Wie lang hats bei euch gedauert?

27.01.2014



Wir stehen kurz davor uns ein ca 100 Jahre altes (eventuell älter, es gibt keine Unterlagen) Fachwerkhaus zu kaufen, in dem weder Sanitäranlagen, noch Elektro oder Heizung angeschlossen sind. Es ist im Prinzip ein Rohbau. Die Fläche, die ausgebaut werden soll sind ca 150qm².
Mein Freund arbeitet Vollzeit, ich bin selbstständig und arbeite von zu Hause aus, bin also recht flexibel. Wir planen von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend vor Ort zu bleiben und in einem Wohnwagen zu schlafen. Unter der Woche werde wir natürlich auch wann immer möglich hinfahren, vielleicht kann ich es einrichten, auch unter der Woche dort zu bleiben und leichtere Arbeiten allein zu erledigen.
Wir sind gewillt vieles selbst zu machen, müssen aber auch zugeben, dass wir beide keine handwerklichen Berufe in dem Sinne ausüben. Es ist aber nicht unser erstes Haus und ich denke, wir haben schon ein wenig Erfahrung sammeln können. Viele Arbeiten, die nur Fachleute machen können, werden wir natürlich auch von denen ausführen lassen...
Nun interessiert es mich, wie lange ihr für ähnliche Projekte gebraucht habt, um (wenn auch auf eine Baustelle) dort einzuziehen. Toll wäre auch, wenn ihr dazu schreibt, wie oft ihr vor Ort wart und wie eure handwerklichen Fähigkeiten sind.



Rund 1.5 Jahre...



... hats bei mir bis zum Einzug gedauert - und es ist immernoch genug zu tun. Das Haus hat ein ähnliches Baujahr, ich hab aber erst mal nur die rund 80 qm "Haupthaus" renoviert und den Anbau als Warenlager genutzt. Heizung, Wasser, Strom gab es zwar schon, aber ich hab alles erneuern lassen. Ich selbst hab alle Abrissarbeiten gemacht (das war die Hauptarbeit), Wände gemauert, Decken abgehängt, im ganzen Haus Fein- und zum Teil auch Grundputz an Wände und Decken aufgebracht, die obere Geschossdecke gedämmt (und auch da war der Abtransport des Mülls und Drecks auf dem Dachboden der Zeitfresser), Böden abgeschliffen und versiegelt bzw. neu aufgebaut und verlegt und vielviel Kleinkram gemacht. Ich bin handwerklich nicht ungeschickt, war aber unerfahren und ließ mich oft erst anleiten bzw. machte mich theoretisch schlau. Das kostete Zeit.
Helfer hatte ich nicht viele, dafür ein kleines Kind, ein Pony, einen 80%-Job und keinen Mann (vom kleinen Sohn abgesehen) :-) Von daher bin ich zuversichtlich, dass Ihr das viel schneller schafft als ich, erst Recht, wenn Du Dir zutraust, mehr zu machen als "leichte" Aufgaben.



Nach 1 Jahr immer noch dabei :-)



Wir haben Anfang letzten Jahres mit den Abrißarbeiten angefangen und diesen Monat den hoffentlich letzten Dreck aus dem Haus geschaufelt :-)

Allerdings sind wir auch Schicht für Schicht vorgegangen, da wir am Anfang noch gar nicht genau wußten, wie tief die Sanierung gehen wird. Dadurch konnten wir aber auch die Abfälle gut trennen (Kosten) und haben sogar einiges an Baumaterial verschenkt. Dach, Fenster und Türen sind drin, Heizung, Sanitär, Elektro, Dämmung, Fußboden, Treppe und Putz muß noch. Als Nächstes sollte der Grundbeton rein, aber momentan sind -3 Grad im Haus, so dass sich das wohl auch wieder verschieben wird!

Zeitlich war alles genauso geplant wie bei euch, wobei relativ schnell der Sonntag für schwere Arbeiten weggefallen ist, wegen einer Nachbarin die sich durch den Lärm gestört fühlte.





Ich saniere ein Gutshaus mit angeschlossenem Gesindehaus. Das Gesindehaus hat jetzt ca 120qm Wohnfläche, wurde komplett entkernt und wieder neue Etagen eingezogen, das Dach komplett neu gemacht.

Hätte ich nur am Gesindehaus gearbeitet, wäre ich wohl nach jetzt 2 Jahren mehr oder minder beim tapezieren.

Da ich aber parallel noch an den 1600qm Gutshaus gearbeitet habe, bin ich im Gesindehaus jetzt gerade mit dem Rohbau fertig.
Ich arbeite im Prinzip so wir Ihr das vor habt.



Es dauert immer länger als man denkt ....



Hallo,
klingt abgedroschen, aber es bewahrheitet sich.

Wir sanieren seit 2011 unser 100 Jahre altes Haus und leben auch dort (auf z.Z. 50qm von insgesamt 180qm Wohnfläche), geht alles.
Wir machen fast alles selbst, vor allem, nachdem wir die eine oder andere Schwierigkeit mit ausführenden Handwerkerbetrieben hatten (so sind wir seit fast 2 Jahren im selbständigen Beweisverfahren mit unserem Dach).

Wenn zusätzlich zu der vielen körperlichen Arbeit (die ja auch sehr viel Spaß machen kann), dann noch dieser "Psycho"-Stress dazu kommt, dann brauchst Du wirklich starke Nerven und eine sehr stabile Beziehung.

Auch brauchst Du ab und zu mal freie Tage, also wir arbeiten seit längerem nicht mehr jedes Wochenende durch.
Bei voller Berufstätigkeit reicht sonst irgendwann die Kraft nicht mehr. Und abends noch einmal für ein paar Stunden arbeiten, das würde ich eher nicht einplanen.

Und Du musst Dir immer wieder vor Auge führen, wie es einmal werden soll, sonst ist die Motivation irgendwann weg.

Auf jeden Fall unterschätzt nicht den Zeitfaktor, alles dauert sehr viel länger als ursprünglich geplant.
Das haben wir bereits sehr oft fest gestellt.

Viel Erfolg, Andrea



Zeitfaktor



Ich möchte mich den Angaben von Andrea (aber auch den weiteren Erfahrungen oben) anschließen.
In meinem Beruf, was freilich weniger mit "Bauen" zu tun hat, gibt es so etwas wie eine Faustregel, wenn es um Kosten- oder Zeitschätzungen geht:
Der allererste Eindruck x 2 = doppelt so lange.




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