Welche Hohlraumfüllung zw. neue HLZ-Wand vor altem Fachwerk

06.03.2016 Mittelfranke



Hallo zusammen,

habe schon häufig hier mitgelesen, aber scheinbar stand noch keiner vor selbiger Problematik, deshalb dieses leidige Thema.
Ich habe in meinem sanierungsbedürftigen Bürgerhaus eine einzelne alte Fachwerkmauer (Nordausrichtung), welche aus statischen Gründen mit HLZ-Ziegel 175 vorgemauert werden müssen.
Nun stellt sich mir die Frage, mit welchem "Hinterfüllmaterial" der dadurch entstehende Hohlraum zwischen neuer Ziegelmauer und alter Fachwerkaußenwand (besthend aus alten Vollziegel, Kalkputz u. Eichenfachwerk) geschlossen werden soll.

Breite des Hohlraums ist sehr unterschiedlich, da die alte Fachwerkmauer sich stark neigt.
Spaltbreite wäre somit am Boden beginnend von 0cm bis knapp 20cm im Deckenbereich (bei Höhe 2,40m).
In der Mauer befindet sich zudem ein Fenster.

Folgende Füllmaterialien habe ich mir bereits überlegt:
- Perlit geschüttet (evtl. Gefahr des Rieselns?!)
- Wärmedämmputz/Leichtmörtel auf Basis von Kalk u. Perlit als Wärmedämmung.
- Stampflehm (halte ich aufgrund fehlender Erfahrung der ansässigen Firmen eher für ungeeignet. Auch aus wirtschaftlicher Sichtweise, da Wandfläche nur ca. 10m²).

Was haltet ihr davon oder was würdet ihr vorschlagen?

Achja, auf die HLZ-Wand kommt noch eine Wandheizung.


Im voraus schon ein Danke für eure Unterstützung.


Gruß,
der Mittelfranke



Vormauerung



Wie soll die vorgemauerte Wand statisch wirken, wie wird sie eingebunden, wie wird sie gegründet?





Hallo,
diese wird auf Druck belastet von einer neueren Mauerlatte (alte ist Kaum mehr vorhanden bzw. nach außen geschoben, deshalb auch die starke Schieflage der Außenwand).
Gegründet ist die Wand auf einer dicken Bruchsteinmauer vom Erdgeschoss.



Innenwand



Warum keine Holzkonstruktion?
Die ist doch genauso tragfähig, flexibler und besser zu dämmen.
Dämmung müßte sicher auch noch innen auf die Ziegelwand

Andreas Teich



Vormauerung



Ihr Vorhaben ist erst einmal aus statischer Sicht fragwürdig.
Sie vergessen die Einbindung der Vormauerung rechts und links.
Bei dieser Schieflage muß die alte Wand an der neuen Wand verankert werden.
Was soll auf der neuen Mauerlatte aufgelegt werden,
kurze Stichbalken oder eine Deckenbalkenlage?
Das zweischalige Bruchsteinmauerwerk im Erdgeschoss ist für diese Belastung nicht ausgelegt.
Die innere Mauerwerksschale kann sich von der Füllung lösen bzw. verformen.
Es bildet sich dann ein Stützgewölbe in der neuen Wand das die beiden Traufwände nach außen treibt, schlimmstenfalls kommt es zum Abriss der inneren Mauerwerksschale.
Dann wissen wir nichts über die Ursachen der Verformung.
Aber: Sichtfachwerk in Nordausrichtung sollte sich in einer Wetterexposition befinden die einen Witterungsschutz notwendig macht.
Die Fachwerkwand ist nicht wasserdicht!
Wahrscheinlich wird das der Grund für die Verformung sein.
Eine innere Vormauerung wird die Wand vom inneren Wärmenachschub und damit von der Trocknung abschneiden, das bedeutet mehr Feuchte in längeren Zeiträumen im Gefachholz.
Stellen Sie ein paar Fotos ein dann wissen wir mehr.



Vormauerung laut Statiker notwendig



Hallo Herr Böttcher,

laut Statiker ist eine 17,5er HLZ Mauer notwendig um den Balken zu stützen (siehe Bild), weil die Deckenbalken/Zerrbalken sonst kein Auflager mehr haben.
Eine Aufmauerung auf die bestehende Bruchsteimauer ist laut Statiker möglich.
Weiterhin werden auch die defekten Fußpunkte vom Dachstuhl erneuert und diese alle dann mitsamt dem äußeren Fachwerk befestigt.
Auf der Mauerlatte sind bereits die Deckenbalken mit Lehmboden aufgelegt, hier gab es vor Jahrzehnten schon eine Reparatur (siehe auch Bild).

Die Vormauerung soll an eine bereits erstellte Vormauerung weiter anschließen und im Giebelbereich an die Außenwand anschließen.

Das Fachwerk ist aufgrund des Dachüberstands und durch eine Hinterhoflage vor Wind&Wetter "mehr oder minder" geschützt.

Können Sie mir hier Aussagen zu den genannten Hohlraumfüllungen machen?

Danke für Ihr Interesse.



Innenwand erstellen



Bei solchen Bedingungen ist es doch insgesamt viel einfacher und besser, den Träger mit einigen Pfosten abzustützen.
Die Balkenköpfe der neuen Deckenbalken unten fachgerecht einbauen!

Es kann -unabhängig von den Stützbalken, die sichtbar im Raum angeordnet werden könnten- eine leichte, dünnere Abtrennung mit C-Profilen oder zB 6/8 cm Hölzern und Gipsfaser- oder anderen Platten vor das Fachwerk gestellt und der Hohlraum mit Zellulose ausgeblasen werden.

Bei dem Fall mit innenseitiger Ziegelwand würde es sich um eine übliche Kerndämmung/ Hohlraumdämmung handeln.

Andreas Teich



Fachwerksanierung



Das Foto stellt die Situation in einem völlig anderen Licht dar.
Das ist eine Traufwand, in Ihrer Fragestellung klang es nach Giebelwand.
Der Schaden, also die Schiefstellung, existiert schon seit vielen Jahrzehnten und die Abfangung der oberen Balkenlage ebenfalls. Solche Schiefstellungen gibt es öfters als Sie denken und viele stehen schon Jahrhunderte lang so.
Der Unterzug ist ebenfalls schon viele Jahrzehnte alt. Die Verankerung der Gespärre bzw. der Balkenlage des Dachgeschosses mit dem eingefügten Unterzug und die Einbindung des Unterzuges rechts und links in die Auflagerwände sind die statischen Schwachpunkte die aber anscheinend schon früher gelöst wurden. Sicher kann man da einiges verbessern, wie zum Beispiel die Auflagersituation unter den Deckenbalken. Da liegen bröselnde Ziegel zwischen Unterzug und Balken, das sollte und kann man ändern. Die Deckenbalken sollten zugfest mit dem Unterzug verbunden sein wenn so eine Verbindung mit dem Rähm der ausgebeulten Außenwand nicht mehr existiert. Der Unterzug ist rechts und links in Querwände bzw. dem Giebel eingebunden, auch diese Verbindung sollte zugfest sein damit der Unterzug nicht in Richtung Ausbeulung herausgezogen werden kann. Die Auflagersituation links ist auch verbesserungswürdig, z.B. mit einem Stiel der darunter gesetzt und in Schwelle und Rähm der Giebelwand verankert wird. Ob der Unterzug ausreichend dimensioniert ist- bis jetzt hat er jedenfalls gehalten, aber etwas besser machen (vertärken) kann man immer.
Dazu brauche ich nicht unbedingt eine 17,5 er Wand. Die Wand alleine fängt auch keinen seitlichen Kräfte- und um die geht es hier hauptsächlich- ab. Das funktioniert nur wenn sie ordenlich mit den begrenzenden Querwänden verankert wird. Holztragwerk und eine neue, starre Mauerwerksscheibe- keine gute Kombination, jedenfalls was Rissefreiheit angeht.
Ob die EG- Wand das Eigengewicht der Wand ohne Verformung und Abriss trägt muß man vor Ort durch Untersuchung der Wand klären. Dazu braucht es Erfahrung im Umgang mit Bruchsteinwänden. Ich hoffe Ihr Statiker verfügt darüber. Das genau bezweifle ich; die neue Wand ist mir eine zu stereotype Lösung.
Unter der neuen Balkenlage auf der Erdgeschosswand kann ich keine neue Mauerlatte erkennen, wie auch- die alten Balken liegen ja noch. Die neuen Balken müssten mit der Fußschwelle der Fachwerkwand des OG zugfest verbunden sein; das sind sie nicht. Sie liegen vor der Schwelle, nur die alten Balken sind wahrscheinlich auf der Schwelle aufgekämmt. Einen Rähm kann ich nicht erkennen.
Damit würde die Deckenlast nicht mehr über die Fußschwelle auf die äußere Mauerwerksschale sondern wie die Eigenlast der neuen Wand auf die innere Mauerwerksschale der Bruchsteinwand eingetragen werden.
Das alles macht mich sehr misstrauisch, was die vom Statiker vorgeschlagene Lösung betrifft.
Ich schlage Ihnen vor das er Ihnen nicht nur den Tragfähigkeitsnachweis sondern auch ein Sanierungskonzept dazu anfertigt.
Zu Ihrem Problem mit dem Hohlraum:
WENN! keine Bewitterung der Wand von außen erfolgt kann der Spalt aufgefüllt werden. Es sollte nur kein Material sein das zusätzlichen waagerechten Druck auf die Fachwerkwand ausübt, also nichts schütt- oder rieselfähiges, und es sollte kapillaraktiv sein.

Ich empfehle Ihnen das mit der Wand zu lassen und stattdessen die von mir beschiebenen Probleme mit der waagerechten Sicherung der beulenden Außenwand anzugehen.
Das beinhaltet:
- Verankerung der Gespärre sichern
- Verankerung des Unterzuges und seine Auflagesituation verbessern
- eine neue, lastverteilende und zugsichere Verankerung der neuen Balkenlage auf der Bruchsteinwand.
Ohne Wand erledigt sich das mit der Füllung.
Sie haben dann eine schiefe Wand im OG- na und?
Bei einem Altbestand im Fachwerk ist so etwas ein Alleinstellungsmerkmal und werterhöhend, bei einem Neubau (oder einem Altbau der auf Neubau gequält wird) wertmindernd.



Schiefes Fachwerk nicht dämmen?



Danke für die umfangreichen Informationen.
Ich entnehme Ihren Beitrag, dass Sie auf die schiefe Fachwerkmauer gar keine Dämmung anbringen würden - stimmt das?



Fachwerksanierung



Wenn etwas nicht drinsteht können Sie nichts entnehmen.
Ich habe auch nichts zum Holzschutz und zum Farbanstrich geschrieben, das heißt nicht das ich das ablehne.