Wie sah der Bodenaufbau unter Fliesen im Fachwerkhaus aus?




Hallo, jetzt im Winter arbeite ich an meinem vom Holzwurm zerfressenen kleinen Häuschen , da es in der Scheune zu kalt ist. Leider geht es mir auch so wie vielen hier im Forum. Die Suche nach dem richtigen Fußboden Aufbau. Ich hab auch schon alles gelesen und trotz dessen bin ich nich fündig geworden. Das Häuschen steht seit 20 Jahren leer und rottete so vor sich hin. Trotz dessen hat es Charm naja. Es gibt einen kleinen Keller unter dem Raum , den ich mir gerade vorgenommen habe mit einer gewölbten Decke. 1,80x 4m und auch nur 1,80 hoch ist der Keller und der Raum darüber hat die gleiche Größe. Die Holzdielen im Raum über dem Keller liegen wie bei vielen Beschrieben nur in der Schüttung ohne Auflager zur Wand . Von oben sahen sie ganz ok aus,aber von unten sind sie völlig zerfressen vom Holzwurm und Bröseln vor sich hin. Ich denke es gab auch Wasser , das durch das offene Fenster über Jahre reingelaufen ist. Die Dielen hole ich jetzt raus... Die Schüttung ist trocken. Oben sehr fein unten gröber. Soll sie raus und wieder neu rein ...und wenn ja was? im Grunde bin ich mir jetzt garnicht mehr so sicher was ich machen soll. Wie verjage ich den Holzwurm das er nicht den neuen Boden zerfrisst wenn ich die alte Schüttung drin lasse. Der Raum soll umgebaut werden zum Bad , da dies der beste Weg ist Abwasser und Wasser Frostfrei ins Haus zu bringen. Und der unaufgeregteste da man nur durch eine Aussenmauer muss und im Keller Platz hat für alle Anschlüsse. Der Installateur welcher mir hilft will Fliesen und Estrich....ich dachte das diffusionsoffen gebaut werden soll ,da es ein Fachwerk Lehm Tonziegel Mischmasch ist... Aussenmauer denke ich später gemauert mit Tonziegeln und Lehmmörtel , ....früher Fachwerk und erst im Lauf der Jahre durch Mauerwerk ersetzt... Eigentlich würde ich gerne die alten Techniken benutzen. Der Flur und die Küche sind mit terazzosteinen gefliest haben aber keinen Keller darunter. Wie sah in der Zeit der Unterbau des Bodens bei Fachwerkhäusern unter Fliesen aus? Das Gebäude hat ein Streifenfundament aus Granitsteinen mit zum Teil Lehmgefache und TonziegelMauerwerk mit Lehmmörtel. Da ich ungerne den Terazzosteinen Boden zerstören will um nach zu schauen wie es da gemacht wurde im Flur und der Küche dachte ich könnte man das auch im Bad übernehmen... Grundsätzlich gibt es viel Bausünden in meinem Häuschen das ich nicht noch mehr hinzufügen möchte vielleicht hat ja jemand eine Idee . Gegen einen Holzboden im Bad habe ich auch nicht aber mein Installateur schon...Ich wäre sehr dankbar für Ratschläge und Infos. Gruß Bärbel Jahn



Fliesenbelag


Fliesenbelag

Fliesenbelag war vor der Gründerzeit in Fachwerkhäusern die Ausnahme. Glasiertes Steinzeug oder Steingut gab es damals herstellungs- und kostenbedingt nicht als Massenware.
Im Erdgeschoss gab es in der Küche und im Flur ab und an Tonfliesen (Terracotta), in den Obergeschossen gab es keine keramischen Beläge, wozu auch. Bäder gab es nicht, ebenso WC- Anlagen.
Im Erdgeschoss wurden keramische Beläge mehr oder weniger direkt auf den Boden verlegt. Es gab ein verdichtetes, ebenes Planum aus Lehm oder lehmigem Kiessand, darauf wurden die Platten direkt im Mörteldickbett aus hydraulischem Mörtel verlegt.
In Palästen, besseren Bürgerhäusern usw. gab es vereinzelt keramische Beläge auch in Obergeschossen aber da waren die Deckenbalken viel stärker dimensioniert. Auf die Bohlendecke oder gestreckten Windelboden (durchgehende Bohlenlage auf den Balken) kam eine Lehmschicht, darauf dann die Beläge in hydraulischen Kalkmörtel verlegt. Sogar Terrazzobeläge (Terrazzo in Composto) wurden aufgebracht.
Das Foto zeigt einen keramischen Belag in einem Bauernhaus aus Fachwerk.



Fliesebelag


Fliesebelag

Cottobeläge waren in Deutschland bei einfachen Gebäuden nahezu unbekannt, im Gegensatz zu Italien und Frankreich. Dort kamen diese Beläge in Gegenden mit wenig Bauholz oft zum Einsatz, auch in Obergeschossen. Hier wurden Restststücke von Bohlen als Hourdis verwendet. Oben liegt ein Estrich aus hydraulischem Kalk bzw. Romanzement und darauf ein Cottobelag.



Bodenaufbau mit Fliesen im Lehmhaus ohne das gefüge zu zerstören.



Danke für Ihre Info., Herr Böttcher ..vielleicht sind die Fliesen in Flur und Küche ja nachträglich eingebaut worden in den 50iger Jahren--wie so vieles in meinem Haus. Aber wie gehe ich nun am besten mit dem Zimmer welches ein Bad werden soll um-- Holzboden diffusionsoffen?? bei Wasser ??? oder Fliesen und dafür das Wasser und die Feuchte im Keller...ich bin überfragt nach alle den unterschiedlichen Meinungen im Forum.. In der Scheune ist es gelöst durch Schaumglasschüttung und Holzboden aber Fliesen was passiert dann im Keller? Froschteich und Tropfsteinhöhle....Ich bin überfragt



Fußbodenaufbau



Wenn ich vorhätte eine Leber zu transplantieren wäre ich auch völlig überfragt denn ich bin Maurer und kein Arzt.
Ein wenig Grundwissen müssen Sie sich also anlesen falls Sie etwas tiefer in die Materie eindringen wollen.

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/fussboeden.html

Sonst bleibt Ihnen nur übrig sich auf externe Fachkenntnisse zu verlassen, also einen Fachplaner dazuzuholen der Ihnen konzeptionell hilft und in der praktischen Arbeit beratend zur Seite steht.
Es geht bei einer Modernisierung nicht nur um die isolierte Instandsetzung einzelner Bauteile sondern um ganzheitliches Denken.



Fußböden im Fachwerkhaus



Ich habe auch in einem Bad Holzdielen auf der alten Holzbalkendecke verlegt, was seit über 20 Jahren problemlos funktioniert.

Schiffsdecks bestehen auch aus Holz,
Holz ist wasserbeständig sofern es dauerhaft naß ist oder wieder austrocknen kann.
Dielen mit Nut und Feder sind ohnehin wasserdicht, da bei Feuchtezunahme die Fugen immer dichter werden
(siehe Wein- oder Bierfässer).
Bei geölten Dielen sehe ich überhaupt kein Problem,
Randfugen können mit Kompriband oder Polysulfid-Dichtstoffen, (Sikaflex oÄ) abgedichtet werden.

Du wirst doch die nächsten Jahrzehnte in dem Haus leben-
warum sollte jemand anderes über deine Materialauswahl entscheiden?

Bei einem diffusionsoffenem, gedämmtem Fußbodenaufbau kann es keine Tropfsteinhöhle im Keller geben ohne andere Feuchtigkeitsquellen von außen.
Konvektion ist bei einer Gewölbedecke ohnehin ausgeschlossen.

Zumindest auf gute Dämmung des Bodens achten und auf kapillare Dämmstoffe,
alternativ zB Schaumglasplatten verwenden, da der Dämmwert von Glasschaumschotter zu gering ist.

Holzwürmer haben keine Lebensgrundlage in mineralischen Baustoffen.
Neue Balken für die Unterkonstruktion aus KVH sind künstlich getrocknet.

Historische Konstruktionen mit Holzbestandteilen haben überlebt,
wenn sie nicht durch Feuchtigkeit geschädigt wurden.
Allerdings waren die Wohnbedingungen derart, dass sie heutzutage kaum jemand akzeptieren würde.
Es gab, zumindest für den Großteil der Bevölkerung, keine besseren Baustoffe oder Konstruktionen bzw Bauteile.
Stroh/Lehmausfachungen sind ja schon ziemlich gut-
nur muß Feuchtestau vermieden werden durch entweder kapillare Dämmstoffe oder die Verhinderung von Feuchtigkeitseintritt.

Welche Konstruktion jeweils geeignet ist hängt von vielen Faktoren ab, die bekannt sein müßten, um fundierte Antworten geben zu können.

Andreas Teich