Wie Beeinflussen Farben die Eigenschaften eines Kalkputz




Hallo,

wir sind bei der Renovierung unseres Altbaus (1980) und die Wände sind mit Feinputz verputzt (Otterbein Calcea Feinputz, ca 3mm) Der Putz wurde auf den Kalkgipsputz (Bestand) aufgetragen. Evtl Unerwünschte Reste von z.B Tapetenkleister wurden durch abwaschen und Schleifen entfernt. Es wurden auf verschieden Testflächen die beste Mischung fuer die Kaseingrundierung ermittelt und es gibt keine Haftungsprobleme.

Der ursprünglich Plan sah vor die Wände mit einer hochwertigen Kalksumpffarbe (z.B Kreidezeit) zu streichen. Jedoch möchte mein Frau in einigen Raeumen eher kräftige Farbtöne und akzeptiert die leichte (meines Wissens nach nicht vermeidbare) Wolkigkeit der abgetönten Sumpfkalkfarbe nicht.

Meines Wissen nach besitzt Kalkputz ja einige positive Eigenschaften wie unteranderem die Feuchtigkeitsregulierung, welche fuer das Raumklima wichtig ist. Daher kommt ja nur eine diffusionsoffen Farbe in Frage. Meine Wahl wäre hier Keim Biosill Silikatdisperationsfarbe.

Jedoch werden manchmal bei Kalkputz auch von "Luft reinigenden" Eigenschaften bzw. Aufnahme von Schadstoffen aus der Luft gesprochen.

Nun endlich die Frage:

Sind diese Eigenschaften belegt und wenn ja wie verändert sich diese bei nicht kalkbasierte Farbe (wiez.B. Kein Biosill) ?

Viele Dank und Grüße


Flemming



Innenputz



Das ist alles Werbegedöns.
Es gibt einige Stoffe mit großer Oberfläche die ähnlich wie Aktivkohle bestimmte Substanzen binden können, z.B. Tonmineralien. Die spielen bei der Reinigung von Oberflächenwasser eine Rolle. Durch paar 10-tel mm Farbe kann man keine Luftreinigung bewirken, das geht nur über einen Luftwechsel. Mit dem werden auch überschüssiger Wasserdampf und vor allem Kohlendioxig abgeführt. Andere Luftschadstoffe werden da gleich mit entfernt. Das ist ohnehin besser als sie irgendwo im Raum in Bauteilen einzulagern. Solche Einlagerungen funktionieren nur in Grenzen, bei Überladung brechen die Bindungen an der Materialoberfläche zusammen und die angelagerten Schadstoffe werden in kurzer Zeit wieder freigesetzt. Ähnliches passiert bei Wechsel der Sorptionsfeuchte.
Also ordentlich lüften- entweder händisch oder mechanisch, mit oder ohne Wärmetauscher.



Anstrich auf Kalkputz



Grundsätzlich sollte auf Kalkputz immer eine diffusionsfähige Farbe gestrichen werden.

Bei intensiven Farbtönen mit organischen Pigmenten geht das nicht. Silikat- und Kalkfarben benötigen anorganische/alkalibeständige Pigmente. Die Farbtöne am besten vorher mit dem Hersteller/Lieferanten abklären. Auch immer bedenken das intensive Farbtöne Füllstoffbruch verursachen, was zwar die Eigenschaften der Farbe nicht verändert, aber unschön aussieht.

Ansonsten schliesse ich mich dem Vorredner an. Luftreinigende Wirkung ist auch bei der geringen Schichtdicke zu venachlässigen, von der Feuchteregulierung kann nicht zuviel erwartet werden. Auch hierfür ist die Schichtdicke des Kalkputzes zu gering.



Ich habes es mir fast gedacht...



Hallo,

danke für die Antworten. Ich konnte mir diese luftreinigenden Effekte auch nicht erklären. Einlagern wirft die Frage auf: wieviel denn und für ein zersetzten der Schadstoffe in unschädliche Substanzen kam mir die verfügbare Oberfläche im Verhältnis zum Luftvolumen recht klein vor. Aber ich bin eben Maschinbau INg und kein Bauphysiker, Verfahrentechniker etc und man weiss ja nie ob man alles erfasst und bedenkt...

Also kann ich für die farbigen Wände ein hochwertige diffusionsoffene und mit Kalkputzen kompatible Farbe nehmen, welche im Bezug auf die Wolkigkeit das beste Ergebniss verspricht.

Das 3mm Kalk Feinputz alleine nicht sonderliche ein Beitrag zur Feuchtigkeitsregulierung haben ist schon klar. Jedoch haben wir nach dem entfernen der Tapete mit zig Farbanstrichen und reinigen des Bestandputzes (Kalkgips Basis) eine deutlich Verbesserung des Raumklimas festgestellt. Es sogar so, dass dies Freunde ohne gezielte Fragen etc aufgefallen ist. Diesen Effekt sollte mit dem Kalkfeinputz unterstütz werden.

Vielen Dank und Grüße



Moin,



ich will ja Ihre Ambitionen nicht schmälern, aber der Eindruck der festgestellten Verbesserungen ist meist eher subjektiver denn objektiver Natur und was sollen Ihre Bekannten denn sagen? natürlich ist man freundlich und bestätigt gerne die immer mal wieder erwähnten Vorzüge der gewählten Produkte.....

viele Grüße aus Hessen



Was zählt denn am Ende



Mir ist schon bewusst, dass der vorhande Aufbau nicht dem Standard der meisten Nutzer diese Forums entspricht und wahrscheinlich sowieso sinnlos ist und belächelt wird. Ich bin eben nur ein kleines Licht, welches sein Heim saniert und versucht unter Abwägung der Kosten, Zeit und Aufwandes das Beste daraus zu machen (So wenig Chemie wie möglich, natürliche Materialien etc). Klar wird es kein 100% Ökobau werden, aber man kann doch bei den Arbeiten die man durchführt darauf achten, oder? Klar wird jetzt kommen, dass ich dann ein anderes Haus hätte kaufen oder gleich selberbau sollen. Klar, wie dumm von mir, wenn da nur nicht das Leben wäre, das leider manchmal anderes spielt als man denkt und plant. Also das Beste daraus machen.

Und am Ende des Tages habe ich lieber ein subjektiven Nutzen, der mich erfreut als einen objektiven den ich nicht merke.



Altbau/Neubau und die liebe Angst vor der Chemie



Ein Altbau wird nie ein Neubau sein und wird immer mit Kompromissen behaftet sein. Wie bei Dir mit dem Putz. Was ich aber nie verstehen werde ist die obskure Angst vor Chemie. Alle Prozesse in unserem Körper sind chemisch, ok biochemisch, aber im Prinzip ginge nichts ohne Chemie. Wenn, dann kann man sagen das Anst vor künstlich hergestellten Komponenten besteht.

Oder die Sage von Atmungsaktiven Baustoffen und Wänden. Da schüttelt es mich, besonders wenn Profis diese Worte in den Mund nehmen.

Sorry, hatte jetzt nichts mit dem Thema zu tun ...

Am Ende mus abgewogen werden zwischen Kosten und Nutzen und wenn Du dich wohl fühlst hast Du das erste Ziel erreicht.



Haben Sie...



...auch Lehmfarben auf dem Schirm? Eine echte Alternative...

Im Biosil sind jedenfalls reichlich Dispersionsanteile. Somit verteilt die Farbe ggf. anfallendes Wasser deutlich weniger als der Kalkputz. Schimmel auf Biosil kommt des öfteren vor, bei Lehmfarben nach meiner Erfahrung weniger, weil sie sehr kapillaraktiv sind. Mit Sicherheit auch dampfoffener.

Das sind persönliche Erfahrungswerte, eine umfassende Feldstudie habe ich jedoch nicht gemacht.

Grüße

Thomas



Fertige kräftige Farbprodukte...



...kann man ja auch mal bei Hessler Kalk anfragen oder ähnlichen.
Dazu empfehle ich zusätzlich einen guten Malermeister sich mal mit ins Boot zu holen, der halt Erfahrungen mit Farbmischungen und -abmischungen besitzt und euch erklären kann, wie man nachpigmentiert.
Wolkigkeiten sind halt nun mal in seiner Natürlichkeit bedingt und in unserer immer mehr steril werdenden Gesellschaft ein Nogo geweorden.
Warum nur?

Ansonsten kann ich auch den Blick zur Lehmfarbe mal mit empfehlen, die mittlerweile hohe Wischfestigkeiten besitzen und eine unglaubliche Farbenvielfalt und auch Farbintensitäten besitzen.

Einfach mal bei Conluto nachschauen oder nachfragen.

http://www.conluto.de/conlino-Oberflaechenwelten.393.0.html



Danke



Lehmfarben hatte ich fuer den gewählten Aufbau nicht auf dem Schirm. Werde mich aber mal informieren und auf verdeckten Testflächen (hinter der Küchenzeile an einer Innenwand) ein paar Tests machen.

Danke und Grüße