima in einem Lehmhaus ist völlig anders. Ich kenne es aus eigener Erfahrung, deshalb bin ich mir auch so sicher das Richtige zu tun.

Grüße



Hart und Weich?



Matthias Schultz schrieb in mein Profil:

> 03.07.06 - [zitat]Es gibt komischere (und wahrscheinlich
> auch teurere) Hobbies. Jedem das seine!
> Wenn jemand den englischen Rasen mit Koniferen vor seinem
> Betonklotz pflegt und jeden Samstag den Mercedes wäscht,
> dann kann ich auch akzeptieren dass er dabei glücklich
> ist.[/zitat]
>
> Hi Frank, das ist doch mal ein schöner Satz, danke für
> die Antwort, die mir zeigt, dass die weichen Faktoren
> doch am Wichtigsten sind.
> Aber am Rande, was ist mit den harten Fakten, sind sie
> Dir egal, opder warum hast Du dazu nichts gesagt?
> grüßt und dankt
> Matthias

Harte Sachen sind mir zu unbequem, ich bleibe bei den weichen ...

Nein, mal im Ernst: Wer entscheidet was in dieser Welt
harter Fakt ist und was nicht? Macht es einen Unterschied,
ob Wohlbefinden (vermutlich ein weicher Fakt?) von Lehm an
der Wand kommt oder von lieben Menschen in der
Nachbarschaft? Und was ist wichtiger?

Viele Grüße,
Frank





[zitat=Frank]
Nein, mal im Ernst: Wer entscheidet was in dieser Welt
harter Fakt ist und was nicht? Macht es einen Unterschied,
ob Wohlbefinden (vermutlich ein weicher Fakt?) von Lehm an
der Wand kommt oder von lieben Menschen in der
Nachbarschaft? Und was ist wichtiger?
[/Zitat]
Um das herauszufinden, habe ich diesen Thread gestartet! ;-)



Beides und noch viel mehr



ist für das Wohlbefinden wichtig.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die liebsten Nachbarn nicht viel nützen, wenn das Haus und/oder die Umgebung (laute Straßen, viel Industrie) krank machen. Ein Wohlfühlhaus, Wohlfühlnachbarn und Wohlfühlumgebung sind aber auch nichts wert, wenns in der Mikrozelle (Familie) kränkelt. Und wenn die lieben Nachbarn einem das Leben schwer machen, kann auch das Haus, die Familie und die Umgebung noch so gesund sein ...

Außerdem sind Gefühle subjektiv ;-)

Grüße



Das kann ich aus leidvoller Erfahrung nur bestätigen,



wollte aber nicht zu theoretisch werden und würde mich über weitere leidenschaftliche Erfahrungsberichte sehr freuen... :-)





„Wer entscheidet was in dieser Welt harter Fakt ist und was nicht?“

Ja, und wer stellt die Frage?

„Macht es einen Unterschied, ob Wohlbefinden (vermutlich ein weicher Fakt?) von Lehm an
der Wand kommt oder von lieben Menschen in der Nachbarschaft?“

Aber das ist doch der Unterschied.

„Und was ist wichtiger?“

Da das Wohlbefinden impliziert, dass der Wohlbefinder mit den Randbedingungen einverstanden ist, ist diese Frage eigentlich unerheblich.

Frau Nolte hat es ja beispielhaft formuliert.



Falls es Jemanden interessiert:



Mein Wohlbefinden könnte im Augenblick ganz erheblich durch
den ein oder anderen hartweichen Erfahrungsbericht gesteigert
werden, da mach´ ich auch keinen Unterschied, ob die
Randbedingungen gestimmt haben, oder nicht! :D





:-)





Mein Heim ist ein von mir umgebautes ehemaliges 2-stöckiges Schulgebäude der Reformisten in der Altstadt. Baujahr 1705. Eigentlich wurde es aus Ruinen mittelalterlicher Vorgängerbauten aufgebaut, welche im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen zerstört waren. Ein großer Gewölbekeller und ein Innenhof ist auch dabei. Grundlfäche ca. 140 m², Wohnfläche etwa 240m².

Nach verformungsgerechter Bauaufnahme und Recherchen auf Ämtern und sonstigen Einrichtungen, wusste ich über die Statik Bescheid, und ferner über die Geschichte verschiedener Umnutzungen.

Das Haus war schlimm verbaut (hatte sich aber positiv auf den Kaufpreis niedergeschlagen), Glasbausteine zur Straßenfront, abgehängte Decken auf ca. 2,4 m (bei einer eigentlichen Raumhöhe von 3,2 – 3,4 m),viel kleingärtnermäßige Nut und Federverschalungen. Grausame Grundrisse waren im Laufe von Anbauten, Zimmerteilungen und Umnutzungen entstanden. Das ganze hatte die Heimeligkeit einer runtergekommenen Bahnhofskneipe morgens um halb sieben. Trotz des großen Gebäudevolumens von etwa 900 m³, gab es viel zu viel Zimmer und Räume. Seit den 60-er (leztzes Jhd.*g) war im großen und ganzen nichts mehr zur Erhaltung getan worden, und das wenige waren Musterbeispiele von Baustoffunverträglichkeiten und ihren negativen Konsequenzen (Bspw. Feuchteschäden durch auf Gips aufgetragenen Zementputz!). Auch gab weitere interessante Bauschäden (feuchte Mauern durch Rohrbruch bzw. undichten Regenrinnen etc), die allesamt aber zu beheben waren. Vorteilhaft, das Haus steht sehr gut gegründet (ja, habe ich mit Stichgrabungen auch überprüft) weit über dem Grundwasser auf sandigem Boden. Dieses Stadtviertel war im Mittelalter der Straßenzug der wohlhabenderen Bürger.

Mein Konzept. Sinnvolle Rückführung der großzügigen (Flur-) Grundrisse (war ja schließlich mal ein Schulhaus), Loft-artige Verbindung des großzügigen Dachs Ein-Raumes mit dem ersten Stock. Anpassung an moderne Wohnansprüche (zb. Toiletten innerhalb der Wohnung *g) usw. Eigentlich war das Grundkonzept eine „Lichtfangeinrichtung“, und eine Abwicklung von einsehbaren Raumfolgen über verschiedene Höhen. Der spartanische Geist der Reformisten, ihr Verzicht auf Oppulenz und ihre Vorliebe für klare Konstruktionen, stehen dem modernen Bauen (im Sinne der modernen Architektur) erstaunlich nah, und sind meinen Vorstellungen wunderbar entgegengekommen, oder vielleicht auch umgekehrt :-)

Entfernen minderwertiger Materialien (zb. PVC-Böden) und Baustoffgesundung, Größtmögliche Erhaltung der Baususbstanz, diffussionsoffene Baumaterialien. Schlicht: fachgerechter Umgang mit der Altbausubstanz.

Kalkaußenputz, Lehminnenputz, Kalkfarben Wandflächenheizung, Die alten Dielen wurden erhalten, habe ich per Handschleifmaschine gereinigt und geölt. Alte Fenster (sind alle Eichenfenster gewesen) habe ich soweit vorhanden erhalten (aufgearbeitet und mit Leinölfarbe gestrichen) Deckenbalken etc, habe ich keinen einzigen entfernt, nur im Dachgeschoss musste ich einen austauschen. Und so weiter, und so fort.

Klare Linie. Die Räume sind schlicht, ohne Zier, kein Fachwerk oder sonstiges habe ich, sichtbar gemacht. An einer Stelle habe ich mir das geleistet, in der Küche, bewusst, vorsätzlich und nicht etwa aus Prinzip. Die Geschichte eines Hauses ist schließlich auch die Geschichte der Bewohner und seiner Nutzung, und kein Haus ist ausschließlich zum Zeitpunkt X authentisch.

Es hat mich oft verblüfft, wie mir meine Umgebung unterstellte, ich sei ein romantischer Öko- freak. Der hehre Anspruch des städtebaubewussten fachgerechten Altbausanierers (Vorsicht Selbstironie) lässt sich anscheinend nicht so ohne weiteres vermitteln. So wurde es als grober Verrat empfunden, dass ich tatsächlich eine neue elektrische Haustürklingel installierte ^^. Nunja, ein mittelalterliches Geläut wäre mir dann doch zu albern gewesen.
Gesamtresultat: Prima, aber ich würde es heute noch günstiger hinkriegen, da ich mir ein paar Umwege und kurzzeitige Fehlwege ersparen würde. Was den Umgang mit Altbauten und seinen Materialien betrifft, finde ich Konrad Fischer vorbildhaft.
.

Wohlfühlfaktor: Hochgradig, das Raumklima ist unbezahlbar. Für mich und meine Freundin so etwas wie Dauerurlaub. Die Sanierung zog sich über 2,5 Jahre inclusive Aufnahme und Planung. Kosten um etwa 15% unterschätzt. Ganz fertig bin ich leider nicht. Aber agreables Wohnen ist gegeben.



Besser wäre



jemanden zu finden, der einem das fertige (oder halbfertige) Haus zeigen möchte. Dann kann man die (weichen) subjektiven Gefühle selbst erleben und die harten dazu addieren. Vielleicht kommt man dann leichter zu einer Entscheidungsfindung als durch reine Berichte hier im Forum. Die sind u.U. auch subjektiv gefärbt.

Wenn ich die weichen Fakten nicht schon vorher gekannt hätte, hätte ich mich nicht auf dieses Abenteuer eingelassen. Trotzdem brauchte ich noch viele harte Fakten um zum Gefühl tatsächlich auch JA! sagen zu können.

Grüße



Die Wirklichkeit ist hart und die Wahrnehmung eine Frage des Betrachtungswinkel



Die Tatsache, daß der Mensch ein Individuum ist und dies spätestens seit der Franz. Revolution in ganz Europa immer ausgeprägter zur Schau gestellt wird bedingt natürlich, daß das Wohnverhalten und das Wohlfühlverhalten gleichermaßen individuell ist.

Bei bestimmten Einkommensschichten wird dies aus strukturellen Gründen weniger ausgeprägt sein.

Wenn die Eisbergtheorie Recht hat, daß die meisten Entscheidungen zum allergrößten Teil auf Gefühltem basieren, dann trifft das wohl gerade auch im Fachwerkbau zu.

Ich denke mal, wenn man den meisten Deutschen ein fertig saniertes Fachwerkhaus hinstellt und sagt: Die Räume sind groß und hell, das Haus ist trocken und der Energiebedarf gering, der Preis liegt ca. 5% über einem „billigen“ Neubau, der Hauswert bleibt stabil und anfallende Reperaturen können ohne Probleme auch von Deinen „Freunden“ gemacht werden, ja dann nehmen 70% ein Fachwerkhaus, weil es so schön ist und an die gute alte Zeit erinnert. Natürlich wenn das erst so in den Köpfen drin ist. Also“fachwerk“ als Marke.

Einen empirischen Überblick über die von Matthias Schultz erfragten Parameter wird man wohl nur über ausgeklügelte Anklickfragebögen erhalten.

Eine Aufgabe für fachwerk.de? Was soll/würde bewiesen werden?



ich verstehe nicht ganz



was das bedeuten soll, ich habe doch nur ein paar Punkte,
quasi als Grobgliederung, vorgegeben.
Ich möchte nichts beweisen und habe keine Checklisten, ich
wollte nur ein bisschen von dem Gefühl einfangen und
vielleicht Erfahrungen, das was Du so großartig mit dem
ersten Beitrag geliefert hast oder Jürgen Weiss und
besonders Johannes Hoffmann, war genau das, was ich mir
wünschte...
Einfach nur die Bitte um etwas Fachwerk Prosa, eine
Grundsatzdiskussion können wir ja in einem neuen Thread
starten...;-)
meint
Matthias



Erfahrungsbericht



Hi Matthias,
es hat ja ganz schöne philosophische Betrachtungen gegeben. Leider kann ich noch keinen Wohnbericht geben, da es noch eine Baustelle ist.
Wir haben jetzt das gesamte Haus saniert, Stiele und Riegel erneuert, die Gefache mit Lehmsteinen ausgemauert, eine Innenisolierung aus Holzleichtlehm eingebracht, die Wände mit einer Wandheizung in Lehmputz versehen und sind nun dabei die Decken und Fußböden einzubauen.
Bei den momentanen Temperaturen 35 grad im Schatten habe ich im Haus immer noch eine Temperatur von 22 grad bei einer Luftfeuchte von 60%. Ähnliches habe ich im letzten Winter beobachten können. bei ca. -10 grad hatte ich erst nach 14 Tagen Temperaturen um 0 grad im Haus. (ohne Heizung). es ist zur Zeit angenehner auf der Baustell als bei uns im Haus (Luft, Geruch, ...) und ich freue mich gewaltig auf den Zeitpunkt an dem wir einziehen können.
Gruß Frank



vom in den garten pinkeln usw. :-D



wie fuehle ich mich in meiner neuen alten huette?

ehrlich gesagt, es ist im moment ein wenig schmutzig :-|
der Staub ist nicht nett fuer die nase.

doch was kann man bei maurer- und zimmermannsarbeiten im Treppenhaus schon erwarten? doch das ist bald auch vorbei!

ansonsten fuehle ich mich sehr gut. raus aus dem mietklo rein ins haus, wie gut das getan hat!
die selbsthilfearbeit ist besser als fitness-studio.

natuerlich ist es manchmal hart, sich zum training zu zwingen. das geht aber schon, schliesslich ist es kein hometrainer *G*

nebenbei ist es kein fachwerkhaus, und darueber bin ich froh! da ich das haus auf altmodische art und weise sanieren will, fuehle ich mich trotzdem passend in diesem forum.

doch ziemlich nahe an fachwerk, viel holz und lehm(auch ziegel!) verbaut. gutbuergerliches gemauertes 120 jahre altes wohn/geschaeftshaus, grosse raeume, riesige alte fenster. und nur minimal zersaniert. letzte grosse sanierung in den 1930ern. seither nur minimale ddr-"modernisierung". nach der wende in einem teil des ladens verkleidungen angebracht worden - darunter wars eklig :-/ aber der schimmelstinkige Putz darunter ist nun auch weg und die waende am trocknen :-)
also die pilze haben mir einiges seelisches unbehagen bereitet, auch wenn sie nur im geschaeft und nicht in der wohnung waren. doch weit mehr unbehagen bereitete mir das glasfaserisolierzeugs, mit dem zwei fenster verschlossen waren, zu entfernen und zu entsorgen. das ist noch ekliger als schwammfruchtkoerper abzusammeln :-(

ansonsten, das viele Licht und der auslauf tun mir gut - wollte auch wegen den kleinen fenstern kein fachwerkhaus ;-)

meine katzen, die sich frueher in einem grosstadthinterhof auslaufen mussten, sind hoechst einverstanden mit der neuen heimat. wie sie geniesse auch ich das pinkeln in den eigenen garten. dieses archaische markiergehabe, das tut gut ;-D

soweit dazu wie es mir geht
gruss paulchen



ach ja noch was



was mir auch ganz gut getan hat, war, zu lernen, ruhiger zu werden.

mein motto - auch in der betreuung von besuchern, die angesichts des optischen zustandes erschreckten - heisst: keine panik schieben.
und die war auch nicht noetig, egal wie schlimm alles auf den ersten blick aussah.

und was auch noch erwaehnt werden sollte: seitdem ich hier in meinem haeuschen bin, habe ich soviel zu tun, dass ich nur noch selten den halben tag im Bett vertroedele.

hatte als Mieter ueble rueckenprobleme. seitdem ich bauarbeiter in eigener sache bin, habe ich keine rueckenprobleme mehr. weiss nicht warum, war vermutlich eingerostet. jedenfalls hat sich mein plan, mal ein fitnesstudio auszuprobieren, vorerst in wohlgefallen erledigt.

und die angenehme nachbarschaft hier draussen ist nochmal ein riesiger pluspunkt. wenn man hier im osten was aufbaut, kann man eigentlich fast alles machen, was man will, solange man niemandem auf die fuesse tritt.
es ist wie im dorf, obwohl es stadt ist.

so stoert mich auch die hauptstrasse am haus nicht, im gegenteil. perfekte verkehrsanbindungen in die city, perfekt auch fuer mein ladengeschaeft. und nach etwas gewoehnung fuehlt man sich, wenn das haus wackelt wegen den naechtlichen schwerlasttransporten, sogar als wuerde man wie ein baby gewiegt werden :-)

im prinzip also wohl ueberwiegend positiv fuer einen aengstlichen, bequemen und faulen menschen wie mich.

gruss
paulchen



sehr sinnliche Beiträge



und das nachts um drei ;-)
Gibt´s ein Hüttenbild?
Du schreibst:
"altmodische art und weise sanieren"
hast Du Lust darauf ein bisschen näher einzugehen?!
fragt
Matthias



eigentlich wollte ich jetzt ins bett gehen,



hab "nur mal eben" noch ins fachwerk-forum geschaut und da sprang mich dieser thread hier so an ;-)
ich mache mir zur zeit ziemlich viele gedanken darüber, wie ich mich im fachwerkhaus eigentlich so fühle.
eine direkt antwort kann ich irgendwie nicht geben.


wir haben unser haus (baujahr um 1600) vor 14 jahren völlig ahnungslos und blauäugig gekauft und einfach mal "angefangen". beratung holten wir uns von befreundeten jungen handwerkern , die eben auch nur die standardlösungen kannten. wenn es damals schon das internet gegeben hätte, wäre mit sicherheit vieles anders gelaufen.
wir haben einige fehler gemacht, falsche baustoffe benutzt, renovierung der innenräume unter zeitdruck nach schema f und nach den angeboten des baumarktes ausgeführt.

in der anfangfszeit war das wohnen im eigenen haus natürlich obergenial und schön, wir hatten mehr raum , als wir zu zweit brauchen konnten.
mein angeborener sammeltrieb wurde voll ausgelebt und ich hortete alte möbel, altes werkzeug, altes spielzeug, alte schmiedearbeiten und und und....
im laufe der zeit zogen drei kleine mitbewohner ein, die ebenfalls raum für sich beanspruchten ;-)

allmählich bemerkten wir, dass unsere wohnsituation gar nicht so toll war, dass auch das "wohnklima" nicht in allen räumen so optimal war.
wir begannen, uns etwas systematischer informationen zu beschaffen, kurse zu besuchen und mussten feststellen, dass wir teilweise grobe fehler gemacht hatten, was die wahl von baustoffen usw. anging.
gleichzeitig wurde deutlich, dass wir einige größere schäden am Ständerwerk hatten . das haus war bis dahin verputzt und wir begannen seite für seite mit der freilegung und renovierung des fachwerks.

parallel dazu wurden die innenräume zum zweiten mal einer renovierung unterzogen, diesmal mit den passenderen baustoffen lehm, kalkputz etc.

mit dem dritten kind kam die notwendigkeit auf, den bis dahin nur als lagerraum genutzten dachboden auszubauen.

so wurschtelten wir eigentlich die ganzen jahre immer an irgendetwas herum, hier war/ist einfach permanent baustelle.

die fassade ist noch immer nicht ganz fertig, aber in diesem frühjahr hatten mein mann und ich echt den totalen durchhänger, einfach keine lust mehr auf bau.

der enthusiasmus ist uns in den letzten 14 jahren irgendwie abhanden gekommen.

wir haben kurzerhand unser (holz)-baugerüst verkauft und beschlossen, die letzte fassadenseite jetzt einfach mal so zu lassen, wie sie ist und in 2-3 jahren von einer firma fertigstellen zu lassen. es geht einfach nicht mehr !
dsas einzige, was wir noch machen wollten, war der einbau einer edelstahl-horizontalsperre in den aus ziegeln gemauerten keller, weil die feuchtigkeit mittlerweile bis in die wohnräume darüber steigt.

kaum hatten wir diesen entschluss gefasst, tat sich die nächste "grube" auf.
das dach unseres nebengebäudes ist völlig undicht und morsch, man könnte sagen, es besteht einsturzgefahr, die wände sind feucht wie sonstwas.
alle verfügbaren mittel müssen jetzt in die "rettung" unseres stalles gesteckt werden.
hört das denn nie auf - SEUFZ!

so, jetzt hab ich genug gejammert, jetzt mal zu den positiven seiten :
das raumklima ist angenehm, im sommer kühl, im winter warm, wir haben keine schimmelecken oder sonstwas (außer in besagtem raum über dem ziegelkeller). die heizkosten sind völlig durchschnittlich, ein niedrig-energie-haus haben wir natürlich nicht.
das subjektive "wohlfühlen" in unseren räumen wird uns immer dann bewusst, wenn die besucher gar nicht mehr gehen wollen ;-)
die meisten bleiben in der küche kleben ("hach, das ist ja wie bei meiner oma früher"), im Wohnzimmer hocken aber auch oft genug 10 personen um den großen esstisch.
gerade die neubaubewohner sind begeistert.
im sommer leben wir mehr oder weniger draußen. durch die dichte bebauung im alten ortskern sind wir von scheunen und nachbarhäusern umgeben, mittendrin ist unsere grüne hinterhof-und-garten-idylle. die temperaturen sind viel angenehmer als im platten neubaugebiet, wo noch kein baum und strauch wächst.
bei uns machen die vielen vögel einen solchen lärm, dass ich frühmorgens oft die fenster schließen muss, um noch ein bißchen schlafen zu können. abends bewundern wir die fledermäuse bei ihren jagdflügen. mäuse, igel, eichhörnchen und frösche huschen durch unseren garten.wenn wir lange genug aufbleiben, sehen wir das eulenpaar aus der scheune des nachbarn fliegen. (mittlerweile vermutlich die urenkelgeneration).
unsere kinder können noch auf der straße das fahradfahren lernen oder dieselbe mit kreide bemalen. die nachbarn interessieren sich für alles und jeden, sind dabei herzlich und freundlich.
gesundheitlich : im hochhaus, in dem wir früher wohnten, erkrankte ich an asthma. ich hoffte darauf, dass es im neuen/alten haus besser wird, aber anfangs verschlechterte es sich sogar. erst nach der zweiten renovierungswelle und dem wechsel zu ursprünglichen baustoffen zeigte sich eine deutliche besserung, die bis heute anhält !
allerdings hat unser mittlerer sprössling auch asthma und der wohnt von anfang an in gesunden materialien......ein allheilmittel sind lehm, kalk und co offensichtlich nicht.

gerade in den letzten tagen haben wir ausgesprochen, was wir früher nur insgeheim dachten....vielleicht hätten wir mit einem anderen (jüngeren?) haus mehr glück und weniger arbeit gehabt.
vielleicht, vielleicht auch nicht ?
bekannte von uns, die in neubauten wohnen, haben auch alle irgendwelche probleme und verbesserungswünsche.
und wenn sie sich keine gedanken um das haus machen, dann halt um andere dinge.
vieles ist nicht optimal, vieles dagegen auch sehr schön.
ich hoffe immer noch auf den tag, an dem wir "fertig" sind.
ob der jemals kommen wird ?
aber vielleicht bin ich dann auch nicht zufrieden ;-)

uff, das wurde ja ein ganzer roman, das brauchte ich jetzt aber mal.....
Grüße von der nachdenklichen Claudia



Die Alten erhalten



Hallo Matthias, Hallo alle anderen,

schön mal einen Fred zu lesen, der sich nicht nur mit Problemen und Materialien oder Glaubensfragen, wie ws zu renovieren ist, befasst.

Für mich und meinen Sohn kann ich nur soviel sagen, daß wir unser nicht ganz so altes "Altes Haus" nicht verlassen wollen, ich werde nie wieder in einem neuen Haus wohnen, wo die meisten eh immer den gleichen Scheiß einbauen (zumindest bei uns in Mittelhessen scheint das so zu sein).

Ich liebe die Spinnen und Spatzen in meinem alten Efeu, das muffig kartoffelige KLima im Keller, den Duft unseres frischen selbstgemachten Brotes und der selbstgemachten Wurst in der Speisekammer. Ich liebe meine völlig schiefen Decken, Wände und Fußböden (unten im massiven Teil des Hauses sind sie aber ziemlich gerade).

Ich habe PLatz viel Platz und muss auf keinen großen Nachbarkreis Rücksicht nehmen, der immer die gleichen blickdichten Hecken oder Baumarktsichtschutzzäune um das Anwesen zieht.

Zu den harten Fakten: In 12 Jahren insgesamt 3 Umbauphasen mit ca 100.000 DM Kosten incl. neuem Dach. Jede Bauphase war ein Stockwerk. nachdem wird nun die untere Etage mit neuem Grundofen in Betrieb genommen haben, geht es 2007 im Keller weiter. Renoviert wurde sofern möglich mit "natürlichen Baustoffen". Ich habe aber auf einen intakten Kalk-Sandputz aus den 30ern keinen Lehm drüber geputzt, sondern einen Kalkputz, ich habe über alte Dielen einfach andere Bodenbeläge drüber verlegt. Die alten Dielen haben wir da, wo es ging und auch gepasst hat aufgearbeitet und lassen sie im alten Glanz erstrahlen. Wo nötig, haben wird sie rausgerissen und durch anderweitigen Aufbau ersetzt (z.B. alter Schiefer Betonboden auf dem Speicher, der zur Lagerung von Getreide diente oder Dielen, die völlig wurmzerfressen waren.

Da meine Frau aus ihrer Vergangenheit heraus eben auch andere Ansprüche hat, muss ich auch Kompromisse machen. Im Ergebnis müssen ja alle auch gerne dort leben wollen.

Also ist unser Interieur eine Mischung aus alt und neu, wo sich jeder wohlfühlt. Und die Ecken, die ich gerne sehr "historisch" gestalte, werden dann von meiner besseren Hälfte eben gemieden, während Sohn sehr auf altes Zeug "steht".
So - ich habe nun mal einen kleinen Einblick in mein Seelenleben und Haus gewährt und hoffe, daß sich viele Forumsmitglieder ein Stück wiederfinden können.

J. Simon



@Claudia



Zitat " bekannte von uns, die in neubauten wohnen, haben auch alle irgendwelche probleme und verbesserungswünsche.
und wenn sie sich keine gedanken um das haus machen, dann halt um andere dinge." Zitat Ende

Es wäre in der Tat eine Untersuchung wert, ob die Ehe der Fachwerkhausbesitzer stabiler ist, als bei Neubaubesitzeren. Ich kann mir schon vorstellen, daß Fachwerkhausbesitzer bewußter leben, kommunizieren und weitaus mehr gemeinsame Pläne und Projekte haben. Für eine Ehe sind eben diese "gemeinsamen Pläne" wichtig.

Sollten "die Pläne" der Frau auf den Keks gehen, so ist die Kraft des Mannes doch zumeist in der Renovierung gebunden.
Arbeitest Du, kommst du weniger schnell auf dumme Gedanken ...

Auch das dürfte die Ehe verlängern .... :-)

Also was einem so soziologisch alles in den Sinn kommen kann .... Ich geh jetz weiter in den Garten und befreie einen uralten Weg aus "gesteckten Bruchsteinen" von seinem häßlichen teerhalteigen Asphalt. Die Betongartenmauer muß heute auch dran glauben.

So sind die Kräfte gebunden und die Gedanken auch ;-))



Bevor Nachfragen kommen



Im Oktober kommt noch mehr Nachwuchs. *freu*



@ Uwe



Schön ! Nachwuchs ist eindeutig die beste Möglichkeit,Zwangspausen bei der Arbeit einzulegen - grins.....





@Uwe: mal abgesehen vom Extrem-OT halte ich diese
"soziologischen Betrachtungen" für äußerst gewagt.
Wenn ich eine Betonmauer nach der anderen einreißen muss,
damit ich nicht auf "dumme Gedanken" komme, dann kann mir auch
kein Fachwerkhaus mehr helfen...;-)
meint
Matthias



ich möchte noch einmal Allen danken,



die hier so leidenschaftlich von ihren Häusern berichtet
haben, und wenn es den ein oder anderen Forumsarchäologen in
einer Woche, einem Monat, einem Jahr oder noch viel später in
den Fingern juckt, nur zu, ich werde mich auch dann noch über
Eure Berichte freuen!
dankt
Matthias