Wie muss man bei einer Holzbalkendecke die Schüttung auffüllen?

28.09.2020 Pfefferfrau

Wie muss man bei einer Holzbalkendecke die Schüttung auffüllen?

Hallo liebes Forum,

dies ist mein erster Beitrag, ich hoffe ich trete nicht in allzuviele Fettnäpfchen und bedanke mich schon jetzt für dieses tolle Forum! Ich habe hier bereits sehr wertvolle Informationen zu anderen Fragestellungen erhalten!

Auf unserer Baustelle (Gründerzeit-Haus, 4 Etagen, Ziel: Kfw70) streiten sich gerade die Zimmermänner mit einem Schreiner. Mit dem Schreiner entnehme ich gerade den alten Bretterboden um ihn später von ihm Restaurieren zu lassen. Als Schüttung zwischen den Balken kam hauptsächlich Sand und Schlacke zum Vorschein. Die Zimmermänner sind im Anschluß gerade dabei im 1. OG die Balkendecke mit Federn auszugleichen (auf die Balken montiertes keilförmiges Kantholz, max. 8,5cm), ein paar Säcke Trockenschüttung auf den Sand zu kippen, abzuziehen und 2 Lagen 19mm OSB in durch Federn und Balken aufzuschrauben damit die Statik wieder gegeben ist.
Der Schreiner sagt nun sie arbeiten nicht sauber genug, die Schüttung müsste so dicht wie möglich eingebracht werden, am besten würde man die Fläche nach dem Schütten noch mit an die Schuhe montierten Brettern begehen damit alles möglichst dicht ist. Einfaches Abziehen würde nicht reichen da sich das Zeug noch setzt und dann eben den Platz nicht komplett Plan ausfüllt.
Nicht nur das, die Zimmermänner hatten beim ersten Versuch auch noch zu wenig Schüttung dabei und haben mit Bauschutt (Fliesen- und Terrazzobruch) aufgefüllt der nun an manchen Stellen zu Dellen in der Schüttung geführt hat, bzw. sie haben nicht 100%ig plan abgezogen und es sind Lücken von ca. 4cm Tiefe zu sehen. Ich stelle gleich noch ein Foto dazu ein.

Der weitere Bodenaufbau ist noch nicht im Detail geplant, es soll aber natürlich auf diese aus statischen Gründen gekoppelte Schicht noch eine Entkoppelte folgen, also Trittschall, evtl. Fußbodenheizung, evtl. Trockenestrich und in einem Teil der Zimmer dann die alten Bretter (als Dielenboden aufgearbeitet) bzw. Parkett.

Wer hat denn nun recht?
Welchen Sinn erfüllt diese Schüttung? Ich habe bereits sehr aufmerksam das pdf "Teil 3 - Holzbalkendecke im Obergeschoss" gelesen und denke die Schüttung ist in unserem Fall nicht mehr ganz so wichtig: es kommt noch viel Gewicht auf den Boden durch den weiteren Aufbau und die Schalldämmung soll durch die Trittschall-Schicht erfolgen. Im EG haben die Zimmermänner bereits fertig, dort wurde gar keine Schüttung ergänzt. Die Kellerdecke soll von unten gedämmt werden, Wärmedämmung wäre also auch nicht wichtig.
Oder sollten wir hier so penibel sein wie der Schreiner sagt? Dann sollten wir die Zimmermänner dazu bringen die ersten 15qm einfach OSB nochmal zu entfernen und die Schüttung zu perfektionieren. Direkt nach dem Entfernen des Bretterbodens war die 100 Jahre alte Schüttung immer noch nahezu perfekt plan, das ist nach Meinung des Schreiners auch das Ziel für die neue Schüttung.

Herzliche Grüße,
Katrin



Angesichts...



...Deiner weiteren Aufbauten kannst Du den Schreiner ausbremsen: Du hast in Folge genügend Gelegenheit, einen entkoppelten Aufbau hinzubekommen. Hohlräume sollten freilich oberhalb des EG gefüllt werden, ein Verdichten ist jedoch übertrieben. Massereiche Einlagen (Putzreste etc.) Schaden nicht.

Soll das mit FBH passieren, ist unschlagbar der Trockenaufbau von www.ripal.de.

Mir ist nur nicht ganz klar, woher Du so viel Aufbauhöhe bekommst, im Altbau... Was geht denn da, maximal?

Grüße

Thomas



Lasteintrag



Hallo zusammen,

als Laie und Bauherr würde ich mir die Frage stellen, in wie weit durch ein Verdichten und planebenes Abziehen in Folge des weiteren Fussbodenaufbaus Lasten in die Flächen zwischen den Deckenbalken eingeleitet werden. Je nach Art des Deckenaufbaus wäre das ggf. zu vermeiden. Dann wäre eine lockere Füllung eahrscheinlich eher angeraten.

Viele Grüße

Peter



Darüber sollte man...



...vorher nachdenken, richtig.

Nach allem, was man aus der Ferne sagen kann, ist das geschilderte Unterfangen problemlos umsetzbar. Gründerzeithäuser sind im Balkenwerk zuallermeist sehr gut dimensioniert, die Balkenabstände moderat. Die nun zusätzlich eingebrachte Masse ist offenbar gering.

Letztlich, es machen Zimmerleute, auf deren baustatische Erfahrung man wohl vetrauen kann.

Grüße

Thomas



Vielen lieben Dank...



...Thomas und Peter, für eure Überlegungen! Ich habe heute mit dem Vorarbeiter der Zimmerleute gesprochen, er sieht es ebenso, extra Verdichten ist nicht nötig, dafür Vertrauen in die fachmännische Arbeit (wobei es ein großer Laden ist und im EG schon einiges ganz offensichtlich vergurkt wurde, leider). Größere Fehlstellen in der Schüttung sollten natürlich nicht sein, das werde ich soweit möglich überwachen. Wenn das OSB einmal drauf ist kann man halt leider nicht mehr reingucken wie gearbeitet wurde :-/

Die maximal mögliche Aufbauhöhe muss noch ausgeknobelt werden: Brüstungshöhe der Fenster und die Höhe der Stil-Kassetten-Türen sind limitierend. Das Holz-Treppenhaus kann leider höchstwahrscheinlich aus Brandschutzgründen nicht erhalten werden, von daher könnte zumindest aus der Perspektive der Treppenabsätze alles neu zusammengestellt werden. Aber dazu dann ggfs. mehr in anderen Anfragen :-)



Im Erdgeschoß...



...ist vielleicht Wärmedämmung ein Thema, wenn der Keller kalt ist. Dann hätte aber völlig anders aufgebaut werden müssen.

Wenn ein paar Krümelein Schüttung fehlen, ist das aber aus Schallschutzgründen nicht wirklich wichtig.

Grüße

Thomas