Holzwurm (anobium puncatum) - Schädlingsbekämpfer Angebot oder selber?




Hallo!

Hatte vergangenen Samstag einen durchaus seriösen Schädlingsbekämpfer im Haus.
Haus und Scheune sind ca. 150 Jahre alt, weitgehend Nadelhölzer verbaut, wenig Eiche. Gemeinsam sind es 250 qm umbauter Raum, ca. 2,5 Stockwerke, Fachwerk.
In drei Räumen mit Dielenboden findet sich Holzwurm Befall (ca. 70 qm). Ebenso auf dem Dachstuhl des Wohnhauses (50 qm) sowie in der Scheune (alle Böden: 250qm). Der Holzbock hat zwar Schaden angerichtet ist aber raus.

Nun zum Thema: Ein Angebot für die Imprägnierung der Wohnhausbodenflächen (70qm) mit Wachstumsregulatoren (Eindringtiefe ca. 10 mm), nach dem sie von mir angeschliffen wurden, beläuft sich auf 520 EUR. Für den Dachstuhl und die Scheune sollen Borsalz zum Einsatz kommen, per Imprägnierung - Kosten: 1275 Wohnhaus, 1395 Scheune plus Wenigerwertsteuer = 3.700 Eur.

Da lacht das Herz. Wenn ich schon alles vorreinigen und im Wohnhaus auch noch anschleifen muss - kann ich das dann nicht günstiger selber machen? Geht es irgendwie billiger? Wir wollten eigentlich unseren naechsten Urlaub am Strand und nicht in der Scheune verbringen. :-(

Wer -günstigen- Rat weiß - immer gerne gehört.



Entweder --



-- Urlaub am Strand - Oder Baufortschritt??
-
Arbeit macht das Leben süß ---
Faulheit stärkt die Glieder .



Sonderangebote



Hallo Thomas

seriöser Schädlingsbekämpfer?
Imprägnierung?
Wachstumsregulatoren?
Eindringtiefe ca. 10 mm?

Hört sich alles sehr sonderbar an. Soll dies etwas mit fachgerechter Holzschädlingsbekämpfung zu tun haben?

Hier wäre ein wenig Aufklärung von fachlicher Seite sinnvoll.

Lutz Parisek



Hände weg



von Wachstumsregulatoren. Das ist nur eine nette Umschreibung für Gift. Und bisher sind alle organischen Holzschutzmittel nach einigen Jahren der Zulassung stillschweigend vom Markt genommen worden, weil sie z.B. erbgutverändernd oder krebserregend wirkten. So ist in der Vergangenheit schon manches Wohnhaus zu Sondermüll verwandelt worden.

Wenn der Befall wirklich noch aktiv ist, kommst Du bei der Dielung um Anschleifen wohl nicht herum, aber irgendwas wolltet Ihr mit dem Boden sicher doch machen, bevor Ihr drauf wohnt? Danach würde ich HM1 von Masid verwenden, ein Mittel auf mineralischer Basis, Borsalz. Nach Vorreinigen ist das auch für's Balkenwerk eine gute Wahl.

Wenn das eine Firma machen soll, kriegt Ihr es bestimmt nirgends wesentlich billiger. Aber HM1 ist auch ohne Spezialkenntnisse gut anzuwenden, Gebrauchsanleitung liegt bei.

Eine andere Variante für das Balkenwerk wäre die Heißluftbehandlung, das geht ohne Putzen, wird aber sicherer teuerer.

Vielleicht sollte sich das Ganze mal ein Zimmermann mit Restaurierungerfahrung anschauen.

Gutes Gelingen

Thomas W. Böhme



Hände weg - Hirn einschalten



Hallo Thomas Böhne

Frage:
Welche "Holzschädlings-bekämpfende" Funktionsweise hat
a) das Abschleifen des Bodens
b) dieses aufgebrachte Mittel "HM1"
Ich würde mich freuen, wenn du mir dies so genau wie möglich erklären könntest, ich habe dies noch nie verstanden.

Gruß

Lutz Parisek

PS:
1) Ich vermute übrigens, das mit "Wachstumsregulatoren" eigentlich sogenannte "Chitinsyntesehemmer" gemeint sind. Dies sind vollkommmen toxinfreie athropodenspezifische Enzyme.
2) Die wichtigste Gruppe der Holzschutzmittelwirkstoffe die "Pyretroide" (synthetisierter Chrysantemenextrakt) sind übrigens mehr als ein paar Jahre (seit nunmehr 20 Jahren) auf dem Markt und es gibt bisher keine Tendenzen diesen Wirkstoff vom Markt zu nehmen.



In Kürze



Der Anschliff soll die Aufnahme des Mittels befördern, sicherlich sind die Dielen ja augenblicklich gestrichen. Wer mag, kann's ja auch mit der Kanüle versuchen.

Die Wirkweise von "HM1" werde ich hier nicht erklären, den link zu Masid habe ich schon gegeben. Wer Augen hat, der lese: Hirn einschalten.

Wenn denn "Tendenzen diesen Wirkstoff vom Markt zu nehmen" in ein, zwei Jährchen doch auftauchen, ist das Mittel trotzdem im Holz. Ich habe als Restaurator zu oft mit Möbeln zu tun, die vor Jahrzehnten mit "Hylotox" behandelt wurden. Damals war das Mittel für Innenräume zugelassen, heute gelten die Inhaltsstoffe DDT und Lindan als erbgutverändernd und krebserregend.

Es ist überhaupt nicht bewiesen, daß angeblich toxinfreie Enzyme nicht anderweitig in den menschlichen Stoffkreislauf eingreifen können. Immerhin sind das recht komplexe Verbindungen (wie die Pyretroide auch). Pyretroide übrigends gelten auch für Säugetiere als schwach neurotoxisch - wozu soll man sich das also antuen?

Giftfreie Woche

wünscht

Thomas W. Böhme



Chitinsythese



Hallo Thomas Böhme, danke für deine aufmerksame Ermahnung, aber ich habe mich noch einmal genau kontrolliert:
Ich habe Augen und lese
Ich habe Hirn und verarbeite

Aber aus den Erläuterungen auf der Webseite der genannten Mittel kann ich trotzdem keine nachvollziehbare bekämpfende Wirkungsweise des Mittels entnehmen. Schade, dass du mir das nicht in einfachen Worten und logischen Denkschritten erklären willst.

Natürlich hast du recht:
Wenn wir uns irgendwann häuten bzw. einen Chitinpanzer bilden würden, dann hätten die Enzyme von Gliederfüßlern bestimmt einen Einfluß auf unsere Entwicklung.
Übrigens: Die verschiedensten Enzyme schwirren in rauen Massen in unserem Körper herum. Eine Toxität wäre der Schlüsselfunktion des Enzyms allerdings vollkommen abträglich. Wenn fremde Enzyme z.B. nicht in das biologische Schlüsselloch des Organismuses passen, werden sie wieder als wirkungslos ausgeschieden.

Erlaube mir auch kurz zu erwähnen, dass ich mit deinen verwendeten Begrifflichkeiten und Vergleichen diverser Wirkstoffe nicht ganz klar komme, hier geht es mir inhaltlich gelinde gesagt eine wenig "drunter und drüber".

Vielleicht sollten wir vor dem Abgleiten in Allgemeinplätze noch einmal am Detail der Wirkstoffgruppen und Wirkungsprinzipien bleiben und diese genauer und kritisch betrachten. (rechts oben im Bild ist übrigens der biochemische Prozess der Chitinsynthese bei Gliederfüßlern)


Gruß

Lutz Parisek



Und könn' se's nich schildern, dann bring' se's in Bildern...



ein wunderschönes Couplet von Otto Reuter (20er Jahre).

Hallo Herr Parisek, was genau beweisen Sie jetzt mit Ihrer Grafik? Das Chitin entstehen kann, war schon bekannt.

Der Wirkstoff dieser"Wachstumshemmer" ist Flufenoxuron. "Der Wirkstoff Flufenoxuron verhindert die
Häutung von Holzwürmern. Er ist speziell bei diesem Stoffwechsel-Mechanismus wirksam, der
bei Menschen und Wirbeltieren nicht vorhanden ist."
(Produktdatenblatt BASIMENT von DESOWAG). Das ist mir entschieden zu blauäugig, denn der Nachweis, daß dieses Mittel NUR auf den Häutungsprozess (der ja tatsächlich beim Menschen nicht vorhanden ist) wirkt, wurde keineswegs erbracht. Für mich läuft das unter "Test beim Kunden". Sollte wirklich was schiefgehen, dementiert man ein Weilchen, verdient weiter und nimmt das Mittel dann vom Markt. Warum eigentlich ist der Grenzwert für Flufenoxuron in Obst/ Gemüse auf 0,01mg/kg festgelegt worden?

Für neu zuzulassende Medikamente braucht es Jahre und endlose Forschungsreihen, unt trotzdem gibt es Contagankinder. Ich finde keinen Hinweis darauf, daß über die etwas schwammige Unschuldsvermutung "Er ist speziell bei diesem Stoffwechsel-Mechanismus wirksam, der
bei Menschen und Wirbeltieren nicht vorhanden ist" hinaus ernsthaft die Unschädlichkeit dieses Stoffes nachzuweisen versucht wurde.

O-Ton Lutz Parisek, 22.04.2005 im Forum: "Die sogenannten Häutungshemmer zeigen in Langzeituntersuchungen massive Schwächen bis hin zum "geht nicht"

Ein Beweis der Harmlosigkeit des Mittels wurde bislang nicht erbracht, am Ende wirkt es nur eingeschränkt oder gar nicht. Das ist für mich ein klarer Abschuss dieses Wirkstoffes.

Die Pyretroide als Nervengifte sollten für Wohnräume ohne weitere Diskussion tabu sein, sie wirken auch bei Säugetieren toxisch. Und daß sie nur "ein bisschen" toxisch sind, ist für mich ohne Belang.

Mit welchen Begrifflichkeiten kommst Du nicht klar? Hylotox kennst Du vermutlich nicht, das gab's vielleicht nur im Osten. Aber die Inhaltsstoffe DDT und Lindan solltest Du kennen, die waren über Jahrzehnte wichtige Grundpfeiler der gesamtdeutschen Schädlingsjagd und befanden sich früher wohl auch in Xylamon & Konsorten.

Alles in allem scheint mir ein Teil- oder langsamer Erfolg mit Borsalzpräparaten wie HM1 besser als eine ggf. sogar unsichere chemische Keule mit unbekannten Nebenwirkungen.

Ich will hier nicht unbedingt Recht oder das letzte Wort behalten. Mag denn jeder tun, was er für richtig hält.

Hallo Thomas Kröner,

ich wollte noch auf die Möglichkeit der Microwellenbehandlung aufmerksam machen. Auch sicherlich kein Schnäppchen, aber ohne Chemie.


Grüße

Thomas W. Böhme



Vielen Dank an Sie beide!



Liebe Diskussionkontrahenten Herr Parisek und Herr Böhme,

ich schätze Ihre ausführliche Diskussion zu meinem Beitrag sehr und bedanke mich herzlich dafür. Nachdem sich Herr Parisek heute früh sogar 30 Minuten -zu einem kostenlosen- Informationsgespräch Zeit genommen, nochmals herzlichen Dank, verstehe ich Ihre Beiträge besser.

Übrigens sind Sie beide in Ihren Standpunkten wohl nur wenig von einander entfernt (z. B. in puncto Chemie-Einsatz), zumindest wenn ich die telefonischen Aussagen von Herrn Parisek mit Ihren, Herr Böhme, vergleiche.

Ich fände es schade, wenn nun aus der guten -sachlich und fachlich- äußerst interessanten Diskussion, eine persönliche Angelegenheit zwischen Ihnen beiden wird - nachdem Sie mir ja beide durch Ihr Fachwissen deutlich weitergeholfen haben.

Nichts für ungut - vielen Dank und einen friedlichen Feierabend,
wünscht Ihnen ein kleiner unwissender badischer Häusle-Um-Bauer.



Es artet mal wieder aus


Lutz Parisek

Hallo lieber Thomas Böhme,

Es geht und ging diesem blöden, rechthaberischen alten Parisek darum klarzumachen:

1. das der Häutungshemmer ein Enzym (Botenstoff) bar jeglicher Toxität ist.

2. das ich nichts von dem Wirkstoff Fluvenoxuron, aber genausowenig von diesen vagen Pauschalverdächtigungen halte, die alle chemischen Produkte in einem Sack mit DDT, Lindan, PCP stecken. Mit der gleichen Berechtigung könnte ich über die noch unbekannten Langzeitwirkungen diverser baubiologischen Wässerchen und Produkte, die unheimliche Geschäftstüchtigkeit ihrer Händler und die Nutzlosigkeit bzw. Verlogenheit vieler Bio-Schwindelprodukte schwadronieren.

3. das ich der chemischen Industrie genauso wenig ihre hehren Ziele (zum Wohle der Menschheit) abnehme, wie den Baubiologen ihre schwammigen Sprüche und Empfehlungen (alles Bio, unschädlich und besser)

4. das ich nicht in eine deiner Schubladen gesteckt werden will.

5. das jenes "nicht klar kommen mit deinen Begrifflichkeiten" nicht einer mangelnden fachlichen Bildung entspringt, sondern das nach meinem Empfinden hier verschiedene Dinge durcheinander geworfen werden und damit eine systematische Themenerörterung sehr schwer wird. Das betrifft vor allem die Ängste und Vereinfachungen (da die böse verschwörerische Industrie / hier die guten, braven Baubiologen)die nach meinem Eindruck oft als Generalabsolution für die Richtigkeit der eigenen Handlungen und Behauptungen herhalten muß.

6. das es mir nach wie vor an einer von mir erbetene klare Darstellung des Funktionsprinzips deiner empfohlenen Mittel mangelt.

7. das du dir mal überlegen solltest wie auf der von Thomas Kröner angegeben Fläche eine Mikrowellenbehandlung wirtschaftlich zu realisieren sein soll. Bei aller Liebe und Freude über das Mittel der Mikrowelle solten wir doch dem Fragesteller fachlich und realistisch weiterhelfen.

8. das mir nicht klar ist, was abgesehen von meinen tiefen Bedenken an eine bekämpfende Wirkung von HM1, eine Behandlung der genannten Flächen (370m²) mit deinem gepriesenen "Holzschädlingsbekämpfungsmittel" z.B. im Vergleich mit einer Boratbehandlung eigentlich kostet

9. das das Thema der Gefahren und Möglichkeiten der Pyrothroide doch gar nicht das Thema der Frage war und ist. (wobei wir dies auch gerne einmal tun können)

und so geht es weiter mit vielen, vielen Fragen und Antworten, Gegenfragen, Stellungnahmen, Vermutungen, Unterstellungen, Verletzheiten, Sticheleien, Winkelzügen etc.
Vielleicht schaffen wir es einmal z.B. anläßlich eines der nächsten "fachwerk.de Treffen" bei einem Bier uns ganz genüßlich dialektisch die Köpfe einzuhauen.

Mit den besten Grüßen

Lutz Parisek