Will falsch saniertes Fachwerk retten

09.05.2019



Hallo
Wir würden uns gerne ein altes haus kaufen, das seit zwei Jahren leer steht und in dem leider schon begonnen wurde zu sanieren.
Bevor ich weitere Schritte unternehme und mit einem Sachverständigen das Objekt besichtigewollte ich fragen, ob und wie ein Wandafbau (Außenwand( der aus meiner Sicht falsch ist, umgegangen werden soll.

Die Außenwand ist 12 cm stark und die Gefache sind mit leichtem Lehm ausgefüllt. Außen ist ein Kalkputz und die Balken liegen frei. Jetzt hat der Vorgänger Fermacellplatten (o.ä.) direkt auf die Innenseite geklebt.

Sogar für die Steckdosen hat er in den bestehenden Lehm gebohrt, so dass von der Innenseite der Dose bis zur Außenseite nur noch 4 cm übrig sind.

Gut dass das Haus nie beheizt oder bewohnt war, seit der Zustand so ist.
Frage ist jetzt, wie kann so etwas wieder gerettet werden?
Müssen die Platten entfernt werden? und was, wenn dabei der Lehm im Gefach mit heraus kommt?

Im besten Fall könnte man die Fermacell-Platten belassen und auf diesen mit Holzfaserplatten dämmen.

Oder liege ich hier total falsch??


Freue mich auf Antworten

Hans



Schritt für Schritt



Hallo ,

wir haben so ein ähnliches Objekt erworben. Der Vorbesitzer hatte Styropor verbaut an den 12 Fachwerkwänden. Zusätzlich waren die Regenfallrohre über Jahre nicht angeschlossen und der Regen plätschert an der Fassade runter.

Nachdem wir die Dachentwässerung und neue Abflüsse gelegt hatten, haben wir an der Innenseite das gesamte Styropor entfernt und seit gut einem Jahr läuft der Trockner im Haus.

Löcher durch angebrachte Steckdosen etc. haben wir wieder mit dem Ursprungsmaterial gefüllt und die Wände mit Kalkputz dünn verputzt. Wir wollen das Haus zunächst ordentlich trocknen und heizen und dann später von innen mit einer Mineraldämmplatte arbeiten für den Wärmeschutz.
Da unser Untergeschoß zum Teil 60 cm dicke Wände besitzt, kann das Obergeschoß noch etwas trocknen.

Wir geben dem Haus in dieser Angelegenheit viel Zeit, da es viele Jahre leer stand und wir nicht erwarten, dass man so ein Haus in einem Jahr richtig voll bewohnbar machen kann.

lg
Karl



Will falsch saniertes Fachwerk retten



Hallo lieber Karl, danke für die Antwort.
Ich freue mich über die Unterhaltung in diesem Forum und hoffe noch viele Informationen zu bekommen. Natürlich sind wir Anfänger und würden das Projekt sehr gerne angehen. Haben schon viel gelesen und wissen, dass es nicht einfach ist, ein altes Haus zu sanieren. Aber einfach kann jeder.
Wir sind uns bewusst, dass man viel Zeit braucht, und auch, dass wir hier kein Niederenerguehaus haben. Aber es kann ein Schmuckstück werden. Deshalb ist uns daran gelegen, von Anfang an keine großen Fehler zu machen.
LG Hans



Fachwerkhaus



Hallo Hans,

so wie es aussieht, ist der Wandaufbau eher aufs Geratewohl hin behandelt worden, ohne sich darüber im klaren zu sein, was in und an der Wand in der Nutzungsphase passieren wird. Ich würde hier zunächst eine Berechnung der Werte und des möglichen und sinnvoll zu erreichenden Wärme- und Feuchteschutzes unter Berücksichtigung der Gesamtsituation angehen. Die Gipsfaserplatten kann man auf jeden Fall schon entfernen, die machen da und besonders an den Innenseiten der Außenwände gar keinen Sinn sondern eher Schaden. Alles andere ist handwerklich beherrschbar, vielleicht solltest Du Dir einen Baubetreuer oder ein Ingenieurbüro engagieren, der / das mit solchen Projekten vertraut ist.
Gutes Gelingen und Grüße aus Nordsachsen, Andreas Wugk