Was ist das richtige an der Wetterseite?

16.02.2009



Ich habe ja vor neu zu bauen, das Erdgeschoss massiv und dann mit Fachwerk weiter. Letztens hab ich mich schon mit jemanden unterhalten der auch so gebaut hat, da wir ja noch in der Planungsphase sind und nach Möglichkeit die gröbsten Fehler vermeiden wollen. Bei dem besichtigten Haus wurden die Wände auf eine 36er Stärke mit Lehm gestopft und die Wetterseite mit Lärchenbrettern verschlagen. Bei mir ist leider die Seite der Zufahrt die Wetterseite. Es muss ja nicht schlecht aussehen wenn die Schalung ordentlich gemacht ist, aber das Fachwerk sichtbart würde mir besser gefallen.
Gibt es Möglichkeiten das Fachwerk sichtbar zu lassen ohne das es zu sehr auf die Lebensdauer geht?



Wetterseite



Hallo,
bei einem Neubau würde ich die Finger davon lassen. Auch die WTA hält einen Wetterschutz für notwendig. Und da Sie bei einem Neubau nicht die Privilegien der EnEv für Baudenkmale in Anspruch nehmen können, müssen Sie einen entsprechenden Wärmeschutz sicherstellen. In traditioneller Fachwerkoptik geht das aber nicht.
Dieselben Probleme sehe ich bei einem EG in Lehm.
Mein Fazit: es geht nichts über zeitgemäßes Bauen.

Grüße vom Niederrhein



Fachwerkhäuser sind schöne Häuser....



...aber mal unabhängig davon, daß man wegen der ENEV einen Neubau mit einem entsprechenden Standard bauen muß, verstehe ich den Wunsch nach einem neu gebauten Fachwerkhaus nicht. Aus meiner Sicht sind Fachwerkhäuser nach dem heutigen Stand der Technik eigentlich ein arger Kompromiß, der in ihrer Entstehungszeit durchaus seine Daseinsberechtigung hatte. Ein Kompromiß, wie man mit wenig Aufwand (Baustoffe, Verfügbarkeit der Baustoffe in der näheren Umgebung, Eigenleistung, etc., da kann man noch viel aufzählen) ein einigermaßen vernünftiges Dach über dem Kopf bekommen hat. Die hatten ja auch nicht den Lehm dafür verwendet, weil man darin ein tolles Wohnklima hatte, sondern weil er mit Stroh um die Ecke zu haben war und damit gebaute Häuser nicht gleich weggefault sind, ergo Lehm sich bewährt hat. Wenn Kohle da war, wurde auch vor Jahrhunderten schon massiv gebaut. Ich hoffe, mich schlägt jetzt hier keiner.
Einen solchen technischen Kompromiß als Neubau heute sich anzutun, kann ich nicht nachvollziehen. Zumal es heute wohl eher umgekehrt sein wird. Ein Neubau nach dem Stand der Technik wird wohl günstiger werden.
Wenn Fachwerk, dann doch bitte ein auf einen liebevollen Besitzer wartendes bestehendes Fachwerkhaus zurückgreifen und ordentlich sanieren. Wäre eines weniger, das nicht verfällt.

Gruß Patrick.



Hallo



Ich kann Steffen schon verstehen, auch einen Neubau sollte
man nicht nur mit Kalkül sondern auch mit dem Herzen bauen.
Aber davon mal abgesehen hat ein Sichtfachwer an der Wetterseite mehr Aufwand als Nutzen.

Sven





Das ein Fachwerk mit mehr Aufwand verbunden ist weiß ich, das es auf keinen Fall günstiger ist wie konventionelles bauen, dessen bin ich mir auch im klaren, aber es gibt eben Dinge die man nicht aus rationellen Gründen macht. Speziell in meiner Situation, mit Rollstuhl. Wenn ich ein Haus bauen will das keinen besonderen Karakter und Ausstrahlung hat, dann setz ich mir ein massives hin, so wie vieleicht 90% aller Häuslebauer. Ich bin aber scharf auf einen Laubengang und ein Haus das eben etwas anderes ist.
Das ich auf der Wetterseite wohl nicht um die Schalung herum komme, damit habe ich mich eigentlich schnell abgefunden, habe auch kein Problem damit. Ich wollte nur hier nochmal sehen ob nicht jemand ähnlich gebaut hat und ob es nicht doch Möglichkeiten gibt den schönen Gibel weithin sichtbar zu lassen.



Fachwerke...



...waren von Haus aus nicht immer auf Sicht konzipiert, insofern ist die Verkleidung des Wetterseite eine traditionell bewährte Sache. Inwieweit ein Sichtfachwerk unter starker Wetterexposition beständig ist, hat sicherlich auch mit der Lage, und mit der Holzart zu tun. Fachwerk-Giebel sind oft auch mit Schiefer verkleidet, vielleicht eine Alternative.

Der allgemeinen Abwertung von Fachwerk-Konstruktionen (unzeitgemäß) möchte ich mich nicht anschließen. Konstruktive Details können heute teilweise sorgfältiger ausgeführt werden, als von Hand früher, maßhaltige Balken bester Sortierung verschiedener Holzarten, auch getrocknet, sind gegen das nötige Kleingeld und mit Planungsvorlauf erhältlich, und die höheren Weihen von St. Enefff sind auch mit einer Innendämmung zu erzielen. Die bekannten Knackpunkte und Probleme einer Innendämmung im Bestand sind mit etwas gutem Willen beim Neubau vermeidbar. Wenn das Ziel klar definiert ist, findet sich zumeist auch eine gute Umsetzung.

Laß Dir also diesen Zahn nicht ziehen, Steffen, auch dafür findet sich ein Planer.

Hinter einer Putzfassade kann sich alles mögliche verbergen, adaptiertes Verpackungsmaterial wie EPS; MiWo, Porenbeton... (als Beispiele für heute "zeitgemäßes", morgen unzeitgemäßes Bauen) und den billigsten Billigbau unterscheidet optisch im verputzten Zustand nicht so viel von einem hochwertigen Wandaufbau.

Fachwerk hingegen zeigt Charakter, und ich verstehe durchaus, daß man für etwas Besonderes auch ein paar Scheine mehr in die Hand nehmen will.

Gutes Gelingen

Thomas