Welche Pelletheizung und mit welchen Kosten ist zu rechnen?

01.04.2016 Dürres



Hallo Forumsmitglieder,

wie in einem anderen Thread schon geschrieben, sind meine Frau und ich dran und drauf uns einen Altbau aus dem Jahre 1937 mit ca. 135m² Wohnfläche zu kaufen. Unsere Kostenkalkulation nimmt so langsam Form an, allerdings steht noch ein großes Fragezeichen bei der Heizung. Ich hoffe, ihr könnt mir hier mit einer ganz groben Hausnummer für die Kosten weiterhelfen und mir vielleicht auch schon eine Empfehlung für eine Heizung geben.

Eine Heizleistungsberechnung haben wir noch nicht. Auf einen Energieberater werden wir bei einem Kauf auf jeden Fall zurückgreifen.

Der Status Quo sieht wie folgt aus:
- Erdgeschoss und Obergeschoss sind gemauert, wobei ich nicht weiß, wie stark die Mauer ist und aus welchem Material. Darüber muss ich mich noch erkundigen.
- Dachgeschoss ist aktuell nicht ausgebaut und ungedämmt. Es ist ein Kaltdach drauf. Dachform ist ein Mansarddach.
- Die Geschossdecken sind größtenteils Holzzwischendecken.
- Fenster sind teilweise noch alte Holzfenster, teilweise schon Kunststofffenster.
- Aktuell ist eine Ölzentralheizung mit einem Tank von 6700L installiert.
- Heiz-, Wasser-, und Abwasserleitungen sind uralt.

Folgende Maßnahmen haben wir vor:
- Dämmung der Außenwände von innen mit einer 4cm starken Holzweichfaserplatte, Lehmputz und Wandheizung.
- Ausbau und Dämmung des Dachgeschosses von innen mit 2cm Holzweichfaserplatten zur Hinterlüftung, 20cm Zelluloseeinblasung, Holzverschalung, Wandheizung und abschließendem Lehmputz.
- die Kellerdecke werden wir wahrscheinlich von unten dämmen.
- Fenster wollen wir überall neue, 2-Fachverglaste Kunststofffenster einbauen lassen.
- Heizung solls eine Pelletheizung mit Pufferspeicher werden. In Betracht kam auch eine Sole-Wärmepumpe mit Flächenkollektoren, allerdings habe ich keine Lust den ganzen Garten umzugraben.
- Heiz-, Wasser-, und Abwasserleitungen sollen neue eingebaut werden.

Klar weiß ich noch nicht, welchen Heizleistungsbedarf wir haben, deshalb wird eine genaue Aussage über die Kosten der Heizung nicht möglich sein, aber einen groben Preis kann man doch sicher abschätzen, oder?

Mit welchen groben Kosten muss ich für das Gesamtpaket, bestehend aus Pelletkessel, Pufferspeicher, Einrichtung des Lagerraums, Erneuerung der Heizrohre, wobei ich die Leitungen für die Wandheizung selber Verlegen werde, und Erneuerung von Wasser- und Abwasserrohren rechnen?
Kann man den alten Ölstahltank so umfunktionieren, dass man ihn als Pelletlager verwenden kann oder macht das keinen Sinn?

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könnt, die Kosten abzuschätzen, gerne auch mit Preisen, die ihr bei eurer Sanierung berappen musstet.

Vielen vielen Dank an euch.
Schon bei meiner letzten Frage habt ihr mir riesig weitergeholfen.

Grüße Benni





ohne eine Heizlastberechung wird das nichts.

In der Annahme, dass der 6700 l Tank sinnvoll war, d.h. am Ende der Heizperiode nahezu leer, würde man mit 60000kWh / Jahr rechnen, auf 135 qm gerechnet wären das über 400 kWh / qm, das wäre sehr, sehr viel.
Wieviel davon für WW gebraucht wurde bzw. in Zukunft gebraucht wird kann man auch nicht raten.

Ein gut gedämmter Altbau sollte vielleicht auf 150 kWh / qm und Jahr kommen, das entspricht ungefähr 30 Kg Pellets. für 135 qm also etwa 4 Tonnen oder 6 m3

ganz unabhängig von der Frage nach Kessel / Speicher und Rohren müssen diese 6 m3 Pellets gelagert werden. Für solche Lager sind die Anforderungen recht hoch:

http://www.depv.de/de/downloads/depv_publikationen/#Pelletlager.

ein alter Ölkessel tut's da sicher nicht, auch wenn er die richtige Größe hätte.

Der Raum muss dafür geeignet sein, er muss so liegen, dass er befüllt werden kann, Türen und Fenster sind entsprechend auszuführen, ebenso die elektrische Anlage. Dann braucht's noch eine Fördereinrichtung zum Kessel und der Kessel darf sich auch nicht im gleichen Raum wie die Pellets befinden.

Als ich mich mal für soetwas interessiert habe, lag allein der Preis für das Lager und die Fördereinrichtung im 5-stelligen Bereich.

als aller erstes benötigt man also eine Heizlastberechnung, das ist keine Zauberei.

Dann fragt man sich, wie man heizen möchte: nur Niedrigtemperatur oder auch zusätzlich konventionelle Heizkörper (z.B.in Fluren, wo wenig Wandfläche ist.....), 1 Kreis, 2 Kreise .....
(bei einer Wandheizung werden zwar auch immer Thermostate eingebaut, die messen aber nur die Lufttemperatur und nicht die Strahlungswärme. d.h. die Regelung der subjektiv empfundenen Temperatur in verschiedenen Räumen ist nur eingeschränkt möglich, wenn sie die gleiche Vorlauftemperatur haben).

Dann muss man wissen, wie man das warme Wasser bereiten möchte, d.h. Ganzjahresbetrieb oder nicht.

Dann kann man sich Gedanken machen, was man für einen Pufferspeicher benötigt und wo man den hinstellt.

Schließlich wird man wissen, was man ungefähr für einen Heizkessel braucht und kann sich entscheiden womit man diesen befeuern möchte, daraus ergeben sich die Installationskosten.

Wenn's Pellets sein sollen, kommt das Lager dazu.
Hier richten sich die Kosten nach der Größe, d.h. dem Verbrauch, womit wir wieder am Anfang wären.

Mein Eindruck war: für den ganzen Aufwand kann man sehr lange den Mehrpreis für Biogas bezahlen und die freiwerdende Fläche besser nutzen.

Pellets derzeit etwa 5 c/kWh, Biogas das doppelte.

bei 150 kWh/qm und Jahr und 135 qm wären das pro jahr etwa 1000€ weniger bei Pellets.
Ob sich die zusätzlichen Investitionen bei Pellets in der Lebenszeit der Anlage vernünftig amortisieren ?

die Wartungskosten sind hier noch nicht eingerechnet.

und noch etwas: heute kommen die meisten Pellets aus Asien oder Übersee, die Biogasanlage wird aber vom Bauern nebenan gefüttert.

Gruß

GE



Nur eine Grobaufstellung



Hallo GE,

was du schreibst, leuchtet mir alles ein. Natürlich ist eine Heizlastberechnung bei der Heizungsbestimmung absolut unerlässlich. Da ja aber nicht klar ist, ob wir das Haus überhaupt kaufen, werde ich nicht mit einem Energieberater durchs Haus laufen. Das mach ich nach dem Kauf.

Ob die Heizung nun 10KW oder doch eher 30KW haben sollte spielt sicher bei der Kostenkalkulation eine Rolle. Für mich war hier wichtig, ob ich für die oben genannten Sanitärarbeiten 30.000€ oder eher 50.000€ einrechnen sollte.

Gasheizung fällt raus, da es im Ort keinen Gasanschluss gibt und auf Flüssiggas will ich nicht angewiesen sein. Außerdem habe ich nicht vor eine Solaranlage aufs Dach zu basteln.

Ich freue mich über jeden Tipp.
Grüße Benni



Heizsystem



Habt ihr eine Klinkerfassade oder warum ist keine Außendämmung möglich?
Das Mauerwerk dürfte 36-40 cm dick sein-
zuerst ohnehin alle Materialien, Wandstärken, Konstruktionsaufbau ermitteln.

Dann überlegen welche Dämmöglichkeiten es gibt:
Außendämmung-Innendämmung?
Oberste Geschoßdecke oder Dachflächen dämmen?
Ist Fußboden- oder Kellerdeckendämmung möglich?
Fenstererneuerung- Einbausituaton?

Dann U-Werte mit einer Minimal- und einer Maximallösung berechnen, woraus sich der Heizwärmebedarf ergibt.

Tendenziell würde ich eine optimale Dämmung bevorzugen, da die Mehrkosten oft nur gering sind-
wobei dass aber immer von der Situation abhängt.

Daraus ergibt sich die Möglichkeit, eine geringer dimensionierte Heizanlage installieren zu können.

Diese ermöglicht es, Brennwertgeräte effektiv einsetzen zu können oder Erdwärmepumpen-
wenn die Grundstücksfläche vorhanden ist als Grabenkollektor,
der weniger Fläche benötigt als Flächenkollektoren bei deutlich besseren Leistungszahlen als Luftwärmepumpen.

Alternativ Tiefenbohrung, die aber teurer sein wird.

Wenn sich aus dem Heizsystem geringe Vorlauftemperaturen ergeben müßten Flächenheizsystem installiert werden.

Ihr könnt Bilder hier einstellen und weitere Daten
oder mir auch mailen an die angegebene Adresse.
Ich kann dann weitere Infos schicken.

Wo befindet sich das Gebäude?

Auf jeden Fall gibt es Zuschüsse und günstige Kredite für solche Maßnahmen.
Wollt ihr selber mitarbeiten und selbstbaugeeignete Systeme wählen?

Auf jeden Fall erst die Dämmmöglichkeiten überprüfen und danach das Heizsystem festlegen.

Andreas Teich



Dämmungsvorhaben



Hallo Herr Teich,

unsere geplanten Umbaumaßnahmen habe ich bereits im Eingangsthread beschrieben.
Eine Sole-Wärmepumpe kommt nicht in Frage, weil ich keine Lust habe den ganzen Garten umzugraben. Das will ich möglichts vermeiden.

Ob Dachflächendämmung oder nur der Dachboden habe ich bereits beantwortet.

Ich möchte wirklich nur einen groben Anhaltswert, keine genaue Kalkulation.

Grüße Benni



Pelletheizung



Mit 30.000 kann man sicher eine Pelletheizung installieren, sofern die Bedingungen nicht zu ungünstig sind und mitgearbeitet wird.
Ohne genaue Infos sind Angaben aber sehr vage.

Wenn ein Raum für das Heizöl vorhanden ist kann der auch als Pelletlager verwendet werden.
Die sinnvolle Größe hängt vom Dämmstandard ab-
daher hängt alles voneinander ab.

Ein Grabenkollektor ist kein Flächenkollektor und benötigt wesentlich weniger Platz.

Andreas Teich





Das wird kein Fachbericht und ist sicherlich nicht vollständig. Ich tue hier nur unsere eigene Praxiserfahrung als Laie kund und will hier nicht wie schon des öfteren gleich mit dummen Kommentaren oder gar nem sehr barschen Ton angegangen werden. Das ist hier im Forum bei manchen ja leider Standard...

Was die Heizungsbemessung angeht kann ich ihnen nicht wirklich helfen. Hat meine bessere Hälfte gemacht. Ich kann ihnen aber mal die Firma Solarvent aus Aschaffenburg empfehlen. Dort wird eine Selbstbauheizung angeboten, mit der wir sehr gut fahren. Benessung mit Hilfe der Firma, Einbau komplett selbst, mängelfreie Abnahme durch den Kaminkehrer. Der Support der Firma ist absolut super, genauso wie die Heizung. Unser Haus hat ca. 120qm und wir habrn im WZ noch einen kleinen Holzofen stehen. Gedämmt ist quasi bisher nix (vorbesitzer haben mal Rigips mit Styropor an die Ausenwände geklatscht, was wir jetzt nach und nach rückbauen. Fenster sind alle neue 2-fach verglaste Kunststofffenster. Dach ist minimal mit Glaswolle gedämmt aber auch mehr schlecht wie recht. Unser Jahresverbrauch liegt grob bei 3t Pellets. Wir sind aber beide Berufstätig umd auch so viel unterwegs. Die 3t waren jetzt der Schnitt der letzten 2 milden Winter. Pufferspeicher haben wir 500l, normale Heizkörper, im zukünftigen Bad kommt eine Wandheizung welche man ja nur mit geringer Vorlauftemperatur betreiben kann. Wir fahren derzeit mit 50-55 Grad. Die Heizung hat eine Leistung von 15kW, liese sich aber bei Bedarf mittels freischaltesoftware bis auch 30kW hochschrauben.

Ach ja, eine Kaminsanierung wird evtl. auch nötig. Die Abgase der Pelletheizung sind recht kalt und der Kanin Querschnitt von alten Ölheizungen ist oft zu groß. Die Abgase würden's nicht bis nach oben schaffen und im Kamin kondensieren.

Was die Kosten angeht lagen wir inkl. Rohre, Edelstahlkamin, Heizkörper, Puffer, Sacksilo, Heizkörper (ohne die Wandheizung) bei rund 18.000€. Im Vorfeld haben wir einige Angebote von Heizungsbauern eingeholt. Von 25.000€-36.000€ war alles dabei.
Ich würde den Weg wie wir ihn gegangen sind jederzeit wieder gehen.
Für mich das Highlight der Heizung ist die Handysteuerung. Kurz vor Feierabend dreh ich pet App die Temperatur hoch und wenn ich heim komme ist's schön warm:-)





Ach ja, bei uns war vorher keine Zentralheizung verbaut sondern nur Nachtspeicheröfen. Warmwasser ging über einen Boiler. Mussten wir alles komplett neu verlegen. Haben zur Rohrverteilung einen alten Kamin genutzt. In den Zimmern liegen die Heizrohre aufputz und sind mit speziellen Sockelleisten verkleidet.



Konzept



Die Heizlast kann man auch ohne zu viele Details abschätzen, man braucht nur die Wand- und Fensterflächen und geschätzte u-Werte. Auf u-wert.net hat es einen guten Rechner für die Abschätzung, für eine raumweise Berechnung empfehle ich Danfoss Danbasic V (kostenloser Download).

Den durchschnittlichen Oelverbrauch kann man beim Verkäufer anfragen.

Innendämmung mit 4 cm Holzweichfaser reicht bei weiten nicht, um die Zielwerte der EnEv zu erreichen. Wenn die Fassade nicht schützenswert ist, wird eine Aussendämmung immer bessere Ergebnisse geben. Am besten zugleich die Fenster ersetzen, sollten nahe an die Dämmebene um Wärmebrücken zu vermeiden.

Build nice, or build twice...



Vielen Dank



Guten Morgen allerseits,

vielen Dank für eure Tipps und Denkanstöße.
Was die Enev vorschreibt, ist mir zum Großteil bekannt und macht mich teilweise stutzig. Ist die Enev tatsächlich eine Einsparverordnung oder eher ein Konzept, das von der Industrie entwickelt wurde, um Geld zu verdienen?
Nehmen wir an, dass eine ganzheitliche Fassadendämmung 40.000€ kostet und ich durch die Maßenahme 1000€ Heizkosten spare. Dafür kann ich 40 Jahre heizen. Mal ganz abgesehn von unzähligen Bauschäden, die erst durch die Dämmung hervorgerufen wurden.

Dämmung muss sein, aber nur mit Hirn und Verstand!

@Manu: hört sich sehr interessant an, das Konzept von Solarvent. Willst du mir vllt mal eine private Mail schreiben, dann können wir uns austauschen.

Grüße Benni



Email



Hab dir eine Mail an die angegebene web.de Adresse geschickt.

Grüße!