Wieviel Holz braucht man für ein Haus

18.05.2015



Hallo liebe Fachwerk - Fachleute.
Ich brauche für einen Vortrag über Waldressourcen eine Faustzahl, wie viele Kubikmeter Holz früher für ein Fachwerkhaus gebraucht wurden. Ich weiß, dass jedes Haus anders ist und man keine einheitliche Mengenangabe machen kann. Daher gebe ich mich auch mit einer sehr groben Angabe zufrieden. Ich stelle mir ein Haus mit ca. 8 x 10 m Grundfläche, 2 Wohngeschossen und nicht ausgebautem Dachboden vor. Natürlich sind die Geschossdecken, Treppen, Fenster und Fußböden auch aus Holz.

Vielen Dank schon einmal!



Holzbedarf



Rechnen wirst Du ja wohl können:
Pro lf. m Umfang ca. ein Stiel, rechne ca. 36 lf. m. Ca. 20 lfm Innenwände dazu.
Geschosshöhe 2,30 m.
Deckenbalkenabstand ca. 1 m, 8 m lang, zwei Balkenlagen (über EG und über OG)
Dazu je Geschoss eine Lage waagerechter Riegel zwischen den Stielen, also zweimal den Umfang des Hauses.
Bügen geschätzt 20 lfm.
Dann Schwellen und Rähme, jeweils doppelt. Das macht 4 mal den Hausumfang in lf.m.
Dann das Dach, pro m ein Sparrenpaar, Länge jeweils 10 m.
3 Lagen Dielung 3 cm stark sind 4 x 8 x 3 also ca. 90 m²
Dazu kommen noch Dachlatten, Lagerhölzer für den EG- Boden, Holz für Türen und Fenster.
Der Deckeneinschub und Auszäunungen sind Verschnittabfälle.
Als Querschnitt für alle stabförmigen Elemente 14/14 annehmen. Damit kommst Du auf lfm Stammholz, min. ca. 20, 25 cm stark. Der Verschnitt pro Stamm lag sicher so um die 20%, dazu kommen noch die Verschnitte beim Abbund- ich schätze so um die 10%.



Danke für die Zahlen



Vielen Dank für die Zahlen, sehr detailliert. Damit kann man echt was anfangen! Nach erster überschlägiger Rechnung komme ich auf beeindruckende 30 Eichen und 25 Fichten (ausgewachsene Bäume). Ich vermute, dass früher die Kosten für den Bau eines Fachwerkhauses nicht mal eben aus der Portokasse bezahlt wurden.



Fachwerk



Das mit der Anzahl könnte hinkommen.
Die Stockwerksbauweise wurde u.a. deshalb entwickelt weil man dazu keine großen Querschnitte und Längen brauchte die schwer zu transportieren waren Außerdem wurde seit dem 17.Jhr. Bauholz immer knapper.
So konnten schwächere Bäume verwendet werden. Die großen Stämme waren viel zu teuer und rar. Die gingen für große Bauvorhaben wie Schlösser und Kirchen drauf und der Schiffbau war einer der Hauptabnehmer für große Stämme.
Der Bauer oder Bürger bezog normalerweise sein Bauholz aus dem Gemeinde- oder Stadtwald wenn er keinen eigenen hatte. Überregionales Holz konnte nur geflößt werden, das ging wiederum nur wenn die geografischen Verhältnisse passten. Sägewerke waren auch rar, die Stämme wurden nach dem Fällen im Wald bereits "bewaldrechtet", also grob behauhen. Es kam niemand auf die Idee, aus einer 100- jährigen Fichte oder Eiche 4 Balken herauszusägen. Das Fällen und Bewaldrechten machte der Bauer oder Bürger selber im Winter. Das Holz wurde dann zum Trocknen gelagert. Den Abbund besorgten Zimmerer. Abfälle gab es nicht, alles wurde verarbeitet oder verheizt.