Wer hat schon mal Balken selbst gewechselt?



Da ich kleinere Ausbesserungen am Fachwerk gern selber vornehmen möchte, hier mal die Frage, wer schon mal Balken selber ausgetauscht hat? Bevor sich die ganzen Empörer melden: es geht nicht um die Giebelfront oder ähnliches sondern um einzelne schadhafte Ständer mit angefaultem Fuß.



Fachwerkbalken tauschen ist etwas für Könner



Hallo Herr Spannbauer,

ich zähle mich nicht zu den "Empörer", frage Sie aber trotzdem als erstes ob Sie fachlich wie handwerklich für solch eine Maßnahme das nötige Knowhow haben.

Ein Fachwerk ist ein sehr elastisches Gefüge, das sich über die Jahre/Jahrhunderte "zurecht gesetzt" hat.
D. h., durch die permanente Last und damit einhergehenden Durchbiegung und Verwindungen der aufliegenden Bauteile hat jeder einzelne Ständer seine eigene Belastung.
Wenn man einen Ständer ausbessert oder ersetzt, sollte man schon genau wissen was im Detail zu tun ist um nicht die Lastverteilung im Gefüge zu sehr zu verändern.
Dazu kommen die Sicherungsmaßnahmen, die vor dem Abschneiden oder Ausbau eines Ständers getroffen werden müssen, welches Holz für den neuen Ständer zu verwenden ist und wie dieser bei einer Reparatur fachgerecht an den alten Ständer angesetzt wird, bzw. ein komplett neuer Ständer in die Konstruktion eingeschoben wird.

Man muss nicht unbedingt ein ausgebildeter Zimmerermeister sein um so etwas zu machen.
Sollte aber genau wissen auf was es ankommt.
Bestenfalls schon ein paar mal dabei gewesen sein, wenn es Profis machten.

Gruß,
KHH



Fachwerkbalken erneuern



Um hilfreiche Hinweise zu bekommen sollten zumindest Bilder gezeigt und eine etwas genauere Beschreibung der auszuwechselnden Balken erfolgen.
An Handwerkszeug werden im Prinzip nur Stemmeisen und eine Säge benötigt-
wichtiger ist die vorbereitende Planung. Die reine Ausführung ist auch für handwerklich begabte Laien möglich-
ggf mit Hilfe eines Zimmermanns.



Nunja



die genannten Voraussetzungen sind gegeben (beim Anschuhen zugeschaut und selbst viel mit Holz am Arbeiten). Ich werde jetzt erstmal die erworbenen Erkenntnisse in die Praxis umsetzen: ein alter Schuppen, bei dem die untere Schwelle samt Eckpfosten vergammelt ist soll als Übungsobjekt dienen. Die Ecke war richtig als Schwalbenschwanzverbindung gearbeitet,- den Pfosten will ich mit schrägem Blatt und die Schwelle mit liegendem Hakenblatt erneuern.
Wenn ich das geschafft hab, mach ich mal ein paar Fotos und werde mich danach dann an die Balken im Haus heranwagen. Da die zu ersetzenden Teile im Schuppen alle nur kurz und der Schuppen auch nicht grad das statische Wunderwerk ist, sollte das wohl gelingen. :-)



Schwelle mit liegendem Hakenblatt -> besser nicht



Die Schwelle besser mit einer vertikalen Überplattungen (stehendes Blatt) verbinden.
Bei horizontalen Überplattungen (egal ob gerades Blatt, geradem oder schrägem Hakenblatt) kann Wasser in die Stoßfuge eindringen und direkt ins Innere der Verbindung/der Hölzer laufen. Bei vertikaler Ausführung läufts oben rein und unten wieder raus.
Am abzuschneidenden Ständer die nach außen gewandte Stoßfuge nach oben hin hinterschneiden und das neue Gegenstück dem entsprechend, damit am Ständer herunter laufendes Wasser über die Stoßfuge abläuft und nicht in die Fuge rein.
Und wenn man dann noch die äußeren 2-3 cm des Aufstands des Ständers auf der Schwelle nach außen hin etwas abschrägt, läuft auch kein Wasser mehr in dieser Fuge nach innen (ins Zapfloch.....).

Btw., ein Hakenblatt wirklich spielfrei und kraftschlüssig herzustellen ist echte Zimmermannskunst.
Vor allem an eingebauten, alten, krummen Hölzer.
Ein gerades Blatt, mit genügend langer Überplatttung, gutem PU-Kleber (am Blattgrund, nicht den Stoßfugen) und zwei, drei, vier dicken Holznägel tuts an einer Schwelle auch.

Als neu einzubauendes "Ersatzteil" gut abgelagertes Holz verwenden, damit es nicht mehr schrumpft. Sonst entstehen später, wenn alles fertig ist offene Anschlussfugen zwischen Holz und Gefachfüllung.