Werden Türbeschläge und Kastenschlösser übermalt oder bleiben sie frei? Wie abdecken?

14.03.2020 Adabei



Hallo,

wer weiß, was historisch korrekt ist: Habe einige barocke Weichholztüren entlackt und werde sie mit Leinölfarbe streichen. Wie wurde im der Entstehungszeit mit den Beschlägen und dem Schloß verfahren? Wurden sie montiert und mitlackiert oder wurden sie erst auf der fertig lackierte Tür befestigt und blieben in Eisen und frei von Farbe?

Habe schon einige Fachleute (u.a. Denkmalschutz) gefragt, aber bisher wußte es keiner so genau. "Show"-Türen aus Eiche bekommen nur Leinöl und Wachs, die Beschläge auch. Schmuckbeschläge z.B. aus Messing bleiben auch frei. Aber bei mir sind es Weichholztüren und ganz normale handgeschmiedete Eisenbeschläge.

Falls die Beschläge unlackiert bleiben: Die Kastenschlösser sind alle abgeschraubt, klar. Aber die Schippenbänder und Stützkloben bleiben montiert, weil mir die Demontage zu riskant ist. Wie kann man die am besten abkleben bzw. maskieren? Hat jemand Erfahrung mit Latex, das man nach dem Streichen wieder abziehen kann?

Viele Grüße



Befunde



gab es bei der Entfernung des Altanstriches Hinweise auf den Ursprung? Gleicher Farbaufbau auf Türblatt und Beschlägen? Ich frag mal unseren Farbrestaurator wenn ich ihn sehe. Aber ich befürchte, es gab keine "Standardausführung" sondern je nach Geldbeutel und Stand der Eigentümer alle Varianten. In den Repräsentativbauten war viel Messing verbaut, bei den einfachen Leuten sicher Eisen. Wie willst Du die Türen streichen. Falls die Wahl auf blankes Eisen fällt, ist ein Anstrich mit Leinölfirniß als Rostschutz sinnvoll.



Die Kastenschlösser



wurden vermutlich mehrheitlich mit gestrichen. In den Frankfurter Stadt-Altbauten, die ich gekannt habe so wie hier in den Allgäuer Bauernhäusern habe ich bisher immer nur komplett gestrichene Türen gesehen. Ausgenommen sind Bauernhäuser mit unbehandelten Türen.

In unserem Bauernhaus waren sämtliche Tür- und Fensterbeschläge bereits mit dem ersten Leinölanstrich mit überdeckt worden. Da wir sämtliche Türen komplett entlackt und geölt haben, kann ich das mit Bestimmtheit sagen. Ich vermute mal, dass man die Beschläge schon aus dem Grund mehrheitlich mitgestrichen hat, weil das meiste genagelt wurde.

Viele Grüße
Tilman



Ich bin...



(halb)gegenteiliger Meinung. Die Farbe schmiert Riegellauf und und auch den Lauf des kleinen Sichtschutzes für's Schlüsselloch zu. Es ist also nicht sinnvoll, zu streichen. Auch waren früher oft die Beschläge teuerer als die ganze restliche Tür. Wozu dann verstecken? Ich vermute, der vielfache Überstrich ist bei den Schlössern häufig nicht der originale Befund.

Vielfach geben auch die Schlösser selbst einen Hinweis: Wenn die Oberfläche des Kastens grob geschmiedet ist, wird er wohl öfter als ein geglätteter Kasten überstrichen worden sein.

Die Bänder waren meistens, wenn sie keine besonders bearbeitete Oberfläche hatte, gestrichen.

Andererseits, der Maler schmiert gerne über alles drüber...

Mir waren derartige Erwägungen letztendlich egal. Ich habe Schlosskästen und Bänder gebürstet und mit Möbelhartöl überwischt. Auch nach 20 Jahren noch ein hinreichender Korrosionsschutz im Innenbereich.

Grüße

Thomas



Ich muss



Thomas diesbezüglich natürlich Recht geben: Ich habe es zwar bisher noch nie anders gesehen, als komplett zugekleistert. ABER: Ich würde es auch aus den von Thomas genannten Gründen nicht historisch korrekt machen wollen. Ein Teil unserer Türen hatten tatsächlich noch die erste 110 Jahre alte Farbe auf Türen und Schlössern, so dass die Mechanik noch relativ gut funktionierte, obwohl selbst die Fallenkästen von innen ausgepinselt wurden.

De facto ist es jedoch ein Traum, die Kastenschlösser zu bedienen, nachdem sie entlackt, entrostet frisch gefettet und mit Leinsamenöl abgerieben wieder montiert wurden. Alleine das satte Klacken, wenn man den Schlüssel herumdreht, erzeugt noch heute ein Grinsen in meinem Gesicht. Ordentlich überholt kann man eine Tür auch wieder mit einem Finger in die Falle drücken, ohne den Drücker betätigen zu müssen.

Viele Grüße
Tilman



Befund



Vielen Dank für Eure Antworten,

Exakt zuzuordnende Befunde an Holz und Beschlägen habe ich leider nicht. Hauptgrund ist, daß ich die Teile unterschiedlich entlackt habe: Holz mit IR-Lampe, dort konnte man unter dicken Schichten Kunstfarbe ein- bis zwei Schichten Leinölfarbe Freilegen und auch den Farbton gut erkennen. Bei den Beschlägen war kaum Leinöl drauf bzw. der Lack platzte so leicht und in einem Durchgang ab, daß ich ihn direkt runtergeschabt habe.

Zum "Repräsentationsraum" gibt es eine Eichentür im Weichholzrahmen. Die Tür werde ich offenlassen und nur mit Leinölfirnis und ggf. etwas Hartwachs für eine einheitlichere Oberfläche behandeln, die Beschläge ebenso. Der Rahmen jedoch soll gestrichen werden. Schippenbänder in Eisen, Stützkloben lackiert? Sieht wahrscheinlich etwas ulkig aus.

Daß die Technik der Schlösser den Lack nicht mag, sehe ich genauso. Außerdem fällt es mir schwer, die frisch entlackten Metallteile wieder unter Farbe verschwinden zu lassen. Also, vielen Dank für Eure Ideen und Anregungen, sie bleiben offen. Späteres Übertünchen ist ja nicht unmöglich.

Viele Grüße



Ohne Farbe



sieht es schöner aus!



Bänder nur Leinölfirnis



Bänder und Holz nur mit Leinölfirnis gepinselt.



Ok, dann will ich auch mal das Bild einer Tür beisteuern



Die Tür war Beifang einer Ladung Weichholztüren ("willse die nich auch mitnehm?"). Beim Entlacken entpuppte sich das bis zur Unkenntlichkeit vollgepinselte Teil dann als bunter Vogel.

Mir gefällt daran vor allem, daß man sieht, welchen Wert Türen mal für die Leute hatten. Sie muß unten komplett weggefault gewesen sein, selbst das unterste Band ist stark weggerostet. Sie wurde irgendwann aufwendig wieder instandgesetzt - nur leider mit den falschen Holz.

Nun glänzt sie wie eine Speckschwarte. Habe die Lappen mit dem überschüssigen Leinölfirnis vom Boden immer wieder an ihr abgerieben, habe es aber ein wenig übertrieben.

Beschläge und Schloß (demontiert und überholt) sind auch mit Leinölfirnis behandelt.



Was für ein...



...lustiger Mischling.



@Adabei



Interessante Tür. Wofür ist dieser Knauf in der Mitte der Tür gedacht gewesen? Hat der einen bestimmten Namen?
Wie alt schätzt ihr die Tür mit den Beschlägen ein?
Ich frage, da in meinem Haus ebenfalls so eine ähnlich gemachte Tür zum Schlafzimmer geht.

lg
Karl



Die Tür wird wohl...



...Anfang bis Mitte 18.Jh. sein.

Diese Mittelknäufe sind häufig, aber offenbar reines Zierwerk.

Grüße

Thomas



@Thomas



Das bedeutet ca. 1710 bis 1750?
Das wäre wirklich schon alt.
Dieser Mittelknauf dachte ich, wäre dazu da, um etwas anzuhängen für den der sich im Zimmer aufhält, ohne ihn dabei zu stören (also Zeitung oder Brötchenbeutel oder was auch immer). Oder wurden dort Stiefel aufgehängt?

Es ist das riesige Zimmer (ca. 5mX6,5 m) im ersten O.G. vermutlich vom (Guts-)Hofbesitzer und seiner Frau - vermutlich das Schlafzimmer. Hatte gedacht, dass das 1.OG (Fachwerk zum Hof) später auf das EG (70 cm dicke Wände) gesetzt worden wäre.

Das würde ja eventuell bedeuten, dass der Bau, wie er heute steht weitgehend aus der Zeit um 1710-50 ist, während im EG einige Wände noch älter sind.

Auf jeden Fall scheint Napoleon auch hier vorbei gekommen zu sein.



Es ist...



eine Schätzung. 19.Jh. jedenfalls scheint es mir nicht und auch die ja wohl originalen Bänder wirken sehr barock.

Grüße

Thomas



Ich vermute ...



..., daß der Knauf einfach ein Stoßgriff ist. Ich habe ihn nur deshalb montiert, weil dort eine erhabene ovale Fläche war mit Nagelresten bzw. drumherum eine Vertiefung, wahrscheinlich über lange Zeit ausgekratzt von Fingernägeln, die beim Greifen gegen das Holz stoßen.

Die Bänder sind barock, denke ich auch, würde aber die mögliche Entstehungszeit bis nah ans Ende des 18. Jhd. ausdehnen. Das Schloß gehörte nicht zur Tür. Die Eichen-Verlängerung der Tür unten und das Futter sind neu. Schön, wenn man Dielenholz übrig hat.



In der Mitte der Tür...



...fasst niemand an, und kratzt auch nicht mit Nägeln. Jede Tür wird nahezu ausschließlich über die Klinke bedient, was schon die Abnutzungen und Verschmutzungen aller Zimmertüren einige Jahre nach Anstrich zeigen. Die Spuren, die da waren, werden also sicher von einem Vorgängerknauf sein. Denkbar wäre auch eine zierende flache Rosette.

Andererseits waren solche Knäufe über längere Zeit gebräuchlich. Da man da auch nicht wirklich etwas daranhängen kann, und auch keine Türstopper- Funktion in Frage kommt, bleibt nur die Zierfunktion. Bei Innentüren sehe ich solche Knäufe kaum, eher bei Hauseingangs- oder Etageneingangstüren.

Und ja, das 18.Jh. war lang. In Südböhmen (Stichwort "Bauernbarock") hat man fröhlich weiter barocke Giebel gebaut, auch nach 1900.

Grüße

Thomas



Die Fingernagelkratzertheorie



und die ovale Form der Fläche ließen den kleinen Detektiv in mir schlußfolgern, daß da schon mal ein Knauf saß.



Fast immer aber...



waren die Knäufe durchgeschraubt. Das passt nun nicht in's Bild.

Am Besten, wir fragen die Tür :-)