Welchen Leim für Reperatur am Fachwerk

08.05.2015 Stubentiger



Hallo,

ich bin gerade dabei unser Fachwerk auszubessern. Es geht dabei um den Leim um Holzkeile bzw. Klötze auf der Außenseite in Zapflöcher, Fehlstellen oder große Risse einzukleben. Das Fachwerk wird später noch mit Leinölfarbe gestrichen. Für die ersten Holzstücke habe ich ohne Nachdenken den klassischen Weißleim (D2) verwendet. Als alternative steht Epoxi-Spachtelmasse im Raum, aber ich würde bevorzugen bei Holz als Füllstoff zu bleiben.
Nach etwas Recherche würde ich vermuten, dass es eher ein D3 oder D4 Leim sein muss. Muss ich bis D4 hoch gehen ?

Am liebsten wäre mir ein einfach zu handhabender und ungiftiger Leim: Gibt es einen der für die Ausbesserung im Fachwerk zu empfehlen ist - am liebsten kein PU und nur 1-Komponenten ?

Oder ist PU ein Muss um Spalten wirklich dicht zu schließen ?

Vielen Dank



Hallo Stubentiger,



also wir benutzen seit Jahren bei FW-Reparaturen nur PU-Leim und haben die besten Erfahrungen damit gemacht.

Ersatzstücke kann man nie so genau anpassen, dass kein Spalt zwischen den Hölzern entsteht, der PU-Leim überbrückt durch Aufschäumen diese Ungenauigkeiten und gibt so einen festen Halt.

Weißleime hingegen müssen durch Pressen fixiert werden, bis sie ausgehärtet sind.

Aber wieso denn Zapfenlöcher und Risse ausleimen?
Sie machen doch den Reiz eines historischen Fachwerks aus, zumal wenn zweitverwendete Hölzer zum Einsatz kamen.

Grüße, Gerhard





Guten Morgen Gerhard,

vielen Dank. Die Zapflöcher, Risse und auch angefaulte Fußpunkte sind auf der Außenseite des Fachwerks immer Angriffspunkte für Wasser und Feuchtigkeit, insbesondere wenn sie sich in den Spalten festsetzen kann. Es geht hier nicht um kleine Risse sondern eher um Spalten zwischen 5 und 20mm Breite.

Welche "Schutzmaßnahmen" des Sicherheitsdatenblattes befolgt Ihr bei der Verarbeitung? Wenn ich z.B. mal den PUR-Leim von W. nehme geht das von Atemschutz (Halbmaske: ok) über Schutzbrille bis hin zu Schutzkleidung. Das klingt nicht nachdem wie normalerweise auf einer Baustelle geschafft wird :-)



Wasserfesten Leim selber machen:



Hallo
Unter D3 Leim würde ich Holzverbindungen im Außenbereich nicht verleimen.
Bei dunkel gestrichenen Hölzern auf Südseiten wegen stärkerer Erwärmung oder bei starker Regenbelastung besser D4-Leim nehmen.

Am einfachsten sind natürlich fertige PU-Kleber, die aber alles andere als umweltfreundlich sind, relativ teuer und die Behältnisse müssen sofort verschlossen werden - sonst hält der nicht lange.

Dafür sind sie D4 und füllen Spalten aus, sind aber nicht UV-beständig.

Sicherheitsmaßnahmen ergreift niemand bei der Anwendung-
zumindest kein Handwerker. Mit Gasmaske zu arbeiten wäre schon psychologisch gegenüber den Kunden sehr ungünstig.

Wasserfester Leim läßt sich aber gut selber billigst herstellen:

Die einfachste Variante wäre, guten Magerquark mit Weißkalkhydrat zu verreiben.Das wird dann Kaseinleim, der durch eine chemische Reaktion zwischen Quark-Kasein und Kalk entsteht.

Am Besten die Haltbarkeit der Leimfuge am nächsten Tag testen, da die Quarkqualität sehr unterschiedlich sein kann- die Leimfuge soll stärker als das Holz sein.

Sicherer ist es, fertiges Kaseinpulver zu kaufen
-statt Kalkhydrat kann auch Sumpfkalk verwendet werden.

Für Zapfenlöcher und Spalten würde ich die Hölzer ganz leicht keilig (schräg) schneiden, damit sie nach der Leimangabe hineingeschlagen werden können und so auch ohne Zwingen halten.
Nach Abbinden des Leimes dann den evt. Überstand bündig absägen.

Die Schwierigkeit wird aber sein, die Leimflächen sauber zu bekommen.

Ausfräsen und ein genau passendes Holzstück einzuleimen ist dazu besser geeignet- würde ich aber auch von der Ansicht her anspitzen oder einseitig schräg schneiden, damit kein rechteckiges Holzstück sichtbar ist, als nicht sehr schön aussieht.
Also in Richtung der Maserung keine Querfugen.

Im Internet unter 'Kaseinleim herstellen' suchen- da findest du jede Menge Infos dazu ,
teilweise auch Kleber mit Kali-Wasserglas, was auch sehr stabil wird.

Andreas Teich



Senkrechte Zapfenlöcher



kann man an der unteren Fläche leicht anschrägen (mit Elektrofeile), damit eingetretens Regenwasser abfließen kann, Risse werden nach einem Schlagregen auch wieder trocken.

Beim Ausleimen dieser Stellen kann durch Kapilarwirkung Wasser ins Holz gezogen werden und die Austrocknung dauert entschieden länger.

Die Schutzmaßnahmen lt. Sicherheitsdatenblatt müssen eingehalten werden (Schadensersatzpflicht des Herstellers), auf der Baustelle verwenden Facharbeiter in der Regel "nur" Handschuhe.

Grüße, Gerhard



Leim



Ich habe hier keinen einzigen Flicken ,Ersatzstück ,Aufbohlung geleimt ,natürlich lässt sich Holz mit Holz so verbinden das kein Spalt entsteht,auch im groben Fachwerk !



Speziell...



auf das Arbeiten des Holzes abgestimmt ist Ponal Duo. Der Kleber füllt ohne nennenswert zu quellen und ist pigmentierbar.

Mir ist kein gebräuchlicher Kleber bekannt, bei dessen Anwendung eine Schutzmaske getragen werden muß. Schutzhandschuhe brauchen nur die ungeschickten Zeitgenossen, alle anderen behalten saubere Finger.

Das Selberanrühren von Klebern sollten Sie tunlichst unterlassen. Wozu sollte das gut sein?

Insgesamt würde ich mit Spachteln / Kleben sehr zurückhaltend sein, nicht jede Fuge muß geschlossen werden. Ich würde diese Arbeiten auf die Stellen begrenzen, die nicht von alleine ablaufen, also Wasser in's Holzinnere leiten können.

Grüße

Thomas





Erst einmal vielen Dank für die Antworten.

Um ehrlich zu sein bin ich etwas überrascht/entsetzt, dass es für eine Arbeit, die wahrscheinlich an jedem nicht 100%ig erhaltenen Fachwerk zu erledigen ist, keinen "Standard" gibt.
D.h. es gibt wohl auch wenig fundierte Erkenntnisse über die Langzeitwirkungen der verschiedenen Kleber bzw. Konzepte.

Was ich mir jetzt aus den Antworten und sonstiger Recherchen zusammengetragen habe ist:

Ponal Duo klingt, zumindest für Spalten an der Südseite, wie eine ganz gute Alternative zum PU-Leim. Insbesondere ist das Sicherheitsdatenblatt relativ harmlos im Vergleich zum PU(R)-Leim. Leider existiert das Produkt (laut Patentschrift) erst seit 1994, d.h. es wird keine Langzeiterfahrungen in der Fachwerksanierung geben.

Für den Nordseite und die großflächigeren Ausklotzungen werde ich defintiv den Kalkkasein-Leim probieren. D3, diffusionsoffen und relativ hitzebeständig klingt einfach gut.

P.S. Bzgl. des Kommentars zu Schutzausrüstung evtl. einfach mal das Sicherheitsblatt zum PUR-Leim von Henkel, Seite 8: http://mymsds.henkel.com/mymsdsH315/0006.914537.3300.de.MSDS_UT_DE.DE.pdf :
- Verursacht Hautreizungen.
- Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
- Verursacht schwere Augenreizung.
- Kann bei Einatmen Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen.
- Kann die Atemwege reizen.
- Kann vermutlich Krebs erzeugen.
- Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition

Die anderen PU-Leime sehen ähnlich aus.



Du



brauchst überhaupt keinen Leim ,davon bin ich überzeugt!

Risse und Fugen kann man ausspanen ,Einsatzstücke sind mit Altholz,gleicher Holzfeuchte, so passgenau herzustellen ,das diese stramm im Holz sitzen ,Aufbohlungen,Blattungen ,Holzverbindungen sind mittels schräg einzuschlagender Holzdübbel zu sichern,leimen gehört für mich in die Tischlerei ,aber nicht ins Fachwerk,bzw.leimen sollte eine Ausnahme sein und warscheinlich gibt es deshalb auch keinen Standard,weil Fachwerk flicken seit Jahrhunderten ohne Leim praktiziert wurde.



Leim herstellen



Ponal Duo ist letztlich auch auf PU-Basis, da aber primär ein Spachtel und kein Kleber werden natürlich weniger Lösemittel verwendet bzw diese durch Füllstoffe ersetzt, da das Material nicht so dünnflüssig sein soll.
Ähnliches könnte wohl auch mit PU-Leim gemacht werden, wenn anorganische Füllstoffe zugesetzt würden.

Zumindest gibts Kaseinleime schon sehr lange.
Schiffe wurden kalfatert, also mit in die Fugen gestopften Hanfschnüren abgedichtet, wobei der Hanf bei Wasserzutritt aufquillt.
Zur Abdichtung kann auch Naturkautschuk verwendet werden- von der nächsten Südamerikareise mitbringen lassen.

Das ist dann alles aber aufwändig im Vergleich zu den normalen Handwerkerlösungen mittels Chemie und Fertigleim
(soll ja bezahlbar bleiben).

Du könntest auch noch von unten schräg ein Loch zur evt Entwässerung ins Zapfenloch bohren (wie schon von Gerhard Schobig vorgeschlagen und ggf sinnvoll)
und dann ein sehr schwach keilig geformtes Holzstück hineinschlagen und an die Kontaktflächen evt etwas Baumharz angeben.
(Die Lösung für die Total-Ökos)Nadelbäume stehen genug herum zur Gewinnung und klebt enorm wie Handwerkertextilien nach der Wäsche noch beweisen.

Wenn das einzupassende Holzstück vorher getrocknet wird dehnt sich's durch die Außenfeuchtigkeit auf und paßt dann ganz genau.
Holznägel werden auch ja nicht eingeleimt und halten nur durch genaue Passung.
Dann gibts noch reichlich trickreiche Keilverbindungen-
wie evt von japanischen Holzarbeiten bekannt.

Eigentlich gibts natürlich zur Unterscheidung von Zimmerleuten und Tischlern die Aussage, daß Tischler die sind die Leim verwenden und Zimmerleute nicht...

Andreas Teich



Lieber Stubentiger,



hast Du 'mal den Beipackzettel einer x-beliebigen Medizin gelesen? Komm raus an die frische Luft! Dort befinden sich Deine Balken. Du musst das Zeuchs nicht essen.

Das Geschwätz vom Herrn AT relativierend kann ich berichten, daß Ponal Duo Kleber UND Kitt ist, ferner elastisch ist und bleibt. Das ist eine sehr schöne Eigenschaft am Holze, das immer arbeitet. Es könnte also durchaus auch ein Span damit fixiert werden.

Sollte Dein Fachwerk aus Eiche sein, rate ich definitiv von alkalischen Klebern wie Kasein ab, und halte sie im übrigen für mindergeeignet, schon des Versprödens wegen. Auch wenn schon seit Pharaonenzeiten Kasein zum Festkleben von Irgendwas irgendworauf benutzt wurde, zur Fachwerksanierung im bewittertem Bereich wirst Du nicht viele Empfehlungen finden.

Und bitte, den "Entsetzensmodus" zurückfahren. In jedem x-beliebigen Forum finden sich Anhänger unterschiedlicher, völlig unterschiedlicher oder gar absolut gegensätzlicher Positionen. Argumente (so vorhanden) lesen, nachdenken und dann entscheiden, ob der Mond rund, eckig, oder baseballförmig ist. Oder aus dem Fenster schauen :-)

Grüße

Thomas