Bauen im Winter




Wie jeder sieht haben wir Winter, aber überall wird noch gebaut. Am Tag sind je nach Region Temperaturen um 0 Grad, in der Nacht tiefer. Auf meinen Baustellen im Außenbereich ist Schluß bis ins Frühjahr.Welche Gefahren für Unbelehrbare entstehen wenn z.B Putz,Maler,Maurerarbeiten noch durchgeführt werden. Diese Frage ist nach meiner eine Sache die viele male nicht beachtet wird.



Winterbau



ist im warmen Rheinland was Normales. In Sachsen mag das anders sein. Aber sollen Architekten, Bauleiter, Handwerker etc. etwa alle ein Dasein als Saisonarbeiter fristen ?
Man kann Gebäude auch beheizen. Und Betonbauteile lassen sich schützen, jedenfalls bei unseren Temperaturen. Und was empfindlichere Arbeiten angeht, so müssen die eben oft aus "der Lauerstellung heraus" gemacht werden.

Grüße aus dem Rheinland



Kopfschütteln!!



Diese Frage stellen wir uns auch jeden Tag von neuem!
Kurzes Beispiel aus der Praxis des öffentlichen Bauens.
Der Bauantrag wird genehmigt und dies ist meistens so in der Jahresmitte. Dazu kommen die Förderanträge, welche wiederum eine Zeitverschiebung von mehreren Wochen mit sich bringt.
Der offizielle Baubeginn (erster Spatenstich!) erfolgt dann so gegen Ende Juli/Anfang August.
In dieser Periode wird aber bereits über die vertraglich festgeschriebene Fertigstellung zum Dezember hingewiesen!
Der Bauherr hat bereits seinen Mietvertrag zu dieser Terminfixierung aufgekündigt.
Mehrbelastungen ist hier zwar ein Thema, doch immer zu Lasten des Bauträgers bzw. Handwerkers (Bauunternehmung).
Leider ist dies ein gesellschaftspolitisches Problem, welches über die unterschiedlichsten Gesetzesnovellierungen noch gestützt und geschützt wird.
Der Rohbau (meine Betrachtungen beziehen sich immer auf den Eigenheimbau) ist dann so gegen Mitte Oktober fertig und weil bereits das Fassadengerüst steht, wird gleich der Außenputz und das Dach (ist ja das wichtigste!!), aber inclusive Dachdämmung!!!!!, fertiggestellt.
Nun erst erfolgt der Innenausbau und wir sind da bereits Ende Oktober/Anfang November (und ständig haben wir ja Sonnenschein mit mindestens 15-20°C!!).
Ausbau- und Installationsarbeiten, Innenputzarbeiten, Estricharbeiten. Der Bauherr steht ständig auf der Matte und weist einen permanent auf den Fertigstellungtermin zum Weihnachtsfeste hin (natürlich noch die Umzugszeit und eigenen Malerleistungen vorgeschaltet!).
Nun läuft alles auf den Punkt hin, die Hütte wird mit Brachialgewalt trockengeheizt (ca 4000 - 5000 l Feuchtigkeit!!) müssen ja auch wohin und weg, die Witterungslage außen tut ihr übriges (Regenwetter, Schneefall, Minusgrade), die Fassade im Außenbereich hat ihre kunststoffvergütete Beschichtung (Diffussion enorm gemindert!), die Dämmung im Dach ist mit Mineralwolle oder gar Styroporen fertig und nun kommen die enormen Mengen Feuchtigkeit hinzu.
Wo wandert diese hin? Dies stelle ich hier gleich als nächste Frage mit zur Diskussion!
Noch dazu kommen Änderungen vom Planer, vom Bauherren und gewisse Dinge einer Nichtmachbarkeit.
Der Termin des Einzuges wird minder schlecht als recht eingehalten, aber die Vorzeichen stehen eben nicht günstig.
Im Frühjahr beginnt dann die allen bestimmt schon mehr oder weniger bekannte Leier: Risse, Feuchteschäden, Abplatzungen, Verwerfungen, Hohlstellen u.v.m.!
Nun beginnt der eigentliche Spießrutenlauf, der meistens zu Ungunsten der Handwerksbetriebe ausgeht.
Diese Betrachtung soll einmal kurz aufzeigen, daß das Bauen schon lange nicht mehr in Betrachtung der funtionierenden Bauphysik vollführt wird und die Gesetzeshüter dies auch noch konsequent mit unterstützen.
Die "Rechtsverdreher" tun ihr Übriges mit dazu!
Und wenn man als seriöses Handwerksunternehmen alle diese Punkte im Vorfeld anspricht oder erörtert, ist man weg vom Fenster (Auftrag futsch und weg!), doch es gibt genügend, die just in diese Presche springen (Kongurrenzdenken, Preisdumping etc.!).
In der Zeit wo ich noch Lehrling war, wurden sämtliche Rohbauten über den Winter "ausgewintert".
Hatte den enormen Vorteil, daß ein Großteil der Baufeuchte ausfror und der Baukörper sich behände seiner Setzung unterwerfen konnte. Zur nächsten Frühjahrsperiode wurde dann mit dem weiteren Ausbau (innen und nachher erst außen!) fortgefahren.
Doch die moderne Bauforschung "belehrt" uns ja Tag täglich über Neuentwicklungen und das damit verbundene "Austricksen" der Bauphysik!
Die täglichen Negativergebnisse sprechen aber ein ganz anderes Bild!
Und nun zeigt sich gleich wieder ein neues Bild des gemeinsamen Umgangs miteinander auf (Hersteller und Verarbeiter). Der Hersteller ist fast nie schuld, es liegt fast immer am Handwerker.
Falsches Wasser genommen, Reifezeiten nicht beachtet, "schwarzer statt weißer Eimer" benutzt (um ironisch noch eines draufzusetzen!) sind da die häufigsten Beschuligungen.

Wir denken, daß es doch an der Zeit wäre, filigraner über derartige Fragen und Probleme nachzudenken und vielleicht kann auch diese Plattform etwas dazu beitragen helfen.
Noch etwas als Nachtrag.
Auf den meisten Verpackungen von Baustoffen steht eine Mindestverarbeitungstemperatur (plus 5°C nicht unterschreiten!). Dies sollte stetig auf die Bauwerkstemperierung bezogen betrachtet werden. Was nützt ca. +6°C Lufttemperatur, wenn es Tage vorher stetig um die -5°C bis -10°C war.

MfG zur generellen Bauproblematik
LehmHandWerker Udo.



Winterbau



Das soll also heissen, das ich einen Auftrag, der ein Volumen von ca. 25000.-€ hat und für den Zeitraum von Dezember bois Januar geplant ist, nicht annehmen darf?
Welch Schwachsinn!!!!!!!!!!!!
Wie Udo zu Bedenken gibt, wird hier erst innen ausgebaut und nächstes Jahr aussen.
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik