Metallwinkel

04.11.2003



Hallo,

da ich jetzt schon öfters gelesen habe, das man keine Metallwinkel zur Befestigung von Fachwerk verwenden soll, möchte ich mal wissen warum?

MfG
Fritz





Hallo Fritz, der Witz beim Fachwerk ist, dass es sich um eine nachgiebige, in sich bewegliche Konstruktion handelt, die Bewegungen des Untergrundes, Absenkungen, Stürme und Erdbeben besser übersteht als jede Betonkonstruktion. Deken Sie mal an die Bilder von Köln 1945: Da lag alles in Trümmern bis auf den Dom, eine "Fachwerk"-Konstruktion aus Stein. Wenn Fachwerk-Balken mit Eisenwinkeln verbunden werden, macht man das Gefüge eventuell zu steif, und das kann zu Spannungen führen, die im Extremfall zum Einsturz führen können. Aber wie gesagt: Fachwerk hält viel aus.
Gruß gf



Sonst noch was



Hi,
gibt es sonst noch bedenken Metallwinkel zu nehmen?, Ich denke da an Holzzerstörung usw.





Hallo, da ließe sich noch vieles aufzählen - so wird sich zwischen Metall und Holz leicht die Nässe stauen. Die verwendeten Schrauben oder Nägel dringen als Fremdkörper ins Holz ein und begünstigen ebenfalls die Eindringung von Feuchtigkeit un den Schädlingsbefall. Viele Metalle rosten früher oder später, und das kann die Konstruktion nicht nur optisch beeinträchtigen. Die Bewegungen des Fachwerks können einen Winkel früher oder später reißen lassen. Und dann ist es auch eine Frage der Handwerkskunst: Einen Winkel mit Spaxschrauben reinwürgen kann fast jeder - siehe einen anderen Beitrag, wo beschrieben wird, dass ein "Fachmann" die Verbindung zwischen neuer Schwelle und alten Ständern mit langen, schräg eingeschlagenen Nägeln herstellen will. Wer mit alter Bausubstanz umgeht, braucht schon mehr Sensibilität und Verständnis für die beim Bau angewendete Technik. Aber das ist wohl mehr eine philisophische Frage. Ich finde Zapfen und Holzdübel und ausgestemmte Zapflöcher einfach schön, richtig und vertrauenserweckend.
Günter F.
et



Usnchön!



...und der Hauptgrund wurde noch garnicht erwähnt: Metallwinkel sehen ja nicht gerade schön auf dem Fachwerk aus! Selbst wenn man sie braun überstreicht sind sie gut zu sehen und beeinträchtigen den Gesamteindruck!



Gerechter Ausgleich



Um das mal voranzustellen: Auch ich bei ein Freund der klassischen Holzverbindungen! Aber, es gibt auch ein paar Argumente für Metallverbinder im Holzbau: Es lassen sich meistens höhere Belastungen übertragen mit Metallverbindern. Zug- und Scherlasten sind mit klassischen Holzverbindungen nicht immer sehr günstig zu übertragen. Statiker sind Metallverbinder auch sympathischer, weil sie sich besser rechnen lassen. Ein Holznagel beispielsweise läßt sich in seinen Belastungsgrenzen bis heute nicht einwandfrei bestimmen. Nun ist die Frage der Statik im Bereich der FachwerkWÄNDE häufig untergeordnet, weil die historisch verwendeten Querschnitte und Ständerabstände allgemeinhin höhere Belastungen übetragen können, als eigentlich notwendig wären. Schwierig sind die Übergänge zwischen Dachtragwerk und Wänden und so manche Deckenbalkenanschlüsse, vor allem dann wenn Lastveränderungen durch Umbauten vorgenommen werden. Außerdem gbt es manchmal Reparaturstellen, bei denen man aus Platz- oder Konstruktionsgründen nur noch mit Metallverbindern zu recht kommt. Das Argument der Kondenswasserbildung im Bereich des Metallanschlusses kann ich allerdings nur stehen lassen, wenn durch das Metallelement eine Wärmebrücke gebildet wird. Metallverbindern sind grundsätzlich mit dafür vorgesehenen Kammnägeln oder Bolzen-, bzw. bauaufsichtlich zugelassenen Schraubverbindungen auszuführen, Spax, Nägel u. a. haben an dieser Stelle nix zu suchen. Also - auch mir sind Blätter, Zapfen, Schwalbenschwänze und wie sie alles heissen auch sympathischer, sehen besser aus, zeugen bei richtiger Ausführung von Fachkenntnis und Sinn fürs Detail, aber Metallverbinder sind deshalb nicht generell zu verteufeln. Es ist wie bei vielem: der Einsatz mit Sinn und Verstand ist gefragt! Grüße aus Leipzig





Kein Widerspruch, Herr Malangeri. Mir sträuben sich nur die Haare, wenn einer von vorneherein ein altes Fachwerkhaus mit Leimbindern und Eisenwinkeln sanieren will, womöglich noch mit Industrieware aus dem Baumarkt. Bei meinem Haus wurden so weit wie möglich die alten Handwerkstechniken angewendet. Es gab aber einige abgefaulte Balkenköpfe, bei denen eine Neuverzapfung nicht möglich war - man hätte den betreffenden Balken und den darauf ruhenden Dachstuhl komplett herausheben müssen. Da haben dann die Zimmerleute, immer in enger Absprache mit uns und der Architektin, vom Schlosser spezielle Winkel fertigen lassen und die verbolzt - um im Dachbereich die Spannungen aufzunehmen. Ähnlich war es im Bereich der Schwellen bei den innenliegenden Bodenbalken. Auch hier musste geschraubt werden. Das Problem hier war unter anderem eine von den Vorbesitzern eingezogene Stahlbetondecke. Da kann man schlecht einzapfen. Wie Sie richtig schreiben: Aufs Augenmaß kommt es an!!
Gruß Günter Flegel



;-)



Hi,
@Björn: wenn man einen neuen Balken einsetzt und diesen dann mit Winkeln befestigt sollte man schon darauf achten das der Metallwinkel nicht mehr zusehen ist.

Mir kommt es auch etwas auf die Kosten an.
Wenn ich die Felder neu eingemauert habe und man von den Winkeln nichts mehr sieht, kann danach auch jeder behaupten es wurde gezapft, einen Holznagel kann ich auch blind reinmachen, da sieht niemand mehr ob oder ob nicht.
Die Kosten die man sich dadurch spart sind ja doch enorm. Ich habe auch lieber das es wie früher gemacht wird, blos wenn ich dann immer lese, es ist ein muss das das Holz gezapft wird, wollte ich halt auch mal wissen warum. Ich kann nicht einfach irgendwas behaupten was eigentlich nur meine Meinung darstellt.
@günter: du hast schon recht, blos auf hängen und würgen ALLES so zu machen wie sie es früher gemacht haben, ich weiss ja nicht.
Damals gab es noch keine Winkel, vielleicht hätte man dann auch Winkel genutzt.
Ich habe auch stellenweise mit Winkel gearbeitet, da es nicht anders ging bzw. es zu aufwendig gewesen wäre es trotzdem mit zapfen zu machen.

MfG
Fritz



Na dann



Ach so, ja dann geht es! Ich dachte du wolltest die Dinger von außen auf das Fachwerk schrauben!





Hallo Fritz, ich bin auch sicher: Wenn es früher nicht so teuer und aufwändig gewesen wäre, hätte man beim Hausbau sicher auch Metallwinkel verwendet. Reisende Zimmerleute gab es immer, reisende Schmiede aber kaum. So eine Esse ist halt nicht besonders mobil. Nicht alles Alte ist nur gut, nicht alles Neue nur schlecht. Sonst würden wir ja heute unsere Fachwerkhäuser mit Plumpsklo im Hof, Eimer im Brunnen und Rauchfang in der Küche sanieren.
Gruß gf



Nicht zu vergleichen!



....Obwohl ich ehrlich sagen muß, daß so ein Fachwerkhaus mit Donnerbalken im Hof, Eimer im Brunnen und Rauchfang in der Küche, mir gut gefallen würde! So ein ursprüngliches Haus hat doch eine ganz andere, ja - ich sage fast: verinnerlichende und geheimnisvolle Atmosphäre - einen besonders ausgeprägten Charakter, ja, eine eigene Duftnote! Moderne 0-8-15 Häuser von der Stange aus dem Bausupermarkt der Neuzeit, kommen da bei weitem nicht heran! Neue Häuser sind austauschbar und stumm! Alte Häuser jedoch besitzen Geheimnisse und können einem an langen Winterabenden, wenn man genau hinhört, viele Geschichten aus längst vergangenen Jahrhunderten erzählen!





Jaja, die Romantik hat was für sich - wenn man vier Wochen lang ohne Dusche jeden früh um 6 nur aufs Feld muss ... Heute lebt und arbeitet man halt etwas anders, und der Job im Büro, die Kinder und die ganzen Segnungen der modernen Zeit vom Fernseher bis zur Microwelle, ohne die man nicht mehr leben kann, fordern halt ihren Tribut. Es ist die große Herausforderung, fast schon Kunst, die modernen Ansprüche und Wohnen im alten Haus unter einen Hut zu bringen. Glückwusch an jeden, der es schafft. Wir lassen übrigens den alten Rauchfang und die schwarzen Balken in der Küche. Aber ein neuer Dunstabzug kommt schon auch mit rein ...
Gruß gf



Um 6 Uhr Morgens..



...um 6 Uhr früh aufs Feld? Wenn alle noch fest schlafen - den Sonnenaufgang bewundern und zusehen wie die Natur erwacht und ein neuer Tag anbricht? -----Wundervoll------es gibt nichts schöneres. Ein unvergessliches Erlebnis, finden Sie nicht?





Na klar, super toll, hab ich fast den ganzen Sommer über gemacht: Um halb fünf raus, in die Miefklamotten, auf die Baustelle, malochen, Handwerker rund machen, heimsausen, duschen, umziehen, büro, heimsausen, miefklamotten, Baustelle, Handwerker rund machen und Dreck weg räumen. Bloß den Sonnenaufgang hab ich dabei immer irgendwie verpasst, dafür hat mir mal der Hund ins Auto gereihert, die Thermoskanne mit dem Kaffee ist ausgelaufen und neulich hab ich unter dem Fahrersitz eine Brotzeittüte vom Juli entdeckt. Ein unvergessliches Erlebnis, die Renovierung eines alten Hauses, finde ich auch. Ich möchte mit keinem Reihenhausvorgartenzwerg tauschen.
gf



Metallwinkel, Stahlnägel und Beton?



Wer ein schlechtes Beispiel für Fachwerkinstandsetzung eines Zimmermanns sehen will kommt bei mir vorbei.
Winkel sind scheiße. Balken müssen verzapft sein. Winkel halten die druck-, schub und drehkräfte nicht aus. Bei mir biegt sich schon alles durch, habe böses nur durch Baustützen und Holzkeile verhindern können.
Lernen aus der Vergangenheit habe ich hier mal gelesen und unsere Fachleute müssen noch viel lernen...
Gruß Kay